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„Mit
allen erdenklichen Mitteln“
Israel
ist offenbar zum Krieg entschlossen
Quelle:
Freace
vom 08.06.2008
Mehrere
Meldungen der vergangenen Tage zeigen unübersehbar, wie stark der Wille
Israels zum Krieg gegen den Iran mittlerweile ist. Dies begann, wie
beispielsweise Al-Jazeera am Mittwoch berichtete, mit einer Rede des
israelischen Premierministers Ehud Olmert vor dem „American Israel
Public Affairs Committee“ (AIPAC, „Komitee für
amerikanisch-israelische Öffentlichkeitsarbeit“, dem einflußreichsten
pro-israelischen Lobbyverband in den USA.
Dort
sagte er: „Die iranische Bedrohung muß mit allen erdenklichen Mitteln
gestoppt werden.“ Daß dies militärische Mittel beinhaltet, ist
offensichtlich. Es ist aber anzunehmen, daß Olmert hier auch an den
Einsatz der israelischen Atomwaffen gedacht hat. „Die internationale
Gemeinschaft hat die Pflicht und Verantwortung, dem Iran durch
drastische Maßnahmen klarzumachen, daß die Auswirkungen ihres
anhaltenden Strebens nach Atomwaffen verheerend sein werden“, so
Olmert weiter. Internationale und politische Sanktionen gegen den Iran
seien „nur ein erster Schritt“ und die vorgebliche Hinwegsetzung des
Irans über die internationalen Maßnahmen ließen „keinen Zweifel über
die dringende Notwendigkeit drastischerer und robuster Maßnahmen“,
sagte er. „Robust“ ist die allgemeine Wortwahl von Politikern für
kriegerische Handlungen.
Am
gleichen Tag berichtete die Washington Post unter Berufung auf eine
Meldung der israelischen Yedioth Ahronoth, daß Olmert US-Präsident
George W. Bush bei einem Treffen mit ihm zu einem Angriff auf den Iran
„drängen“ wollte. Eine entsprechende Meldung erschien ebenfalls in
der israelischen Haaretz. Tatsächlich hatte US-Außenministerin
Condoleezza Rice den Iran am Dienstag – ebenfalls vor dem AIPAC -
einmal mehr beschuldigt, nach Atomwaffen zu streben. Damit ignorierte
sie vollständig den Standpunkt von 16 US-Geheimdiensten, die im Ende
des vergangenen Jahres veröffentlichten „National Intelligence
Estimate“ (NIE) zu dem Schluß gekommen waren, daß der Iran sein
Atomwaffenprogramm bereits im Jahr 2003 eingestellt hat.
Am
Mittwoch sprach dann auch der US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama
vor dem AIPAC, wie die Star Tribune berichtete. Während es kaum
verwundern kann, daß sein republikanischer Gegner John McCain zwei Tage
zuvor an gleicher Stelle scharfe Töne im Hinblick auf den Iran
angeschlagen hatte, zeigen Obamas Worte doch, daß auch er keineswegs
ein „Mann des Friedens“ ist, wie von vielen erhofft. „Es soll
keinen Zweifel geben: Ich werde mir die Drohung militärischen Vorgehens
zur Verteidigung unserer Sicherheit und unseres Alliierten Israels immer
offenhalten“, sagte Obama vor dem AIPAC. „Ich werde alles in meiner
Macht stehende tun, um den Iran daran zu hindern, in den Besitz einer
Atomwaffe zu gelangen.“ Schon in diesem Satz spiegelten sich die
„allen erdenklichen Mittel“ Olmerts unübersehbar wider.
Seine
unbegrenzte Unterstützung für Israel geht aber offenbar noch weiter,
wie ein Artikel der Jerusalem Post über seine Rede vor dem AIPAC zeigt.
Demnach sagte er vor dem AIPAC außerdem, daß „Jerusalem die
Hauptstadt Israels bleiben wird und es muß ungeteilt bleiben.“ Die
palästinensische Seite betrachtet den Ostteil Jerusalems als Hauptstadt
Palästinas. Entsprechend wütend reagierten denn auch palästinensische
Politiker auf diese Aussage, woraufhin Obama Berichten vom Freitag
zufolge in diesem Punkt zurückruderte und von der Notwendigkeit von
Verhandlungen über den zukünftigen Status der Stadt sprach.
Den
deutlichsten Hinweis auf einen bevorstehenden Angriff auf den Iran
lieferte allerdings der israelische Verkehrs- und stellvertretende
Premierminister Shaul Mofaz gegenüber der Yedioth Ahronoth, wie unter
anderem der britische Guardian am Freitag berichtete. „Wenn der Iran
mit seinem Programm zur Entwicklung von Atomwaffen fortfährt, werden
wir ihn angreifen. Die Sanktionen sind ineffektiv“, so Mofaz. „Den
Iran anzugreifen, um seine Atompläne zu stoppen wird unvermeidbar
sein.“
Da
es dem Iran allein schon aus Gründen der Logik niemals gelingen wird,
zweifelsfrei zu belegen, daß dort nicht doch insgeheim an der
Entwicklung von Atomwaffen gearbeitet wird, kann diese Aussage Mofaz'
nur als Ankündigung eines bevorstehenden Angriffs auf den Iran
bezeichnet werden. An einer Unterstützung eines solchen völkerrechtswidrigen
Angriffs durch die USA dürften ebenso wenige Zweifel bestehen.
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Unsere
Streitkräfte, unsere Kriegsverbrechen,
unser Terrorismus
Die
Schuld Israels am Tod palästinensischer Zivilisten
Bradley
Burston
Quelle:
Freace
vom 30.05.2008
Anmerkung
des Autors: Dies ist die zweite Version dieses Kommentars. Die erste
wurde, dies gebe ich offen zu, im Zorn und Argwohn verfaßt, nicht
zuletzt aufgrund der vielen Fälle ungerechtfertigter Tötungen von palästinensischen
Zivilisten, über die von den israelischen Medien nicht oder nicht
ausreichend berichtet wurde oder die von diesen beschönigt oder falsch
dargestellt wurden und weil das Militär anfangs nicht willens war, ihre
Sicht der Dinge mitzuteilen und auch seitdem keineswegs vollständiges
Entgegenkommen gezeigt hat.
Erlauben
Sie mir, mit Verlaub, diesen Artikel mit dem Hinweis an jene, die ihre
Kommentare mit „Wenn Sie jemals im israelischen Militär gedient hätten...“
begannen, einzuleiten, daß es deshalb war, weil ich im israelischen
Militär als Feldsanitäter gedient habe, als Rekrut und 16 Jahre lang
bei Reserveübungen, daß ich schrieb, was ich schrieb und fühlte, was
ich fühlte. Und wenn was ich schrieb eine Überreaktion war, dann war
das auch aus diesem Grund.
Erlauben
Sie mir hinzuzufügen, daß ich glaube, daß seitens des israelischen
Militärs gewaltige Anstrengungen unternommen wurden, um Opfer unter der
palästinensischen Zivilbevölkerung zu begrenzen, insbesondere seit
Ende 2006, was Statistiken belegen. Aber ich glaube auch, daß in dieser
Hinsicht noch mehr getan werden kann und muß.
Ich
möchte mich für das Unverzeihliche entschuldigen.
Es
ist für uns an der Zeit, damit aufzuhören, zu „verstehen“, warum
wir so viele palästinensische Zivilisten töten. Es ist für uns an der
Zeit, damit aufzuhören, die Toten wegzudiskutieren, die wir als unglückliches
und zufälliges Nebenprodukt eines schrecklichen Krieges entschuldigen.
Wenn
es nur ein einzelner Vorfall gewesen wäre, ein tragischer Fehltritt, hätte
ich meinen Frieden behalten, nichts gesagt, wäre weitergegangen.
Aber
das gleiche Verbrechen, die gleiche – laßt es uns beim Namen nennen
– Greueltat, wurde wieder und wieder verübt, unter den gleichen Umständen,
aus den gleichen Gründen, mit dem gleichen unentschuldbaren Ergebnis.
Jemand
in einer Uniform des israelischen Militärs, in einer Position mit
Verantwortung, gab einen Befehl. Wir werden vermutlich niemals erfahren,
wer. Noch werden wir erfahren, wer die Granate in die Panzerkanone lud,
wenn es das war, was passierte, oder wer die Luft-Boden-Rakete
scharfmachte, wenn es das war, was passierte, wer sichtete das Ziel, wer
geben den Feuerbefehl, wer führte ihn aus.
Was
wir wissen ist, daß eine Mutter in Beit Hanoun, ein verwüstetes Gebiet
im Norden Gazas, von dem aus Qassams und Mörser auf Israel abgefeuert
werden, am Montagmorgen für das Frühstück ihrer vier kleinen Kinder
sorgte, als ihre Welt explodierte.
Wir
wissen, daß sie alle tot sind.
Das
Militär sagte, es habe zwei Raketen auf palästinensische Milizen nahe
der Blechhütte der Familie Abu Meatik abgefeuert, von den Milizen
mitgeführten Sprengstoff zur Explosion gebracht, eine „zweite
Explosion“ ausgelöst, die das Haus getroffen habe.
Augenzeugen
sagten, eine Panzergranate sei durch das Dach geschlagen und habe alle
im Innern getötet, darunterRudina Abu Meatik, 6 Jahre, ihre Brüder
Saleh, 4 Jahre, und Mousab, 15 Monate, und ihre drei Jahre alte
Schwester Hana.
Wir
trösten uns, hier auf der israelischen Seite der Grenze, damit, daß,
anders als der Selbstmordbomber, der Terrorist mit dem Teppichmesser,
der Maschinengewehrschütze im fahrenden Auto oder der Schütze von
Merkaz Harav, der Tod der Kinder und ihrer Mutter in Beit Hanoun nur ein
schrecklicher Fall von Unglück war.
Wir
lindern unsere Zweifel, indem wir betonen – und das ist wahr – daß
das israelische Militär niemals absichtlich auf Nichtkämpfer zielt.
Wir schützen unsere zerbrechlichen Gewissen, indem wir Fall um Fall von
zivilen palästinensischen Opfern ausblenden.
Wir
lenken die Schuld von uns ab, indem wir Hamas, Jihad, sogar – und
hierfür entschuldige ich mich siebzigfach – dem Unvermögen der palästinensischen
Zivilisten, sich zu erheben und die Terroristen aufzuhalten, die Schuld
geben.
Wir
sind bereit, es wieder und wieder zu entschuldigen. Wir entschuldigten
es, als wir heute die Nachrichten hörten, wie wir es im November 2006
entschuldigten, als eine Artilleriegranate des israelischen Militärs in
Beit Hanoun 19 Menschen tötete, einige von ihnen Kinder, die noch in
ihren Betten schliefen, als die Granate einschlug.
Schluß
damit.
Es
würde sich für uns in dieser Hinsicht auszahlen, die Gründe überprüfen,
warum auf zivile Zentren abgefeuerte palästinensische Mörser und
Qassam-Raketen als Kriegsverbrechen angesehen werden. „Weil Qassams
nicht in der Lage sind, ein Ziel genau zu treffen, ist es illegal, sie
in oder in der Nähe von mit Zivilisten bevölkerten Gegenden zu
benutzen“, sagte Human Rights Watch, nachdem eine Qassam in Sderot
eine Mutter zweier Kinder getötet hatte, nur Tage nachdem die 19, größtenteils
Frauen und Kinder, in Beit Hanoun getötet worden waren.
Es
würde sich für uns in dieser Hinsicht auszahlen, anzuerkennen, daß
wir trotz modernster Technik weder Panzergranaten noch Raketen mit
absoluter Sicherheit auf ein Ziel ausrichten können.
„Das
Humanitäre Völkerrecht verbietet direkte Angriffe auf Zivilisten und
zivile Objekte als auch unterschiedslose Angriffe und Angriffe, die
unverhältnismäßigen Schaden unter Zivilisten verursachen“, erklärte
die Organisation. „Ein verbotener unterschiedsloser Angriff schließt
Waffen ein, die nicht in der Lage sind, zwischen Zivilisten und Kämpfern
oder zwischen zivilen und militärischen Objekten zu unterscheiden.“
Wir
wissen alle, warum wir den Kampfhubschrauber, den Panzer und den
Jagdbomber dorthin schicken und sie gegen Palästinenser einsetzen. Wir
setzen sie aus dem gleichen Grund ein, aus dem wir uns aus Gaza zurückgezogen
haben. Um unsere eigenen Soldaten zu schonen. Wir wissen, daß eine
Besatzung große Mengen an Soldaten erfordert. Wir setzen Panzerung
gegen Menschen ein, um so die Gefahr für unsere eigenen Soldaten zu
begrenzen.
Die
Art wie wir sie einsetzen, tötet allerdings Kinder.
Es
wird auf unserer Seite jene geben, die grundsätzlich die palästinensischen
Augenzeugenberichte anzweifeln und die es vorziehen, die Version des
militärs zu glauben. Ich bin bereit zu glauben, daß die Version des
Militärs, im engeren Sinne, korrekt war. Aber selbst die Version des
Militärs erklärt nicht unzureichende Sorge wegen der Nähe von
Zivilisten.
Ich
bin allerdings nicht willens, den Ansatz von Verteidigungsminister Ehud
Barak zu akzeptieren, dessen Hand in der derzeitigen Vorgehensweise des
Militärs in Gaza unübersehbar ist. „Wir sehen Hamas für alles, was
dort geschieht, als verantwortlich an, für alle Verletzungen“, sagte
Barak, als er am Montag auf die Todesfälle in Beit Hanoun reagierte.
„Das
Militär handelt - und wird weiterhin handeln – gegen Hamas, einschließlich
innerhalb des Gaza-Streifens. Hamas ist aufgrund ihrer Aktivität
innerhalb der Zivilbevölkerung ebenfalls für einen Teil der Opfer
unter unbeteiligten Zivilisten verantwortlich“, sagte Barak.
Zur
gleichen Zeit hat das Militär eine Sonderuntersuchung des Vorfalls
angeordnet. Das ist genau, was passieren sollte. Soldaten und
insbesondere ihren Kommandeuren muß klar sein, daß es intensive,
unparteiische Untersuchungen und ernste Konsequenzen für die Tötung
palästinensischer Zivilisten geben wird.
Und
wo wir gerade dabei sind, laßt den Israeli, der über den palästinensischen
Terror erstaunt und entsetzt ist, anfangen zuzugeben, daß die
versehentliche Tötung von Zivilisten unsere Schande, unser
Kriegsverbrechen, unsere Selbstmordbomben, die Massaker, die direkt uns,
rechtschaffen, wie wir glauben zu sein, vorzuwerfen sind.
Dieser
Kommentar erschien zuerst am 29.04.2008 in englischer Sprache in der
israelischen Haaretz. |