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Irak:
49
Grad, kein Strom, kein Wasser
Weiterhin
katastrophale Zustände im Irak
Quelle:
Freace vom
06.08.2007
Zwei
AP-Meldungen der letzten Tage zeigen einmal mehr, in welch verheerendem
Zustand sich die irakische Infrastruktur auch fast viereinhalb Jahre nach
Beginn des US-geführten völkerrechtswidrigen Angriffskrieges gegen den
Irak befindet.
Am
Freitag berichtete die Nachrichtenagentur, daß in der Hauptstadt Baghdad
seit einer Woche die Versorgung mit Trinkwasser auf eine Stunde täglich
beschränkt ist. Seit vier Tagen trifft dies auch auf die Versorgung mit
Strom zu. In weiten Teilen Bagdads gab es Donnerstagabend seit 24 Stunden
kein Wasser mehr. Anwohnern und städtischen Beamten zufolge haben große
Teile des Westens Bagdads am Freitag seit sechs Tagen praktisch kein
Wasser bekommen.
Erschwerend
kommt hinzu, daß das wenige Wasser, das die Haushalte erreicht, offenbar
stark verunreinigt und - eigentlich - völlig ungenießbar ist. So
berichtete der 52 Jahre alte Jamil Hussein, der im Nordosten Bagdads lebt,
daß das Wasser rieche und unsauber sei. Zwei seiner Kinder hätten
schweren Durchfall bekommen, den der Arzt mit dem Trinkwasser in
Verbindung brachte, obwohl dies zuvor abgekocht worden war. „Wir werden
es weiterhin trinken müssen, weil wir nicht das Geld haben, uns Wasser in
Flaschen zu kaufen“, sagte er. Aufgrund der schlechten Versorgungslage
ist der Preis für eine 10-Liter-Flasche Wasser in letzter Zeit um etwa
ein Drittel auf rund 1,60 US-Dollar nach oben geschossen - bei einem
monatlichen Einkommen von zumeist unter 100 US-Dollar.
In
Bagdad herrschten in den vergangenen Tagen Temperaturen zwischen 47 und 49
Grad Celsius.
Selbst
jene Menschen, die sich den Betrieb einer Klimaanlage leisten könnten,
haben aufgrund der praktisch nicht vorhandenen Stromversorgung nicht die Möglichkeit,
die Folgen dieser Temperaturen zumindest auf diese Art zu mildern. Auch
die relativ häufig von mehreren Haushalten gemeinschaftlich angeschafften
Stromgeneratoren müssen immer häufiger ungenutzt bleiben, da auch der
Preis für den zum Betrieb nötigen Diesel mittlerweile auf fast 4
US-Dollar pro Gallone (3,8 Liter) - also rund 0,80 Euro pro Liter
gestiegen ist, da auch der Treibstoff im Irak trotz der riesigen Ölvorkommen
des Landes nach wie vor Mangelware ist.
Am
Sonntag dann berichtete AP in einem weiteren Artikel, daß auch das
nationale Stromnetz des Iraks vor dem Zusammenbruch steht, was zu noch
schwerwiegenderen Versorgungsproblemen insbesondere in Bagdad führen würde.
Nach Auskunft von Aziz al-Shimari, Sprecher des Elektrizitätsministeriums,
deckt die im Irak produzierte Strommenge nur die Hälfte des Bedarfs.
Allein in den vergangenen zwei Tagen gab es al-Shimari zufolge vier
landesweite Stromausfälle.
Noch
schlimmer als Bagdad ist die südlich der Hauptstadt gelegene Provinz
Karbala betroffen. Dort gibt es seit drei Tagen überhaupt keinen Strom -
und dementsprechend auch kein Wasser, da die Pumpen nicht betrieben werden
können. In rund der Hälfte der gleichnamigen Hauptstadt der Provinz ist
mittlerweile Abwasser an die Oberfläche gedrungen, weil Lastwagen zum
Abpumpen von Abwasser aufgrund von Treibstoffmangel nicht fahren konnten.
Der
Mangel an produziertem Strom führt dazu, daß zunehmend Provinzen ihre
Kraftwerke vom landesweiten Stromnetz abkoppeln, um so den produzierten
Strom für sich zu behalten.
„Viele
südliche Provinzen wie Basra, Diwaniyah, Nassiriyah und Babil haben ihre
Kraftwerke vom Landesnetz abgekoppelt. Nördliche Provinzen einschließlich
Kurdistan tun das gleiche“, sagte al-Shimari. „Wir haben absolut keine
Kontrolle über einige Gebiete im Süden.“ Diese Aussage belegt auch ein
weiteres Mal, daß sich die Macht der „Regierung“ im Irak genau wie
jener in Afghanistan mehr oder weniger auf die Hauptstadt beschränkt.
„Das
nationale Leitungsnetz wird zusammenbrechen, wenn die Provinzen sich nicht
an die Regeln zur Verteilung der Elektrizität halten. Alle werden
verlieren und es wird keinen Elektrizitäts-Gewinner geben“, so
al-Shimari weiter.
Trotz
der gezielten Zerstörung von Wasser- und Elektrizitätswerken bei der
Bombardierung des Iraks im Jahr 1991 durch die USA und den anschließenden
verheerenden Sanktionen - die ebenfalls auf Betreiben der USA verhängt
wurden und deren Aufhebung durch sie verhindert wurde - ist die Versorgung
mit Strom, Wasser und Treibstoff im Irak heute schlechter als zur Zeit
Saddam Husseins. Allein dies - ungeachtet der unzähligen Toten und Verstümmelten,
der Zerstörungen und all der anderen Folgen - wäre bereits zweifellos
Erklärung genug für den beständig wachsenden Widerstand gegen die
Besatzer.
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