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Liebe
Leute,
zum
irischen Referendum über den Lissabon-Vertrag am 2. Oktober 2009
dokumentiere ich:
„SOLIDAITÄT
MIT DER IRISCHEN NEIN-STIMME“
Gemeinsamer Appell der kommunistischen und
Arbeiterparteien in Europa zum neuen irischen Referendum
Quelle: Email info@solidnet.org
von Mittwoch, 23. September 2009 08:42
[ 1 ]
„DIE
EU IST EINE MODERNE FORM DES KOLONIALISMUS“
Interview
mit Les Dalton Vizepräsident der Republican Sinn Féin
Aus:
Der Standard (Wien), 21. September 2009, 11:00
http://derstandard.at/fs/
[
2 ]
Siehe
auch:
„Vote
No to Lisbon Treaty” - Speech held by Des Dalton, Vice President of
Republican Sinn Féin, on September 8th in
Vienna
,
Austria
.
http://no2lisbon.net/
Mit
internationalistischen Grüßen
Klaus
von Raussendorff
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Anti-Imperialistische
Korrespondenz (AIKor) -
Informationsdienst
der Vereinigung für Internationale Solidarität (VIS) e.V.,
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Klaus von Raussendorff
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[
1 ]
Quelle:
Email info@solidnet.org von
Mittwoch, 23. September 2009 08:42
SOLIDAITÄT
MIT DER IRISCHEN NEIN-STIMME
Gemeinsamer
Appell der kommunistischen und Arbeiterparteien in Europa
zum
neuen irischen Referendum
Die
Ablehnung des Lissabon-Vertrags durch das irische Volk beim Referendum
im letzten Jahr hat – ebenso wie frühere Ablehnungen von EU-Verträgen
und der EU-Verfassung durch andere Völker in verschiedenen
EU-Mitgliedsstaaten – den Regierungen und etlichen den Monopolen
dienstbaren politischen Kräften wie auch der EU, dieser
zwischenstaatlichen imperialistischen Union, welche die Interessen des
Großkapitals zu ihrer treibenden Kraft hat, erhebliche Schwierigkeiten
bereitet.
Deshalb
zwingt Brüssel, indem man sich weigert, die Stimmabgabe der Bevölkerung
anzuerkennen, das irische Volk, erneut abzustimmen, in der Hoffnung,
dass es durch Einschüchterungen und Schikanen zu einer Änderung seiner
Entscheidung gebracht werden kann.
Der
Lissabon-Vertrag festigt und verstärkt, wie schon zuvor die Verträge
von Maastricht und Nizza, die EU-imperialistische Strategie zugunsten
der Interessen des Monopolkapitals.
Dies
bedeutet insbesondere, dass der Vertrag
-
den militaristischen Charakter der EU verstärkt, die Zuständigkeiten
des EU-Außenbeauftragten aufwertet und eine engere Zusammenarbeit mit
der NATO und den USA festschreibt;
-
die souveränen Rechte der Mitgliedsstaaten beschränkt und die
Vorrangstellung von EU-Recht gegenüber nationalem Recht bestätigt;
-
neue Politiken der Ausbeutung der Beschäftigten und der Demontage von
Arbeits- und Sozialrechten entwickelt, und zwar in Weiterverfolgung der
Urteile des Europäischen Gerichtshofs in den Fällen Vaxholm, Laval, Rüffert
und Luxemburg, die gewissermaßen auf früherem Vertragsrecht beruhen;
-
das Vetorecht in 50 Bereichen zugunsten der mächtigen Länder in der EU
abschafft und dabei auch das relative Stimmengewicht der größeren
Staaten erhöht;
-
die polizeilichen und repressiven Machtbefugnisse auf der zentralen
Ebene sowie in jedem einzelnen Mitgliedsstaat entscheidend verstärkt,
und zwar in Richtung der Schaffung einer einzigen europäischen Politik
der inneren Ordnung und Sicherheit;
-
die individuellen und kollektiven politischen Rechte und Freiheiten
stark beschränkt und antastet und den Kampf gegen „radikale”
Ideologien in das bestehende „Anti-Terror”- Paket der EU einbezieht;
-
die räuberische und bedrohliche Rolle der EU im Umgang mit den
Entwicklungsländern verstärkt, die darin besteht, Terms of trade und
Wirtschaftspolitik zu diktieren und die Ressourcen dieser Länder der
Ausbeutung durch die europäischen multinationalen Konzerne zu öffnen;
-
die Fähigkeit der Mitgliedstaaten, souveräne unabhängige Aktivitäten
in sozialen, ökonomischen und politischen Schlüsselfragen zu
entfalten, weiter untergräbt, wodurch eine Bezugnahme auf die
traditionelle „irische Politik der Neutralität“ jeder praktischen
Bedeutung entbehren würde;
Die
Arbeiter- und volksverbundenen Kräfte sind sich heute der Tatsache
bewusster, dass die EU nichts mit den Interessen der Völker zu tun hat.
Es ist eine Union der Beschäftigungslosigkeit und Unterbeschäftigung,
der Abschaffung von Arbeits- und Sozialversicherungsrechten, des
Einfrierens von Löhnen und Renten, der Kommerzialisierung von
Gesundheit, sozialer Wohlfahrt, Bildung und Kultur. Die Völker Europas
haben Erfahrungen gesammelt, seitdem in der Praxis bewiesen ist, dass
die EU und ihre Verträge nicht nur keinerlei Schutz gegen die
kapitalistische Krise darstellen sondern im Gegenteil die Profite des
Kapitals stärken, das die Krise verursacht.
Die
kommunistischen und Arbeiterparteien Europas bekunden ihre Solidarität
mit der irischen Bevölkerung und bitten sie dringend, sich entschieden
der anti-demokratischen und arbeiterfeindlichen Richtung, die der EU
wesensmäßig anhaftet, zu widersetzen, den EU-Militarismus und die
darin liegende Bedrohung des Friedens und der Rechte der Menschen zurückzuweisen.
Wir bitten sie dringend, sich über die Ultimaten der EU hinwegzusetzen,
nicht an die Versprechungen von Regelungen, Verbesserungen und
„Protokolle über die Respektierung von Rechten über den Vertrag
hinaus“ zu glauben, die den reaktionären Charakter des Vertrages
nicht ändern.
Wir
rufen die Arbeiter in allen EU-Mitgliedstaaten auf,
-
ihre aktive Solidarität mit dem irischen Volk zu zeigen;
-
es durch Solidaritätsbotschaften und in jeder anderen Weise zu unterstützen,
da dies ein gemeinsamer Kampf ist, und sein Ergebnis Auswirkungen auf
alle Arbeiter in der EU haben wird.
Das
Europa der Multis hat sich hinter die Kräfte der „Ja”-Stimme
gestellt; wir die kommunistischen und Arbeiterparteien rufen die
Arbeiter auf, sich zu verbünden und solidarisch zu der irischen
Arbeiterklasse und den anderen volksverbundenen Kräften des Landes zu
stehen.
Wir
rufen das irische Volk auf, die Nerven zu behalten, einmal mehr
„NEIN” zu stimmen und den entscheidenden Anstoß zu geben, der die
Ablehnung des reaktionären Vertrags signalisieren wird. Dies Ergebnis
wird neue Hindernisse für die Angriffe der EU-Imperialisten errichten
und den Kämpfen der Arbeiterklasse und der armen Bevölkerungsschichten
in ganz Europa neue Impulse geben.
Übersetzung aus dem Englischen: Klaus von
Raussendorff
Communist
Party of Belarus; Workers’ Party of Belgium; Communist Workers’
Party of Bosnia and Herzegovina; Communist Party of Britain; New
Communist Party of Britain; Socialist Workers’ Party of Croatia;
Communist Party in Denmark; Communist Party of Denmark; Communist Party
of Estonia; Communist Party of Finland; Communist Party of Greece;
Hungarian Communist Workers’ Party; Communist Party Ireland; Workers’
Party of Ireland; Socialist Party of Latvia; Communist Party of
Luxembourg; New Communist Party of the Netherlands; Communist Party of
Norway; Communist Party of Poland; Portuguese Communist Party; Communist
Party of the Russian Federation; Russian Communist Workers' Party –
Revolutionary Party of Communists; Communist Party of Slovakia;
Communist Party of the Peoples of Spain; Communist Party of Sweden;
Communist Party of Turkey;
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[
2 ]
Der
Standard (Wien), 21. September 2009, 11:00
http://derstandard.at
EU-REFERENDUM
IN IRLAND :
„DIE
EU IST EINE MODERNE FORM DES KOLONIALISMUS“
Des
Dalton ist seit seinem 18. Lebensjahr Mitglied des Republican Sinn Fein
(RSF), einer Abspaltung der irischen Sinn Fein-Partei. Der RSF versteht
sich als „wahrer Vertreter des irischen Republikanismus“ und fordert
einen sozialistischen, föderativen Staat Irland. Angebliche
Verbindungen zur paramilitärischen Splittergruppe Continuity Irish
Republican Army (CIRA) werden offiziell immer wieder zurückgewiesen.
Der
irische Lissabon-Gegner Des Dalton erklärt im derStandard.at-Interview,
warum er für ein zweites Nein kämpft
Während
Umfragen auf eine Zustimmung der Iren zum Lissaboner Vertrag hindeuten,
ruft die Nein-Bewegung ein zweites Mal dazu auf, den EU-Reformprozess
mittels Referendum zu blockieren. Des Dalton, Vizepräsident der
linksnationalistischen irischen Partei Republican Sinn Fein, erklärt im
Gespräch mit derStandard.at, warum er sich dem Druck des Ja-Lagers
nicht beugen will.
derStandard.at:
Wirtschaftlich hat kaum ein Land so von der EU profitiert wie Irland.
Verstehen Sie Menschen, die Ihr Land aus der Union ausschließen wollen,
wenn es die EU-Reform weiter aufschiebt?
Des
Dalton: Die Ja-Kampagne versucht das Lissabon-Referendum als Abstimmung
über eine Fortsetzung der EU-Mitgliedschaft darzustellen, was es natürlich
nicht ist, weil die bisherigen Verträge in jedem Fall gültig bleiben.
Den erhaltenen Subventionen stehen aber die Kosten des Beitritts für
Irland gegenüber, zum Beispiel die Zerstörung der irischen Fischerei
und die Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Tausende Bauern haben seit
dem Beitritt 1973 ihr Land verloren. Wenn man über die Nutzen redet,
muss man auch die negativen Konsequenzen erwähnen.
derStandard.at:
Aber soll Irland Ihrer Meinung nach austreten, wenn es ein zweites Nein
gibt?
Des
Dalton: Der Standpunkt des Republican Sinn Fein ist, dass Irland gar
nicht erst hätte beitreten sollen. Nicht nur wegen der Situation in
Irland selbst, sondern vor allem wegen der zutiefst undemokratischen
Struktur der EU. Wir sind für Handel und Kooperation zwischen freien
Nationen, aber das sollte in Form einer Zusammenarbeit passieren und
nicht in Form einer politischen Union. Und wenn die Iren ein zweites Mal
Nein sagen, wird sie das nicht in ein Eck drängen. Die Realität ist
ja, dass Tschechien genauso wie Polen den Lissaboner Vertrag noch
ratifizieren muss und auch das deutsche Parlament noch zustimmen muss.
Ein Nein der Iren würde völlig neue Szenarien eröffnen.
derStandard.at:
Laut einer Umfrage der Sunday Business Post wollen 62 Prozent der Iren
mit Ja stimmen. Alles Verblendete?
Des
Dalton: Man muss sich bei solchen Umfragen immer ansehen, wie gefragt
wurde. Es wird ja auch oft so dargestellt, als würden die Anpassungen
des Lissaboner Vertrags auf die Ängste reagieren, die die Menschen in
Irland beim letzten Mal geäußert haben. Die jüngsten Umfragen deuten
auf eine Konsolidierung des Ja-Lagers hin, es hat aber in den Wochen vor
dem letzten Referendum genau so ausgesehen und es gibt auch heute noch
ein großes Lager von Menschen, die ihre Meinung noch nicht geäußert
haben. Es ist noch immer ein Kampf, der gewonnen werden kann. Das
Ja-Lager hat ja mächtige Fürsprecher auf seiner Seite, etwa die
irische Regierung, diverse EU-Institutionen und die Massenmedien. Wir
haben jedenfalls eine wichtige Botschaft zu verbreiten und werden das
bis zum letzten Tag vor dem Referendum auch tun.
derStandard.at:
Was soll, wenn es nach Ihnen geht, nach einer zweiten Ablehnung
geschehen?
Des
Dalton: Was ich derzeit sagen kann ist, dass es sich bei dem Vertrag um
ein Papier handelt, das zu 90 bis 95 Prozent jenem gleicht, das schon
von den Franzosen, Niederländern und zuletzt den Iren abgelehnt wurde.
Wenn Lissabon jetzt zum vierten Mal zurückgewiesen wird, würden die
Menschen in Europa sehen, dass ein neuer EU-Superstaat nicht gewünscht
wird. Was es dann braucht, ist ein radikales Umdenken über den künftigen
Kurs Europas, und das soll nicht nur in Irland stattfinden, sondern in
allen Ländern.
derStandard.at:
Sie haben das Bild vom europäischen Superstaat gezeichnet. Im Kontext
der irischen Teilung: was ist so schlimm an einem Europa ohne Grenzen?
Des
Dalton: Auch dieser Punkt führt zurück auf die Frage, was eine
funktionierende Demokratie ist und wie eine solche funktionieren soll.
Nicht nur die irische, sondern die europäische Geschichte lehrt uns,
dass Demokratie am besten funktioniert, wenn sie möglichst nahe an den
Menschen arbeitet. Entscheidungen, die Menschen direkt betreffen,
sollten von Menschen oder Strukturen getroffen werden, die sehr nahe an
den Betroffenen sind und berechenbar sind. Die irische Geschichte war
blutig und von Unterdrückung und Fremdherrschaft bestimmt. Ich sehe
keinen Sinn darin, die Kontrolle über Irland einfach von Westminster
(Parlament des Vereinigten Königreichs in London, Anm.) auf Brüssel zu
übergeben. Wir betrachten die EU als moderne Form des Kolonialismus,
zutiefst undemokratisch und nur den Interessen der großen Staaten
verpflichtet. Es ist doch eine Quadratur des Kreises, 500 Millionen
Menschen aus verschiedenen Nationen und mit unterschiedlichen Kulturen
und Sprachen in einen Superstaat pressen zu wollen und dabei
demokratisch sein zu wollen. Manche Vertreter des Ja-Lagers sind ehrlich
genug, das auch zuzugeben.
derStandard.at:
Sie wollen die Entscheidungsfindung in der EU regionalisieren. Wie soll
das bei Themen wie Klimaschutz und bei der aktuellen globalen
Wirtschaftskrise denn funktionieren?
Des
Dalton: Unsere Vorstellungen schließen internationale Zusammenarbeit ja
nicht aus. Die gab es immer und wird es auch immer geben. Im Laufe der
Jahrhunderte war das leider nicht immer zum Vorteil der Bevölkerung.
Klar, Dinge wie Umweltschutz muss man natürlich global angehen, aber es
gibt keinen Grund, warum die Regierungen nicht zusammenarbeiten können,
ohne dabei die Bevölkerung auf undemokratische Weise einfach zu übergehen.
derStandard.at:
Bei Ihrer Rede in Wien nannten Sie die EU ein „imperialistisches
Projekt“. Glauben Sie, dass sie damit etwa den Slowaken oder den Rumänen
aus dem Herzen sprechen?
Des
Dalton: Man muss sich die Dinge langfristig ansehen, vor allem, zu
welchem Preis die osteuropäischen Länder nun von der EU profitieren.
Außerdem sind viele Aspekte der derzeitigen Krise das Resultat der
neoliberalen Laissez-faire-Politik der EU. Alleine auf dieser Ebene ist
die EU nicht die Lösung sondern das Problem. Die Menschen in Osteuropa
müssen sich fragen, welchen Preis sie dafür zahlen, die Kontrolle über
ihre Demokratie, ihre Wirtschaft und ihren Platz in der Welt aufzugeben.
Wann immer die Menschen in der EU gefragt wurden, haben sie Nein gesagt.
(Florian Niederndorfer, derStandard.at, 21.9.2009)
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