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Wo
soll der Zaun laufen?
Ein
Streit, der Scharon nicht wirklich weh tut
Von
Knut Mellenthin
Eine
israelische Delegation hielt sich Anfang dieser Woche zu Gesprächen mit
der Sicherheitsberaterin von Präsident Bush, Condoleezza Rice, und
anderen Regierungsmitgliedern in Washington auf. Ein zentraler Punkt
waren Meinungsverschiedenheiten über die Befestigungen, den sogenannten
Zaun, den Israel um die besetzten Palästinensergebiete herum anlegt.
Die amerikanische Regierung hat angedeutet, ihre Kreditbürgschaften zu
kürzen, falls Israel nicht zu Konzessionen bereit ist. Es geht dabei
vor allem um den Verlauf des Zauns im Bereich der großen jüdischen
Siedlung Ariel. Zwei Optionen werden in Israel diskutiert: Entweder
Einschluss des gesamten Gebiets von Ariel mit rund 30.000 Siedlern in
das durch den Zaun abgetrennte Gebiet. Das fordern vor allem die
Extremisten, die auch in der Koalition Scharons vertreten sind. Oder Bau
von Befestigungen um einzelne jüdische Siedlungen in diesem Gebiet, zusätzlich
gesichert durch Straßensperren und starke israelische Truppenpräsenz.
Scharon
hatte Ende voriger Woche in seinem Kabinett als gemeinsame Marschroute für
die Verhandlungen in Washington durchgesetzt, dass über den Verlauf des
Zauns im Gebiet von Ariel erst später entschieden werden soll,
"wenn das internationale Klima günstiger ist". Die
amerikanischen Vertreter haben nun ihrerseits erklärt, dass Washington
seine endgültige Entscheidung erst treffen wird, wenn der gesamte
genaue Verlauf des Zaunes feststeht.
Es
geht bei dieser Diskussion um Kreditbürgschaften, nicht um Kredite. Die
von der US-Regierung für die Jahre 2003 bis 2006 zugesagten Kreditbürgschaften
belaufen sich auf 9 Milliarden Dollar. Israel kann in dieser Höhe in
den USA Staatsanleihen - entsprechend den Schatzbriefen der deutschen
Bundesregierung - auflegen, für deren Deckung die amerikanische
Regierung garantiert. Seit langem besteht die Regelung, dass Washington
die Kreditbürgschaften um die Höhe der Ausgaben kürzt, die Israel für
Siedlungen in den besetzten Palästinensergebieten aufwendet. Dieser
Posten ist, gemessen an der Gesamtsumme der Bürgschaften, nicht
bedeutend. Er wird im laufenden Zeitraum auf 200 bis 250 Millionen
Dollar geschätzt, also nicht mehr als 2 bis 3 Prozent der zugesagten 9
Milliarden.
Nach
dem gleichen Grundsatz könnte Washington auch israelische Ausgaben für
den Bau des Zaunes von den Bürgschaften abziehen. Selbstverständlich
nicht die gesamten Kosten der Befestigungen, deren Berechtigung von der
US-Regierung nicht bestritten wird, sondern nur für jenen kleinen Teil
der Kosten, der durch einen umstrittenen Verlauf des Zaunes entsteht,
vielleicht ein paar Millionen Dollar. Finanziell ist das für Israel
unbedeutend. In erster Linie geht es darum, aus politischen Gründen
Meinungsverschiedenheiten mit den Amerikaner zu begrenzen.
Letztlich
bietet sich eine sehr "elegante" Lösung an, die von Scharon
langfristig angestrebt wird: Die amerikanische Regel, israelische
Ausgaben in den besetzten Gebieten von den Kreditbürgschaften
abzuziehen, bezieht sich ausdrücklich nur auf zivile Projekte. Falls
Washington dazu gebracht werden kann, den Zaun nicht als ziviles,
sondern als militärisches Projekt einzustufen, wäre das Problem aus
der Welt geschafft.
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