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Imperialistische
Einflussnahme am Nil
Pack
schlägt sich – Pack verträgt sich
Von Gerd Höhne
Kommunisten-online vom 6.
Februar 2011 – So
lautet ein beliebtes Sprichwort, wenn es sich um das Verhalten von
Lumpen, Asozialen und Kriminellen geht. Und asoziale und kriminelle
Lumpen sind es – die Förderer, Freunde und Unterstützer der Regime
in Kairo und Tunis. Sie und ihre Vasallen, die Machthaber in diesen
Ländern sind das es nicht minder. Die einen unterdrücken ihr
Volk, machen ihr Land zu einer Halbkolonie und/oder sichern die
Interessen ihrer europäischen und amerikanischen Finanziers, die ihnen
das Geld für die Waffen, mit denen die Völker unterdrückt werden und
die ihre die Schweizer Konten der korrupten Machthaber am Nil und Tunis
füllen. Eben Pack!
Die
westlichen Imperialisten hatten nie vergessen, dass sie in Ägypten, als
noch der antiimperialistisch ausgerichtete Gamal
Abdel Nasser das Land führte, ihnen die Kontrolle über den Suez-Kanal
entriss. Ägypten ist eines der wichtigsten arabischen Staaten, es
grenzt an das von zionistischen Rassisten regierte Israel auf der einen
und an das ölreiche Libyen auf der anderen Seite, es beherrscht die
Nilmündung, den Suezkanal, eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt
und verfügt über großen Einfluss im arabischen Raum, die Arabische
Liga hat ihren Sitz in Kairo.
Gamal Abdel Nasser war
hoch an gesehen unter den blockfreien Staaten und unterhielt gute
Beziehungen zur Sowjetunion, auch wenn er nie die Kontakte zum Westen
abbrach.
Nach dessen Tode wurde Mohammed
Anwar as-Sadat ägyptischer Präsident. Zunächst führte er die Politik
Nassers fort: er schloss mit der UdSSR 1971 einen Freundschaftsvertrag,
entließ aber ein Jahr später die sowjetischen Berater und näherte
sich den USA an.
Als
dann der Jom-Kippur-Krieg im Jahr 1973 ausbrach, die arabischen Armeen
Anfangserfolge errangen, ging der Krieg dann an der schlechten Moral der
arabischen Truppen und der Unfähigkeit der arabischen Führer,
verloren. Ägypten hatte zwar einige Erfolge im Krieg errungen, aber
Sadat verschenkte ihn und näherte sich immer mehr den USA und dem
Westen an. 1976, fünf Jahre nachdem er geschlossen wurde, kündigte
Sadat den Freundschaftsvertrag mit der UdSSR. Ägypten
geriet nun immer
schneller unter die Fuchtel des Imperialismus.
Ägypten
unter Sadat ging so weit, dass er die Interessen der Palästinenser
verriet und ein Friedensabkommen mit Israel schloss. Die Imperialisten
belohnten ihn und seinen israelischen Partner, Premierminister Israels
und ehemaliges Mitglied der Terrororganisation
Irgun, Menachem Begin,
mit dem Friedensnobelpreis
Sadats
Nachfolger, Muhammad
Husni Mubarak, setzte diese Politik fort und wurde das arabische Hätschelkind
der Imperialisten. Die ägyptische Armee ist mit amerikanischen Waffen
ausgerüstet, ägyptische Offiziere werden in den USA – aber auch in
Westeuropa – ausgebildet. Ägypten galt als verlässlicher Partner des
Imperialismus. Kein Land bekommt so viel Geld für die Rüstung und für
die Konten der korrupten Politiker, wie Ägypten – von Israel mal
abgesehen.
So
lange alles gut ging, blieb Mubarak in Ägypten und Ben Ali in Tunesien
das Hätschelkind der westlichen Regierungen. Sie bedienten
sich seiner um die arabischen Völker bei der Stange zu halten.
Dass die Regimes bis in die Knochen korrupt sind, dass das Volk
verarmte, interessierte sie nicht. Auch, dass die Jugend praktisch
chancenlos ist – auch bei guter Ausbildung –
es sei denn, sie sind Kinder der Elite um Mubarak, war unwichtig.
Auf diese Kompradorenbourgeoisie
konnten sich die
imperialistischen Regierungen verlassen, sie standen auf ihrer
Gehaltsliste. So soll die Frau des tunesischen Diktators Be Ali, als sie
aus Tunesien floh, eine Tonne Gold ins Ausland geschmuggelt haben. Das
entspricht einem Wert von 320 Mio. €, Gold, das dem tunesischem Volk
gestohlen wurde.
Auf der anderen Seite steigen die
Preise für Grundnahrungsmittel Die
rund 30
Millionen Einwohner sind mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 330 US-Dollar
im Jahr – das sind 27,50 US-$ im Monat – die ärmsten Araber überhaupt.
Die
revolutionäre Situation in Tunesien und Ägypten ist die Folge der
Verarmung der Massen des Landes und damit eine direkte Folge der
imperialistischen Unterdrückung.
Die
Herrschaften aber, die Mubarak, ben Ali und andere Potentaten Jahrzehnte an der Macht
gehalten haben, sind jetzt entsetzt. Ist der Umschwung in Tunesien schon
eine herbe Niederlage für sie, in Ägypten wird es zur Katastrophe,
wenn es ihnen nicht gelingt, die Bewegung in den Griff zu bekommen.
Und genau darum
geht es ihnen. Krampfhaft versucht man Alternativen zu Mubarak zu
finden. Da wurde uns in den Medien Mohammed
el-Baradei als der ideale Nachfolger Mubaraks verkauft. Er ist westlich
orientiert, führte die Internationale Atomenergie-Organisation 12 Jahre
zur vollen Zufriedenheit des Westens – mal abgesehen davon, dass er
sich weigerte, die Lüge von der Atomrüstung des Irak zu bestätigen.
Aber seine Inspektoren waren zum größten Teil Geheimdienstler der USA.
Der ist der
Wunschnachfolger der meisten westlichen Regierungen. Er hat aber einen
Schönheitsfehler: Kaum einer kennt ihn in
Ägypten. Also Fehlanzeige. Es bleibt dem Westen also nichts
andere übrig, als weiter
auf Mubarak zu bauen und zu hoffen, das ägyptische Volk spielt mit. Im
Moment aber sieht es nicht so aus. Die Ägypter wollen diese ganze
korrupte Mischpoke um Mubarak nicht mehr, sie wollen frei sein, nicht
mehr bevormundet werden, die Jugend will eine Perspektive für ihr Leben
haben. Und genau das ist den Damen Clinton und Merkel, den Herrschaften
Obama, Sarkozy, Berlusconi usw. vollkommen schnuppe. Mur kein Chaos und
Chaos ist bei ihnen, wenn sie nicht mehr im Hindergrund die Fäden
ziehen. Ihr Gerede von Menschenrechten,
von unabhängiger Justiz, Meinungs- und Pressefreiheit sind leere Worte.
Sie wollen das Sagen haben im wichtigsten Land Afrikas und Arabiens. Um
das zu behalten, ist ihnen jedes Mittel recht.
G.H.
Menachem Begin
war Mitglied der Terrororganisation
Irgun. Diese verübte den Terroranschlag auf Das King David Hotel.
Dieser Anschlag kostete mindestens 90 Todesopfer.
Kompradorenbourgeoisie:
Bourgeoisie
in kolonialen und neokolonialen Ländern, die ihre Geschäfte in ökonomisch-politischer
Unterordnung unter ausländisches Kapital führt und
nicht zur Kapitalakkumulation „aus eigener Kraft“ fähig ist.
siehe
Lt. Bundeszentrale für politische Bildung
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Einflusskampf
am Nil
KAIRO/BERLIN
Quelle: german-foreign-policy.vom
03.02.2011(auf Kommunisten–online am 6. Februar 2011) –
Nach der Rückzugsankündigung des ägyptischen Staatspräsidenten Hosni
Mubarak und angesichts der eskalierenden Kämpfe zwischen seinen Anhängern
und seinen Gegnern intensiviert Berlin seine Bemühungen um
Einflussnahme auf das zukünftige Machtgefüge in Kairo. Noch hält das
Militär dort die Kontrolle in der Hand. Eine neue Regierung, die diesen
Zustand unter dem Schirm eines populäreren Präsidenten stabilisierte,
käme der Bundesregierung entgegen: Die deutsche Kooperation mit den
Repressionsapparaten Ägyptens ist erprobt; sie galt stets als verlässliches
Mittel, um an der Seite der USA die westliche Hegemonie über die nah-
und mittelöstlichen Ressourcengebiete zu bewahren. Wirtschaftsvertreter
warnen, ein "Umsturz" könne zudem zu millionenschwerem
Verlust beim Export und in deutschen Fabriken in Ägypten führen.
Sollte sich die Macht der Militärs in Kairo nicht mehr stabilisieren
lassen, zieht Berlin eine enge Kooperation mit Führungsfiguren der
bisherigen Opposition in Betracht, denen in der deutschen Hauptstadt
zugetraut wird, die deutschen Interessen angemessen zu berücksichtigen.
Entsprechende Kontakte haben in den vergangenen Jahren bereits
parteinahe Stiftungen aufgebaut, insbesondere die
Friedrich-Naumann-Stiftung, die zur Partei des deutschen Außenministers
gehört.
Die
Macht des Militärs
Nach
der Ankündigung des ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak, bei
den im September bevorstehenden Präsidentschaftswahlen nicht mehr zu
kandidieren, verstärkt die Bundesregierung ihre Bemühungen um
Einflussnahme auf das künftige Machtgefüge in Kairo. Dort hält
weiterhin das Militär die Kontrolle in der Hand: Die bedeutendsten
Minister entstammen den Streitkräften; Omar Suleiman, vor wenigen Tagen
mit dem Amt des Vizepräsidenten betraut, ist seit beinahe 20 Jahren
Geheimdienstchef und gilt ebenfalls als Mann der Armee. Eine
Konstellation, durch die es gelänge, die tatsächliche Macht in Ägypten
bei Suleiman und beim Militär zu belassen, käme den westlichen Staaten
entgegen: Mit ihr könnte das labile Spannungsverhältnis in Nah- und
Mittelost [1] aufrecht erhalten werden, das auf der Unterstützung
Israels durch einige arabische Regime - darunter Ägypten - beruht und
die westliche Kontrolle über die arabischen Ressourcen ermöglicht.
Dies wird künftig allerdings nicht mehr mit Mubarak, sondern nur mit
einem weitaus populäreren Staatspräsidenten möglich sein. Als
Kandidaten werden derzeit der ehemalige Außenminister Amr Musa sowie
der einstige IAEO-Generaldirektor Mohammed el-Baradei genannt. Musa gehört
dem Establishment um Mubarak an und gilt im Westen als verlässlich.
El-Baradei hat sich bereits vor einiger Zeit zum Gegner des Staatspräsidenten
gewandelt und verhandelt jetzt mit dem Militär. Freilich muss auch die
Opposition eingebunden und ruhiggestellt werden.
Repressionspartner
Eine
Lösung in Kairo, die die Macht der Militärs wahrte, wird zwar von den
Demonstranten abgelehnt, böte der Bundesrepublik, die enge Kontakte zu
den ägyptischen Repressionsapparaten unterhält, allerdings auch gute Möglichkeiten
zu direkter Einflussnahme. Deutschland ist nicht nur ein bedeutender
Lieferant der ägyptischen Streitkräfte.[2] Die Bundeswehr unterhält
außerdem ein Kooperationsprogramm mit dem ägyptischen Militär;
zuletzt besuchte eine Delegation ägyptischer Soldaten im Herbst 2010
die Schule für Feldjäger und Stabsdienst der deutschen Armee.[3] Omar
Suleiman ist in Berlin aus der nahöstlichen Geheimdienstkooperation gut
bekannt; auch zur Polizei bestehen beste Beziehungen: Das
Bundeskriminalamt hat in Kairo einen Verbindungsbeamten, die
Bundespolizei sogar zwei Repräsentanten stationiert. Allein in den
Jahren 1985 bis 1995 gewährte Bonn der Polizei Ägyptens Unterstützung
mit Material und Training im Wert von mehr als einer Million Euro. Die
ägyptische Polizei war bereits damals für ihre Folterpraktiken
bekannt.
Wirtschaftsinteressen
Druck
auf Berlin, einen "Umsturz" in Ägypten zu verhindern, kommt
inzwischen auch aus der deutschen Industrie. Dominierte die Sympathie für
die nordafrikanischen Demokratiebewegungen bisher die mediale
Berichterstattung in Deutschland, ist es Wirtschaftskreisen jetzt
gelungen, eher kritische Einschätzungen zu lancieren. So heißt es seit
gestern, die Aufstände beeinträchtigten die deutsche Industrie gleich
mehrfach: Zum einen stehe die Produktion in den deutschen Fabriken in Ägypten
still, in die zahlreiche Unternehmen - darunter Großkonzerne wie etwa
Siemens, Daimler und BASF - insgesamt mehr als eine halbe Milliarde Euro
investiert hätten. Zum anderen seien die deutschen Ausfuhren nach Ägypten
gefährdet, die im vergangenen Jahr einen Wert von über 2,66 Milliarden
Euro erreicht hätten. In der Boulevardpresse heißt es, allein bei den
staatlichen Hermes-Bürgschaften drohten im Falle fortgesetzter Unruhen
am Nil Verpflichtungen in Höhe von fast 190 Millionen Euro. Die Kosten
der ägyptischen Demokratiebewegung müsse also der deutsche
Steuerzahler tragen.[4]
FDP-Netzwerk
Für
den Fall, dass sich die Kontrolle der Militärs in Ägypten nicht
stabilisieren lassen sollte, hält Berlin auch zu Oppositionellen
Kontakt. Mittel sind unter anderem die parteinahen Stiftungen wie die
Friedrich-Naumann-Stiftung der FDP. Die Naumann-Stiftung unterstützt in
Ägypten nicht nur staatliche Organisationen wie die Egyptian Radio and
Television Union (ERTU) und den National Youth Council (NYC), sondern
auch oppositionelle Vereinigungen wie die Egyptian Organization for
Human Rights (EOHR), die 1985 von Ayman Nour gegründet wurde. Nour ist
der Vorsitzende der Oppositionspartei el-Ghad, in deren Hauptquartier
sich am gestrigen Mittwoch die wichtigsten Verbände der ägyptischen
Opposition trafen, um über ihr künftiges Vorgehen zu beratschlagen.[5]
Nours el-Ghad-Partei ist Gründungsmitglied des Network of Arab Liberals
(NAL). Das Netzwerk wurde im Jahr 2006 als Netzwerk liberaler Parteien
aus arabischsprachigen Staaten gegründet und ist der engste Partner der
Friedrich-Naumann-Stiftung dort. Es sieht sich als Entsprechung zu dem
lateinamerikanischen Parteienbündnis RELIAL, das in Südamerika der
Unterstützung subversiver sezessionistischer Kräfte beschuldigt worden
ist (german-foreign-policy.com berichtete [6]).
Frankreich
verliert
Unabhängig
davon, ob die ägyptische Demokratiebewegung Erfolg haben wird,
verzeichnet Berlin durch die Umbrüche in Nordafrika neue Erfolge in der
innereuropäischen Konkurrenz. Beobachter stellen fest, dass die
EU-Mittelmeerunion [7] jetzt womöglich endgültig zum Stillstand
gekommen ist. Die EU-Mittelmeerunion galt in Berlin als Projekt des
französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der mit ihr ein
Gegengewicht gegen die besonders für Deutschland nützlichen Aktivitäten
der EU in Osteuropa schaffen wollte. Sarkozy stützte sich beim Aufbau
der Mittelmeerunion vor allem auf die Staatspräsidenten Ägyptens und
Tunesiens, die jetzt am Ende ihrer Amtszeit stehen bzw. geflohen sind.
In der vergangenen Woche ist der Generalsekretär der Mittelmeerunion,
der dem Projekt keinerlei Chancen mehr einräumt, entnervt zurückgetreten.
Scheitert das Vorhaben, erleidet Paris eine neue Niederlage gegen
Berlin, dem sich neue Spielräume öffnen - auch in Nordafrika.
[1]
s. dazu Gleichgewicht
der Schwäche und Gleichgewicht
der Schwäche (II)
[2] s. dazu Nutznießer
der Repression
[3] Besuch aus Ägypten; www.feldjaeger-stabsdienstschule.bundeswehr.de
01.11.2010
[4] Steuerzahler haften für Ägypten-Exporte! www.bild.de 02.02.2011
[5] Egypt's Leaders "Disappointed" by Mubarak, Welcome Change;
www.cbsnews.com 01.02.2010
[6] s. dazu Neoliberale
Netze
[7] s. dazu Im
Schatten und Kein
Gegenpol
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Der
Hoffnungsträger der Imperialisten in Ägypten:
Vizepräsident, Geheimpolizeichef, Mörder und Folterer
Omar Suleiman |
Omar Suleiman,
eine Bestie in Menschengestalt
Aug
und Ohr 05.02.2011
Suleiman ist nicht nur Chef des Mukhabarat, sondern er foltert
auch selbst.
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Omar Suleiman, eine
Bestie in Menschengestalt
Aug
und Ohr 05.02.2011 21:55
Suleiman ist nicht nur Chef des Mukhabarat, sondern er foltert auch
selbst.
Quelle: Indymedia
auf
Kommunisten-online am 8. Februar 2011 – Bei den
Zwangsverschleppungen („extraordinary renditions“, Sonderüberstellungen)
nach Ägypten, von der in erster Linie Islamisten betroffen waren,
wurden letztere zumeist halbtot gefoltert. Der jetzige Vizepräsident Ägyptens
hatte hier eine zentrale Stellung, verhörte die Gefangenen häufig
selbst, und systematisch wechselten seine Verhöre mit Folter ab.
Der
US-amerikanische Journalist Ron Suskind schreibt: Suleiman war „viele
Jahre lang unser erster Kontaktmann. Alles lief über Omar. Wir
brauchten gar nicht mit jemandem anderen zu sprechen. Wenn wir wollten,
daß jemand gefoltert werden sollte, dann schickten wir ihn nach Ägypten,
um ihn dort foltern zu lassen. …“ (1)
Folteropfer
Mamdouh Habib
Der
australische Staatsbürger Mamdouh Habib war 2001 in Pakistan Zeuge, wie
Schlägertypen der pakistanischen Sicherheitskräfte gerade Jagd nach
„verdächtigen Ausländern“ machten und zwei junge Deutsche von
ihren Sitzen gezerrt wurden. Er mischte sich ein, das sollte ihm teuer
zu stehen kommen. Habib wurde von den Pakistanis verhaftet,
niedergeschlagen und in eine Zelle gesperrt, mit Strom gefoltert, dann
nach Ägypten verschleppt und dort persönlich von General Omar
Suleiman, seit 1993 Chef des Mukhabarat, des Allgemeinen
Sicherheitsdienstes, verhört (2).
Während
des Verhörs schlug Suleiman, bei dem Habib die Augen verbunden waren,
so brutal zu, dass die Augenbinde verrutschte. Dadurch wurde es Habib möglich,
Omar Suleiman zu identifizieren.
Zusätzlich
wurden Habib bei diesem Verhör mehrere Male starke Stromstöße verpaßt,
er wurde bis zur Nase ins Wasser getaucht, geschlagen, seine Finger
wurden ihm gebrochen und er wurde auf Metallhaken aufgehängt.
Das
reichte dem Verhör- und Folterspezialisten Suleiman nicht. Er wollte
ihn mit allen Mitteln zum Sprechen bringen und befahl einem Wächter,
vor den Augen Habibs einen
Gefangenen
aus Turkestan umzubringen.
Dies
geschah auch: Mit einem brutalen Karateschlag wurde der andere Gefangene
ermordet, berichtet Neville (2) und stützt sich dabei auf eine
Sachverhaltsdarstellung Habibs (3).
So
kam ein Geständnis zustande, er kam nach Guantánamo, wo sein durch den
ägyptischen Geheimdienstchef erpreßtes „Geständnis“ für die
Verhandlung verwendet wurde (3).
Dorte
erlitt er das Äußerste an Erniedrigung und Demütigung, was man sich
vorstellen kann. Es wurde auf ihn uriniert, ihm wurde das Blut einer
Menstruierenden ins Gesicht geschüttet, er wurde 15 Stunden lang mit
nur kurzen Unterbrechungen verhört. Er sei auch nackt photographiert
worden, berichtet ein Mitgefangener.
Schließlich
wurden – in Guantánamo!- die ägyptischen Folterer als Druckmittel
und Drohung eingesetzt. Der australische Generalkonsul Tucker suchte
Habib Mai 2004 in Guantánamo auf und warnte ihn: Sollte er nicht mit
den Amerikanern zusammenarbeiten, dann würde man ihn wieder nach Ägypten
zurückschicken (2).
Also
zu Suleiman.
Folteropfer
Zawahiri
Ein
Bruder des Al Kaida-Anführers al-Zawahiri wurde von der CIA ebenfalls
nach Ägypten geschickt. Da die CIA vermeinte, im Besitz des Kopfes des
getöteten Al Kaida-Anführers zu sein, wollte man von Ägypten
genetisches Material zur Feststellung der Identität.
„Suleiman
sagte. Kein Problem. Wir werden einfach den Arm des Bruders abschneiden
und euch schicken.“ berichtet Suskind (1).
Folteropfer
Al-Libi.
Al-Libi
wurde 2001 von den Pakistanern gefangen, und an die Bagram Air Base in
Afghanistan überstellt, wo er zunächst vom FBI verhört wurde, es
entstand ein Streit um die Zuständigkeit zwischen CIA und FBI,
berichtet Suskind (4). Der damalige CIA-Chef Tenet, ein Freund
Suleimans, wandte sich an Bush und Cheney und erhielt Grünes Licht:
Al-Lini wurde nach Kairo geflogen und Suleiman ausgeliefert,
Dort
wurde er 80 Stunden lang in einen winzigen Käfig gesperrt, wieder
rausgelassen, niedergeschlagen und eine Viertelstunde lang verprügelt.
Man wollte von ihm eine Bestätigung, daß Saddam Hussein an al-Kaida
chemische und biologische Waffe liefere.
Die
wurde von ihm schließlich erpresst. Jahre später hat er sie
wiederrufen. olin Powell verwendete diese erpressten Daten für seine
Rede vor den Vereinten Nationen im Februar 2003. Damit sollte eine Begründung
für den Angriff gegen den Irak geliefert werden (4).
Michael
Isikoff und David Corn zitierten in ihrem Buch „Hubris“ (5) al-Libi
mit folgenden Worten: „Sie wollten mich umbringen, ich musste ihnen
irgendetwas sagen.“ (4)
Wer
war der Haupverantwortliche? Suskind zufolge ist auch bei dieser
rendition – mit der eine Kriegslüge begründet werden sollte -
Suleiman der Hauptansprechspartner der CIA gewesen.
Der
Folterer soll jetzt, wenn es nach einem Teil der US-Administration geht,
Staatschef Ägyptens werden.
(1) New Egyptian VP Ran Mubarak´s Security
Team, Oversaw Torture, abc news, 1. 2. 2011-02-05
Ron
Suskind ist derAutor von:
The One Percent Doctrine: Deep Inside
America's Pursuit of Its Enemies Since 9/11. Simon & Schuster, 2008
und:
The price of loyalty: George W. Bush, the
White House, and the education of Paul O'Neill. Simon & Schuster,
New York 2004
(2) Richard Neville: The Torturer´s
Apprentice, Homepage Daily, o. D.
http://www.homepagedaily.com/Pages/article7178-the-torturers-apprentice.aspx#
(3) Stephen Soldz: The torture career of Egypt´s New Vice President:
Omar Suleiman and the Rendition to Torture Program, 31. 1. 2011
http://www.commondreams.org/view/2011/01/30-2
Stephen
Soldz ist ein politisch engagierter Psychoanalytiker (!) und unter
anderem Mitglied des Lehrkörpers an der Boston Graduate School of
Psychoanalysis.
(4) Jane Mayer: Who is Omar Suleiman?, The
New Yorker, 29. 1. 2011
Die Journalistin Jane Mayer ist Autorin des
Buches The Dark Side: The Inside Story of How the War on Terror Turned
Into a War on American Ideals, 2008
(5) Isikoff, Michael, Corn, David: Hubris
the inside story of spin, scandal, and the
selling of the Iraq War
New
York: Crown Publ.: 2006
Dieser
Inhalt ist unter einer
Creative
Commons-Lizenz lizenziert.
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Kairos
Schergen bleiben
Von
Karin Leukefeld, Kairo
Quelle:
jungeWelt vom 08. Februar 2011 – Der Ägyptische
Menschenrechtsverein hat alle Hände voll zu tun. Noch immer sind
Hunderte Menschen in Haft oder »verschwunden«, die vielen Anfragen
besorgter Angehöriger kann der Verein kaum bewältigen. Während nach
außen hin der Alltag in die 20-Millionen-Metropole Kairo zurückkehrt,
werden weiter Journalisten in- und ausländischer Medien bedroht und
drangsaliert. Das Militär wurde vom staatlichen Informationsministerium
angewiesen, Reporter ohne den offiziellen ägyptischen Presseausweis
nicht mehr durch Kontrollposten zu lassen. Ausländische Journalisten müssen
sich beim Ministerium melden, um eine entsprechende Genehmigung zu
erhalten.
Am
Wochenende noch hatte Vizepräsident Omar Suleiman vollmundig
versichert, Ägypten werde eine freie Berichterstattung nicht behindern.
Kurz darauf wurde der Reporter des Nachrichtensenders Al-Dschasira,
Ayman Mohyeldin, festgenommen und sieben Stunden lang verhört.
Journalisten der New York Times, die ebenfalls inhaftiert waren,
berichteten von furchterregenden Szenen in dem Gefangenenzentrum, wo
offenbar Menschen geschlagen und gefoltert wurden. Viele Medienvertreter
liegen noch immer mit schweren Kopfverletzungen und Stichwunden im
Krankenhaus, unzählige Kameras und Aufnahmegeräte wurden zerstört.
Journalisten,
die gestern die neu geforderte Akkreditierung beantragten, berichteten
von verhörähnlichen Gesprächen im Innenministerium, die sich
teilweise über Stunden hinzogen. Dabei wurde auch die politische
Richtung der Medien hinterfragt, mehrere Reporter wurden gezielt auf
kritische Beiträge ihrer Zeitungen oder Fernsehsender angesprochen.
Das
staatliche Fernsehen berichtet gleichzeitig ausführlich, die Proteste
der vergangenen zwei Wochen seien von Ausländern und nicht von Ägyptern
ausgelöst worden. Die »Eindringlinge« seien auch für die schlechte
Versorgungslage der Bevölkerung, die Gewalt und die Plünderungen
verantwortlich. Als Beweis werden sogar Ägypter vorgeführt, die –
offenbar unter massivem und physischem Druck– »Geständnisse«
ablegten, daß sie vom Ausland bezahlt worden seien.
Auch
in der Hauptstadt selbst nehmen die Schikanen wieder zu. Wegen des
Bruchs der nächtlichen Ausgangssperre, die bisher kaum kontrolliert
worden war, wurden am Sonntag abend zwei deutsche Reporter der Süddeutschen
Zeitung und ein australischer Journalist für mehrere Stunden vom Militär
festgehalten. Die Reporter wurden mit verbundenen Augen und gefesselt
mehrere Stunden durch die Stadt gefahren, bis das Militär sie schließlich
freiließ. Besonders betroffen sind ägyptische Kollegen, von denen
Dutzende in den vergangenen Tagen verhaftet oder zu endlosen Verhören
einbestellt worden waren.
Ungeachtet
der anhaltenden Repression versammelten sich am Montag nachmittag
Tausende auf dem Tahrir-Platz, um an Ahmed Mohammed Mahmoud zu erinnern.
Der 36jährige Reporter der staatlichen ägyptischen Zeitung Al-Ahram
starb am vergangenen Freitag an den Folgen schwerer Schußverletzungen.
Mahmoud war am 28. Januar beschossen worden, als er vom Balkon seiner
Wohnung aus Mubaraks Sicherheitskräfte fotografierte, die gegen die
Demonstranten vorgingen.
Die
westlichen Staaten sprechen sich weiter gegen einen sofortigen Rücktritt
des verhaßten Staatschefs aus. US-Präsident Barack Obama bekräftigte
seine Forderung nach einem »geordneten Übergang« und sagte, Mubarak
werde ohnehin in diesem Jahr aus dem Amt scheiden. Ähnlich argumentiert
die Bundesregierung.
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Wikileaks
zum Thema Ägypten:
SULEIMAN
IST ISRAELS MANN IN KAIRO
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
8. Februar 2011, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 10. Februar
2011) – Omar Suleiman ist
ein vom Imperialismus stark geförderter Nachfolgekandidat für Präsident
Mubarak. Mit ihm ernannte Mubarak auch Israels Mann in Kairo für die
Nachfolge im Amt. Dies geschah nicht zufällig, sondern nach Gesprächen
Mubaraks mit US-Regierungsvertretern, welche bereits 2008 stattfanden.
Einzelheiten
darüber finden sich unter den von Wikileaks veröffentlichten
vertraulichen Inhalten, wie jetzt The Daily Telegraph darlegte. So folgt
Mubarak der Abstimmung mit Israel und den USA, wenn er jetzt Gespräche
mit oppositionellen Gruppierungen über die künftige Regierung Ägyptens
aufgenommen hat.
Am
letzten Sonnabend erlangte der Noch-Stellvertreter des ägyptischen Präsidenten
namens Suleiman die öffentliche Unterstützung der US-Außenministerin
Hillary Clinton, um den „Übergang zur Demokratie“ nach zwei Wochen
des Volksprotests gegen die Fortsetzung des Mubarak-Regimes zu leiten.
Vertrauliche
Mitteilungen der US-Botschaften in Kairo und Tel Aviv enthüllen die
enge Zusammenarbeit zwischen Suleiman und den Regierungen der USA und
Israels sowie das große Interesse der Diplomaten der imperialistischen
Mächte und Israels an Suleiman als möglichem Amtsnachfolger des 83
Jahre alten Präsidenten Mubarak.
„Hacham
stellte klar, dass die Israelis glauben, dass Suleiman zumindest als Übergangspräsident
im Fall des Todes oder Ausfalls von Mubarak dienen könnte“. Die
Diplomaten Tel Avivs weiter: „Wir überlassen der Botschaft in Kairo
die Analyse der Szenarien für eine mögliche Amtsnachfolge in Ägypten.
Aber es gibt keinen Zweifel daran, dass Israel sich mit dem Kandidaten
Omar Suleiman am wohlsten fühlen würde“.
Die
Unterlagen heben die Position Ägyptens in der Nahost-Politik hervor.
Sie erklärten Ägypten zur arabischen Führungsnation mit einer starken
Beziehung zu den USA und Israel. Seit mindestens 2008 ist Suleiman, der
bis vor kurzem den ägyptischen Geheimdienst leitete, Israels Mann in
der Regierung Ägyptens.
David
Hacham ist einer der Chefberater des israelischen
Verteidigungsministers. Er sagte der US-Botschaft in Tel Aviv, dass eine
Delegation mit Verteidigungsminister Ehud Barack an der Spitze von
Suleiman beeindruckt war, dessen Name im Originaltext einiger
vertraulicher Unterlagen als „Soliman“ erscheint. Andererseits war
Hacham „überrascht“ vom „alt gewordenen und nur noch mühevoll
sprechenden“ Präsidenten Mubarak. So sind denn jene Meldungen von
August 2008 voll des Lobes von Hacham für Suleiman. Suleiman habe einen
heißen Draht zwischen Israels Verteidigungsministerium und dem ägyptischen
Geheimdienst eingerichtet, welcher täglich benutzt werden würde.
Suleiman
äußerte auch den Gedanken, dass die israelischen Truppen
„willkommen“ seien, um in Ägypten einzumarschieren und das
Schmuggeln von Gütern in das blockierte benachbarte Gaza auch auf ägyptischem
Territorium zu unterbinden. Suleiman will die Hamas „isoliert“
sehen, und Gaza gehöre für ihn „ausgehungert, aber nicht bis in den
Hungertod hinein“.
(Mit
Information aus The Daily Telegraph)
http://www.cubadebate.cu/
zurück
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Suez-Kanal-Arbeiter
schließen sich Volksaufstand an
MUBARAK
RAUS!
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Caracas,
8. Februar 2011, Tribuna Popular TP/AVN. (auf Kommunisten-online vom 12.
Februar 2011) - Die
Proteste gegen Präsident Mubarak in Ägypten erlebten am vergangenen
Dienstag mit der Beteiligung von ca. einer Million Menschen in Kairo
einen Höhepunkt. Die Maßnahmen der Regierung Mubarak werden im ganzen
Land abgelehnt. Die Demonstrationen haben sich auf alle Orte Ägyptens
ausgeweitet. Erstmals sind nun auch die Werktätigen des Suez-Kanals an
den Massenprotesten aktiv beteiligt. Den Suez-Kanal durchfahren täglich
Öltanker mit einer Fracht von 1,8 Millionen Tonnen Rohöl an Bord.
Obwohl
die Mubarak-Regierung eine Lohnerhöhung ankündigte, einen Ausschuss
zur Ergänzung der Verfassung bildete und den „Dialog“ mit einigen
oppositionellen Gruppierungen begonnen hat, um einen friedlichen
Machtwechsel einzuleiten, protestieren die Ägypter ungebrochen seit 15
Tagen auf den Straßen. In einer Pressemitteilung akzeptierten die
Moslembruderschaften nach der Ankündigung von Verfassungsänderungen
den „Dialog“ mit der Regierung „ohne die Absicht der Durchsetzung
von Forderungen der Gruppe“, weil sie laut ihren Worten „als Teil
des Volkes, mit dem Volk und für das Volk teilnehmen“ wollen. Sie
erklärten, dass die Verfassungszusätze darauf gerichtet sein sollten,
„die Würde aller Ägypter wiederherzustellen, die ein würdiges und
von Unterdrückung und Korruption freies Leben verdienen“.
Über
die bisher von der Mubarak-Regierung eingeleiteten Maßnahmen äußerten
sie, dass diese Maßnahmen „die Forderungen der Bürger nicht erfüllen
und zu kurz greifen“. Die Moslembruderschaften bekundeten auch ihren
Respekt vor der Armee, „die sich neutral verhalten hat“. Sie baten
die Streitkräfte Ägyptens darum, „weiterhin die Ägypter vor dem
korrupten Regime zu schützen“.
Der
Sprecher der Partei Demokratische Front, Ibrahim Nawar, sagte: „Das
Regime spielt auf Zeit und hält uns mit Ausschüssen und Dialogen hin,
bis die Amtszeit von Mubarak abläuft.“ Der Anführer der
linksgerichteten Partei Tagammu, Husein Abdel Razek, äußerte: „Das
Problem der ägyptischen Verfassung besteht darin, dass sie kein
Gleichgewicht zwischen den drei Armen der Macht herstellt und die
Regierung die Vormachtstellung innehat.“
Als
Novum des Volksaufstandes warnte die Suez-Kanalbehörde erstmals vor
Unterbrechungen des Kanalverkehrs. Dies würde die Versorgung
Westeuropas mit Öl und Waren erheblich beeinträchtigen. Laut der ägyptischen
Tageszeitung Al Ahram gehen die befürchteten Störungen des
Schiffsverkehrs auf dem Suez-Kanals auf den Streik der Kanalarbeiter in
den Städten Suez, Ismailia und Port Said zurück. Ungefähr 6000
Arbeiter der Kanalbehörde versammelten sich zum Massenprotest am Sitz
der Kanalbehörde. Sie erklärten, ihren Protest nicht eher zu beenden,
als ihre Forderungen auf offene Ohren stoßen.
Im
Touristenzentrum Luxor protestierten tausende arbeitslose Ägypter vor
dem Arbeitsamt gegen die anhaltende Massenarbeitslosigkeit mit der
Forderung nach Arbeit.
In
Mahalla blockierten 1500 Arbeiter eine Autobahn. Sie forderten die
Zahlung ihrer ausstehenden Löhne.
In
Quesna riefen über 2000 Arbeiter der Pharma-Firma Sigma zum Streik für
höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen auf, was ihnen seit Jahren
verwehrt worden ist.
Ungefähr
5000 Jugendliche wurden bei ihrem Protest in Assuan von der Polizei
gestoppt. Sie versuchten daraufhin, gewaltsam in das Gouverneursgebäude
von Assuan einzudringen. Sie forderten die Absetzung des Gouverneurs.
In
Alexandria, der zweitgrößten Stadt Ägyptens, führte eine große
Massendemonstration kämpferisch durch die gesamte Stadt. Viele tausende
Menschen forderten auf Transparenten und mit Sprechchören: MUBARAK
RAUS!
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/
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„Schwere
Foltervorwürfe treffen das jahrzehntelang von der Bundesrepublik
unterstützte ägyptische Militär“
Garant
der Stabilität (II)
KAIRO/BERLIN
german-foreign-policy
vom 11. Februar 2011 – Schwere Foltervorwürfe treffen das
jahrzehntelang von der Bundesrepublik unterstützte ägyptische Militär.
Wie verschiedene Menschenrechtsorganisationen berichten, haben Soldaten
in den letzten Tagen hunderte, womöglich gar tausende Demonstranten
verschleppt und zahlreiche von ihnen gefoltert. Bereits zuvor waren
schwere Vorwürfe gegen den Geheimdienst Mukhabarat laut geworden, der
zu den Partnerdiensten des BND zählt; der aktuelle ägyptische Vizepräsident
Omar Suleiman, der zur Zeit als mächtigster Mann in Kairo gilt, war bis
vor kurzem sein Präsident. Suleiman droht jetzt mit einem Putsch. Das
ägyptische Militär und der Mukhabarat sind nicht nur in den 1950er
Jahren von der Bundesrepublik nach Kräften unterstützt worden. Sie
erhalten nach einer Unterbrechung, die aus einem außenpolitischen
Strategiewechsel der Vereinigten Staaten resultierte, seit Ende der
1970er Jahre erneut Rüstung und Training in der Bundesrepublik.
Hintergrund sind geostrategische Erwägungen zur Kontrolle der mittelöstlichen
Ressourcengebiete. Die Unterstützung wird daher trotz der aktuellen
Foltervorwürfe fortgeführt.
Folterer
Menschenrechtsorganisationen
erheben schwere Foltervorwürfe gegen das ägyptische Militär. Wie
Human Rights Watch berichtet, haben Soldaten und Militärpolizisten in
den vergangenen Tagen mindestens 119 Protestdemonstranten willkürlich
verschleppt und mehrere von ihnen gefoltert.[1] Beobachter schätzen die
Gesamtzahl der Opfer, zu denen auch Journalisten gehören, auf Hunderte,
„möglicherweise Tausende“.[2] Schon zuvor waren Berichte bekannt
geworden, denen zufolge der im Militär angesiedelte Geheimdienst
Mukhabarat ebenfalls Journalisten verschleppt.[3] Er gehört zu den
Partnerdiensten des Bundesnachrichtendienstes (BND). Der langjährige
Mukhabarat-Chef Omar Suleiman, seit kurzem Vizepräsident und derzeit
wohl mächtigster Mann in Kairo, hat jetzt offen mit Putsch gedroht,
sollten die Proteste nicht bald nachlassen. Die Repressionsmaßnahmen
und Drohungen sollen die Herrschaft des Militärs sichern, das bereits
jetzt de facto die Regierung innehat.
Kooperation
Die
Repressionsapparate des ägyptischen Staates arbeiten nicht nur aktuell
mit Bundeswehr und BND zusammen. Bereits an ihrem Ausbau während der
1950er Jahre waren vor allem vormalige Wehrmachtssoldaten und SS'ler
beteiligt (german-foreign-policy.com berichtete [4]). Verlief die
Kooperation mehr als ein Jahrzehnt erfolgreich, kam es in den 1960er
Jahren zu einem Bruch.
Eine
neue US-Strategie
Ursache
für den Abbruch der deutsch-ägyptischen Militär- und
Geheimdienstkooperation in den 1960er Jahren war ein Kurswechsel der
US-amerikanischen Nahostpolitik Mitte der 1950er Jahre. Washington hatte
zunächst versucht, Ägypten nach dem Putsch der Freien Offiziere fest
im Westen zu verankern. Schon bald zeigte sich, dass Kairo auf Eigenständigkeit
beharrte: Es blieb dem 1955 in Ergänzung zur NATO gegründeten
prowestlichen „Bagdad-Pakt“ fern und bemühte sich um die Lieferung
von Waffen aus der Tschechoslowakei und der Sowjetunion. Kurz vor der
Suezkrise von 1956 entwickelte die CIA erste Pläne, Staatspräsident
Gamal Abdel Nasser zu stürzen - Pläne, die zuerst vom CIA-Mann Frank
Wisner, dem Vater des heutigen US-Sonderbeauftragten für Ägypten,
vorangetrieben und noch in den 1960er Jahren verfolgt wurden.[5] Nach
der Suezkrise legten sich die USA auf eine Nahoststrategie fest, die
sich gegen Ägypten und andere nach Eigenständigkeit strebende Staaten
aus der Region richtete [6] - und die Israel als militärische
Hilfskraft für die eigenen Hegemonialpläne nutzte.
Militärkooperation
mit Israel
Zur
Unterstützung wurde damals auch Bonn herangezogen. 1957 nahmen die
Bundesrepublik und der zentrale US-Partner Israel geheime Verhandlungen
über eine Militärkooperation auf - zu einem Zeitpunkt, da keinerlei
diplomatische Beziehungen bestanden, weil diese unter den israelischen
Holocaust-Überlebenden kaum durchsetzbar gewesen wären. Auf die
Lieferung deutscher Panzer und Kriegsschiffe, die der deutschen Rüstungsindustrie
Auftrieb gab, folgte im Winter 1960/61 die ebenfalls streng geheime
Aufnahme von Kontakten zwischen dem eng an die CIA angebundenen BND
unter dem einstigen NS-Agenten Reinhard Gehlen und dem Mossad. Zu der
Neuorientierung der bundesdeutsch-US-amerikanischen Nahostpolitik passte
die Militärkooperation zwischen Bonn und Kairo nicht recht. Zwar
beobachtete Washington die Zusammenarbeit noch eine Zeitlang mit einem
gewissem Wohlwollen, weil sie Kairo von einer einseitigen Rüstungskooperation
mit den osteuropäischen Staaten abhielt. Als sich in den 1960er Jahren
neue Eskalationen abzeichneten, wurde sie jedoch eingestellt.
Raketen
und Attentate
Höchst
spektakulär verlief dies im Falle eines Raketenentwicklungsprogramms,
das vormalige NS-Raketenspezialisten nach der Suezkrise in Ägypten
gestartet hatten. Das Programm zielte direkt auf die Aufrüstung Ägyptens
gegen Israel [7], lag aber auch in bundesdeutschem Interesse, da es Bonn
die damals noch nicht erlaubte Entwicklung einer eigenen
Raketentechnologie ermöglichte. In der Bundesrepublik hoffte man,
Israel mit der Lieferung von Raketenabwehrsystemen zum Stillhalten
bewegen zu können. Anfang der 1960er Jahre nahm jedoch auch in den USA
der Druck zu, das Programm einzustellen. 1962 und 1963 kam es zu
mehreren, teils erfolgreichen Anschlägen auf in Ägypten tätige
bundesdeutsche Raketenspezialisten, die ihre formal
privatwirtschaftlichen Arbeiten fortführen wollten. Die Attentate
wurden in der Bundesrepublik vom Mossad verübt und vom BND gebilligt
sowie mit Training und falschen Papieren ermöglicht; sie sind ein
herausragendes Beispiel der neuen bundesdeutsch-israelischen Kooperation
gegen widerspenstige arabische Staaten - unter der Ägide der neuen
US-amerikanischen Nahoststrategie.[8] 1965 schließlich brach Bonn auch
die diplomatischen Beziehungen zu Kairo ab, stellte jegliche
Wirtschaftshilfe ein und vereinbarte den Austausch von Botschaftern mit
Israel.[9]
Neubeginn
Neue
Geheimdienst- und Militärkooperationen bahnte die Bundesrepublik erst
in den 1970er Jahren an. Anwar as-Sadat, 1970 ins Amt des ägyptischen
Staatspräsidenten gelangt, bemühte sich intensiv um westliches
Kapital. Seine Annäherungen stießen in Washington und Bonn auf
Interesse, und der BND nahm die ägyptische Spionage im August 1973
wieder in die Riege seiner Partnerdienste auf. Der Jom-Kippur-Krieg
versetzte der neuen Kooperation 1973 einen kurzen Rückschlag, bis es im
Vorfeld des Abkommens von Camp David zu regelmäßigen Treffen des BND
mit dem ägyptischen Dienst auf der obersten Ebene kam. Für 1978
vermerkt der Publizist Erich Schmidt-Eenboom eine „ungewöhnlich
starke Unterstützung des ägyptischen Geheimdienstes“ durch den BND,
die sich nicht zuletzt in der Lieferung bundesdeutscher Technologie zur
Funkspionage und in den zur Anwendung erforderlichen Trainingsmaßnahmen
ausdrückte.[10]
Ressourcenkontrolle
Seit
dieser Zeit hält die deutsch-ägyptische Kooperation an - im Rahmen
eines Kräftefeldes, in dem Ägypten, gründend auf dem Abkommen von
Camp David, als enger Partner der Vereinigten Staaten und damit auch
Israels operiert. Nicht von ungefähr wurde unlängst, als die Debatte
über Exilländer für Hosni Mubarak begann, zuerst Israel genannt. Die
von den USA angeführte Kooperation zielt vor allem darauf ab, die nah-
und mittelöstlichen Ressourcengebiete unter westlicher Kontrolle zu
halten und das Entstehen einer gemeinsamen arabischen Front gegen die
westliche Hegemonie, wie sie etwa in den 1950er Jahren der von der CIA
bekämpfte ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser anstrebte,
dauerhaft zu verhindern. Dazu trägt auch die Kooperation der
Bundeswehr, der Polizei sowie des BND mit Ägypten bei. Das BKA unterhält
seit Jahren einen Verbindungsbeamten in Kairo, die Bundespolizei deren
zwei. Allein in den Jahren zwischen 1999 und 2009 erhielt Kairo aus
Deutschland Rüstungsgüter im Wert von rund 270 Millionen Euro. Die
Streitkräfte der beiden Länder unterhalten ein Kooperationsprogramm.
Gegenwärtig bildet die Bundeswehr elf Offiziere der ägyptischen Armee
aus. Die Zusammenarbeit wird ungeachtet der aktuellen Demonstrationen
fortgeführt; sie dient geostrategischen Zielen und steht aus deutscher
Sicht trotz der Kämpfe in Kairo um Demokratie nicht zur Debatte.
[1]
Egypt: Investigate Arrests of Activists, Journalists; www.hrw.org
09.02.2011
[2] Egypt's army 'involved in detentions and torture';
www.guardian.co.uk 09.02.2011
[3] Im Folterknast des Muchabarat; www.spiegel.de 06.02.2011
[4] s. dazu Garant
der Stabilität (I)
[5] Tim Weiner: Legacy of Ashes. The History of the CIA, New York
2008. Zu Wisner s. auch Geordneter
Übergang
[6] Schriftlich fixiert wurde diese Strategie in der Eisenhower-Doktrin
vom 5. Januar 1957.
[7] Dalia Abu Samra: Deutschlands Außenpolitik gegenüber Ägypten,
Berlin 2002
[8] Shlomo Shpiro: Für die Sicherheit Israels kooperieren wir sogar mit
dem Teufel; www.berlinonline.de 08.01.2000
[9], [10] Erich Schmidt-Eenboom: Der deutsche Geheimdienst im Nahen
Osten. Geheime Hintergründe und Fakten, München 2007
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