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Plädoyer
für Alleingang Israels gegen Iran
Das
bedeutendste militärstrategische Forschungsinstitut Israels hat seinen
Jahresbericht vorgestellt
Quelle:
jungeWelt
vom 05.01.2007
Von
Knut Mellenthin
Israel
muß möglichst bald einen Militärschlag gegen Iran führen. Das ist eine
der zentralen Thesen im nun vorgelegten Bericht des Instituts für
Nationale Strategiestudien (INSS) an der Universität von Tel Aviv. Das
INSS ist die bedeutendste militärstrategische Forschungsstelle Israels.
Es veröffentlicht alljährlich eine umfangreiche Analyse zum »strategischen
Gleichgewicht im Mittleren Osten«. Darin werden die Streitkräfte aller
Staaten der Region und die wichtigsten militärischen Ereignisse des
vergangenen Jahres analysiert.
Als
schwerwiegendste Bedrohung Israels wird im neuen INSS-Bericht der Iran
bezeichnet. Die Führung in Teheran strebe den Erwerb von Atomwaffen an
und werde darin weitgehend von der Bevölkerung unterstützt. An der
Wirksamkeit der im Dezember vom UNO-Sicherheitsrat beschlossenen
Sanktionen wird gezweifelt. »Die Zeit arbeitet zugunsten Irans. Schließt
man eine Militäraktion aus, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit,
wann Iran Atomwaffen besitzt«, heißt es in einer Zusammenfassung, die
das INSS am Dienstag auf einer Pressekonferenz verteilte.
Nach
Ansicht des INSS sind die israelischen Streitkräfte auch im Alleingang in
der Lage, die teilweise verbunkerten Atomanlagen des Irans zu treffen und
dem iranischen Atomprogramm einen schweren Schlag zu versetzen.
Auf
der Pressekonferenz sagte Giora Eiland, Brigadegeneral der Reserve und
Vorstandsmitglied des INSS, es werde keinen Militärschlag Israels ohne »volles
strategisches und militärisches Einverständnis« mit den USA geben. »Selbst
wenn letzten Endes israelische Kampfflugzeuge diesen Angriff ausführen,
dann wird er, und zwar zu Recht, als zwischen den USA und Israel
abgesprochen gelten«, so Eiland. Der INSS-Chef Zvi Shtauber, General im
Ruhestand und ehemaliger Berater des früheren sozialdemokratischen
Ministerpräsidenten Ehud Barak (1999–2001), fügte hinzu, Israel sei »technisch
in der Lage«, den Schlag allein auszuführen. Es werde diesen Schritt
gegebenenfalls auch tun müssen, da kein Land bereit sein würde, dabei
offen mit Israel zusammenzuarbeiten. »Es gibt gewisse Dinge, von denen
die USA besser nichts wissen«, so Shtauber.
Die
scheinbare Selbstsicherheit in bezug auf Iran kontrastiert jedoch mit dem
Teil des INSS-Berichts, in dem eine skeptische Bilanz des Sommerkriegs
gegen die libanesische Hisbollah gezogen wird. Dieser Krieg hat nach
Ansicht des INSS die israelische »Verwundbarkeit« aufgezeigt und die »Abschreckungskraft«
des Landes geschwächt. Die Sicherheitslage im Nahen Osten habe sich im
Allgemeinen erheblich verschlechtert. Verwiesen wird auf fehlende
Fortschritte gegenüber den Palästinensern, mangelnden Erfolg im
weltweiten »Kampf gegen den Terror« und gegen den »radikalen Islam«,
sowie auf das amerikanische Scheitern in Irak.
Vor
diesem Hintergrund geht es in der Abwägung der Chancen eines militärischen
Alleingangs gegen Iran offenbar vor allem darum, durch einen solchen
Schritt die USA in einen neuen Krieg einzubinden. |