|
Bezüglich
der Situation in Palästina
Gemeinsame
Erklärung kommunistischer und Arbeiterparteien aus Palästina, Syrien,
Tunesien, Marokko und Ägypten.
Quelle:
Kommunistische
Initiative (KI) Wien vom 10.07.2007
Erfüllt
mit Trauer und bewusst der Gefahr, die die palästinensische Sache in
ihrer Gesamtheit bedroht, verfolgen wir die Situation im Westjordanland
und in Gaza, wo sich Bruderkämpfe unter Palästinensern um die Macht
abspielen - eine Macht unter einem Besatzungsregime. Die eine wie die
andere Seite betont in diesen Auseinandersetzungen die Legitimität ihrer
Position. Nun kann eine solche Legitimität nur dem Widerstand [gegen das
Besatzungsregime; d.Ü.] als solchem zukommen - konsequenterweise kann
keine der in diesen Auseinandersetzungen verwickelten Größen sie für
sich beanspruchen.
Das
palästinensische Volk im Westjordanland und im Gaza-Streifen hat [im
Rahmen der letzten Parlamentswahlen; d.Ü.] die Mehrheit der
Hamas-Bewegung verliehen, da sie diese als eine Kraft des Widerstands
ansah, die für die Befreiung Palästinas wirkt. Das Volk hat die Fatah
wegen deren Politik und der Korruptheit ihres politischen Apparats
marginalisiert. Aber dies autorisiert die Hamas nicht dazu, Mord als
legitimes Mittel zur Verteidigung ihrer Macht und zur Übernahme der
Kontrolle über den Gaza-Streifen auszuüben. Wie auch immer die vom
Apparat der Fatah ausgeübte Korruptheit und Anarchie aussehen mag: der
von der Hamas eingeschlagene Weg der Lösung in Form eines Bruderkampfes
ist angesichts der Brenzligkeit und Gefährlichkeit der Situation töricht.
Erwiesenermaßen
führte der Erfolg der Hamas bei den Parlamentswahlen zu einer Ambiguität.
Diese Ambiguität entwickelte sich fort und dauerte an, immer schon unter
der konkreten Gefahr, unweigerlich in Zerstörung und einen Bruderkampf
hinauszulaufen. Jede Seite klammerte sich in dieser Situation fest an ihre
jeweilige Macht und versuchte, der anderen ihre Logik aufzuzwingen. Das
Problem liegt allerdings tiefer. Es handelt sich dabei um jene Frage nach
der politischen Qualität der Autonomiebehörde als oberstem Organ der palästinensischen
Selbstverwaltung. Diese Behörde drückt eben kein nationales Projekt aus
– und dies, da sie schon aufgrund ihrer historischen
Konstitutionsbedingungen nie ein solches nationales Projekt war.
Die
Hamas hat sich nun vor einer grundlegenden Wahl befunden: entweder das
Oslo-Abkommen außer Kraft zu setzen und konsequenterweise die
Autonomiebehörde aufzulösen, um stattdessen eine Art nationale Direktion
des Widerstands zu konstituieren, oder aber in einer oppositionellen
Position zu verbleiben – dies nicht, weil es etwa ein Automatismus
gewesen wäre, dass die Hamas der Fatah die Autonomiebehörde überlassen
musste, wohl aber, weil jede andere Entscheidung der Hamas unweigerlich zu
den aktuellen Ereignissen hätte führen müssen und damit zu einem
dauerhaften Bürgerkrieg. Davon hätte wiederum nur der zionistische Staat
davon profitiert, um die Blockade des Gazastreifens zu verschärften (was
erneut die Situation des Volkes verschlimmert hätte), um seine militärischen
Offensiven zu intensivieren, die Infrastruktur zu zerstören und die
Gewalt anzufachen, die einen auf Kosten der anderen zu favorisieren mit
dem Ziel, nicht die Fatah zu unterstützen, jedoch aber den Bruderkampf
und die Gewalt unter den Palästinensern andauern zu lassen und um sie in
einen nicht endenden Krieg einzutauchen. Es geht für Israel nämlich
immer darum, die palästinensische Sache als Ganzes zu vernichten und über
all die zionistischen Praktiken im Westjordanland hinwegzutäuschen, über
die Fertigstellung der Mauer der Separation, der Ausweitung der
Siedlungen, der Einkapselung der Palästinenser in nicht existenzfähigen
Kantonen, um sie ihrer elementarsten ökonomischen und vitalen Strukturen
zu berauben.
Weit
entfernt davon, bei der Aneignung der Hamas über Gaza und derjenigen der
Fatah über das Westjordanland stehen zu bleiben, wird diese Situation
einen Bruderkampf unter Palästinensern im Gaza-Streifen entflammen. Der
zionistische Staat wiederum wird, die Aneignung der Hamas über Gaza als
Vorwand benutzend, eine aktive Rolle dabei spielen, durch Praktiken der
Eindringung und Aggression diesen innerpalästinensischen Kampf fortdauern
zu lassen.
Wir
verurteilen daher den Bruderkampf unter Palästinensern, wir verurteilen
Politikformen, die darin bestehen, sich an eine Autonomiebehörde unter
einem Besatzungsregime festzuklammern, die nichts für das palästinensische
Volk bringt; wir appellieren an ein Zurück zum Widerstand [gegen das
Besatzungsregime; d.Ü.] auf dem Weg einer geeinten Führung, die die
Aktivitäten des Widerstands koordiniert und die Geschäfte des palästinensischen
Volkes führt, wie es die Führer der ersten Intifada machten. Wir
appellieren an ein Zurück zu einer Führung, die sich auf das Ziel
konzentriert, das alle palästinensischen Kämpfer eint, alle Kräfte der
Befreiung, alle Patrioten in der arabischen Welt: die Niederlage des
zionistischen Projekts.
Die
Fortsetzung des Bruderkampfes, die Fortsetzung des Kampfes um die Macht
dient dem zionistischen Projekt und hilft ihm, den Gazastreifen zu zerstören,
die Aneignung des Westjordanlandes abzuschließen, die palästinensische
Sache zu entstellen, auf dass sie nicht länger die Befreiung und den
Kampf gegen den Imperialismus symbolisiert.
Darum
ist es in unseren Augen notwendig, dass die Kräfte des palästinensischen
Widerstands ihre Anstrengungen einen, um den Widerstand gegen den
Zionismus zu intensivieren und Instanzen der Führung für das palästinensische
Volk zu konstituieren, Instanzen, die sich von den aktuell existierenden
unterscheiden und sich auf demokratischer Basis und einem Politikverständnis
gründen, dessen Essenz der Widerstand gegen die Besatzung ist.
Das
palästinensische Volk hat es heute mehr denn je notwendig, seine
nationale Einheit zu stärken und die Spaltung und die Bruderkämpfe
abzulehnen, um das Vaterland und das Volk zu einen, sich an die nationalen
Ziele und seine historischen Rechte als demokratischer palästinensischer
Staat zu klammern.
20.
Juni 2007
Volksfront
zur Befreiung Palästinas
Partei der Kommunistischen Aktion (Syrien)
Koordinationskomitee der Mitglieder der Kommunistischen Partei Syriens
(Politbüro)
Patriotische und Demokratische Arbeiterpartei (Tunesien)
Partei der demokratischen und sozialistischen Vorhut (Marokko)
Partei des demokratischen Weges (Marokko)
Komitee der syrischen Kommunisten
Sozialistische Partei des Volkes (Ägypten)
Kommunistische Partei der Arbeiter (Tunesien)
Übersetzung
aus dem französischen: M.K. für www.kommunisten.at
|