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Erbärmlicher Zustand der deutschen Linken

Von N.N.

Wie erbärmlich der Zustand der deutschen Linken ist, lässt sich an zwei Begebenheiten im Juni 2006 festmachen.

1)      Die SAV-Fraktion der WASG gibt sich gegenüber der Linkspartei/PDS klassenkämpferisch als Kraft gegen den Sozialabbau. Andererseits unterstützt man die politische und militärische Durchsetzung des Neoliberalismus und Unilateralismus durch die USA, indem man wie z.B. Jörg Fischer, Ex-Neonazi, jetzt SAV/WASG-Spitzenpolitiker an der kriegshetzerischen Demo am 17. Juni in Frankfurt gegen den Iran teilnimmt. SAV Hand in Hand mit Zionisten, rechten CDUlern und christlichen Fundamentalisten unter US-Fahnen und zionistischen Fahnen. Jörg Fischer schreibt auch bei der zionistischen Hagalil und hetzt gegen andere trotzkistischen Gruppen wie Linksruck, weil die den Pro-Bush-Kurs der SAV nicht mitmachen.

2)      Stefan Engel, Vorsitzender der MLPD gibt in der Jungle World Nr. 24/2006 ein Interview. Ausgerechnet einem der übelsten Presseerzeugnisse Deutschlands, der Mossad-Jungle World, dem Zentralorgan der Antideutschen, das die Kriegspolitik der USA als Verbreitung der Menschenrechte feiert. Wo bleibt da der Klassenstandpunkt, die „proletarische Denkweise“ und der Antiimperialismus?

Es scheint, dass der Großteil der deutschen Linken keine Oppositionspolitik betreibt, sondern nur den linken Flügel der kapitalistischen Globalisierung darstellt.

Einzig ein paar kleine Gruppen wie Initiativ e.V., KPD (Bolschewiki), KPD/ML-Roter Stern, Offensiv, Kommunisten-Online, die Antiimperialistische Korrespondenz von Klaus von Raussendorf etc. halten an einem klaren antikapitalistischen, antiimperialistischen Kurs fest. Leider viel zu wenig

N.N. 

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Antwort Roter Webmaster:

Der Kampf gegen Opportunisten, Verfälschern der Lehre des Marxismus-Leninismus und Verrätern ist Teil des Klassenkampfes

Lieber Genosse N.N.,

1. Es ist richtig, was du schreibst und es schreit gen Himmel, was sich da alles als links oder gar kommunistisch ausgibt. Aber siehst du nicht alles viel zu schwarz?

Es gab doch immer solche Gestalten wie diesen Jörg Fischer und seine Gesinnungsgenossen. Denke nur an den Herrn Eugen Dühring, den Engels Schrift „Antidühring“ den politischen Garaus machte. Solche Subjekte produziert das kapitalistische System massenhaft. Auf Dühring fiel sogar vorübergehend August Bebel herein.

Marx und Engels schrieben bereits im „Manifest“:

„Was beweist die Geschichte der Ideen anders, als daß die geistige Produktion sich mit der materiellen umgestaltet? Die herrschenden Ideen einer Zeit waren stets nur die Ideen der herrschenden Klasse.“

Das, was uns an Opportunismus und verworrenem Zeug tagtäglich als links verkauft werden soll, ist nichts anderes als der Ausdruck der Ideologie des Kapitalismus in der Arbeiterbewegung.

Dagegen muss ein beständiger Kampf geführt werden. Der wird zunächst auf dem Gebiet der ideologischen Auseinandersetzung geführt werden müssen. Aber so war es schon immer, darüber zu lamentieren ist müßig. Wir haben die bürgerliche Gesellschaftsordnung, die herrschende Klasse ist die Bourgeoisie und  der Kampf gegen Opportunisten, Verfälschern der Lehre des Marxismus-Leninismus und Verrätern ist Teil des Klassenkampfes. Es ist eine ganz normale Erscheinung.

Bedenke bitte, dass die Kommunisten durch den Verrat Chruschtschows, fortgesetzt durch Breschnew bis schließlich dem Verkauf der Überreste des sozialistischen Lagers durch Gorbatschow, eine schwere Niederlage erlitten haben. Wir sind in den vergangenen Jahrzehnten falschen Führern nachgelaufen, die uns in die Niederlage führten.

Dass da, was noch vorhanden ist, erst einmal orientierungslos ist, ist klar. Dass mancher auf falsche Propheten, wie die Antideutschen und Trotzkisten herein fällt, ist nur normal.

Normal ist auch, dass nur sehr wenige nicht der geballten Ladung antikommunistischer Beeinflussung auf den Leim gehen. Ich bin stolz darauf, dass Kommunisten-online auch zu den Wenigen gehört.

2. Stephan Engel und seine MLPD sind ein beredtes Beispiel ideologischer Verwirrung. Trat die Bewegung, aus der die MLPD hervor ging, 1968 noch gegen den modernen Revisionismus an, so haben sich Teile der Bewegung vom Antirevisionismus zum Antikommunismus verwechselt. Ich erinnere nur daran, dass aus denen auch die hervor gingen, die in den 90er Jahren das sog. Schwarzbuch verfassten, dass von vorn bis hinten ein antikommunistisches Machwerk und Fälschung war.

Soweit geht die MLPD noch nicht, sie hält formal am Kommunismus fest, inhaltlich hat sie ihn aber längst entsorgt.

Ich erinnere nur daran, wie die AUF in Dresden – eine MLPD-Organisation, sich zum 17. Juni 1953 äußerte: „Nie wieder Hammer, Zirkel und Ährenkranz“ (siehe). Was daverbraten wurde ist Antikommunismus pur.

Wenn Engel nun dem antideutschen Hetzblatt „Jungle World“ ein Interview gibt, ist das an sich schon ein tolles Ding. Solchen übel beleumundeten Blättchen würde ich nicht mal moin sagen, geschweige denn ein Interview.

Interessant ist aber auch, wie die antideutschen Faschisten der Jungle World“ Engel in Szene setzten. Eine Leseprobe:

„Von Anfang an sitzt der gelernte Schlosser Stefan Engel der MLPD vor, seine Ehefrau Monika Gärtner-Engel gehört ebenfalls dem Zentralkomitee an. Damit ist Engel länger Parteivorsitzender, als es August Bebel, Ernst Thälmann oder Erich Honecker waren. Nur wenige internationale Führer der Arbeiterbewegung wie Enver Hoxha oder Kim Il-Sung haben noch länger als Parteivorsitzende gedient.“

Bei diesen Sätzen verschlug es mir die Sprache. Engel auf eine Stufe mit Bebel, Thälmann, oder gar Enver Hoxha!? Spinnt der Journalist oder was?

Mir fällt nur ein Wort ein zu dieser Art Journalismus: Hofberichterstattung! Dabei ist Engel gar kein großer Fürst eines mächtigen Hofes, der viele Regimenter Soldaten aufbieten kann. Engel ist ein kleiner mickriger Duodezfürst, mit einer verfallenden Burg und ein paar Hintersassen[1] drum herum wohnend, mehr nicht.

Das ist eben auch die Ausgeburt der bürgerlichen Ideologie, was die MLPD betreibt. Alle Bekenntnisse zur proletarischen Revolution  sind Makulatur.

3. Wie kommen wir das raus? Zunächst nicht den Mut verlieren und nicht aufgeben. Dann den ideologischen Kampf gegen alle opportunistischen Strömungen führen und Schritt für Schritt zu einer Aktionseinheit der Kommunisten kommen und daraus auch Zug um Zug zur gemeinsamen Organisation und schließlich zur Partei.

Die Partei kann nur im Feuer des Klassenkampfes aufgebaut werden. Klassenkampf bedeutet derzeit nicht vordergründig Barrikaden bauen, sondern geduldige Überzeugungsarbeit unter den Massen und ideologischer Kampf gegen rechte und ultralinke Abweichler. Ultralinke deshalb, weil nicht jeder, der „Revolution jetzt“ schreit, auch Revolution im Sinn hat, sondern oft nur kleinbürgerlicher Aktionismus ohne Sinn und Verstand, der aber vom wirklichen Ziel ablenkt.

Zwar ist der Rechtsopportunismus gefährlicher, aber es kann auch Situationen geben, da ist der Linksopportunismus zur Hauptgefahr in der kommunistischen Bewegung geworden.

Der Aufbau der Partei muss im Kampf gegen beide Spielarten des Opportunismus und in den Kämpfen der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus erfolgen.

Es gibt keinen Grund zur Resignation, sondern zum Optimismus. Denn letztlich liegt es an uns Kommunisten, ob der Kapitalismus die Welt noch lange beherrschen kann.

Ich danke dir für deine Zeilen.

Mit kommunistischen Grüßen

Rotfront

Günter Ackermann  


[1]  Im SpätMA und bis zum 16. Jh. waren H. (auch Hintersässen genannt, bisweilen auch synonym zu Ansassen, Beisassen, Insassen; franz. habitants, résidents; ital. dimoranti, Divisi) die Leute, die „hinter“ einem Herrn sassen, d.h. einem Vogt, Gerichts- oder Grundherrn unterworfen waren ( Herrschaft). siehe

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