| Inhalt
EIN
ANDERES EUROPA?
Im
Labyrinth gemeinsamer Appelle linker Parteien zur den EU-Wahlen
Von
Marcel Hostettler mehr
KOMMUNISTISCHE
UND LINKE PARTEIEN BEI DER EU-WAHL 2009
(Übersicht
der kominform.at-Redaktion vom 8. Juni 2009 mehr |
Liebe
Leute,
zur
Beteiligung kommunistischer und linker Parteien an der EU-Wahl
dokumentiere ich:
EIN
ANDERES EUROPA?
Im
Labyrinth gemeinsamer Appelle linker Parteien zur den EU-Wahlen
Von
Marcel Hostettler
Aus:
Neue Rheinische Zeitung - Online-Flyer Nr. 201
vom 10.06.2009
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13877
[
1 ]
KOMMUNISTISCHE
UND LINKE PARTEIEN BEI DER EU-WAHL 2009
(Übersicht
der kominform.at-Redaktion vom 8. Juni 2009 - http://www.kominform.at/article.php/20090608150218619
)
[
2 ]
Z
u d e n
T e x t e n :
In
der Einschätzung des Charakters der EU und der sich daraus ergebenden
Position zur EU besteht unter den kommunistischen und linken Partei
Europas bekanntlich keine Einigkeit. Auch innerhalb einiger dieser
Parteien ist die Haltung zur EU und zur „Partei der Europäischen
Linken“ umstritten. „Wir halten die Tatsache für sehr wichtig, dass
wir zum ersten Mal eine gemeinsame Erklärung von 21. kommunistischen
und Arbeiterparteien mit gemeinsamen Positionen haben, die dem Charakter
der EU und dem Charakter des Kampfes, den die Völker in ganz Europa führen
sollten, Rechnung trägt.“ So die Generalsekretärin der KP
Griechenlands, Aleka Papariga, vor der Presse in Athen am 11. Mai 2009.
Der Charakter der EU werde nicht von den Parteien bestimmt, welche die
Mehrheit bilden, seien sie liberal, sozialdemokratisch, mitte-links,
oder mitte-rechts. Bestimmend seien die Besitzer der Produktionsmittel.
Die EU sei von Anfang an die Option des Kapitals. „Wir sagen damit
nicht,“ so Papariga weiter, „dass der Kampf der Arbeiter nicht das
Schlimmste verhindern kann; nicht dass der Kampf durchaus Erfolge
erzielen kann, aber diese können keine Wiederholung derjenigen der
Nachkriegszeit sein. Erfolge erringen erfordert ideologische
Emanzipation, Bündnis mit breiten Schichten und Kampf bis zum Ende, um
die Macht der Monopole zu überwinden.“ Die KKE tritt bekanntlich für
den Austritt Griechenlands aus der EU ein. (http://www.nrhz.de/neinzurnato/?p=261&preview=true&preview_id=261
)
Zur
Situation in Deutschland schreibt Marcel Hostettler, sowohl Die Linke
als auch die DKP hätten den Appell von Larnaca unterzeichnet. Dieser
sei von der KP Portugals als
eine Art Arbeitsprogramm für die linke Fraktionsarbeit im EU-Parlament
konzipiert worden. Inhaltlich stimme die KP Portugals mit dem Aufruf der
KKE überein und habe diesen auch unterzeichnet. Dagegen habe die DKP
den kommunistischen Aufruf nicht unterzeichnet. Dieser sei in gekürzter
Fassung auf dem Wahlauftritt der DKP unter dem Titel „Der Mensch geht
vor Profit!“ erschienen, aber inzwischen wieder vom Netz genommen
worden. Er sei nur noch bei dkp-queer (http://www.dkp-queer.de/?p=458)
zu lesen. Andererseits sei die DKP Berlin mit einem Aufruf in den
EU-Wahlkampf gezogen. (http://www.dkp-berlin.info/index.php?option=com_content&view=article&id=107:wahlaufruf-nein-zur-eu-nein-zum-europa-der-banken-und-generaele&catid=5&Itemid=5
), in welchem sie „zusammen mit Kommunisten aus Griechenland,
Irland, Portugal, Türkei und anderswo“ den Charakter der EU
verdeutlicht und die Losung ausgibt: „Wählt den Weg des Widerstands
gegen die EU“.
Zum
Wahlergebnis der linken Parteien in Deutschland schreibt KomInform.at:
„ ‚Die Linke’, die mit Lothar Bisky, auch Vorsitzender der
‚Partei der Europäischen Linken’ (EL), als Spitzenkandidat antrat,
konnte ihr Ergebnis gegenüber 2004 - damals noch als PDS - um 1,4
Prozentpunkte verbessern und einen Stimmenanteil von 7,5% erreichen, was
knapp unter zwei Millionen Stimmen entspricht. Damit stellt man nun acht
Abgeordnete im EU-Parlament, einen mehr als bisher. Die DKP, die ihre
Kandidatur irritierender Weise ebenfalls in den Kontext der EL, wo sie
nur Beobachterstatus hat, stellte, überzeugte lediglich 25.587 Wähler
(0,1%) - dies bedeutet einen Stimmenverlust von einem Drittel gegenüber
2004.“
http://www.kominform.at/article.php/20090608150218619
)
Mit
internationalistischen Grüßen
Klaus
von Raussendorff
----------------------------------------------------------------------------
Anti-Imperialistische
Korrespondenz (AIKor) -
Informationsdienst
der Vereinigung für Internationale Solidarität (VIS) e.V.,
Redaktion:
Klaus von Raussendorff
Postfach
210172, 53156 Bonn; Tel. & Fax: 0228 - 34.68.50;
Webmaster:
Dieter Vogel
Die
dokumentierten Texte befinden sich auch auf der Webseite
„Deutschlands
NATO-Mitgliedschaft beenden!“
http://www.neinzurnato.de
Ältere
AIKor-Infos können auf der Seite der AIKor http://www.aikor.de
unter
„Info-Dienst der AIKor“ runter geladen werden
Email-Kontaktaufnahme
zu Redaktion und Webmaster über unsere Webseite.
Wer
die AIKor-mails nicht empfangen möchte, schicke uns bitte eine Mail mit
dem Betreff
„unsubscribe“
***********************************************************
[
1 ]
Aus:
Neue Rheinische Zeitung - Online-Flyer Nr. 201
vom 10.06.2009
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13877
EIN
ANDERES EUROPA?
Im
Labyrinth gemeinsamer Appelle linker Parteien zur den EU-Wahlen
Von Marcel Hostettler
Nicht
allzu erfreulich war das Ergebnis der Wahlen am Sonntag für linke und
kommunistische Parteien in Europa. Allein in Portugal zogen zwei Linksbündnisse
enttäuschte Sozialdemokraten an und errangen kräftige Zugewinne. Mit
jeweils elf Prozent der Wählerstimmen werden die beiden Gruppierungen
BE (Linksblock) und CDU, ein Bündnis aus Kommunisten (PCP) und Grünen
(PEV) künftig insgesamt fünf Abgeordnete stellen. Ein Erfolg des
Gemeinsamen Appells von Larnaca? – (Die NRhZ-Redaktion)
Wie
schon vor fünf Jahren bei der Ausarbeitung eines gemeinsamen
Wahlprogramms für die Wahlen zum EU-Parlament, war auch dieses Jahr die
Initiative zu einem gemeinsamen Wahlappell fortschrittlicher
Linksparteien von der
Portugiesischen Kommunistischen Partei (PCP) ausgegangen. Federführend
war Angelo Alves, Mitglied der Politischen Kommission und der
Internationalen Abteilung der PCP. Er erklärte gegenüber dem Avante!
Am 7.5.2009 ( http://www.avante.pt/noticia.asp?id=28913&area=8
), dass der Gemeinsame Appell von Larnaca einen Kompromiss darstelle,
der die gemeinsamen Sichtweisen der Unterzeichner im Bezug auf den
sogenannten „Aufbau Europas“ ausdrückt und die groben
Stossrichtungen der Kämpfe für die nächste Amtsperiode des europäischen
Parlaments festlegt. Dabei handelt es sich aber um ein Dokument nicht
nur zwischen Parlamentsgruppen, sondern zwischen Parteien; und die
Zusammenarbeit in der Parlamentsfraktion der Vereinigten Linken und
Nordischen Grünen (GUE/NGL) bildet nur eine von verschiedenen Ebenen
der Kooperation. „Die Idee kam 2008 auf einer Tagung auf, zu der die
Spanische KP mehrere Parteien eingeladen hatte“, erläutert Alves.
Der
Gemeinsame Appell von Larnaca
Die
Portugiesen hatten ursprünglich vorgeschlagen, auf zwei Schienen zu
operieren. Ein erstes Dokument sollte von Linksparteien unterzeichnet
werden und deren gemeinsamen Willen zur Intervention für ein anderes
Europa ausdrücken. Das zweite Dokument sollte speziell als Grundlage
der weiteren Fraktionsgemeinschaft im EU-Parlament dienen. Am 14.
Februar trafen sich Vertreter von 12 Parteien in Lissabon, um die Möglichkeiten
für eine gemeinsame Plattform zu sondieren. Ein Ausschuss aus der KP
Portugals, KP Spaniens und AKEL wurde als Arbeitsgruppe eingesetzt, der
einen Entwurf erarbeitete, welcher dann am 15. April am Rande des
Parteitags der Fortschrittspartei des zypriotischen Volkes (AKEL) von 13
Parteien unterzeichnet wurde. In der Liste der Unterzeichner befinden
sich auch die Deutsche KP und Die Linke. Einige Parteien haben den
Appell nachträglich unterzeichnet, darunter die KP Österreich, die KP
von Katalonien, die Ungarische Kommunistische Arbeiterpartei und die
Kommunistische Partei Böhmens und Mährens.
Im
Gemeinsamen Appell von Larnaca (http://www.die-linke.de/index.php?id=55&tx_ttnews[tt_news]=5340&tx_ttnews[backPid]=9&no_cache=1)
kommt eine Bewegung zum Ausdruck, die Alves im Avante! als ein
Zusammenkommen verschiedener Kräfte zu gemeinsamen Einschätzungen über
die Hauptzüge der europäischen Konstruktion kennzeichnet.
Ausschlaggebend sei die Einstimmigkeit in der Rückweisung des
Neoliberalismus und des „Direktoriums des Militarismus“, die als
Hauptzüge des sogenannten „Aufbaus von Europa“ festgehalten werden.
Die ursprünglich getrennten Materien (allgemeine politische Erklärung
bzw. Grundlage für Zusammenarbeit der Fraktion) sind nun in einem
Dokument vereinigt worden.
Erklärung
von 21 kommunistischen und Arbeiterparteien
Nicht
unterzeichnet hat den Gemeinsamen Appell von Larnaca die Kommunistische
Partei Griechenlands (KKE). Sie kämpft ausdrücklich für den Austritt
Griechenlands aus der EU. Dieser Standpunkt, der im gemeinsamen Appell
keinen Ausdruck findet, hat die griechischen Genossen natürlich nie an
der Zusammenarbeit im Rahmen der Fraktion gehindert und wird das auch in
Zukunft nicht tun. Die KKE-Generalsektetärin Aleka Papariga erläuterte
ihre Divergenzen mit dem Appell von Larnaca bei einer Pressekonferenz in
Athen. Die KKE verbreitete am 8. Mai 2009 eine eigene Gemeinsame Erklärung
(http://www.redglobe.de/index.php?option=com_content&task=view&id=3087&Itemid=304),
die von 21 kommunistischen und Arbeiterparteien unterzeichnet wurde,
darunter die Partei der Arbeit Belgiens und die Kommunistische
Arbeiterpartei Ungarns, die Portugiesische KP und die Partei der
bulgarischen Kommunisten. Keine der Unterzeichnerparteien gehört der
EU-Linkspartei an. Zu diesem Appell erklärte Aleka Papariga am 11. Mai
2009 auf einer Pressekonferenz in Athen: „Wir halten die Tatsache für
sehr wichtig, dass wir zum ersten Mal eine gemeinsame Erklärung von 21.
kommunistischen und Arbeiterparteien mit gemeinsamen Positionen haben,
die dem Charakter der EU und dem Charakter des Kampfes, den die Völker
in ganz Europa führen sollten, Rechnung trägt.“ (http://www.nrhz.de/neinzurnato/?p=261&preview=true&preview_id=261
)
Der
Appell der Partei der Europäischen Linken
Zwar
hatte auch die Europäische Linke am 29. November 2008 eine
„Plattform“ für die EU-Wahlen (http://www.european-left.org/fileadmin/downloads/Electoral_Platform/Plattform_de.pdf)
veröffentlicht. Aber dass dieser überhaupt wahrgenommen wird, verdankt
er der europaweit verbreiteten scharfen Kritik von Aleka Papariga bei
der erwähnten Pressekonferenz. Die ELP-Plattform sei, so die
KKE-Generalsekretärin, Ausdruck einer „totalen Konfusion im Bezug auf
die Gesetze der kapitalistischen Produktion und Reproduktion“. Das
Kreditsystem werde darin als von der kapitalistischen Produktion unabhängig
vorgestellt. Man hätte es nicht mit zufälligen Erscheinungen des
Kapitalismus zu tun. „Was wir erleben, liegt in der Natur des
Kapitalismus und ist keine Abweichung davon, wie im ersten Absatz der
Plattform der ELP für die EU-Wahlen behauptet wird. Es ist eine Krise
des kapitalistischen Systems, nicht der Hegemonie der USA.“ Es könne
keinen Ausweg aus der Krise für die Arbeiter, Angestellten und selbstständig
Beschäftigten und gleichzeitig für die Kapitalisten und die mit ihnen
zusammenhängenden Segmente der Mittelschichten geben. Damit verwandle
sich der Kampf gegen die Monopole in einen Kampf für „gute
Monopole“, für einen humanen Kapitalismus.
Ebenso
wie die Griechen stehen die portugiesischen Genossen der EL unversöhnlich
gegenüber. Angelo Alves im Avante-Interview: „Nach unserer Meinung
bestätigt die Entwicklung dieser Struktur unsere früheren Analysen,
dass die Partei der Europäischen Linken anstatt ein Faktor der Einheit
weiterhin eher ein Faktor der Spaltung der Linkskräfte ist. Innerhalb
dieser Struktur gibt es offensichtliche Widersprüche, wie der kürzlich
erfolgte Austritt der Ungarischen Kommunistischen Arbeiterpartei, eines
ihrer Gründungsmitglieder, deutlich macht.“
Unterschiedlicher
Umgang mit den verschiedenen Appellen
In
Griechenland wird die Debatte um die beiden Statements zugleich als
Kampf zwischen KKE und der Linkspartei Synapsismos (Unterzeichnerin des
Larnaca-Appels) geführt.
Anders
beschaffen ist die Lage in Portugal: während die PCP beide Dokumente
unterzeichnet hat, ist die dortige Linkspartei (Bloco de Esquerda) überhaupt
aus dem Spiel. Das KKE-Papier stimmt in sehr vielem mit der Position überein,
die in Portugal von der PCP vertreten wird, und passt dem Linksblock
nicht ins Konzept. Das Gegenpapier, das die Unterschrift namhafter
Linksparteien trägt, sagt inhaltlich den Blockisten besser zu, aber es
stammt aus „Teufels Küche“: von der verhassten PCP.
In
Deutschland haben sowohl Die Linke als auch die DKP den Appell von
Larnaca unterzeichnet und nur diesen. Der kommunistische Aufruf erschien
in gekürzter Fassung auch auf dem Wahlauftritt der DKP unter dem Titel
„Der Mensch geht vor Profit!“, wurde aber inzwischen wieder vom Netz
genommen. Er ist nur noch bei dkp-queer (http://www.dkp-queer.de/?p=458)
zu lesen. Andererseits ist die DKP Berlin mit einem Aufruf in den
EU-Wahlkampf gezogen. (http://www.dkp-berlin.info/index.php?option=com_content&view=article&id=107:wahlaufruf-nein-zur-eu-nein-zum-europa-der-banken-und-generaele&catid=5&Itemid=5
) , in welchem sie
„zusammen mit Kommunisten aus Griechenland, Irland, Portugal, Türkei
und anderswo“ die den Charakter der EU verdeutlicht und die Losung
ausgibt: „Wählt den Weg des Widerstands gegen die EU“.
Die
Rolle der Aufrufe in der Gesamtbewegung der Linken
Der
Appell von Larnaca atmet einen anderen Geist als vieles, was die
Basismitglieder von Linksparteien sonst von ihren Parteigrößen zu hören
bekommen. Die Formel „Ein anderes Europa ist möglich“ erhält die
wichtige Präzisierung „durch harte Kämpfe“. Implizit drückt der
gemeinsame Appell der Linksparteien damit auch den Respekt für die
nationale Souveränität und für das Recht jedes Landes zur Bestimmung
seiner eigenen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung aus. Dieser
Fortschritt erscheint auch in Sätzen wie: „Der Kampf und das
Bewusstsein darüber, wie wichtig es ist, die sozialen und
demokratischen Errungenschaften, die durch harte Kämpfe der Bewegung
der Arbeiterklasse gewonnen wurden, zu verteidigen, wächst in jedem
Land und verwandelt sich zu einer Herausforderung gegen die neoliberale
Politik, die in den Verträgen der Europäischen Union festgeschrieben
ist.“
Die
Einwände der KKE gegen einzelne Formulierungen des Gemeinsamen Appells
sind nicht von der Hand zu weisen, und ihr Abseitsstehen ist verständlich.
Das Dokument ist aber auch nicht dazu geschaffen, die hohen
Anforderungen zu erfüllen, denen der KKE eine gemeinsame Erklärung genügen
müsste. Eine Plattform von sehr unterschiedlichen Kräften kann eben
nicht anders ausfallen als ein Kompromiss. Trotz der Mängel sollte man
dessen Bedeutung nicht unterschätzen. Der Aufruf trägt zur
Beschleunigung eines Prozesses der Bewusstseinsbildung bei, der längst
bei allen linken Parteien in Gang gekommen ist, und in der Rhetorik der
Führungszirkel der EU-Linkspartei zum Teil nachvollzogen wird. (vgl.
Franz Stephan Parteder, „Der Ton hat sich geändert“, 2007, in:
„Zwei internationale Tagungen von Linksparteien“ (http://www.kpoe-steiermark.at/aid=2941.phtml).
Dass
allerdings die wohl oder übel geleistete Unterschrift unter ein
internationales Dokument zuweilen die bequemste Lösung ist, wissen die
Opportunisten spätestens seit den Kongressen der II. Internationale zu
Stuttgart 1907 und Basel 1912. Man wird daher die Worte im Ohr und die
Taten im Auge behalten.
Bezeichnend
für die Lage der Linken in den EU-Parlamentswahlen 2009 ist nicht so
sehr der inhaltliche Widerspruch zwischen den beiden Aufrufen.
Bemerkenswerter ist die Tatsache, dass alle diese Vorgänge bei einer
wachsenden Zahl von kommunistischen und linken Parteien zu einer immer
eindeutigeren Stellungnahme gegen die Hauptzüge der Konstruktion Europa
hin konvergieren.
Aufschlussreich
ist ferner, dass diese Prozesse ablaufen, ohne dass die selbsternannte
„European Left“ und ihre zentralen Strukturen beigezogen würden,
obwohl es sich bei der EU doch um deren Kerngeschäft, bzw. ihr
Lieblingsthema EU-Wahlen handelt.
Stattdessen
nutzen Kräfte unterschiedlicher Strömungen bilaterale und
multilaterale Wege zur Entwicklung ihrer Zusammenarbeit, wobei einzelne
Parteien hervortreten und entscheidende Beiträge zur Zusammenarbeit
sowie zur ideologischen Festigung der Linken in Europa liefern. Selbst
innerhalb von tragenden Parteien der Partei der Europäischen Linken
erstarken die Tendenzen, die sich an diesen vorwärts treibenden Kräften
orientieren. (PK)
Marcel
Hostettler ist Rechtsanwalt (schweiz.: Fürsprecher), pensionierter
Bundesbeamter (ehem. Chef der Abteilung Arbeitslosenversicherung) und
Redakteur der PDA-nahen Homepage http://www.kommunisten.ch/
*****************************************************************
[
2 ]
Aus:
KomInform.at v. 8. Juni 2009 Beitrag von: Tibor
http://www.kominform.at/article.php/20090608150218619
KOMMUNISTISCHE
UND LINKE PARTEIEN BEI DER EU-WAHL 2009
Die
- recht bunte - „Konföderale Fraktion der Vereinigten Europäischen
Linken / Nordische Grüne Linke“ (GUE/NGL) stellt im neuen
EU-Parlament 33 von 736 Abgeordneten (4,48% der Mandate, ein Minus von
acht Mandaten gegenüber 2004). Signifikant hohe Ergebnisse gab es für
kommunistische Parteien in Zypern, Portugal, Griechenland und in der
Tschechischen Republik, die EU-Linkspartei („Partei der Europäischen
Linken“) erzielte ihre besten Ergebnisse in Deutschland, Portugal und
Frankreich. Bemerkenswerte Resultate für Mitglieder der GUE/NGL-Fraktion,
die weder kommunistisch noch „EU-links“ sind, gab es in den
Niederlanden, in Frankreich, in Irland und Nordirland. In Österreich
befindet sich die KPÖ weiter im Sinkflug (Ausnahme Steiermark) und
landet bezüglich Stimmenanzahl sogar unterhalb des bisherigen
historischen Tiefpunktes von 1996. - Eine Übersicht der
kominform.at-Redaktion von A (wie Belgien) bis Z (wie Zypern).
Deutschland
In
Deutschland traten links der Sozialdemokratie die Partei „Die Linke“
und die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) an. „Die Linke“, die
mit Lothar Bisky, auch Vorsitzender der „Partei der Europäischen
Linken“ (EL), als Spitzenkandidat antrat, konnte ihr Ergebnis gegenüber
2004 - damals noch als PDS - um 1,4 Prozentpunkte verbessern und einen
Stimmenanteil von 7,5% erreichen, was knapp unter zwei Millionen Stimmen
entspricht. Damit stellt man nun acht Abgeordnete im EU-Parlament, einen
mehr als bisher. Die DKP, die ihre Kandidatur irritierender Weise
ebenfalls in den Kontext der EL, wo sie nur Beobachterstatus hat,
stellte, überzeugte lediglich 25.587 Wähler (0,1%) - dies bedeutet
einen Stimmenverlust von einem Drittel gegenüber 2004.
Frankreich
In
Frankreich traten das Bündnis „Linksfront“ und die „Neue
Antikapitalistische Partei“ (NPA) an. Die Linksfront, die ein Bündnis
der Kommunistischen Partei (PCF) und der erst im Vorjahr von linken
ehemaligen Sozialdemokraten gegründeten „Linkspartei“ (PG)
darstellt, erreichte 6,7% der Stimmen und damit fünf Mandate im
EU-Parlament. Nimmt man das Ergebnis der PCF von 2004 zum Vergleich, so
bedeutet das ein Plus von 0,9 Prozentpunkten und zwei Mandaten. Die NPA,
die sich erst im Februar dieses Jahres aus der trotzkistischen
Revolutionär-Kommunistischen Liga (LCR) entwickelt hat, konnte 4,9% und
ein Mandat erreichen. 2004 hatte die LCR noch ein Bündnis mit der
trotzkistischen Gruppe „Arbeiterkampf“ (LO) geschlossen - damals
erreichte man 2,9% der Stimmen und verpasste den Einzug ins
EU-Parlament.
Dänemark
In
Dänemark erhielt die „Volkbewegung gegen die EU“ 7,1% der Stimmen
und schickt weiterhin einen Abgeordneten ins EU-Parlament. Die
Sozialistische Volkspartei, die sich im EU-Parlament jedoch zur Fraktion
der Grünen bekennt, kam auf beachtliche 16% und zwei Mandate. Die
linkssozialistische rot-grüne „Einheitsliste“, die im dänischen
Parlament mit vier Abgeordneten vertreten ist, lehnt nicht nur Dänemarks
EU-Mitgliedschaft ab, sondern auch die Teilnahme an der EU-Wahl und trat
nicht an.
Schweden
In
Schweden kam die Linkspartei (VP) auf 5,6% der Stimmen und stellt einen
EU-Abgeordneten. Damit gingen gleich 7,2 Prozentpunkte und ein Mandat
verloren. Die Piratenpartei (PP) erreichte auf Anhieb 7,1% und ein
Mandat.
Irland
In
Irland erreichte die sozialistische Sinn Féin (SF) 11,24% der Stimmen
(2004: 11,1%), verlor durch das Ergebnis in Dublin ihr bisheriges Mandat
aber doch noch an die trotzkistische Socialist Party, eine
Schwesternpartei der österreichischen SLP, die landesweit nur 2,76% der
Gesamtstimmen erreichte. Ihrem Spitzenkandidaten in Dublin, Joe Higgins,
gelang mithilfe des komplizierten - und offenkundig nicht ganz fairen -
Mandatsvergabesystems jedoch nun knapp der Einzug ins EU-Parlament, während
die 11,24% der SF unbelohnt bleiben.
Großbritannien
und Nordirland
In
Nordirland erreichte die Sinn Féin hingegen ein Mandat für das
EU-Parlament. In Großbritannien verfehlten die linken Parteien ein
solches: die Socialist Labour Party kam auf 1,1% der Stimmen (2004 nicht
kandidiert), die Scottish Socialist Party (SSP) verlor gegenüber 2004
0,3 Prozentpunkte und erreicht nur noch 0,1% der Stimmen.
Spanien
In
Spanien verlor die „Vereinigte Linke“ (IU) von 4,15% auf 3,73%.
Damit konnte nur einer der bisherigen zwei EU-Abgeordneten gehalten
werden. Erstmals traten die „Internationalistische Initiative“ und
die Kommunistische Partei der Völker Spaniens (PCPE) an - beide
verfehlten mit 1,12% bzw. 0,1% deutlich den Einzug ins EU-Parlament,
wollen in Zukunft aber zusammenarbeiten.
Portugal
In
Portugal erreichte das kommunistisch-grüne Wahlbündnis „Vereinte
Demokratische Koalition“ (CDU), das die Kommunistische Partei (PCP)
und die Ökologische Partei (PEV) gegründet haben, 10,66% (2004: 9%)
und abermals zwei Mandate. Der „Linksblock“ (BE) verbesserte sich
deutlicher und kam auf 10,73% (2004: 4,9%) und drei Mandate (2004: 1
Mandat). Die maoistische „Kommunistische Partei der portugiesischen
Arbeiter / Reorganisationsbewegung der Partei des Proletariats“ (PCTP/MRPP),
die 2004 genau 1% der Stimmen erreicht hatte, kam diesmal auf 1,21%.
Italien
In
Italien erreichte das kommunistische Wahlbündnis der beiden Parteien
PRC (Partei der Kommunistischen Wiedergründung) und PdCI (Partei der
italienischen Kommunisten) sowie zweier kleinerer Gruppen 3,4% der
Stimmen, die Liste „Linke und Freiheit“ (SL), die Fausto Bertinotti
nach seinem Scheitern als PRC-Chef von dieser abspalten ließ, 2,8%. Die
trotzkistische „Kommunistische Arbeiterpartei“ (PCL) erhielt 0,6%.
Alle drei Listen verfehlten den Einzug ins EU-Parlament, was nicht nur
Bertinottis fataler Politik der letzten Jahre, sondern auch seinem
nunmehrigen Spaltungstreiben zu verdanken ist. Im Fall der Kommunisten
ist das Verfehlen eines Mandates nun besonders bitter, wenngleich deren
Niedergang durch die neue, klassenbezogene und marxistische Führung der
PRC zumindest gestoppt werden konnte. 2004 hatte die PRC aber noch 6,1%
der Stimmen und fünf Mandate erreicht, die PdCI 2,4% und zwei Mandate.
Aufgrund der neuen Mandatsarithmetik reichen die gemeinsamen 3,4%
diesmal nicht.
Griechenland
In
Griechenland kam die Kommunistische Partei (KKE) auf 8,34% und stellt
nun zwei EU-Abgeordnete. Damit verliert die KKE nicht nur 1,1
Prozentpunkte, sondern auch das dritte Mandat. Das Linksbündnis SYRIZA
erreichte 4,69% und ein Mandat - dies liegt knapp über dem Ergebnis
seines Vorgängers SYNASPISMOS aus dem Jahr 2004.
Zypern
Mit
34,9% der Stimmen musste sich die kommunistische „Fortschrittspartei
des arbeitenden Volkes“ (AKEL) trotz erheblicher Zugewinne knapp auf
den zweiten Platz verweisen lassen. Diesen gab es auch schon 2004,
damals jedoch mit „nur“ 27,89%. Damit stellt die AKEL weiterhin zwei
EU-Abgeordnete.
Niederlande
In
den Niederlanden ist vor allem das Ergebnis der Sozialistischen Partei
(SP) erfreulich. Diese SP entwickelte sich 1993 aus einer maoistischen
K-Gruppe der 1970er Jahre, vertritt heute einen linkssozialistischen und
äußerst EU-kritischen, bewusst antiimperialistischen Kurs. Seit 2004
war die SP mit zwei Abgeordneten im EU-Parlament vertreten, diese beiden
Mandate wurden bei kleinen Zugewinnen mit 7,1% der Stimmen abermals
erreicht.
Belgien
In
Belgien konnte die marxistisch-leninistische Partei der Arbeit (PvdA
bzw. PTB) ihre Stimmenanteile mehr als verdoppeln. In Flandern wurde 1%
erreicht (2004: 0,4%), in Wallonien kam man auf 1,2% (2004: 0,3%), Ein
Mandat im EU-Parlament war jedoch klar außer Reichweite. Landesweit
liegt die Partei der Arbeit damit bei knapp 1,1%.
Luxemburg
In
Luxemburg erreichte die Kommunistische Partei (KPL) 1,44%, „Die
Linke“ 3,23%. Damit konnten sich beide prozentuell verbessern, nämlich
um 0,24 bzw. 1,53 Prozentpunkte, trotzdem bleiben beide ohne
EU-Abgeordnete.
Lettland
Aus
Lettland darf man eine kleine Kuriosität vermelden: Das zum Gutteil von
der russischsprachigen Minderheit unterstützte „Harmoniezentrum“
(SC) erreichte sensationelle 19,5% der Stimmen und wird zweitstärkste
Liste. Damit werden nicht nur gleich zwei SC-Abgeordnete ins
EU-Parlament entsandt, sondern einer davon ist noch dazu ein waschechter
Bolschewik: Alfred Rubiks, bis 1991 Mitglied des Politbüros der KPdSU,
letzter Vorsitzender der sodann illegalisierten lettischen KP und
zwischenzeitlich wegen „kommunistischer Betätigung“ im Gefängnis...
Tschechische
Republik
In
der Tschechischen Politik kam die Kommunistische Partei Böhmens und Mährens
(KSCM) auf 14,5% und vier Mandate. Das bedeutet einen Verlust von 5,8
Prozentpunkten und zwei Mandaten.
Slowakei
In
der Slowakei erreichte die Kommunistische Partei (KSS) nur noch 1,65%,
2004 waren es immerhin noch 4,54% gewesen. Damals wie heute springt
dabei kein Mandat heraus.
Ungarn
Die
Ungarische Kommunistische Arbeiterpartei erhielt einen Stimmenanteil von
0,96%. Damit wurde man halbiert, 2004 konnten noch 1,83% erreicht
werden, die allerdings auch nicht für ein Mandat gereicht hatten.
Österreich
Die
KPÖ, die 2004 als Bündnis „Linke“ mit einem unabhängigen
Spitzenkandidaten in die Wahl gegangen war, kandidierte diesmal wieder
alleine, aber mit dem Namenszusatz „Europäische Linke“, was ihre
Mitgliedschaft in der „Partei der Europäischen Linken“ (EL)
unterstreichen soll. Diese Liste KPÖ-EL verlor gegenüber der letzten
EU-Wahl deutlich, aber auf niedrigem Niveau. Ein Verlust von 2.308
Stimmen bedeutet ein Minus von 0,13 Prozentpunkten. Die Liste KPÖ-EL
erreicht somit 17.222 Stimmen (2004: 19.530) oder 0,65% (2004: 0,78%) -
durch die Briefwahlstimmen werden da noch ein paar Wähler dazukommen,
jedoch wird sich dadurch keine signifikante Verbesserung mehr ergeben.
Das Match um den vorletzten Platz wurde ebenfalls verloren, die
„Jungen Liberalen“ (JuLis) erreichten einen Stimmenanteil von 0,69%.
Einziger positiver regionaler Ausreißer der KPÖ ist das Bundesland
Steiermark, wo die KPÖ 284 Stimmen oder 0,04 Prozentpunkte
hinzugewinnen und 0,79% erreichen konnte, während es in allen anderen
Bundesländern ein klares Minus gab. Die KPÖ - eben nicht zufällig mit
Ausnahme der steirischen Landesorganisation - konnte sich weder zu einer
konsequenten EU-Kritik durchringen, noch wollte sie glaubhaft radikale
linke Opposition im Interesse der Arbeiterklasse sein - sie versuchte
sich als „vernünftige“ und moralisierende Mitte zu positionieren.
Auch dürfte es kaum dienlich gewesen sein, dass die KPÖ mithilfe ihrer
großen Finanzkraft abermals ihren Alleinvertretungsanspruch in der österreichischen
Linken durchsetzen wollte und von vornherein kein Interesse an Bündnisarbeit
hatte. Dies wurde von den anderen linken Gruppen unterschiedlich
bewertet: Während etwa die trotzkistische Sozialistische Linkspartei (SLP)
trotzdem zur (kritischen) Stimmabgabe für die KPÖ-EL aufgerufen hatte,
rief die ebenfalls, aber anders trotzkistische „Liga der
Sozialistischen Revolution“ (LSR) gar zum Wählen der SPÖ auf. Die
beiden wichtigsten marxistisch-leninistischen Gruppen Österreichs, die
Kommunistische Initiative (KI) und der kommunistische Jugendverband KJÖ,
hatten hingegen eine Stimmenthaltung bei der EU-Wahl empfohlen.
*********************************************************************
E
N D E
Siehe auf Kommunisten-online: Eigenartig.
Die DKP und das Gemeinsame Kommuniqué von KP’s aus der EU
zu den Wahlen zum Europäischen Parlament „Wähle
kommunistisch“. Von Günter Ackermann, Kommunisten-online vom 13.
Mai 2009 mehr
Und:
Gemeinsame Erklärung der Kommunistischen Parteien zu
EU-Parlamentswahlen: EUROPÄER, WÄHLE
KOMMUNISTISCH!
übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
, Caracas, 9. Mai 2009, Tribuna Popular (Hinweis Roter
Webmaster) mehr
|