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Liebe Leute,

zur Kampagne gegen den Iran dokumentiere ich:

WASHINGTONS IRAN-POLITIK:

SPEKULATIONEN ÜBER MILITÄRSCHLAG HALTEN AN

Von Klaus von Raussendorff

(A b d r u c k  e r w ü n s c h t)

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WIE GEFÄHRLICH WÄRE EIN MILITÄRSCHLAG GEGEN IRAN?

ISRAELISCHES VORMACHTSTREBEN ALS HINDERNIS BEI DER SUCHE NACH GLEICHGEWICHT

Die Spekulationen über einen möglichen israelischen oder amerikanischen Militärschlag gegen Iran reißen nicht ab. Im folgenden Beitrag hinterfragt der Autor die Gründe für eine Strategie gegenüber Teheran, die auf Ausgrenzung und Konfrontation aus ist. Er plädiert für eine moderierende Politik, die ein Gleichgewicht zwischen den regionalen Kräften anstrebt.

Von Johannes Reissner*

Aus: Neue Zürcher Zeitung vom 26. Juli 2008

http://www.nzz.ch/nachrichten/international/

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KRIEG ODER PRIVATISIERUNG?

Die vom US-Kongreß vorgeschlagenen Wirtschaftssanktionen und ein Waffengang gegen das Land würden die Übernahme von Staatsbetrieben durch ausländische Investoren sabotieren. Das Nachsehen hätten die Konkurrenten der USA und die zivile Wirtschaft

Von Michel Chossudovsky

Aus: junge Welt v. 21. Juli 2008

http://www.jungewelt.de/2008/07-21/001.php?sstr=Chossudovsky

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Mit internationalistischen Grüßen

Klaus von Raussendorff

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Anti-Imperialistische Korrespondenz (AIKor) -

Informationsdienst der Vereinigung für Internationale Solidarität (VIS) e.V.,

Redaktion: Klaus von Raussendorff

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[ 1 ]

WASHINGTONS IRAN-POLITIK:

SPEKULATIONEN ÜBER MILITÄRSCHLAG HALTEN AN

Von Klaus von Raussendorff

Die Entscheidung von Präsident Bush, den dritthöchsten Diplomaten der USA, William Burns, als Beobachter zu den Atom-Gesprächen mit dem Iran am 19. Juli nach Genf zu entsenden, ist von den meisten Kommentatoren als eine lange fällige, realistische Wende in der Iran-Politik Washingtons gewertet worden. Doch Zweifel sind angebracht.

Am 13. Juli berichtete die britische Sunday Times: „Trotz der Opposition seiner eigenen Generäle sowie einer verbreiteten Skepsis, dass Amerika bereit ist, das Risiko der militärischen, politischen und wirtschaftlichen Folgen eines Luftschlages gegen den Iran einzugehen, hat der Präsident ‚gelbes Licht’ für einen israelischen Plan gegeben, die hauptsächlichsten Atomanlagen des Iran mit Langstrecken-Bombereinsätzen anzugreifen, erklärte ein [Pentagon-] Vertreter gegenüber The Sunday Times.“ „’Gelb bedeutet, setzt eure Vorbereitungen fort, macht euch für einen unmittelbaren Angriff bereit und sagt uns, wann ihr fertig seid,’ so heißt es weiter. „Aber den Israelis wurde auch gesagt, dass sie keine Hilfe von den US-amerikanischen Streitkräften erwarten können und nicht die Möglichkeit haben, US-Militärbasen im Irak für logistische Unterstützung zu nutzen.“ General Amos Gilad, ein hoher Beamter des israelischen Verteidigungsministeriums, erklärte am 14. Juli in einem Interview mit BBC Radio Four, Israel bereite sich auf Militäraktionen gegen Iran vorbereiten und werde diese durchführen, wenn die Diplomatie versagt.

In diesem Zusammenhang bewegt John Bolton die nahe liegende Frage: „Was werden die USA tun, falls Israel sich dazu entschließt, eine militärische Aktion einzuleiten?” In einem Kommentar in „The Wallstreet Journal“ vom 15. Juli empfiehlt Bolton: „Statt darüber zu debattieren, wie viel länger die fünfjährige verfehlte Diplomatie noch weitergehen soll, sollten wir intensiv darüber nachdenken, welche Zusammenarbeit die USA Israel vor, während und nach einem Schlag gegen den Iran gewähren werden.“ Bolton, einer der aus der Bush-Regierung ausgeschiedenen Neokonservativen, argumentiert: „Wir werden für den Schlag ohnehin verurteilt werden, und mit Sicherheit jegliche negativen Konsequenzen zu spüren bekommen.“ Daher gebietet für ihn „die zwingende Logik“, den Militärschlag „so erfolgreich wie möglich zu machen.“  Zumindest sollten die USA „Israel keine Hindernisse in den Weg legen und seine Anstrengungen erleichtern, wo wir können.“ Noch mehr Sanktionen wären nach Boltons Meinung „einfach zu wenig, zu spät.“ Bekanntlich drängen Abgeordnete beider Parteien der USA den Präsidenten zur Verhängung weitergehender Sanktionen, darunter  „strenger Inspektionsauflagen gegenüber allen Personen, Fahrzeugen, Schiffen, Flugzeugen, Zügen und Güterverkehr nach und aus Iran“. Eine Blockade ist nach Völkerrecht ein kriegerischer Akt. Ferner führen die USA nach Medienberichten innerhalb des Iran seit einiger Zeit „verdeckte Operationen“ durch. Nach Enthüllungen von Seymour Hersh in „The New Yorker“ vom 7. Juli 2008 hat der Kongress hierfür 400 Millionen Dollar bewilligt.

Boltons politische Vorschläge seien zwar „nachweisbar verrückt“, kommentiert Gary Sick, ein Berater früherer US-Regierungen (in „News by Jim Lobe“ vom 18. Juli 2008). Aber Bolton halte sich, scharfsinnig wie er ist, an das, was die Bush-Regierung tatsächlich tut, nicht an ihre Rhetorik. Bolton nehme „den realen Pragmatismus und die Mäßigung in Washington“ zur Kenntnis. Tatsächlich hätten die USA „in den letzten zwei Jahren ihre Haltung zu  den europäischen Gespräche mit dem Iran völlig revidiert“. Zuerst hätte Washington angedeutet, an den Verhandlungen nur teilnehmen zu wollen, sofern diese Erfolge zeigtigten. Dann hätte man sich trotz Ausbleiben von Erfolgen aktiv an der Ausarbeitung „eines neuen attraktiveren Angebot von Anreizen“ beteiligt. Dieses habe schließlich auch die Unterschrift von US-Außenministerin Condoleeza Rice getragen. Das Gravitationszentrum der Macht sei innerhalb der Bush-Regierung von Vizepräsident Dick Cheney zu Außenministerin Condoleezza Rice und Verteidigungsminister Richard Gates verschoben worden. Schließlich habe der Vorsitzende der Vereinten Stabschefs der US-Streitkräfte so deutlich wie nur möglich zu verstehen gegeben, „dass die militärische Option, obgleich als theoretische Möglichkeit niemals aufgegeben, die am wenigsten attraktive Option und so gut wie unmöglich ist angesichts unserer Überbeanspruchung im Irak und in Afghanistan.“

Ohne Unterstützung durch die US-Streitkräfte gilt den meisten Kommentatoren ein israelischer Luftangriff gegen den Iran als technisch undurchführbar. Auf eine solche Unterstützung wird in Israel trotz gegenteiliger Behauptung aus dem Pentagon offenbar spekuliert. An demselben 13. Juli, als Sunday Times Bushs „gelbes Licht“ für einen israelischen Angriff auf den Iran meldet, berichtet die Jerusalem Post: „Am Freitag, erklärten Quellen im irakischen Verteidigungsministerium gegenüber einer örtlichen Nachrichtenagentur, dass Flugzeuge der israelischen Luftwaffe in Vorbereitung auf einen potentiellen Schlag gegen den Iran im irakischen Luftraum üben und auf US-Luftbasen im Land landen.“ Die stellvertretende Chefredakteurin von Jerusalem Post, Caroline Glick, kommentiert am 17. Juli: „Die Entscheidung von Präsident George W. Bush, die Tür für einen israelischen Präventivschlag gegen den Iran weit offen zu lassen, ist eine positive Entwicklung. Aber eine offene Tür ist nur dann von Bedeutung, wenn jemand willens ist, durch sie hindurchzugehen,“ Es sei aber alles andere als klar, dass die Olmert-Livni-Barak-Yishai-Regierung dazu bereit ist. Am 16. Juli fand der Gefangenenaustausch mit dem Libanon statt, der von vielen Israelis als demütigend empfunden wird. Carolin Glick greift die israelische Regierung und die israelischen Medien heftig an. Sie kommt zu dem Schluss: „So wie die Dinge heute in Israel liegen, werden alle offenen Türen der Welt in diesem Augenblick der Krise nicht helfen. Nur zwei Dinge können gewährleisten, dass Israels Führer gegen den Iran vorgehen. Entweder wird jemand mit einem Weg für einen garantierten Erfolg hervortreten - und das ist nicht wahrscheinlich; oder die Regierung wird stürzen, und die Nation wird neue Führer wählen, die ihre Verantwortung für Israels nationales Schicksal verstehen und fähig sind, die Nation durch diese offene Tür gehen zu lassen.“

Der militärpolitische Korrespondent der israelischen Tageszeitung Haaretz, Yossi Melman, erwägt den Gedanken, dass Bush durch die Teilnahme an den Atom-Gesprächen mit dem Iran nur den Eindruck von Kompromissbereitschaft vermitteln will, „um die öffentliche Meinung zuhause und im Ausland auf eine Verschärfung der Maßnahmen gegen den Iran vorzubereiten.“ Für Melman steht die militärische Option „in den USA und Israel weiter auf der Tagesordnung“.

Der kanadische Wirtschaftswissenschaftler Michel Chossudovsky argumentiert in „junge Welt“ vom 21. Juli, dass die Kriegs- und Sanktionsdrohungen mit den internationalen Finanzmanipulationen zusammenhängen. Durchaus absichtlich werde eine weltweite Atmosphäre der Unsicherheit geschürt. „Die wirtschaftlichen und finanziellen Verwerfungen, die aus dem Anstieg der Preise für Rohöl und Grundnahrungsmittel resultieren, sind die Quelle finanzieller Gewinne einer Handvoll globaler Akteure.“

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Aus: Neue Zürcher Zeitung vom 26. Juli 2008

http://www.nzz.ch/nachrichten/international/

WIE GEFÄHRLICH WÄRE EIN MILITÄRSCHLAG GEGEN IRAN?

ISRAELISCHES VORMACHTSTREBEN ALS HINDERNIS BEI DER SUCHE NACH GLEICHGEWICHT

Die Spekulationen über einen möglichen israelischen oder amerikanischen Militärschlag gegen Iran reißen nicht ab. Im folgenden Beitrag hinterfragt der Autor die Gründe für eine Strategie gegenüber Teheran, die auf Ausgrenzung und Konfrontation aus ist. Er plädiert für eine moderierende Politik, die ein Gleichgewicht zwischen den regionalen Kräften anstrebt.

Von Johannes Reissner*

Israelische Drohungen, mit einem Militärschlag gegen Irans Atomanlagen die «iranische Bombe» zu verhindern, häufen sich, und international reissen die Spekulationen nicht ab, ob damit nur der Druck auf Iran erhöht werden soll oder ob tatsächlich vor Ende der Amtszeit Präsident Bushs mit einem Angriff zu rechnen sei. Da Israeli auch einräumen, dass sich mit einem Militärschlag die «iranische Bombe» möglicherweise ohnehin nur um etwa vier Jahre verzögern liesse, fragt man sich allerdings, wozu er dann dienen soll und welche Folgen er haben könnte.

Die iranische Bedrohung

Die Israeli haben gute Gründe, in Iran eine Bedrohung zu sehen. Eine Welt ohne den Staat Israel wäre der iranischen Führung am liebsten. Lange bevor Ahmadinejad im Oktober 2005 Khomeiny mit der Äusserung zitierte, dass das Jerusalem besetzende Regime aus den Seiten der Geschichte verschwinden müsse, hatte der Revolutionsführer Khamenei im Mai 1999 Widerstand und Kampf als einzige Mittel genannt, um das «Krebsgeschwür Israel» auszurotten. Angesichts dessen ist die schiefe Übersetzung westlicher Medien des Khomeiny-Zitats von Ahmadinejad irrelevant. Eher bemerkenswert ist, dass die iranische Führung den Untergang Israels in aller Regel unpersönlich, quasi als geschichtliche Notwendigkeit, darstellt, nicht aber sagt, dass man es selbst besorgen werde. Doch dies kann Israel natürlich nicht beruhigen.

Zwischen Israel und der Islamischen Republik Iran bestand nicht immer unüberbrückbare Feindschaft. Khomeiny lehnte Israel zwar aus ideologischen Gründen grundsätzlich ab, aber das politische Verhältnis der iranischen Revolutionäre zu Israel war zunächst eher ambivalent und kalkuliert. Während des Krieges mit dem Irak (1980–1988) akzeptierte Iran die Lieferung amerikanischer Waffen über Israel im Rahmen der später als Iran-Contra bekannt gewordenen Affäre. Erst in den neunziger Jahren verschärfte sich die geostrategische Konkurrenz zwischen Israel und Iran, wie Trita Parsi in seinem Buch «The Treacherous Alliance. The Secret Dealings of Israel , Iran , and the U.S. » dokumentiert.

Nachdem sich Iran im ersten Krieg der USA gegen Saddam Hussein 1991 neutral verhalten hatte, schien eine Annäherung zwischen Iran und den USA möglich. Dies weckte in Israel Befürchtungen, es könnte seine Vorzugsstellung als wichtigster strategischer Partner der USA in der Region einbüssen. Um dem entgegenzuwirken, propagierte die israelische Arbeitspartei unter Rabin und Peres die Vorstellung, dass das nichtarabische Iran für Israel seine potenzielle Funktion als strategische Balance gegen die Araber verloren habe und nach der faktischen Ausschaltung des Iraks zur entscheidenden Bedrohung in der Peripherie Israels geworden sei. Diese Sicht beeinflusste auch Präsident Clinton, der im Frühjahr 1993 gegen den «kritischen Dialog» der Europäer mit Iran die «doppelte Eindämmung» des Iraks und Irans auf die Agenda amerikanischer Mittelostpolitik setzte. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 avancierte Iran zum Schurkenstaat, zum weltweit «grössten Sponsor von Terrorismus», und kam auf die «Achse des Bösen».

Veraltete Strategien

Dieser auf Marginalisierung und Exklusion nicht prowestlicher Akteure zielende Politikansatz mochte während des Kalten Kriegs zur Verhinderung prosowjetischer Satelliten noch möglich gewesen sein. Heute aber wirkt er mit seinem kruden Freund-Feind-Schema nur noch konfliktverschärfend. Denn der Globalisierungsschub der neunziger Jahre hat den regionalen Akteuren des Nahen und Mittleren Ostens enorme neue Möglichkeiten für ihr altes Spiel eröffnet, die Konkurrenz externer Mächte für den eigenen, regionalen Konkurrenzkampf zu nutzen. Diese seit dem 19. Jahrhundert geübte Praxis bestimmt die politische Dynamik der Region. Sie ist von ethnischen und konfessionellen Animositäten und Feindschaften geprägt, aber nicht von Exklusionsphantasien. Saudiarabien und die kleineren arabischen Nachbarn Irans am Persischen Golf bemühen sich um eine Eindämmung Irans durch selektive Inklusion und Engagement.

Der Westen kann der Region keine Ordnung von aussen bringen und bestimmen, wer in ihr mitspielen darf. An die Stelle der kontraproduktiven auf Exklusion ausgerichteten Strategien muss eine moderierende Balance zwischen allen Kräften der Region treten. Afghanistan und der Irak haben gezeigt, dass die Probleme erst nach der Eroberung und der Beseitigung der Regime beginnen.

Sanktionen sind keine Diplomatie

Irans Antwort auf das Anreizpaket der fünf Vetomächte des Uno-Sicherheitsrats und Deutschlands lässt neue Verhandlungen möglich erscheinen. Diese Entwicklung erfordert die volle Unterstützung der USA. Sanktionen allein sind entgegen der ständigen Behauptung Washingtons noch keine Diplomatie, sondern sind ohne Einbindung in eine politische Strategie nichts anderes als eine nichtmilitärische Strafaktion, deren inhärente Gefahr der Eskalation offensichtlich ist.

Die amerikanische Behauptung, ein Militärschlag gegen iranische Atomanlagen sei nur als «letzte Zuflucht» (last resort) zur Verhinderung der «iranischen Bombe» geplant, ist ohne den ernsthaften Versuch Washingtons, mit Teheran zu verhandeln, eine Irreführung der internationalen öffentlichen Meinung. Nur in Verhandlungen lässt sich die prinzipielle Anerkennung Irans zeigen. Zwar sieht man in Washington, dass die Lösung der Irakfrage ohne eine Einbeziehung Irans schwer möglich ist. Doch auf den Irak beschränkte Verhandlungen, die das Moment der grundsätzlichen Anerkennung Irans missen lassen, reichen Iran nicht, wie die Irak-Verhandlungen von 2007 zeigten. Dass Iran an einem grundlegenden Arrangement mit den USA interessiert ist, dafür gibt es trotz massiver antiamerikanischer Rhetorik deutliche Signale.

In Israel wird der zeitliche Abstand zum «point of no return», an dem Iran aufgrund seiner Anreicherungsaktivitäten zum Bau der Bombe fähig wäre, auf etwa ein Jahr eingeschätzt und das Ende der Amtszeit Präsident Bushs als letztmögliches Datum für einen Militärschlag genannt. Dies wirkt sehr kalkuliert. Hätten die vielen israelischen Schätzungen seit Beginn der neunziger Jahre gestimmt, müsste Iran längst die Bombe haben. Es ist Zeit, einmal in die andere Richtung zu denken, ob dem israelischen Sicherheitsbedürfnis nicht weit mehr mit einer ernsthaften Verbesserung des amerikanisch-iranischen Verhältnisses gedient wäre als mit einem Militärschlag. Doch Israel will für die eigene Sicherheit in letzter Instanz auch nicht auf die Amerikaner angewiesen sein. Eine «iranische Bombe plus amerikanische Botschaft in Teheran» widerspräche der Doktrin von Israels regionaler Vormachtstellung.

In Israel wird argumentiert, dass ein Militärschlag die nukleare Rüstung Irans zumindest verzögern würde. Die internationale Gemeinschaft könnte dann die Zeit nutzen, nach einer dauerhafteren Lösung zu suchen. Doch die Frage ist, ob es nach einem Militärschlag überhaupt eine kontrollierbare und verhandlungsoffene Situation gibt. Seit einem Jahr herrscht in Israel die Meinung vor, dass sich die unmittelbaren Reaktionen «managen» liessen. Ob Iran es tatsächlich wagen würde, Israel mit Raketen anzugreifen und einen Krieg zu entfesseln, ob der libanesische Hizbullah und Syrien zur Entlastung Irans Israel angreifen würden, all dies sei ungewiss. So schwierig dergleichen auch zu bewältigen sei, so sei es doch immerhin noch eher zu verkraften als ein nuklear gerüstetes Iran. Israels grundsätzliche strategische Überlegenheit in der Region bliebe erhalten.

Keine Hoffnung auf regionale Stabilität

Abgesehen davon, dass sich Iran im Falle eines israelischen oder amerikanischen Militärschlags erst recht zur nuklearen Rüstung entschliessen könnte, übersieht die israelische Kalkulation die möglichen mittelfristigen Folgen. Eine Schwächung des iranischen Regimes oder gar ein Regimewechsel, worauf unter anderem die Studie «The Last Resort» von Patrick Clawson und Michael Eisenstadt vom Washington Institute for Near East Policy spekuliert, würde eine Destabilisierung Irans bedeuten und im Extremfall, dass man es mit einem weiteren fragilen oder gar «failed state» zwischen dem Irak und Afghanistan zu tun hätte. Amerikanische Versuche, Minderheiten wie die Belutschen, die Kurden und die Araber in Ahwaz gegen Teheran aufzustacheln, können nur einem Chaos den Weg ebnen, das die regionale Stabilität vernichten würde.

Das aufgeheizte Klima der Drohungen und Gegendrohungen ist beängstigend genug. Doch die Beschränkung der meisten Spekulationen auf das Ob und Wie eines Militärschlags und die Vernachlässigung der Frage nach den Folgen lassen sich nur aus der von Selbstüberschätzung geprägten Überzeugung erklären, das Danach schon irgendwie regeln zu können. Bekanntlich ist Hybris ein schlechter Ratgeber.

* Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe Naher/Mittlerer Osten und Afrika der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin.

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Aus: junge Welt v. 21. Juli 2008

http://www.jungewelt.de/2008/07-21/001.php?sstr=Chossudovsky

KRIEG ODER PRIVATISIERUNG?

Die vom US-Kongreß vorgeschlagenen Wirtschaftssanktionen und ein Waffengang gegen das Land würden die Übernahme von Staatsbetrieben durch ausländische Investoren ­sabotieren. Das Nachsehen hätten die Konkurrenten der USA und die zivile Wirtschaft

Von Michel Chossudovsky

Ist der Krieg gegen den Iran vorläufig auf Eis gelegt? Teheran steht kurz davor, aufgrund eines umfangreichen Privatisierungsprogramms im Zeichen des »Freien Marktes«, ausländischen Anlegern zu gestatten, volles Eigentum an Unternehmen des iranischen Staates zu erwerben – was als entgegenkommende Geste gegenüber dem Westen verstanden werden könnte.

Der iranische Staat steckt bei einem Rohölpreis von 140 Dollar pro Faß keineswegs in einer finanziellen Zwangsjacke wie die meisten verschuldeten Entwicklungsländer, denen von ihren Gläubigern auferlegt wird, ihr Staatsvermögen zu veräußern, um die wachsende Auslandsschuld zu bedienen. Was also sind die politischen Motive hinter dieser Maßnahme? Und warum jetzt? Mehrere westliche Gesellschaften sind bereits angesprochen worden. Teheran will ausländischem Kapital erlauben, »unbegrenzt Aktien staatlicher Unternehmen, die zum Verkauf anstehen, zu übernehmen«.

Irans Privatisierungsprogramm wurde Ende der 1990er Jahre unter der Regierung von Mohammed Khatami eingeleitet; nun allerdings deutet der jüngste Verkauf von Anteilen an staatlichen Schlüsselunternehmen auf eine neue Wirtschaftspolitik hin. Die ihr zugrunde liegenden Zielvorstellungen sind weitreichender Art. Sie geht über den Privatisierungsrahmen hinaus, der in mehreren Entwicklungsländern innerhalb der Einflußsphäre der USA üblich ist. »Die Aktion verfolgt den Zweck, größere ausländische Investitionen anzuziehen, und ist Teil des umfangreichen wirtschaftlichen Liberalisierungsprogramms des Landes. Iran wird zwischen einheimischen und ausländischen Firmen, die Staatsbetriebe kaufen wollen, keine Unterschiede mehr machen, solange das gesamte ausländische Eigentum im jeweiligen Wirtschaftszweig nicht 35 Prozent übersteigt. (...) Beispielsweise könnte eine ausländische Firma eine iranische Stahlgesellschaft kaufen, aber erhielte nicht die Erlaubnis, jeden Betrieb der Stahlindustrie im Iran zu kaufen. Zu den neu angekündigten Anreizmaßnahmen gehört auch, daß Firmen ihren jährlichen Profit aus ihrer iranischen Gesellschaft in jeder gewünschten Währung aus dem Lande transferieren können.«1

Diese Entscheidung sorgfältig zu analysieren, ist wichtig. Zeitlich fällt ihre Ankündigung durch Irans Privatisierungsorganisation (IPO) mit den verstärkten Drohungen der USA und Israels zusammen, gegen das Land einen umfassenden Krieg zu führen. Darüber hinaus entspricht das Entstaatlichungsprogramm den Forderungen des »Washington Konsenses«2. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat – wenn auch mit Vorbehalten – bestätigt, daß Teheran am Ziel eines »kontinuierlichen Übergangs zu einer lebensfähigen und effizienten Marktwirtschaft« festhält, aber betont, daß die Schaffung von »Investorenvertrauen« eine Beschleunigung des Privatisierungsprogramms erforderlich macht.

In der Veröffentlichung der sogenannten Artikel-4-Konsultationen vom Mai 2008 ist der IWF voll des Lobes über Teheran wegen seines Entstaatlichungsprogramms, das im wesentlichen das Eigentum an Staatsvermögen in private Hände überträgt, wobei er betont, daß das Programm zügig und effizient durchgeführt wird. Verfolgt diese neuerliche Initiative Teherans zur Privatisierung von Schlüsselindustrien den Zweck, unter der Bedrohung durch einen Krieg die Forderungen der Bush-Regierung zu erfüllen?

Die Bretton-Woods-Institutionen sind dafür bekannt, daß sie unmittelbar US-amerikanischen Interessen dienen. Sie stehen nicht nur in Verbindung mit der Wall Street und dem US-Finanzministerium, sie unterhalten auch Kontakte zum US-Außenministerium, zum Pentagon und zur NATO. Konsultationen mit dem IWF und der Weltbank erfolgen oft vor dem Angriff in einem größeren Krieg. In der Nachkriegsphase sind sie dann gefragt bei Anleihen für den »Nachkonfliktwiederaufbau«. So ist die Weltbank ein Hauptakteur der Weiterleitung von »Auslandshilfe« an Irak und Afghanistan.

Die Privatisierungsmaßnahmen deuten darauf hin, daß der Iran bereit ist, ausländischem Kapital zu gestatten, die Kontrolle über Schlüsselsektoren der iranischen Wirtschaft zu übernehmen. Nach Aussage des Vorsitzenden der Iranischen Privatisierungsorganisation Gholamreza Kord-Zanganeh sind bis Ende des iranischen Kalenderjahres (März 2009) etwa 230 staatliche Gesellschaften für eine Privatisierung vorgesehen. Im letzten iranischen Kalenderjahr (bis März 2008) wurden die Aktien von etwa 177 Staatsunternehmen an der Teheraner Börse zum Kauf angeboten.

Inzwischen hat die staatliche Telecommunication Company of Iran (TCI) mitgeteilt, daß »eine Reihe ausländischer Telekomunternehmen ein Interesse am Erwerb ihrer Aktien bekundet haben, wenn in einem Monat die Regierung einen Teil ihrer Beteiligung verkauft. Die örtliche Presse nannte keine Namen potentieller Investoren. TCI hat im Iran ein Monopol für den Festnetzmarkt und ist außerdem durch das Tochterunternehmen MCI der größte Mobilfunkbetreiber des Landes.« Schon jetzt halten die französische Alcatel, MTN aus Südafrika und die deutsche Siemens AG beachtliche Anteile an der Telekomindustrie des Iran.

Andere Schlüsselsektoren der Wirtschaft, darunter die Aluminium-, Kupfer-, Eisen- und Stahlindustrie wurden kürzlich zur Privatisierung gebracht, wobei die Aktien der staatlichen Gesellschaften an der Teheraner Börse (TSE) gehandelt werden.

Wirtschaftskrieg

Steht diese Entscheidung Teherans zur Durchführung eines weitreichenden Privatisierungsprogramms mit dem andauernden Säbelrasseln und den diplomatischen Pressionen der USA in irgendeinem Zusammenhang? Auf den ersten Blick hat es den Anschein, daß Teheran sich den Forderungen Washingtons fügt, um einen umfassenden Krieg zu vermeiden. Irans Volksvermögen würde westlichen Investoren auf dem Silbertablett überreicht werden, ohne daß die USA zur Eroberung neuer ökonomischer Grenzen militärische Mitteln einsetzen müßten?

Aber es steckt mehr dahinter als das, was ins Auge fällt. Washington hat kein Interesse daran, Iran gleichsam als eine »Alternative« zu einem regelrechten Krieg ein Privatisierungsprogramm aufzuerlegen. Ganz im Gegenteil. Es gibt Anzeichen, daß es das Hauptziel der Bush-Regierung ist, das Privatisierungsprogramm aufzuhalten.

Anstatt von Washington als Schritt in die richtige Richtung begrüßt zu werden, erfolgt zeitgleich mit Teherans Privatisierungsprogramm im Mai 2008 die Einbringung einer weitreichenden Resolution des US-Kongresses (H.CON.RES 362), in der die Verhängung von finanziellen Sanktionen gegen den Iran verlangt wird.

Der Entwurf der Kongreß-Resolution »fordert den Präsidenten mit aller Entschiedenheit auf, unverzüglich die Autorität seines Amtes für die Verhängung von Sanktionen einzusetzen gegen die Zentralbank des Iran; (...) internationale Banken, die weiterhin finanzielle Transaktionen mit verbotenen iranischen Banken tätigen; (...) Energiegesellschaften, die seit der Verabschiedung des Iran Sanction Act von 1996 im Laufe eines Jahres 20 Millionen oder mehr US-Dollar im Erdöl- oder Erdgassektor des Iran investiert haben; sowie alle Gesellschaften, die weiterhin mit dem Islamischen Revolutionären Gardekorps des Iran Geschäfte machen.«

Die Resolution verlangt ferner, daß »der Präsident internationale Anstrengungen einleitet, um den wirtschaftlichen, politischen und diplomatischen Druck auf Iran unverzüglich und dramatisch zu erhöhen (...) und den Export raffinierter Erdölprodukte nach Iran zu verbieten; strenge Inspektionsvorschriften für alle Personen, Fahrzeuge, Schiffe, Flugzeuge, Züge und Transportgüter nach oder aus dem Iran zu erlassen; und die internationalen Reisemöglichkeiten offizieller Vertreter des Iran, die nicht mit den Verhandlungen über die Aussetzung des Atomprogramms des Iran befaßt sind, zu verbieten«.

Würden diese wirtschaftlichen Sanktionen durchgesetzt, würden sie den Handel und den Zahlungsverkehr lahmlegen. Selbstredend würden sie auch Irans Privatisierungsprogramm untergraben und die Übertragung iranischen Staatsvermögens in ausländische Hände vereiteln.

Warum also um alles in der Welt sollte sich die Bush-Regierung der Annahme eines neoliberalen Entstaatlichungsprogramms widersetzen, das der Islamischen Republik einige ihrer profitabelsten Kapitalanlagen nehmen würde?

Wo »wirtschaftliche Eroberung« doch Endzweck einer von Profitstreben getriebenen Militäragenda ist, welchen Sinn hat da ein Bombardement des Iran, wenn der Iran es duldet, daß seine Vermögenswerte an ausländische Investoren zu Schnäppchenpreisen übertragen werden, weitgehend so wie in anderen botmäßigen Entwicklungsländer, darunter Indonesien, die Philippinen, Brasilien etc.?

Großinvestoren China und Rußland

Während Firmen aus den USA auf der Liste der ausländischen Investoren im Iran durch Abwesenheit glänzen, haben Deutschland, Italien und Japan bedeutende Investitionsinteressen bei Öl und Gas, in der petrochemischen Industrie, Energieerzeugung und Bauwirtschaft ebenso wie im Bankensektor. Zusammen mit China und Rußland sind sie die Hauptnutznießer des Privatisierungsprogramms.

Eines der hauptsächlichen Ziele der in der Kongreßresolution 362 vorgeschlagenen Wirtschaftssanktionen besteht darin, ausländische Firmen, darunter solche aus der Europäischen Union und Japan, daran zu hindern, im Zeichen des Teheraner Entstaatlichungsprogramms größere Beteiligungen an der iranischen Volkswirtschaft zu erwerben. Weitere Länder mit wichtigen ausländischen Investitionsinteressen im Iran sind unter anderem Frankreich, Indien, Norwegen, Südkorea, Schweden und die Schweiz. Die schwedische Svedala Industri beteiligt sich an der Entwicklung der iranischen Kupferminen. Frankreich, Japan und Korea sind in der Automobilindustrie in Form von Lizenzverträgen mit iranischen Autoherstellern engagiert. Der italienische Erdölkonzern ENI ist mit 3,8 Milliarden Dollar an der Entwicklung von Phase vier und fünf des South-Pars-Ölfeldes beteiligt (siehe den Bericht der Iranischen Privatisierungsorganisation von 20083). Total und die britisch-niederländische Shell sind beim Erdgas mit dabei.

Wenngleich der Privatisierungsprozeß einen Verkauf der staatlichen Ölgesellschaft des Iran nicht gestattet, schafft er doch auf dem Gebiet der Erdölraffinerien, der petrochemischen Industrie, der Öldienstleistungen sowie der Infrastruktur der Öl- und Erdgasindustrie, einschließlich Explorationsvorhaben und Öl- und Gasleitungen, ein Umfeld der Begünstigung von Auslandsinvestitionen aus Ländern wie China, Rußland, Italien und Malaysia.

Während einige Firmen der USA im Iran (inoffiziell) Geschäfte tätigen, verbietet das Regime der US-Handelssanktionen, die unter der Bush-Regierung erneuert wurden, Bürgern und Firmen der USA geschäftliche Aktivitäten im Iran zu tätigen. Mit anderen Worten, die Firmen der USA würden keine Erlaubnis erhalten, im Zuge des Privatisierungsprogramms iranisches Staatsvermögen zu erwerben, es sei denn, das US-Handelssanktionsregime würde aufgehoben.

Ferner werden alle ausländischen Firmen auf gleicher Grundlage behandelt. Es gibt keine Vorzugsbehandlung von US-Firmen, keine korrupten Geschäftspraktiken im Kolonialstil wie im kriegsverwüsteten Irak, der die umstandslose Übereignung und Kontrolle ganzer Sektoren der Volkswirtschaft an eine Handvoll US-Firmen zuläßt. Mit anderen Worten, Teherans Privatisierungsprogramm dient nicht den wirtschaftlichen und strategischen Interessen der USA. Tendenziell begünstigt es Länder, welche langjährige Handels- und Investitionsbeziehungen mit der Islamischen Republik unterhalten. Es begünstigt chinesische, russische, europäische und japanische Investoren zu Lasten der USA. Es untergräbt und schwächt die Hegemonie der USA. Es läuft der Absicht Washingtons zuwider, mit wirtschaftlichen wie militärischen Mitteln einer »unipolaren« Neuen Weltordnung Vorschub zu leisten.

Dies ist der Grund, warum Washington mittels eines globalen Sanktionsregimes – das, wenn es durchgeführt würde, Handel, Investitionen und Zahlungsverkehr mit dem Iran lahmlegte – dieses Privatisierungsprogramm nicht zum Zuge kommen lassen will.

Das mit der Kongreß-Resolution 362 vorgeschlagene Sanktionsregime beabsichtigt, den Iran zu isolieren und die Übertragung von iranischen Wirtschaftsgütern in die Hände rivalisierender Wirtschaftsmächte wie China, Rußland, EU und Japan zu verhindern. Es ist gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung.

Mit bitterer Ironie sorgt die Kongreß-Resolution dafür, die wirtschaftlichen Interessen verschiedener Verbündeter der USA zu schädigen, ihre wirtschaftliche Präsenz im Mittleren Osten zu behindern, obgleich gerade diese Verbündeten, zum Beispiel Frankreich und Deutschland, im Rahmen der NATO an der Planung eines Krieges gegen den Iran beteiligt sind.

Krieg und Finanzmanipulation

Die Bush-Regierung hat sich zusammen mit Israel für die Option eines regelrechten Krieges gegen den Iran entschieden, und zwar mit dem Ziel, eine ausschließlich US-amerikanische Einflußsphäre im Mittleren Osten zu schaffen.

Eine Militäraktion der USA und Israels gegen den Iran hätte weitreichende Rückwirkungen auf die wirtschaftlichen und finanziellen Interessen mehrerer Verbündeter der USA, darunter Deutschland, Italien, Frankreich und Japan.

Im übrigen beeinträchtigte ein Krieg gegen den Iran ganz allgemein die Unternehmensinteressen in den zivilen Bereichen der Wirtschaft im Gegensatz zu den mit dem militärisch-industriellen Komplex und der Kriegsindustrie direkt verflochtenen Interessen. Geschädigt wären die lokalen und regionalen Volkswirtschaften, die Konsumgüter- und Dienstleistungsindustrie, die Autoindustrie, die Fluggesellschaften, die Tourismus- und Freizeitwirtschaft etc.

Außerdem beflügelt ein ausgewachsener Krieg die Profitmacherei der globalen Finanzwirtschaft und der institutionellen Spekulanten auf den Energiemärkten sowie der mächtigen anglo-amerikanischen Ölgiganten und der US-amerikanischen Waffenhersteller, d. h. der fünf großen Rüstungslieferanten plus British Aerospace Systems Corporation, die eine wichtige Rolle bei der Formulierung der US-amerikanischen Außenpolitik und der Militäragenda des Pentagon spielen, nicht zu reden von dem Heer der militärischen Söldner- und Auftragnehmerfirmen.

Eine kleine Zahl globaler Konzerne und Finanzinstitutionen profitiert von Krieg und Zerstörung zum Schaden wichtiger Bereiche wirtschaftlicher Tätigkeit. Grob gesprochen, ist die Masse der zivilen Wirtschaft bedroht. Es handelt sich um Konflikte und Rivalitäten innerhalb der oberen Schichten des globalen kapitalistischen Systems, wobei solche Firmen, die ein direktes Interesse an Kriegen haben, der breiteren kapitalistischen Wirtschaft gegenüberstehen, die letztlich von der kontinuierlichen Entwicklung der Nachfrage nach zivilen Kosum- und Investitionsgütern abhängen.

Diese mit einem profitgetriebenen Krieg verbundenen Interessen sind auch die Nutznießer wirtschaftlicher Rezession und finanzieller Verwerfungen. Der Prozeß des wirtschaftlichen Zusammenbruchs, der beispielsweise aus dem spekulativen Anstieg von Öl- und Nahrungsmittelpreisen resultiert, führt in großem Umfang zu Konkursen, die es letztlich einer Handvoll globaler Firmen und Finanzinstitutionen ermöglicht, »die Bruchstücke aufzuheben« und ihre globale Kontrolle über die reale Ökonomie wie über das internationale Finanzsystem zu festigen.

Finanzmanipulationen sind eng mit militärischen Entscheidungen verbunden. Wichtige Banken und Finanzinstitutionen unterhalten Verbindungen zum Militär- und Geheimdienstapparat. Die Vorauskenntnis oder Insiderinformation dieser institutionellen Spekulanten hinsichtlich bestimmter terroristischer Angriffe »unter falscher Flagge« oder Militäroperationen im Mittleren Osten ist Quelle gewaltiger Spekulationsgewinne.

Die Kriegsagenda und die vorgeschlagenen Wirtschaftssanktionen schüren durchaus absichtlich eine weltweite Atmosphäre der Unsicherheit und des wirtschaftlichen Chaos. So profitieren die institutionellen Spekulanten in London, Chicago und New York nicht nur vom wirtschaftlichen Chaos und der Unsicherheit, ihre Manipulationen auf den Energie- und Rohstoffmärkten tragen auch dazu bei, weite Teile der zivilen Wirtschaft in den Konkurs zu treiben.

Die wirtschaftlichen und finanziellen Verwerfungen, die aus dem Anstieg der Preise für Rohöl und Grundnahrungsmittel resultieren, sind die Quelle finanzieller Gewinne einer Handvoll globaler Akteure. Spekulanten kümmern sich nicht um die weitreichenden Folgen eines größeren Krieges im Mittleren Osten, aus dem das Szenario eines Dritten Weltkrieges entstehen könnte.

Die proisraelische Lobby in den USA dient indirekt diesen mächtigen Finanzinteressen. In der gegenwärtigen Lage ist Israel ein Verbündeter mit bedeutenden militärischen Kapazitäten, der den allgemeinen Interessen der USA im Mittleren Osten dient. Washington kümmert sich wenig um die Sicherheit Israels, das im Falle eines Krieges das erste Ziel militärischer Vergeltungsaktionen Teherans wäre.

Das umfassendere Ziel der USA besteht darin, mit militärischen und wirtschaftlichen Mitteln eine Einflußsphäre im ganzen Mittleren Osten zu schaffen. Nein, der Krieg gegen Iran ist nicht auf Eis gelegt.

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1 www.presstv.ir/detail.aspx?id=62040&sectionid=351020102

2 anläßlich einer Wirtschaftskonferenz in Washington D.C. im Jahre 1990 von dem britischen Ökonomen John Williamson geprägt, ist »Washington Consensus« zu einem Begriff geworden, der komplexe Politikprozesse der »strukturellen Anpassung« in verschuldeten Ländern, die vom IWF und der Weltbank verordnet werden, zusammenfassend umschreibt. Diese vermeintlichen Krisenlösungsstrategien werden von den beiden Institutionen weiterhin propagiert und gefördert. – d. Red.

3 www.en.ipo.ir/index.aspx?siteid=83&pageid=341&newsview=2136

Quelle: Global Research vom 4. Juli 2008 globalresearch.ca/index.php?context=va&aid=9501)

Michel Chossudovsky ist Professor der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Ottawa und Autor des internationalen Bestsellers über »Amerikas ›War on Terrorism‹«, Pincourt, Quebec: Global Research, 2005

Aus dem Englischen von Klaus von Raussendorff

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