Eine
Frage des eigenen Standortes
25.09.2004
Rede
von Otto Bruckner, Sprecher der "Kommunistischen Initiative zur
Erneuerung der KPÖ", auf der Solidaritätskundgebung für die Völker
des Iraks und Palästinas am 25. September in Wien, Stephansplatz
Ein
Krieg, der mit Lügen begonnen, der mit schmutzigen Mitteln geführt
wurde und wird, ein Krieg gegen ein stolzes, gebildetes und
zivilisiertes Volk, ein Krieg eines großen, von Weltmachtphantasien
getriebenen Imperiums gegen ein kleines Land, ein solcher Krieg ist
immer ein ganz typisch imperialistischer.
Solche
Kriege kennen wir aus der Geschichte untergegangener Imperien, durch
einen solchen Krieg etwa zerstörte Rom den Tempel von Jerusalem. Wir
kennen sie aus der jüngeren Geschichte und aus der jüngsten.
Der
Irak besaß keine Massenvernichtungswaffen, er hatte nichts zu tun mit
den Terroranschlägen in New York, diese beiden zusammengelogenen
Kriegsgründe sind eingestürzt wie Kartenhäuser.
Aber
der Irak stellte ein anderes Problem für den US-Imperialismus dar: Er
gehörte zu jenen Flecken auf dem Globus, die nicht im unmittelbaren
Einflussbereich der mächtigsten Konzerne der Welt stehen, er hatte eine
Wirtschaft, in der die Bodenschätze, vor allem das Öl, in nationalem,
staatlichen Besitz waren, er war ökonomisch nicht im Griff des
Imperialismus.
Die
Ziele der US-Außenpolitik folgen keinen humanitären oder
zivilgesellschaftlichen Regeln, sondern einzig ökonomischen und
machtpolitischen. Der militärisch-industrielle Komplex braucht
Rohstoffe, Einflussbereiche, braucht Absatzmärkte. Er braucht Kriege,
wo seine Waffen zum Einsatz kommen, wo neue Systeme erprobt werden, wo
Material vernichtet wird, um neues zu produzieren. Der so genannte
Aufschwung in den USA ist ein Aufschwung der Rüstungsausgaben. Die öffentliche
Hand subventioniert Krieg, die Armen bezahlen die Profite der Rüstungsindustrie.
Das ist die Wahrheit!
Auf
dieser Grundlage sollten fortschrittliche Menschen die heutige Lage im
Irak bewerten. Die Völker des Irak haben ein Recht auf nationale
Selbstbestimmung, sie haben das Recht ihren Weg frei zu bestimmen und
sie haben das Recht, die Räuber und Besatzer hinauszuwerfen. Che
Guevara sagte: "Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker",
unsere wärmsten, aufrichtigsten, brüderlichen und schwesterlichen Grüße
senden wir heute an die Frauen und Männer des irakischen Widerstandes,
an die Kämpferinnen und Kämpfer der Intifada in Palästina.
Es
ist eine Frage des eigenen Standortes, eine Frage des "mit
wem" und "gegen wen". Es ist eine Frage der
Aufrichtigkeit. Wir solidarisieren uns mit dem irakischen Widerstand
wohl wissend, dass in seinem Windschatten wie in jeder Zeit verschärfter
Kämpfe auch Verbrecher, Mörder und Provokateure ihr Unwesen treiben.
Wir wollen aber die Anmaßung der "Politisch korrekten" in den
Metropolen zurückweisen, dem Widerstand die Wahl seiner Mittel
vorschreiben zu wollen. Wir halten das für borniert und arrogant. Wir
schenken - weil wir sehen worum es hier geht - auch den Beteuerungen
sogenannter irakischer Linker und Kommunisten keinen Glauben, dass das
Ende der Besatzung quasi automatisch mit freien Wahlen kommen würde.
Wahlen unter einem Besatzungsregime können nicht frei sein und gewählte
Marionetten werden die Besatzer mit höflichen Bitten nicht vertreiben.
Und selbst wenn, selbst wenn die Truppen abziehen, es bleiben die
Konzerne, die das Land, seine Bodenschätze und Reichtümer filetieren
und aussaugen. Auch gegen jene, nicht bloß gegen die militärische
Seite der Besatzung richtet sich der antiimperialistische Widerstand.
Die wirklichen Linken nicht nur im Irak, sondern in allen Teilen der
Welt befinden sich im antiimperialistischen Widerstand.
Wir
lehnen es ab, domestiziert zu werden zu Lakaien und Hofnarren an den Höfen
und in den Parlamenten der Mächtigen. Wir meinen, der weltweiten
Offensive des Kapitals muss eine Offensive antiimperialistischer Kämpfe
entgegengesetzt werden.
Wir
pfeifen nicht das Lied der Herren, wir singen das Lied der Völker der
Welt, wir fordern Freiheit, Wohlstand, Arbeit und Brot. Das Recht auf
ein menschenwürdiges Leben für Alle.
Es
ist jener Kampf, den Menschen heute in allen Erdteilen führen, es ist
jener Kampf, der die wesentlichen Strömungen des weltrevolutionären
Prozesses zusammenbringen wird,
die
nationalen Befreiungsbewegungen, die kämpfende Arbeiterbewegung und die
antimonopolistischen und sozialistischen Staaten. Ich grüße sie alle
von hier aus mit dem traditionellen Gruß der Kommunistinnen und
Kommunisten:
Freiheit! |