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Obamas Lateinamerika-Reise

WIEDERAUFLAGE DER „ALLIANZ OHNE FORTSCHRITT“?

von Abel González Santamaría y Rafael González Morales

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Havanna, 18. März 2011, Cubadebate / Granma. (auf Kommunisten-online am 19. März 2011) – Am morgigen 19. März 2011 wird die erste Lateinamerika-Reise von US-Präsident Barack Obama durch Länder Lateinamerikas und der Karibik beginnen, seit er das Weiße Haus übernommen hat. Terminlich fällt dieser Zeitpunkt mit dem 50. Jahrestag der Gründung der „Allianz für den Fortschritt“ einst unter der Regierung von Kennedy zusammen.

Die Rundreise war am 25. Januar von Obama in seiner Ansprache über den Zustand des Bündnisses angekündigt worden. Dabei bekräftigte er wörtlich: „Im März werde ich nach Brasilien, Chile und El Salvador reisen, um neue Bündnisse auf dem ganzen amerikanischen Kontinent zu schmieden.“

Diese Verlautbarung hat Reaktionen hervorgerufen, die von gesteigerten Erwartungen bis zum Zweifel an seinen wahren Absichten reichen. Erinnern wir uns einfach mal, dass Obama auf dem 5. Amerikagipfel in Trinidad und Tobago 2009 äußerte: „Ich bin nicht gekommen, um über die Vergangenheit zu diskutieren, sondern an die Zukunft zu denken (...) als Nachbarn haben wir die Verantwortung, uns untereinander weiterhin zu vertrauen.“ Bei diesen Worten muß man sich fragen: Warum sollen die lateinamerikanischen und karibischen Völker ihrem nördlichen Nachbarn nach zwei Jahrhunderten voller Enteignung und Angriffe weiterhin vertrauen? Werden da im Kontext dieser „neuen Bündnisse“ Veränderungen beabsichtigt, oder wird das nur eine fesselnde Rethorik voller Versprechungen sein?

Der Ursprung der hemisphärischen Bündnisse stammt aus der Zeit des Endes des 2. Weltkriegs. Am 26. Juli 1947 unterzeichnete US-Präsident Truman das Gesetz über die Nationale Sicherheit und verfügte die Bildung des Nationalen Sicherheitsrats, der CIA und des Verteidigungsministeriums. Mit dieser Triade stützte sich fortan Washington auf Einrichtungen, die ihm ermöglichten, ein weltweites System von Militärbündnissen zu schaffen. Gedacht als ein „politisches-militärisches Labor“ begann dessen versuchsweise Umsetzung in Lateinamerika mit der Annahme des Interamerikanischen Vertrags für gegenseitigen Beistand am 2. September 1947. Zwei Jahre später entstand dann das größte imperialistische Bündnis, die NATO.

Seit dieser Zeit begann die CIA mit ihrer Beherrschung des US-Bündnissystems. Sie entfaltete ihre destabilisierende Rolle in der Region. 1948 orientierte sie diese Rolle am Rat für Nationale Sicherheit mit der dortigen Schaffung einer Unterabteilung für verdeckte Operationen. Damit institutionalisierte sie die Subversion, die Attentatspläne und die Staatsstreiche in unserer Region organisiert und planmäßig.

Teil dieser Zielsetzung war die von Präsident Kennedy am 13. März 1961 mit einem Aufruf „an alle Völker der Hemisphäre“ zur „Einheit in einer Allianz für den Fortschritt“ ohne Parallele hinsichtlich Ausmaß und Größe des Zwecks maskierte politische Initiative des US-Imperialismus, wo von „Befriedigen der grundlegenden Bedürfnisse an Dach über dem Kopf, Arbeit, Land, Gesundheit und Schulen“ die Rede war. Unter den „großen Zwecken“ war die Befürwortung der Söldnerinvasion in der Schweinebucht, wo die imperialistischen Kräfte dann ihre erste große Niederlage auf dem Kontinent Amerika erlitten.

Angesichts dieses ersten großen Scheiterns erhöhten die USA ihre Anstrengungen zur Zerschlagung der kubanischen Revolution und Minimierung des Einflusses der kubanischen Revolution in der Region Lateinamerika und Karibik. Im August 1961 bestätigte man formell in der OAS die trügerische „Allianz für den Fortschritt“ und leiteten die USA binnen 10 Jahren über dieses Projekt 20 Milliarden Dollar an die lateinamerikanischen Länder. Kurioserweise äußerte der Comandante Fidel Castro im April 1959 auf der Wirtschaftskonferenz der 21 in Buenos Aires, dass die wirtschaftliche Entwicklung Lateinamerikas einer Finanzierung von 30 Milliarden Dollar für 10 Jahre bedarf. Paradoxerweise meinte der Leiter der US-Delegation damals dazu: „Ich werde zu diesem Antrag keinen Kommentar abgeben.“ Und Washington qualifizierte diese Anregung als „lächerlich und demagogisch“ ab. Zwei Jahre später stahl Kennedy jene Initiative Fidels.

In den sechziger Jahren „stützte“ laut Tom Polgar, Abteilungsleiter der CIA, die CIA „die Führungspersönlichkeiten von 11 lateinamerikanischen Ländern“, um den Erfolg der Allianz zu gewährleisten. „War eine befreundete Regierung ein Mal an der Macht, hatte der Chef der CIA-Niederlassung fünf Wege, um den Einfluß auf die ausländischen Machthaber aufrecht zu halten: sie direkt zu CIA-Angehörigen zu machen; ihnen wöchentlich eine manipulierte Zusammenfassung auszuarbeiten; ihnen Waffen und Geld zu liefern; ihnen Training und Urlaube in Washington zu geben.“

1963 änderte man den Namen des seit 1946 in Panama ansässigen „Lateinamerikanischen Ausbildungszentrums der US Army“ in „Schule der Amerikas“, berüchtigt als „Mörderschule“. Zu den Ausbildungsprogrammen gehörten Techniken der Gefechtsführung, der militärischen Führung, des militärischen Geheimdienstes und der Folter. Die Mehrheit der Absolventen dieser Einrichtung wendete in ihren Ländern die erlernten Kenntnisse bei Staatsstreichen und dem Einsetzen von Militärdiktaturen ein. Hunderttausende Lateinamerikaner sind gefoltert, ermordet und auf Nimmerwiedersehen verschleppt worden von jenen in jener Schule ausgebildeten Offizieren.

Trotz der Anstrengungen und des Rückgriffs auf diverse terroristische Methoden, was die Regierung Johnson fortsetzte, scheiterte der US-Imperialismus mit seiner trügerischen „Allianz für den Fortschritt“. Wie in den OAS-Dokumenten vermerkt ist, „wurde leider 1957 keine Vision des Freihandels südlich der Vereinigten Staaten in der Hemisphäre erreicht und der Entwicklungsplan in seiner Gesamtheit nie umgesetzt.“

Während des gesamten Kalten Kriegs ging der Aufbau von Bündnissen unter allen US-Regierungen weiter. Seit der Operation Condor und dem Militarismus der Dokumente von Santa Fé des Ronald Reagan wurden die gleichen Vorherrschaftsziele gegen unsere Region verfolgt. Nach dem Zusammenbruch des sozialistischen Weltsystems startete Präsident Clinton 1994 in Miami die ALCA als ein Symbol des „freien Handels“, was auf dem 4. Amerikagipfel 2005 in Mar del Plata scheiterte. Die Bush-Administration machte mit der militaristischen Politik weiter, was sich im Plan Mérida und der Reaktivierung der 4. Flotte widerspiegelte.

OBAMA IN SEINEM LABYRINTH BEIM SCHMIEDEN EINER „INTELLIGENTEN“ ALLIANZ

Die gegenwärtige Obama-Administration beabsichtigt, eine auf das Konzept der „Intelligenten Macht“ gegründete „neue Allianz“ zu präsentieren, die den Einsatz militärischer Gewalt und wirtschaftlichen Zwangs mit der Fähigkeit des Manipulierens und Überzeugens kombiniert, wobei die transnationalen Medienkonzerne, die Förderung des US-amerikanischen „Way of Life“ und ausländische Beratung eingesetzt werden sollen. Das heißt genau das, was sie bei uns traditionell gemäß ihren Interessen aus dem jeweiligen Moment angewendet haben: Zuckerbrot und Peitsche.

Gefangen in seinem eignenen Labyrinth hat Obama daher keine andere Möglichkeit, als eine „Intelligente“ Allianz vorzuschlagen und dabei alte Komponenten wiederzubeleben. Laut Sprecher des Weißen Hauses widmet sich die Rundreise des US-Präsidenten Obama auch Themen wie „dem wirtschaftlichen Wohlstand, der Schaffung von Arbeitsplätzen durch die Ausweitung des Handels, den gemeinsamen Werten und der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Energie und der Sicherheit“.

Niemand kann abstreiten, dass das Erörtern dieser Themen eine erstrangige Bedeutung hat und ihr Formulieren so attraktiv klingt wie jene trügerische „Allianz für den Fortschritt“. Über das Einschätzen des wirklichen politischen Willens Washingtons hinaus, zu einer anderen Beziehung mit Unserem Amerika zu kommen, müssen wir uns fragen, in welchem Maß Obama die Mechanismen geändert hat, die das hemisphärische Herrschaftssystem ausmachen.

Bisher hält die gegenwärtige US-Regierung dieselben strategischen Interessen wie ihre Vorgänger bezüglich Lateinamerika und der Karibik aufrecht, welche darauf gerichtet sind, den Zugang und die Kontrolle über die Bodenschätze, die primären Energieträger, die Beherrschung der Märkte, die Bewahrung des Systems der ideologischen und kulturellen Kolonisation und die Unterdrückung der revolutionären Prozesse aufrecht zu erhalten, welche die Grundlagen der US-Vorherrschaft herausfordern. Die gegenwärtige US-Regierung hält die wirtschaftliche, handelsmäßige und finanzielle Blockade gegen Kuba aufrecht. Sie setzt die Feindseligkeiten gegen die Bolivarische Republik Venezuela fort. Sie legitimierte den Staatsstreich in Honduras und richtete sieben Militärstützpunkte in Kolumbien ein.

Die einzige glaubhafte Art und Weise eines Beginns des Schmiedens neuer Allianzen ist der Beginn der Auflösung des hemispärischen Herrschaftssystems. Das Gegenteil dessen, die Rhetorik und Versprechungen, werden die Grundlage der „Intelligenten“ Allianz sein, die absehbar der „Allianz für den Fortschritt“ eine Wiederauflage beschert. Wobei diese Allianz bereits mit dem Markenzeichen ihres eigenen Scheiterns versehen ist.

Quelle:

http://www.cubadebate.cu/

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