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Gespräche
mit Fidel Castro:
Die
Gefahr eines Atomkrieges
by
Michel Chossudovsky and Fidel Castro Ruz
Quelle:
globalresearch
Auf
Kommunisten-online am 18. November 2010 –
Einleitende
Anmerkung
Vom
12. bis zum 15. Oktober 2010 führte ich in Havanna umfangreiche und
ausführliche Gespräche mit Fidel Castro bezüglich der Gefahr eines
Atomkriegs, der weltweiten Wirtschaftskrise und des Charakters der Neuen
Weltordnung. Diese Gespräche führten zu einem ergiebigen Interview über
verschiedene Themen.
Im
Mittelpunkt des ersten Teils dieses durch Global Research und CubaDebate
veröffentlichten Interviews stand die Gefahr eines Atomkriegs.
Die
Welt steht an einem gefährlichen Scheideweg. Wir haben einen
entscheidenden kritischen Punkt in unserer Geschichte erreicht.
Das
Interview mit Fidel Castro bietet eine Interpretation der Natur des
modernen Krieges: Wenn eine militärische Operation gegen die Islamische
Republik Iran begonnen würde, könnten die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten einen konventionellen Krieg nicht gewinnen und es wäre möglich,
dass jener Krieg zu einem Atomkriegs ausarten würde.
Die
Details der jetzigen Kriegsvorbereitungen bezüglich des Irans sind der
Öffentlichkeit gegenüber verheimlicht worden.
„Wie
kann man den teuflischen und absurden Vorschlag der Regierung der
Vereinigten Staaten, dass die Verwendung der Atomwaffen gegen den Iran
`die Welt in einen sichereren Ort verwandeln würde´, bekämpfen?“
Einer
der von Fidel Castro während des Interviews formulierten Grundbegriffe
ist die „Ideenschlacht“. Der kubanische Revolutionsführer ist der
Meinung, dass nur eine großartige `Ideenschlacht´ den Verlauf der
Weltgeschichte ändern könnte. Das Ziel besteht darin, das Undenkbare
zu vermeiden, und zwar einen Atomkrieg, der das Leben auf dem Planeten
zu zerstören droht.
Die
korporativen Medien sind mit bestimmten Handlungen an der Tarnung
beteiligt. Die verheerenden Folgen eines Atomkriegs werden
heruntergespielt oder nicht erwähnt. Unter diesen Umständen muss die
Botschaft von Fidel gehört werden; alle Völker des Planeten, überall
im Inland und im Ausland, müssen die Ernsthaftigkeit der jetzigen
Situation begreifen und energisch auf allen Ebenen der Gesellschaft
agieren, um den Verlauf der Geschehnisse umzukehren.
Die
„Ideenschlacht“ ist Teil eines revolutionären Prozesses. Angesichts
dieses Meeres der Desinformation ist Fidel Castro entschieden, das Wort
weit und breit zu verbreiten, die weltweite Öffentlichkeit zu
informieren, „das Unmögliche möglich zu machen“, um ein militärisches
Abenteuer zu vermeiden, welches im wahren Sinne des Wortes die Zukunft
der Menschheit bedroht.
Wenn
ein Krieg unter der Schirmherrschaft der Vereinigten Staaten mit der
Zustimmung und der Bewilligung der weltweiten Institutionen und der höchsten
Autorität, den Vereinten Nationen miteinbezogen, zu einem
„Friedensinstrument“ wird, dann gibt es keine Rückkehr mehr: die
menschliche Gesellschaft hat sich unverrückbar zu ihrer Selbstzerstörung
in den Abgrund gestürzt.
Die
von Fidel geförderte „Ideenschlacht“ muss zu einer weltweiten
Bewegung werden. Die Völker müssen sich gegen diese teuflische militärische
Agenda einsetzen.
Dieser
Krieg kann verhindert werden, wenn die Völker ihre Regierungen und ihre
gewählten Vertreter unter Druck setzen, wenn die Menschen sich auf örtlicher
Ebene in Dörfern und Städten organisieren, wenn sie das Wort
verbreiten, ihre Mitbürger über die Folgen eines thermonuklearen
Krieges informieren und wenn sie Debatten und einen Gedankenaustausch
mit den Streitkräften beginnen.
Eine
Massenbewegung der Völker, die die Legitimität des Krieges energisch
bezweifelnd herausfordert, ist erforderlich; eine Massenbewegung der Völker,
die den Krieg unter Strafe stellt.
In
seiner Rede vom 15. Oktober hat Fidel Castro die Welt vor der Gefahr
eines Atomkriegs gewarnt: „Es würde zivile Nebenschäden geben, so
behaupten die führenden US-amerikanischen Politiker und Militärs
immer, um den Tod unschuldiger Menschen zu rechtfertigen. In einem
Atomkrieg wäre der „zivile Nebenschaden“ das Leben der gesamten
Menschheit. Seien wir so mutig zu verkünden, dass alle konventionellen
oder atomaren Waffen, alles, was dazu dient, den Krieg zu führen,
verschwinden müssen!“
Die
„Ideenschlacht“ besteht darin, den Kriegsverbrechern, die hohe
Posten innehaben, eine Schlacht zu liefern, um den von den Vereinigten
Staaten zugunsten eines weltweiten Krieges angeführten Konsens zu
brechen, um die Denkweise von hunderten von Millionen Menschen zu verändern,
um die Atomwaffen abzuschaffen. Im Wesentlichen besteht der
„Ideenkampf“ darin, die Wahrheit wiederherzustellen und das
Fundament einer friedlichen Welt zu etablieren.
Michel
Chossudovsky, Global Research, Montreal
Gedenktag,
11. November 2010
„Die
Vereinigten Staaten würden den konventionellen Krieg verlieren und der
Atomkrieg ist für Niemand eine Alternative. Andererseits, würde der
Atomkrieg unvermeidlich zu einem globalen Atomkrieg werden.“
„Ich
denke, dass niemand auf der Welt das Aussterben der Menschheit will.
Deswegen bin ich der Meinung, dass nicht nur die Atomwaffen, sondern
auch die konventionellen Waffen verschwinden müssen. Man muss allen Völkern
ohne Unterschied Friedensgarantien anbieten.“
„Im
Fall eines Atomkriegs würde die gesamte Menschheit der Nebenschaden
sein! Wir müssen soviel Mut haben, zu verkünden, dass alle atomaren
und konventionellen Waffen, alles, was dazu dient, den Krieg zu machen,
verschwinden müssen!“
„Es
geht darum, zu fordern, dass die Welt nicht zu einer Atomkatastrophe geführt
wird, es geht darum, das Leben zu bewahren.“
Fidel
Castro Ruz, Oktober 2010
Gespräche

Michel
Chossudovsky: Ich fühle mich sehr geehrt, die Möglichkeit
zu diesem Meinungsaustausch, zu diesem Gespräch über so grundlegende
Fragen zu haben, die die gesamte menschliche Gesellschaft betreffen.
Jenes Grundwissen, das Sie in Ihren letzten Texten bezüglich der
Bedrohung für den Homo sapiens vorgelegt haben, ist meines Erachtens
von grundlegender Bedeutung. Worin bestehen jene Bedrohung, jene Gefahr
eines Atomkrieges und jene Bedrohung für die Menschen, für den Homo
sapiens?
Comandante
Fidel Castro Ruz: Seit recht geraumer Zeit, – ich würde
sagen, seit Jahren – aber besonders seit einigen Monaten, begann ich,
Sorge bezüglich des nahen Bevorstehens eines gefährlichen und möglichen
Krieges zu hegen, der sehr schnell zu einem Atomkrieg werden würde.
Vorher
hatte ich meine Anstrengungen auf die Analyse des kapitalistischen
Systems an sich und der Methoden konzentriert, die die imperiale
Tyrannei der Menschheit aufgezwungen hat. Die Vereinigten Staaten wenden
auf die Welt die Verletzungen der elementarsten Rechte an.
Während
des Kalten Krieges wurde weder über den Krieg noch über die Atomwaffen
gesprochen; man sprach von einem scheinbaren Frieden, das heißt dass
dieser zwischen der UdSSR und den Vereinigten Staaten durch das berühmte
MAD abgesichert war, d.h. die „abgesicherte gegenseitige
Vernichtung“. Es schien so, als ob die Welt die Wonnen eines unbeschränkt
langen Friedens genießen würde.


Michel
Chossudovsky: ... Jene Vorstellung der „gegenseitigen
Zerstörung“ hat mit dem Ende des Kalten Krieges aufgehört und
anschließend wurde die atomare Doktrin umformuliert, denn wir haben während
des Kalten Krieges niemals wirklich an einen Atomkrieg gedacht. Nun gut,
es gab eine offensichtliche Gefahr, – wie es sogar Robert McNamara zu
einem bestimmten Zeitpunkt gesagt hat... Aber nach dem Kalten Krieg
wurde begonnen, die atomare Doktrin umzuformulieren, besonders nach dem
11. September.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Sie fragten mich, wann wir die
drohende Gefahr des Atomkriegs zu merken begannen. Dies fing in der
Zeitspanne an, die ich Ihnen gerade sagte, vor kaum sechs Monaten. Vor
allem war die Versenkung des Cheonan während eines militärischen Manövers
eine der Sachen, die uns am merkwürdigsten bezüglich der Kriegsgefahr
aufgefallen ist. Es war das Flaggschiff des südkoreanischen
Flottenverbandes, äuβerst hoch entwickelt. Es war in jenen Tagen,
dass wir den Artikel von jenem Journalisten in Global Research fanden,
der eine klare und wahrhaftig kohärente Information über die
Versenkung des Cheonan enthielt, und aufzeigte, dass es nicht das Werk
eines mehr als 60 Jahre alten, in der UdSSR gebauten, mit alter
Technologie ausgerüsteten Unterseebootes sein konnte, denn während
eines Manövers zusammen mit den modernsten Schiffen der Vereinigten
Staaten bräuchte das Cheonan keine hoch entwickelten Geräte, um es zu
entdecken.
Die
Provokation gegen die Demokratische Republik Korea kam jetzt zu unseren
alten Sorgen bezüglich einer Aggression gegen den Iran hinzu. Wir
verfolgten sehr nah den politischen Prozess jenes Landes. Wir wussten
genau, was dort in den 50er Jahren geschah, als der Iran das Eigentum
der British Petroleum im Land verstaatlich hat, die sich damals Anglo
Persian Oil Company nannte.
Die
Bedrohungen gegen den Iran sind aus meiner Sicht nach im Monat Juni
imminent geworden, und zwar mit der Resolution 1929 vom 9. Juni 2010, in
dem der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen den Iran wegen der
vorgenommenen Forschungen und der Produktion kleiner Mengen von 20%
angereichertem Uran verurteilt und dieses Land als eine Bedrohung für
die Welt angeklagt hat. Bei dieser Sitzung wird die Stellungsnahme jedes
Mitglieds des Sicherheitsrates dargelegt: 12 Ja-Stimmen, darunter die 5
mit Vetorecht; 1 Enthaltung und 2 dagegen. Diese waren Brasilien und die
Türkei. Nachdem dieser Beschluss gefasst worden war, die aggressivste
von allen Resolutionen, kreuzten unverzüglich den Suezkanal ein
US-amerikanischer Flugzeugträger in einer Kampfgruppe und ein
Atom-U-Boot, mit der Kooperation seitens der ägyptischen Regierung.
Seeeinheiten aus Israel fahren ebenfalls in Richtung des Persischen
Golfes und der Iran nahe liegenden Meere.
Die
von den Vereinigten Staaten und ihren NATO-Verbündeten verhängte
Sanktion gegen Iran ist völlig übermäßig und ungerecht. Ich kann
nicht verstehen, warum Russland und China nicht ihr Veto gegen die
Resolution 1929 des UN-Sicherheitsrates eingelegt haben. Meiner Meinung
nach hat das die politische Situation noch äußerst verschärft und
bringt die Welt bis an dem Rand eines Krieges.
Ich
erinnerte mich an die Vorgeschichte der israelitischen Angriffe auf die
arabischen Atom-Forschungszentren. Zuerst griffen sie das von Irak im
Juni 1981 an und zerstörten es. Sie baten niemand um Genehmigung. Sie
sprachen mit niemandem. Sie griffen sie an und die Iraker mussten den
Schlag ertragen.
Im
Jahr 2007 wiederholte sich diese Operation gegen ein Forschungszentrum,
das Syrien in Bau hatte. Es gibt etwas bei dieser Episode, was ich
wirklich nicht gut verstehe: Für mich ist die Taktik nicht klar; wie
dem auch sei, oder die Gründe, aus denen Syrien den israelischen
Angriff gegen dieses Forschungszentrum nicht anzeigte, in dem
unbestreitbar etwas vorgenommen wurde, indem sie an einer Sache
arbeiteten, über die bekannt ist, dass sie Hilfe von Nordkorea
erhielten. Das ist legal. Sie haben keine Fehler begangen.
Ich
sage es hier mit aller Offenheit, dass ich nicht verstehe, warum es
nicht angezeigt wurde; weil es aus meiner Sicht wichtig gewesen wäre,
das anzuprangern. Es sind zwei wichtige Präzedenzfälle.
Es
gibt meiner Meinung nach viel mehr Gründe, um zu denken, dass sie
dasselbe mit dem Iran zu tun versuchen werden: Die Zerstörung seiner
Forschungszentren oder der Energieerzeugungs-einrichtungen. Wie man weiß,
ist der Uranrückstand der Energieerzeugung Rohstoff für das Plutonium.

Michel
Chossudovsky: Es ist wahr, dass diese Resolution des
Sicherheitsrates das Programm für militärische Zusammenarbeit, das
Russland und China mit Iran haben, bis zu einem gewissen Punkt außer
Kraft setzt. Besonders Russland hat eine Zusammenarbeit mit dem
Flugabwehr-System durch sein S-300 System.
Ich
erinnere mich daran, dass Russlands Außenminister gleich nach der mit
dem Aval von China und Russland getroffenen Entscheidung des
Sicherheitsrates sagte: „Also, wir haben diese Resolution nicht
angenommen und das wird unsere militärische Zusammenarbeit mit dem Iran
nicht auflösen“. Das war im Juni. Doch einige Monate später bestätigte
die Moskauer Regierung, dass diese militärische Zusammenarbeit
eingefroren werden wird. Auf diese Weise ist Iran jetzt in einer äußerst
kritischen Situation, weil das Land die russische Technologie braucht,
um seine Sicherheit beziehungsweise seine Flugabwehr zu bewahren.
Aber
ich denke, dass alle Drohungen an Russland und China bezwecken, dass
diese beiden Länder sich aus der Iran-Frage heraushalten. Das bedeutet,
dass, wenn es einen Krieg gegen den Iran geben würde, die anderen Mächte,
d. h. China und Russland, auf keinen Fall eingreifen würden. Sie würden
ihre militärische Zusammenarbeit einfrieren und so ist dies ein Weg,
den Krieg in dem Mittleren Osten zu verlängern, ohne dass es eine
Konfrontation mit China oder Russland gibt. Meiner Ansicht nach sieht
die Situation im Moment ungefähr so aus.
An
verschiedenen Grenzen gibt es vielfache Drohungen gegenüber Russland
und China. Die Tatsache, dass die chinesischen Grenzen militarisiert
sind – das Meer im Süden von China, das Gelbe Meer, die Grenze zu
Afghanistan, die Meeresenge von Taiwan ebenfalls – ist gewissermaßen
eine Drohung, um China und Russland davon zu überzeugen, nicht eine
Rolle als Macht der weltweiten Geopolitik zu spielen und das Terrain
bzw. den Konsens auch für einen Krieg im Iran vorzubereiten. Dieser
Krieg würde unter den Umständen einer Schwächung des
Flugabwehr-Systems vonstatten gehen. Es gibt einen englischen Ausdruck,
- a sitting duck - der leichte Beute heißt. Iran ist eine leichte Beute
in Bezug auf seine Möglichkeiten, sich im Bereich seines
Flugabwehr-Systems zu verteidigen, ...
Comandante
Fidel Castro Ruz: Meiner bescheidenen, gelassenen
Meinung nach hätte diese Resolution mit Veto belegt werden müssen.
Meines Erachtens hat das die ganze Situation in verschiedenen Sinnen
erschwert.
In
einem militärischen Sinn, bezüglich dessen, was sie, zum Beispiel, in
Bezug auf die vorhandene Verpflichtung und den unterzeichneten Vertrag für
die Lieferung der S-300 Waffen an Iran anführen. Diese sind in erster
Linie sehr effiziente Flugabwehrwaffen.
Es
gibt andere Sachen in Bezug auf Brennstofflieferungen, die sehr wichtig
für China sind, weil es das Land ist, das wirtschaftlich am schnellsten
wächst. Seine wachsende Wirtschaft verursacht eine zunehmende Öl- und
Gas-Nachfrage. Obwohl es Übereinkommen mit Russland für die Erdöl-
und Gasversorgung gibt, entwickeln sie auch die Windenergie und andere
Formen der erneuerbaren Energie; sie verfügen über riesige
Kohlereserven; die Atomenergie wird kein großes Wachstum zu verzeichnen
haben, dieses wird über viele Jahre nur um die 5% betragen; das heißt,
dass der Bedarf der chinesischen Wirtschaft an Erdöl und Gas sehr hoch
ist, und ich begreife nicht, wie eigentlich diese Energie gewonnen
werden kann und zu welchen Kosten, wenn das Land dort, wo sie wichtige
Investitionen haben, diese von den Vereinigten Staaten zerstört werden.
Aber das schlimmste Risiko ist ein Krieg dieser Art im Iran. Iran ist
ein muslimisches Land, das über Millionen von trainierten und stark
motivierten Kämpfern verfügt.
Es
gibt Dutzende von Millionen von Menschen die in Ausbildung stehen, sie
werden trainiert und politisch gelehrt, Männer und Frauen, Millionen
trainierter Kämpfer, die entschlossen sind zu sterben. Es sind
Menschen, die sich nicht einschüchtern lassen werden und die nicht
gewaltsam geändert werden können. Auf der anderen Seite sind die
Afghanen - sie werden gerade von den unbemannten Flugzeug ermordet -, es
wären auch die Pakistaner, die Iraker, die zwischen ein und zwei
Millionen ihrer Landsleute als Folge des von Bush erfundenen
antiterroristischen Krieges sterben gesehen haben. Ein Krieg gegen die
muslimische Welt kann nicht gewonnen werden, es ist ein außergewöhnlicher
Wahnsinn.
Michel
Chossudovsky: Es ist wahr, die konventionellen Kräfte
sind riesig. Sie können von einem Tag auf den anderen mehrere Millionen
Mann mobilisieren und sie sind an der Grenze zum Irak, sind an der
Grenze zu Afghanistan, und auch wenn es einen Blitzkrieg gäbe, können
die Vereinigten Staaten einen konventionellen Krieg in der Nähe ihrer
militärischen Stützpunkte in jener Region nicht verhindern.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Aber die Sache ist, dass sie jenen
konventionellen Krieg verlieren würden. Das Problem besteht darin, dass
niemand einen konventionellen Krieg gegen Millionen von Menschen
gewinnen kann, sie werden nicht ihre Volksmassen, auch nicht das ganze
Land an einem Ort konzentrieren, damit die US-Amerikaner sie umbringen können.
Also,
ich war Guerilla-Kämpfer und ich erinnere mich daran, dass ich viel darüber
nachdenken musste, wie wir die uns zur Verfügung stehenden Kräfte
anwenden würden, und ich hätte nie den Fehler begangen sie zu
konzentrieren, denn je mehr die Kräfte konzentriert sind, desto größer
werden die von den Massenvernichtungswaffen verursachten Verluste sein.
...

Von
links nach rechts: Michel Chossudovsky, Randy Alonso Falcon, Fidel
Castro Ruz
Michel
Chossudovsky: Sie haben das schon vorher gesagt, dass
die Frage sehr wichtig war, dass in der Entscheidung von China und
Russland im Sicherheitsrat, in ihrer Unterstützung für den Beschluss
1929, der Schaden auf sie zurückfällt, denn erstens kann, Russland
keine Waffen exportieren, sodass die wichtigste Deviseneinnahme von
Russland schon eingefroren ist. Iran war einer der wichtigsten Kunden
oder Käufer von russischen Waffen, und das war eine wichtige
Deviseneinnahme, die die Konsum-orientierte Wirtschaft und die Bedürfnisse
der Bevölkerung stützen.
Und
andererseits benötigt China seinen Zugang zur Energie, den Sie erwähnt
haben, eigentlich die Tatsache, dass China und Russland den Konsens im
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen akzeptiert haben, ist, als ob sie
gesagt hätten: „Wir akzeptieren, dass Sie unsere Wirtschaft kaputt
machen, in gewisser Weise, unsere Handelsabkommen, die wir mit einem
dritten Land haben“. Das ist sehr schlimm, weil es nicht nur der
Schaden für den Iran ist, sondern auch für diese beiden Länder und
ich darf wohl annehmen – obwohl ich kein Politiker bin - dass es äußerst
große Trennungen in der Regierung sowohl von Russland sowie als von
China gibt, damit dies so geschehen ist, damit Russland akzeptiert,
nicht sein Veto im Sicherheitsrat einzulegen.
Mir
wurde gesagt, ich habe mich auch mit russischen Journalisten
unterhalten, dass es kein Konsens von der Regierung als solche war, es
war eine Richtlinie. Aber es gibt Leute in der Regierung, die einen
anderen Standpunkt bezüglich der Interessen von Russland und seines
Verhaltens im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen haben.
Wie
sehen Sie es?
Comandante
Fidel Castro Ruz: Wie ich die ganze Situation allgemein
sehe? Die Alternative im Iran – ich werde es so ausdrücken - die
Vereinigten Staaten würden den konventionellen Krieg verlieren und der
Atomkrieg ist für Niemand eine Alternative.
Andererseits,
würde der Atomkrieg unvermeidlich zu einem globalen Atomkrieg werden.
Daher die Gefährlichkeit, die meiner Meinung nach die aktuelle
Situation im Irak besitzt, unter Berücksichtigung der Gründe, die Sie
jetzt äußern und vieler anderer Angaben, die mich zu der
Schlussfolgerung bringen, dass der Krieg zu einem atomaren werden würde.

Dreharbeiten der Botshaft von Fidel am 15. Oktober. Von links nach
rechts: Fidel Castro, Fernsehteam, Michel Chossudovsky, Randy Alonso
Falcon
Michel
Chossudovsky: Das heißt, da die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten unfähig sind, den konventionellen Krieg zu gewinnen,
werden sie die Atomwaffen benutzen, aber sie werden auch diesen Krieg
nicht gewinnen können, weil wir alles verlieren werden.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Alle würden ihn verlieren, es ist ein
Krieg, den wir alle verlieren würden. Was würde Russland gewinnen,
wenn dort ein Atomkrieg ausgelöst wird? Was würde China gewinnen?
Welchen Charakter würde dieser Krieg haben? Wie würde die Welt
reagieren? Welche Auswirkung würde der Krieg auf die Weltwirtschaft
haben? Sie haben das an der Universität erklärt, als Sie über das vom
Pentagon ausgearbeitete zentrale Abwehrsystem gesprochen haben. Es sieht
wie Sciencefiction aus, es sieht auf keinen Fall wie der letzte
Weltkrieg aus. Das andere ist sehr wichtig, der Versuch, die Atomwaffen
in konventionelle strategische Waffen zu verwandeln.
Darüber
habe ich heute am 13. Oktober, in einer Agenturmeldung gelesen, dass die
Einwohner von Hiroshima und Nagasaki energische Proteste wegen der von
den Vereinigten Staaten gerade durchgeführten subkritischen Atomtests
eingelegt haben. Es wird subkritischer Atomtest genannt, denn es
bedeutet die Benutzung von Atomwaffen ohne die ganze Energie, die mit
der kritischen Masse erreicht werden kann, zu entfalten.
Sie
besagt: „Empörung in Hiroshima und Nagasaki wegen einem Atomtest von
den Vereinigten Staaten“. ...
„Die
japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki, die am Ende des Zweiten
Weltkriegs einen Atomangriff erlitten haben, beklagten heute den von den
Vereinigten Staaten im vergangenen September gemachten Atomtest. Diese
Probe nennt man subkritisch, weil sie keine atomaren Kettenreaktionen
auslöst.
Der
Atomtest, der erste dieser Art in diesem Land seit 2006, fand am 15.
September in einem Zentrum von Nevada, in den Vereinigten Staaten statt.
Das wurde offiziell durch das Energieministerium dieses Landes bestätigt,
berichtete die Tageszeitung Japan Times.“
Was
hat diese Tageszeitung geschrieben?
„Ich
beklage es sehr, weil ich erwartet hatte, dass Präsident Barack Obama
die Führerschaft bei der Beseitigung von Atomwaffen übernehmen würde“,
erklärte heute der regierende Bürgermeister von Nagasaki, Hodo
Nakamura auf einer Pressekonferenz.
Dann
kommt eine ganze Reihe Nachrichten hierüber.
„Der
Test hat auch Proteste unter den Einwohnern von Hiroshima und Nagasaki
hervorgerufen, auch den von einigen Überlebenden der Atombomben, die
beide Städte im August 1945 verwüstet haben.“
„Wir
können eine Handlung seitens der Vereinigten Staaten nicht tolerieren,
die das Versprechen von Präsident Barack Obama zu einer Welt ohne
Atomwaffen überzugehen, verraten, sagte Yukio Yoshioka,
stellvertretender Direktor vom Rat der Atombombenopfer von Hiroshima.
„Die
Regierung erklärte, dass sie nicht die Absicht habe zu protestieren.“
Sie überlässt den Protest gesellschaftlichen Organisationen und sagt
schließlich: „Hiermit belaufen sich die subkritischen Atomtest auf
26, die von den Vereinigten Staaten seit Juli 1997 durchgeführt wurden,
als der erste gemacht wurde.“
Nun
sagt er:
„Washington
vertritt die Meinung, dass diese Tests das Atomteststopp-Abkommen, CTBT,
nicht verletzen, da diese keine Kettenreaktionen auslösen, weshalb sie
keine Atomenergie freigeben und man sie als Laborproben ansehen kann.“
Die
Vereinigten Staaten sagen, dass sie solche Tests durchführen müssen,
„weil sie notwendig sind, um die Sicherheit ihres Atomarsenals zu
sichern“, das heißt, da wir über große Atomarsenale verfügen, tun
wir das, um mehr Sicherheit zu haben.
Michel
Chossudovsky: Kommen wir zur Frage der Bedrohung des
Iran zurück, denn Sie sagten, dass die Vereinigten Staaten und ihre
Verbündeten einen konventionellen Krieg nicht gewinnen können. Das ist
wahr, aber die Atomwaffe könnte als eine Alternative zu einem
konventionellen Krieg benutzt werden, und dies ist ohne Zweifel eine
Bedrohung für die Menschheit, wie Sie es in Ihren Schriften
unterstrichen haben.
Die
Frage, die mir vor allem Sorgen bereitet, ist die, dass sich nach dem
Kalten Krieg ein Bild von der Atomwaffe in humanitärer Gestalt
entwickelt hat, indem man sagt, sie sei eigentlich keine gefährliche
Waffe, sie schade den Zivilpersonen nicht, aber irgendwie hat man das
Etikett der Atomwaffe geändert. Deshalb unterscheidet sich die
Atomwaffe nach ihren Kriterien nicht von der konventionellen Waffe, und
in den militärischen Richtlinien sagt man sogar, dass die taktische
Atomwaffe eine Waffe sei, die für Zivilisten keine Schäden bewirkt.
Also
könnte es sogar so eine Situation geben, in der diejenigen, die die
Entscheidung treffen, Iran mit der Atomwaffe anzugreifen, nicht zu
begreifen in der Lage sind, was für Konsequenzen das nicht nur für den
Mittleren Osten, für Zentralasien, sondern auch für die gesamte
Menschheit haben wird, denn sie werden sagen: „Na gut, nach unseren
Kriterien unterscheidet sich diese Atomwaffe von jener des Kalten
Krieges, also können wir sie gegen Iran als eine Waffe einsetzen, die
die weltweite Sicherheit gewährleistet.“
Wie
sehen Sie das? Das ist äußerst gefährlich, weil sie an ihre eigene
Propaganda glauben. Das ist eine interne Propaganda innerhalb der
Streitkräfte, innerhalb des politischen Apparats.
Als
die Geheimdokumente über die taktische Atomwaffe in den Jahren 2002 und
2003 freigegeben wurden, sagte sogar Senator Edward Kennedy damals, dass
auf diese Weise die Grenzen zwischen den konventionellen Waffen und der
Atomwaffe verwischt würden. Genau dort sind wir gelandet, wir leben in
einer Zeit, wo die Atomwaffe nicht von der Kalaschnikow unterschieden
wird, ich übertreibe, aber das ist gewissermaßen ein Teil ihres
„Werkzeugkastens“ ¨ – das ist das Wort, das sie dafür benutzen
„Werkzeugkasten“ – und dort wird die Art der Bewaffnung ausgewählt,
die benutzt werden soll, sodass die Atomwaffe durchaus auf einem
konventionellen Kriegsschauplatz verwendet werden könnte, was uns zum
Undenkbaren führen würde, und zwar zu einem regionalen nuklearen
Szenarium, aber auch zu jenen Auswirkungen, die das auf dem gesamten
Planeten haben könnte.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Ich hörte, was Sie am Runden Tisch
(Mesa Redonda) betont haben, dass solche, für die nächsten Nachbarn
des Einsatzgebietes angeblich harmlose Waffen, eine Schlagkraft von
einem Drittel bis zum Sechsfachen der in Hiroshima verwendeten Bombe
haben können. Heute ist ganz genau bekannt, was für Schaden diese
Waffe anrichten kann, eine einzige Bombe tötete sofort 100.000
Menschen. Stellen sie sich vor, dass eine Bombe sechs Mal die Kraft
jener hätte, oder die doppelte, oder die gleiche Kraft, oder 30% jenes
Potentials. Das ist absurd.
Auch,
was Sie in der Universität über den Versuch sagten, sie als eine
humanitäre Waffe darzustellen, die auch den Truppen bei Operationen zur
Verfügung stehen könnte. Das würde bedeuten, dass zu einem gewissen
Zeitpunkt dem Kommandanten des Operationsgebietes die Verfügungsgewalt
über diese Waffe erteilt werden könnte, weil sie wirksamer als die
anderen ist, was dann gemäß den militärischen Doktrinen und der
Ausbildung, die er an den Militärakademien erhalten hat, seine Pflicht
wäre.
Michel
Chossudovsky: In dem Sinne denke ich nicht, dass die
Atomwaffe ohne die Befürwortung, sagen wir des Pentagons und der
Kommandozentrale, verwendet wird; wohl aber, meine ich, könnte sie ohne
die Einwilligung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, der ja
zugleich Oberbefehlshabers der Streitkräfte ist, eingesetzt werden, das
heißt, dass es sich nicht um die gleiche Logik wie im Kalten Krieg
handelt, wo es ein rotes Telefon gab und…
Comandante
Fidel Castro Ruz: Professor, ich verstehe, was Sie bezüglich
der Befugnis der obersten Behörde des Pentagons zur Verwendung jener
Waffe sagen, und es scheint mir richtig, dass Sie diese Erläuterung
machen, damit man sie nicht dafür verantwortlich macht, die Gefahr
jener Waffe zu übertreiben.
Aber
sehen Sie mal, nachdem man die Gegensätze und die Diskussionen zwischen
dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Pentagon kennt, hat man
eigentlich keine Zweifel daran, welche die Entscheidung des Pentagons wäre,
wenn der Chef des Schauplatzes der Ereignisse die Verwendung jener Waffe
beantragt, weil er sie für notwendig oder unumgänglich hält.
Michel
Chossudovsky: Es gibt meiner Meinung nach noch einen
weiteren Aspekt, und zwar, dass heute die Ausbreitung von Atomwaffen auf
mehrere europäische Länder erfolgt, die Mitglied der NATO sind, und
die Atombombe als taktische Waffe in diese Ausbreitung einbegriffen ist,
das sind Länder wie die Türkei, Italien, Deutschland, Belgien,
Holland. Auf diese Weise gibt es viele dieser kleinen Atombomben sehr
nah am Kriegsschauplatz, und auf der anderen Seite ist Israel.
Allerdings
glaube ich nicht, dass Israel auf eigene Faust einen Krieg beginnen
wird, das ist unter dem Gesichtspunkt der Strategie und der Entscheidung
unmöglich. Im modernen Krieg, mit der Zentralisierung des
Kommunikationssystems, der Logistik und all dem, wird es um eine
zentralisierte Entscheidung gehen. Aber Israel könnte dann handeln,
wenn die Vereinigten Staaten grünes Licht geben, und Israel den ersten
Angriff macht. Das liegt nicht außerhalb des Möglichen, obwohl es
einige Analytiker gibt, die sagen, der Krieg gegen Iran wird im Libanon
und in Syrien mit einem konventionellen Grenzkrieg beginnen, und das
wird dann als Vorwand für die Eskalierung der militärischen
Operationen benutzt.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Gestern, d.h. am 13. Oktober, hat eine
große Menschenmenge Ahmadinejad im Libanon als Nationalhelden jenes
Land empfangen. Ich las das heute Morgen in einer Meldung.
Außerdem
weiß man um die Besorgnis Israels bezüglich der Tatsache, dass die
Libanesen sehr kämpferische Menschen sind. Sie verfügen über drei Mal
so viel reaktive Geschosse wie im vorangegangenen
Israel-Libanon-Konflikt. Das bereitet Israel große Sorgen, weil sie –
so behaupten die israelischen Techniker – die Luftwaffe brauchen, um
jene Waffen zu bekämpfen. Sie sagen, sie können Iran nur eine
bestimmte Anzahl von Stunden, aber nicht drei Tage hintereinanderweg
angreifen, weil sie diese Gefahr im Auge haben müssen. Genau deshalb
und unter Berücksichtigung dessen werden sie mit jedem Tag unruhiger,
weil jene Waffen zum konventionellen Rüstungsarsenal der Iraner gehören.
Zu den konventionellen Waffen gehören zum Beispiel auch hunderte von
Raketenwerfern gegen Schiffe im Gebiet des Kaspischen Meeres. Seit dem
Falklandkrieg ist bekannt, dass sich ein Schiff gegen ein, zwei oder
drei Geschosse verteidigen kann; aber stellen sie sich mal vor, wie soll
sich ein relativ großes Kriegsschiff gegen einen Geschossregen dieser
Art verteidigen? Es sind schnelle Schiffe, von gut ausgebildeten Leuten
gesteuert, denn die Iraner haben ihre Leute 30 Jahre lang ausgebildet
und wirksame konventionelle Waffen entwickelt.
Ihnen
selbst ist bekannt und Sie wissen, was im letzten Weltkrieg geschah,
bevor die Atomwaffen auftauchten: es wurden 50 Millionen Menschen durch
die zerstörerische Wirkung der konventionellen Waffen getötet.
Ein
Krieg heutzutage gleicht nicht einem Krieg des 19. Jahrhunderts, wo es
noch keine Atomwaffen gab, und trotzdem hatte der Krieg schon eine hohe
Zerstörungskraft. Die Atomwaffen sind in der letzten Minute erschienen,
weil Truman sie verwenden wollte und sie mit der Bombe auf Hiroshima
testen wollte, wo die kritische Masse aus dem Uran erzeugt wurde, und
die andere in Nagasaki aus Plutonium. Beide töteten sofort um die
100.000 Personen. Es ist nicht bekannt, wie viele Leute verletzt oder
den Strahlen ausgesetzt wurden, die später starben oder lange Jahre
unter den Nachwirkungen leiden mussten. Außerdem würde ein Atomkrieg
heute einen nuklearen Winter verursachen.
Ich
spreche über die Gefahren, die von einem Atomkrieg wegen der Sofortschäden
ausgehen würden. Schon eine begrenzte Anzahl dieser Waffen von ein oder
zwei der weniger bedeutenden Mächte, Indien und Pakistan, würde genügen;
die Explosion würde reichen, um einen Nuklearen Winter zu verursachen,
der zwischen acht und zehn Jahre andauern würde, und es wäre unmöglich,
dass ein Mensch ihn überlebt. Innerhalb weniger Wochen wäre kein
Sonnenlicht mehr zu sehen.
Die
Menschheit ist knapp 200.000 Jahre alt. Bis jetzt lief alles normal, die
Naturgesetze wurden eingehalten. Die Gesetze des Lebens entwickelten
sich auf dem Planeten Erde seit mehr als 3 Milliarden Jahren. Der
Mensch, der homo sapiens, das intelligente Wesen hat noch nicht
existiert, so sagen es Studien aus, als bereits acht Zehntel von einer
Million Jahren vergangen war. Bis vor 200 Jahren hat man das alles
scheinbar nicht gewusst. Heute kennt man die Gesetze, die die Evolution
der Spezies steuern. Wissenschaftler, Theologen, auch aufrichtige
Gottesmänner, die anfangs hinter der Kampagne der großen kirchlichen
Institutionen gegen Darwins Theorie standen, akzeptieren heute die
Evolutionsgesetze als eine Realität, ohne dass dadurch die Ausübung
aufrichtigen religiösen Glaubens beeinträchtigt worden wäre, in dem
die Menschen oft eine Milderung ihrer tief empfundenen Sorgen finden.
Ich
denke, dass niemand auf der Welt das Aussterben der Menschheit will.
Deswegen bin ich der Meinung, dass nicht nur die Atomwaffen, sondern
auch die konventionellen Waffen verschwinden müssen. Man muss allen Völkern
ohne Unterschied Friedensgarantien anbieten, sowohl den iranischen als
auch den israelischen, und alle Naturressourcen müssen verteilt werden,
das müssen sie! Damit sage ich nicht, dass das wirklich geschehen wird,
auch nicht, dass das einfach zu erreichen ist; aber es wird keine andere
Alternative für die Menschheit geben, denn die Welt ist in ihrer räumlichen
Ausdehnung als auch hinsichtlich bestimmter Ressourcen begrenzt, auch
wenn man alle wissenschaftlichen Anstrengungen unternimmt, um
erneuerbare Energiequellen zu schaffen. Auf der Welt leben etwa sieben
Milliarden Menschen, deshalb wird eine Bevölkerungspolitik erforderlich
sein, auch viele andere Dinge sind erforderlich, und wenn Sie alles
zusammen nehmen und sich die Frage stellen, ob der Mensch fähig sein
wird, das zu verstehen und alle diese Schwierigkeiten zu überwinden?
Eigentlich kann nur Enthusiasmus einen Menschen dazu führen zu sagen,
dass man dem begegnen und dieses Problem einfach lösen kann.
Michel
Chossudovsky: Was Sie sagten, als Sie über Truman
sprachen, ist äußerst wichtig. Truman hat gesagt, dass Hiroshima ein
Militärstützpunkt wäre und dass es keine Zivilopfer gäbe.
Dieses
Bild der Nebenwirkungen scheint eine Kontinuität in der Atomdoktrin von
1945 bis heute zu sein, d.h., also nicht auf realer Ebene, sondern auf
der Ebene der Doktrin und Propaganda. 1945 sagte man: Wir werden die
Menschheit retten, indem wir 100.000 töten, und die Tatsache verneinen,
dass Hiroshima eine bevölkere Stadt war, indem wir behaupten, dass es
ein Militärstützpunkt war. Aber heutzutage ist diese Verfälschung
noch diffiziler, mehr verallgemeinert, und die Atomwaffe ist weiter
entwickelt. So geschieht es, dass wir in dem Maβe, in dem wir über
die Zukunft der Menschheit und die Gefahr eines Atomkrieges weltweit
diskutieren, uns die Frage der Lüge, der Fiktion innerhalb des
politischen und militärischen Diskurses zu einer Weltkatastrophe führen
wird, ohne dass die Politiker ihre eigenen Lügen verstehen.
Dann
haben Sie gesagt, dass die intelligenten Menschen seit 200.000 Jahre
existieren, aber genau diese Intelligenz in den Einrichtungen, in der
Presse, in den Nachrichtendiensten und in den Vereinten Nationen wird
das Element sein, das uns zerstören wird; weil man an ihre Lügen
glaubt, die zum Atomkrieg führen, ohne daran zu denken, dass das der
letzte aller Kriege sein wird. Und wie Einstein so treffend sagte:
„Ein Atomkrieg wird nicht zum Fortbestand der Menschheit führen, er
ist eine Weltgefahr.” Das wollte er ausdrücken.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Diese Worte sind sehr gut, Herr
Professor. Der Nebenschaden kann in diesem Fall die gesamte Menschheit
sein. Der Krieg ist eine kriminelle Tat, und es wird absolut kein neues
Gesetz benötigt, denn schon seit Nürnberg wurde der Krieg als ein
Verbrechen angesehen, als das größte Verbrechen gegen die Menschheit
und den Frieden, als das schrecklichste aller Verbrechen.
Michel
Chossudovsky: Gut, sagen wir mal so, dass die Texte von
Nürnberg es klar zum Ausdruck bringen: „Der Krieg ist eine
verbrecherische Handlung; ist die äußerste kriegerische Handlung gegen
den Frieden.“ Dieser Text von Nürnberg wurde viel zitiert. Die
Alliierten wollten es nach dem zweiten Weltkrieg gegen die Besiegten
nutzen und ich sage nicht, dass es nicht gültig ist; aber über die
Verbrechen, die von ihnen begangen wurden, und sogar die Verbrechen, die
sie gegen Deutschland und Japan begangen haben, davon wird nicht
gesprochen.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Mit der Atomwaffe im Fall des
Zweitgenannten.
Michel
Chossudovsky: Kurz und gut, das ist ein für mich äußerst
wichtiges Thema und wenn wir über eine Gegenallianz für den Frieden
reden, ist die Kriminalisierung des Krieges meines Erachtens wesentlich.
Das bedeutet die Abschaffung des Krieges; es ist eine verbrecherische
Handlung, die zu beseitigen ist.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Gut, die wichtigsten Verbrecher, wer
stellt sie vor Gericht?
Michel
Chossudovsky: Das Problem ist, dass sie auch die
Gerichtshöfe kontrollieren, so sind schließlich die Richter auch
Verbrecher. Was können wir tun?
Comandante
Fidel Castro Ruz: Ich sage, dass dies Teil der
Ideenschlacht ist.
Nun,
es geht darum zu verlangen, dass die Welt nicht zu einer Atomkatastrophe
geführt wird, es geht darum, das Leben zu bewahren. Wir wissen es
nicht, aber wir vermuten, dass, wenn der Mensch Bewusstsein erlangt,
dass seine Existenz, die seines Volkes, seiner liebsten Freunde und
Verwandten davon abhängt, würden selbst die militärischen Chefs der
Vereinigten Staaten des Ergebnisses bewusst, auch wenn sie im Leben so
erzogen wurden, um Befehle auszuführen, nicht in wenigen Fällen
Genozidbefehle, wie taktische und strategische Atomwaffen anzuwenden,
weil es das ist, was ihnen an den Akademien gelehrt wurde.
Da
das alles ein Wahnsinn ist, ist kein Politiker davon frei, der Bevölkerung
diese Wahrheiten zu übermitteln. Man muss an sie glauben, sonst gäbe
es nichts mehr, worum es zu kämpfen lohnen würde.
Michel
Chossudovsky: Ich denke, dass es so ist, wie Sie sagen,
dass im gegenwärtigen Moment die große historische Debatte der
Menschheit sich auf die Gefahr des Atomkrieges, der die Zukunft der
Menschheit bedroht, konzentrieren muss, und dass jede andere Debatte,
die wir über grundlegende Bedürfnisse oder über die Wirtschaft führen
werden, fordert, dass wir den Krieg vermeiden und einen Weltfrieden
errichten können, damit der Lebensstandard auf der Basis der
grundlegenden Bedürfnisse weltweit mit Recht geplant werden kann. Aber
wenn wir das Problem des Krieges nicht lösen, überlebt der
Kapitalismus auch nicht, nicht wahr?
Comandante
Fidel Castro Ruz: Nein, er kann nicht überleben, gemäß
all den Analysen, die wir gemacht haben, kann er nicht überleben. Das
kapitalistische System und die Marktwirtschaft, die ihm Leben einflößt,
werden nicht von heute auf morgen verschwinden, aber der Imperialismus
auf der Grundlage der Gewalt, der Atomwaffen und der konventionellen
Waffen der modernen Technologie muss verschwinden, wenn wir wollen, dass
die Menschheit überlebt.
Nun,
in diesem Moment geschieht eine wirkliche Tatsache, die die riesige
Desinformation belegt, unter welcher die Welt leidet: In Chile blieben
33 Bergmänner in 700 Meter Tiefe gefangen und die Welt freut sich wegen
der Nachricht, dass 33 Bergmänner gerettet wurden. Nun gut, einfach
dies, was wird die Welt machen, wenn ihr bewusst wird, dass 6.
877.596.300 Einwohner gerettet werden müssen? Wenn 33 einen solchen
Jubel ausgelöst haben und all die Massenmedien in diesen Tagen nur darüber
berichten, warum werden die fast 7 Milliarden Einwohner nicht gerettet,
die in der furchtbaren Gefahr gefangen sind, einen schrecklichen Tod wie
jenen von Hiroshima oder Nagasaki zu sterben?
Michel
Chossudovsky: Schauen Sie, dies ist auch eindeutig die
Frage der Berichte, die die Massenmedien über verschiedene Ereignisse
machen und die Propaganda, die sich daraus ergibt.
Ich
denke, dass das, was die Chilenen gemacht haben, eine riesige humanitäre
Operation war. Aber es ist doch wahr, wenn es eine Bedrohung für die
Menschheit gibt, wie jene, die sie erklären, dann müsste das auf der
ersten Seite jeder Zeitung der Welt stehen, weil das Opfer die ganze
menschliche Gesellschaft ist und sie könnte sogar das Opfer der
Entscheidung eines Drei-Sterne-Generals sein, der die Folge nicht kennt.
Aber hier sprechen wir über die Art und Weise, in welcher die
Massenmedien, besonders im Westen, die ernsthafteste Frage, die
potenziell die aktuelle Welt schädigt, und zwar die Gefahr eines
Atomkrieges, verstecken. Und wir müssen es ernst nehmen, weil sowohl
Hillary Clinton, als auch Obama gesagt haben, sie hätten die Idee, die
Atomwaffe in einem so genannten vorbeugenden Krieg gegen den Iran
anzuwenden.
Nun
gut, wie antworten wir? Was sagen Sie zu Hillary Clinton und Barack
Obama bezüglich der Erklärungen, die sie bezüglich der unilateralen
Verwendung der Atomwaffe gegen den Iran gemacht haben, ein Land, das für
niemanden eine Gefahr darstellt?
Comandante
Fidel Castro Ruz: Ja, mir sind zwei Sachen bekannt: was
diskutiert wurde, und in diesen Tagen enthüllt wurde, die heftigen
Diskussionen innerhalb des Sicherheitsrates der Vereinigten Staaten.
Deshalb gab ich dem von Woodward geschriebenen Buch solchen Wert, weil
es enthüllte, wie alle diese Diskussionen verliefen. Es ist bekannt,
welche die jeweilige Position von Biden, von Hillary, von Obama war, und
eigentlich, in jenen Diskussionen, wer sich am unerschütterlichsten
gegen die Ausweitung des Krieges zeigte, wer dazu fähig war, mit den
Militärs zu diskutieren, war Obama, das ist eine reale Tatsache.
Eigentlich schreibe ich gerade meine neueste Reflexion genau darüber.
Der einzige, der dorthin kam und ihm einen Rat gab, war aufgrund seiner
Angehörigkeit zur Republikanischen Partei sein Gegner gewesen, es war
Colin Powell. Er erinnerte ihn daran, dass er der Präsident der
Vereinigten Staaten ist. Es war ein ermutigender Rat.
Ich
denke, dass diese Botschaft allen übermittelt werden muss, ich meine,
worüber wir gesprochen haben. Ich denke, dass viele in Global Research
die Artikel lesen, die sie veröffentlicht haben. Ich denke, es muss
bekannt gegeben werden und in dem Maße wie wir diese Gespräche geführt
haben und sie veröffentlichen wollen, freue ich mich jedes Mal sehr,
wenn sie zu diesen Problemen argumentieren, Überlegungen anstellen und
sie darlegen, denn meiner Meinung nach gibt es einfach einen Mangel an
Information aus den Gründen, die Sie erklären.
Nun,
wir müssen erfinden, welche die Art und Weise sein könnte, dies
bekannt zu geben? Zur Zeit der zwölf Apostel, sie waren nur zwölf,
haben sie sich der Aufgabe gewidmet, die Lehren, die ihnen ein Prediger
übermittelt hat, zu verbreiten. Na ja, sie haben hunderte von Jahren
vor sich gehabt. Wir haben sie, im Gegensatz zu ihnen, nicht, aber ich
sah gerade die Liste der Persönlichkeiten, es sind mehr als 20 Persönlichkeiten,
die bei Global Research mitgearbeitet haben. Sie sind angesehene
Menschen, die dieselben Sachen erklären; aber sie verfügen über keine
hunderte von Jahren, sondern, na ja, über sehr wenig Zeit.
Michel
Chossudovsky: Die Bewegung gegen den Krieg in den
Vereinigten Staaten, Kanada und Europa ist sehr geteilt. Manche denken,
dass die Drohung aus dem Iran kommt, andere sagen, dass es die
Terroristen sind, und es gibt viel zu viel Desinformation innerhalb
derselben Bewegung gegen den Krieg.
Außerdem,
im Weltsozialforum der Atomkrieg ist kein Teil der Debatte zwischen den
Leuten der Linken oder Progressivsten. Während des Kalten Krieges wurde
doch über die Gefahr eines Atomkonflikts gesprochen und die Leute
hatten dieses Bewusstsein.
Auf
der letzten, in New York in den Vereinten Nationen stattgefundenen
Zusammenkunft über die Nicht-Verbreitung der Massenvernichtungswaffen
wurde der Nachdruck auf die nukleare Drohung seitens nicht staatlicher
Einrichtungen und von Terroristen gelegt.
Der
Präsident Obama sagte, dass die Drohung von Al Qaeda ausginge, dass sie
die Atomwaffe hat, außerdem wenn Sie Obamas Reden lesen, wird dort
angedeutet, dass der Terrorismus dazu fähig ist, kleine Atombomben, was
sie die schmutzige Bombe nennen, herzustellen.
Nun
gut, es ist eine Art und Weise, den Nachdruck auf völlig andere Dinge
zu legen.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Es ist das, was ihm gesagt wird, was
sie ihren eigenen Leuten sagen und glauben machen wollen.
Sehen
Sie, was mache ich mit meinen Reflexionen? Ich verteile sie in der UNO,
ich schicke sie all den Regierungen – natürlich, die Reflexionen, die
kurz sind, um sie allen zu schicken - und ich weiß, es gibt viele
Leute, die sie lesen. Das Problem besteht darin, ob Sie die Wahrheit
sagen oder nicht. Selbstverständlich, wenn man all diese Information
bezüglich eines konkreteren Problems sammelt, weil die Reflexionen auch
viele Themen behandeln, denke ich, dass man sich mehr konzentrieren
muss, dass man sich unsererseits mehr auf die Veröffentlichung der
wesentlichen Sachen konzentrieren muss, man kann nicht alles umfassen.
Michel
Chossudvsky: Ich würde Ihnen gern eine Frage stellen,
denn es eine Grundfrage bezüglich der Kubanischen Revolution gibt. Ich
bin der Meinung, dass jene Debatte um die Zukunft der Menschheit auch
ein Teil des revolutionären Diskurses ist. Wenn die Gesellschaft als
Ganzes von einem Atomkrieg bedroht wird, ist es gewissermaßen nötig,
eine Revolution des Denkens und der Taten gegen dieses Ereignis zu
haben.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Es muss gesagt werden, dass die
Menschheit 800 Meter tief gefangen ist und sie muss herausgeholt werden,
es muss eine Rettungsoperation durchgeführt werden. Dies ist die
Botschaft, die wir einer Anzahl von Leuten übermitteln müssen. Wenn
viele Leute so denken, werden viele Leute das machen, was Sie gerade
machen und sie das unterstützen, was Sie gerade unterstützen. Es ist
nicht mehr davon abhängig, wer es sagt, jemand muss es sagen.
Man
muss herausfinden, wie die Massen mit dem größten Bewusstsein erreicht
werden können. Die Lösung liegt nicht in den Zeitungen. Es gibt das
Internet. Internet ist billiger. Internet ist zugänglicher. Ich habe
mich Ihnen über Internet genähert, auf der Suche nach Nachrichten;
nicht über die Presseagenturen, nicht über die Presseorgane, nicht von
CNN, sondern auf der Suche von Nachrichten über ein Bulletin von im
Internet veröffentlichen Artikeln, das ich jeden Tag bekomme. Mehr als
100 Seiten jeden Tag.
Gestern
diskutierten sie darüber, dass vor einiger Zeit zwei Drittel der Öffentlichkeit
in den Vereinigten Staaten gegen den Krieg im Iran war und heute mehr
als 50 Prozent für die militärischen Handlungen gegen den Iran ist.
Michel
Chossudovsky: Was eigentlich passierte, sogar in den
letzten Monaten, ist, dass man sagte: „Ja, der Atomkrieg ist sehr gefährlich,
es ist eine Drohung, aber die Drohung kommt aus dem Iran“, und es gab
Plakate in New York, worauf stand: „Sagt nein zu dem nuklearen Iran“
und die Botschaft dieser Plakate war, den Iran als eine Drohung gegenüber
der weltweiten Sicherheit darzustellen, auch wenn es eine solche Drohung
überhaupt nicht gab, denn sie hatten keine Atomwaffe. Kurz und gut, wir
sind bei dieser Sache, und anfangs dieser Woche hat The New York Times
einen Text veröffentlicht, der sagte, dass die politischen Morde doch
rechtmäßig seien.
Sodass
es so ist, wenn wir eine Presse mit jener Auflage haben, die sie haben,
die uns solche Sachen präsentiert, ist die Arbeit enorm. Wir haben
keine Möglichkeit, diesen Prozess mit der Auflage der alternativen
Medien umzukehren. Außerdem werden heutzutage viele von den
alternativen Medien von der wirtschaftlichen Macht finanziert.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Und trotzdem müssen wir kämpfen.
Michel
Chossudovsky: Ihre Botschaft, die ich gestern gegeben
habe, ist Folgende: im Falle eines Atomkrieges wäre der zivile
Nebenschaden die ganze Menschheit.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Es wäre die Menschheit, das Leben der
Menschheit.
Michel
Chossudovsky: Es ist wahr, dass Internet weiter als ein
Instrument der Verbreitung funktionieren muss, um diesen Krieg zu
verhindern.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Nun gut, dies ist der einzige Weg, es
zu verhindern. Wenn wir die weltweite öffentliche Meinung schaffen, es
ist wie das Beispiel, das ich erwähnt habe: es gibt knapp 7 Milliarden
Menschen 800 Meter tief gefangen; wir müssen das in Chile Geschehene
verwenden, um diese Sachen zu verbreiten.
Michel
Chossudovsky: Der Vergleich, den Sie mit der Rettung der
33 Bergmänner ziehen, wenn sie sagen, dass es 33 Bergmänner unter der
Erde gibt, die gerettet werden müssen, und dass darüber die Medien
berichtet haben, und Sie sagen, dass wir fast 7 Milliarden Einwohner
haben, die in 800 Meter Tiefe sind und nicht verstehen, was gerade
passiert, aber wir müssen sie retten, weil die Menschheit als Ganzes
von der Atomwaffe der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten bedroht
ist, weil sie diejenigen sind, die sagen, dass sie dazu bereit sind, sie
anzuwenden.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Und sie werden diese verwenden, wenn
es keinen Widerstand gibt, wenn es keine Widerstandsbewegung dagegen
gibt. Sie machen sich selbst etwas vor mit der militärischen Überlegenheit
und der modernen Technologie, sie sind wie berauscht davon und wissen
nicht, was sie tun.
Sie
begreifen nicht die Folgen, sie glauben, dass das aufrecht erhalten
werden kann. Das ist unmöglich.
Michel
Chossudovsky: Oder sie glauben, dass das einfach wie
irgendeine andere konventionelle Waffe ist.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Ja, sie machen sich etwas vor und
glauben, dass man jene Waffe weiter anwenden kann. Sie verwechseln die
Zeitepoche und erinnern sich nicht daran, was Einstein gesagt hat: er
wisse nicht, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg ausgetragen würde,
aber der Vierte würde mit Knüppeln und Steinen sein. Ich würde dem
noch hinzufügen: „…nur wird es diejenigen schon nicht mehr geben,
die diese Knüppel und Steine handhaben könnten“. So sieht die Realität
aus; das habe ich dort in jener kurzen Rede aufgeführt, die Sie mir zu
verfassen empfohlen haben.
Michel
Chossudovsky: Das Problem, das ich sehe, besteht darin,
dass die Anwendung der Atomwaffe nicht notwendigerweise von einem Tag
auf den anderen das Ende der Menschheit bringen wird, denn die
radioaktiven Auswirkungen sind ein kumulativer Prozess, ein Prozess der
Anhäufung.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Wie bitte? Wiederholen Sie das bitte!
Michel
Chossudovsky: Die Atomwaffe hat mehrere Folgen: eine ist
die Explosion und Zerstörung am Kriegsschauplatz, so wie das monströse
Phänomen von Hiroshima; und die andere ist die sich ausbreitende
Radioaktivität.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Ja, der nukleare Winter, wie es
bezeichnet wird. Der angesehene US-amerikanische Professor Emeritus der
Universität von Rutgers, New Jersey, Alan Robock bewies auf eine
unwiderlegbarer Form, dass der Beginn eines Krieges zwischen zwei von
den acht Atommächte, die über weniger Atomwaffen verfügen, würde
einen „nuklearen Winter“ verursachen. Er hat diese Tatsache als
Leiter einer Gruppe von Forscher entdeckt, die hoch entwickelte
EDV-Modelle verwendet haben.
Die
Explosion von hundert strategischen Atomwaffen aus den 25 tausend im
Besitz der oben genannten Atommächte würde genügen, um Temperaturen
unter dem Erfrierpunkt und eine acht Jahre lange Nacht auf der ganzen
Welt zu verursachen. Es ist etwas so schrecklich – äußerte Professor
Robock - dass sich die Personen in einen „Verneinungszustand“
befinden, „sie möchten daran nicht denken, es ist einfacher sich
vorzustellen, dass es nicht besteht.“ Er hat es mir persönlich anlässlich
eines internationalen Treffens erzählt, wo ich die Ehre hatte, mit ihm
ein Gespräch zu halten.
Nun
gut, aber ich gehe von folgender These aus: Wenn ein Krieg im Iran
ausgelöst wird, dann verwandelt sich dieser unweigerlich in einen
globalen Atomkrieg. Deshalb haben wir gestern gesagt, dass es nicht
korrekt war, diese Übereinkunft im Sicherheitsrat zustande kommen zu
lassen, denn das hat alles das erleichtert, merkst du das?
Ein
Krieg dieser Art im Iran kann heutzutage kein lokaler sein, denn die
Iraner würden sich der Gewalt nicht beugen. Wenn er seinen
konventionellen Charakter beibehalten würde, wäre es ein Krieg, den
die Vereinigten Staaten und Europa nicht gewinnen können, und ich
behaupte, dass er sehr schnell zu einem Atomkrieg werden würde. Wenn
die Vereinigten Staaten den Fehler begehen würden, taktische Atomwaffen
anzuwenden, dann würde es auf der Welt eine große Erschütterung geben
und sie würden die Ereignisse nicht mehr kontrollieren können, das würde
ihren Händen entgleiten.
Wenn
Obama mit dem Pentagon schon hart diskutieren musste, was in Afghanistan
zu tun ist, dann stellen Sie sich mal die Situation von Obama vor, wenn
US-amerikanische und israelische Soldaten gegen Millionen iranische Kämpfer
kämpfen würden. Die Saudi-Araber werden nicht im Iran kämpfen, auch
nicht die Pakistaner oder andere arabische bzw. muslimische Soldaten.
Was geschehen könnte, ist, dass die Yankees ernsthafte Konflikte mit
den pakistanischen Stämmen haben könnten, die sie mit ihren
unbemannten Flugzeugen angreifen und töten, und das wissen sie. Wenn
sie einen Schlag gegen diese Stämme vornehmen, dann greifen sie zuerst
an und teilen es dann der Regierung mit, sie sagen vorher nichts; das
gehört zu den Dingen, die die Pakistaner am meisten irritieren. Es gibt
dort eine starke Feindlichkeit gegen die Vereinigten Staaten.
Es
ist ein Irrtum zu denken, dass die Iraner kapitulieren würden, wenn sie
gegen diese die taktischen Atomwaffen anwenden würden; und die Welt würde
erschüttert sein, wenn es vielleicht schon zu spät wäre.
Michel
Chossudovsky: Sie können einen konventionellen Krieg
nicht gewinnen.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Sie können ihn nicht gewinnen.
Michel
Chossudovsky: Und das sehen wir im Irak; und in
Afghanistan - sie können ein Land zerstören, aber sie können nicht
gewinnen vom militärischen Gesichtspunkt aus.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Aber um es zu zerstören, um welchen
Preis, um welchen Preis vor den Augen der Welt, mit welchen finanziellen
und wirtschaftlichen Kosten aller Art, und auf die Katastrophe
zuschreitend. Die von Ihnen aufgezeigten Probleme verschärfen sich,
selbst das US-amerikanische Volk würde reagieren; denn wenn das
US-amerikanische Volk auch oft erst spät reagiert, am Ende reagiert es
schließlich. Das US-amerikanische Volk reagiert auf die Verluste, auf
die Toten.
Viele
Leute haben während des Krieges in Vietnam die Nixon-Regierung unterstützt,
er hat sogar Kissinger empfohlen, in jenem Land die Atombombe
anzuwenden, und jener hat ihm davon abgeraten, diesen kriminellen
Schritt zu tun. Die Vereinigten Staaten sahen sich aufgrund des
US-amerikanischen Volkes selbst gezwungen, den Krieg zu beenden, sie
mussten verhandeln und den Südteil übergeben. Iran müsste auf das Erdöl
des Gebiets verzichten. In Vietnam, was haben sie dort übergeben?
Ausgaben. Letzten Endes sind sie jetzt erneut in Vietnam, kaufen dort
Erdöl und treiben Handel. Im Iran würden viele Menschenleben verloren
gehen, und vielleicht würden die Erdölanlagen in einem Großteil des
Gebiets zerstört werden.
In
einer Situation wie der jetzigen ist es sehr gut möglich, dass sie
unsere Botschaft nicht verstehen werden. Wenn der Krieg ausbricht, dann
gewinnen meiner Meinung nach weder sie noch die Welt etwas. Wenn es ein
nur konventioneller wäre, was kaum wahrscheinlich ist, dann würden sie
ihn unwiederbringlich verlieren, und wenn er sich in einen globalen
Atomkrieg verwandelt, dann würde die Menschheit ihn verlieren.
Michel
Chossudovsky: Iran hat recht mächtige konventionelle Kräfte.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Millionen.
Michel
Chossudovsky: Landstreitkräfte, aber ebenfalls Raketen,
und das Land verfügt auch über Möglichkeiten zu seiner Verteidigung.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Solange es noch einen einzigen Mann
mit einem Gewehr gibt, ist das ein Feind, den sie besiegen müssen.
Michel
Chossudovsky: Und dort gibt es mehrere Millionen mit
Gewehren.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Millionen, und sie werden viele
US-amerikanische Menschenleben opfern müssen. Leider wäre es erst zu
jenem Zeitpunkt, dass die US-Amerikaner reagieren würden. Wenn sie
jetzt nicht reagieren, dann würden sie später reagieren, wenn es schon
zu spät sein würde. Das muss geschrieben werden, dass muss innerhalb
unserer Möglichkeiten veröffentlicht und verbreitet werden. Erinnern
Sie sich an Folgendes: die Christen wurden verfolgt, man brachte sie in
die Katakomben, man ermordete sie, warf sie den Löwen vor, sie haben
Jahrhunderte lang durchgehalten und sind nicht von ihrem Glauben abtrünnig
geworden, und dann hat man dasselbe mit den Muslims gemacht, ohne dass
jene sich jemals unterworfen haben.
Es
findet ein realer Krieg gegen die muslimische Welt statt. Warum werden
jene Lehren der Geschichte vergessen? Ich habe viele jener Artikel
gelesen, die Sie über die Gefahren jenes Krieges geschrieben haben.
Michel
Chossudovsky: Kehren wir zur Frage Iran zurück. Ich bin
der Meinung, dass es sehr wichtig ist, dass die Weltöffentlichkeit den
Kriegsschauplatz begreift. Sie haben klar dargelegt, dass sie den Krieg
verlieren, den konventionellen, sie verlieren ihn schon im Irak und in
Afghanistan, und der Iran hat viel stärkere konventionelle Streitkräfte
als die NATO.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Viel erfahrener und motivierter. Sie
befinden sich jetzt in einem Konflikt mit denen von Afghanistan und des
Irak und mit jenen, die sie nicht erwähnen: den Pakistanern derselben
Ethnie, wie diejenigen des Widerstands in Afghanistan. Und bei ihren
Diskussionen im Weißen Haus geben sie jenen Krieg schon für verloren,
wie uns das Buch „Obama´s wars“, von Bob Woodward, berichtet, was
sie behaupten. Stellen Sie sich vor, dass sie hierzu noch jenen Krieg
zur Zerstörung dessen hinzufügen, was nach den Erstschlägen im Iran
übrig bleibt.
So
würden sie sich schließlich entweder in einer Situation eines
konventionellen Krieges wieder finden, den sie nicht gewinnen können,
oder wären zu einem globalen Atomkrieg gezwungen, ich gebrauche dies
schon so, unter den Bedingungen, dass ein sehr großer Weltkrieg
ausbrechen wird. Ich weiß nicht, wer jene Art Krieg rechtfertigen können
wird, den sie führen werden müssen; sie haben schon 450 Ziele im Iran
zum Zerstören markiert, von denen einige ihrer Auffassung nach mit
taktischen Atomsprengköpfen angegriffen werden müssten, und zwar wegen
ihrer Lage in bergigen Gebieten und wegen der Tiefe, wo sie sich
befinden. Hierbei würden sehr viele Leute des russischen Personals und
von anderen Nationen ums Leben kommen, die mit ihnen zusammenarbeiten.
Wie
würde die Reaktion der Weltöffentlichkeit angesichts jenes Schlags
aussehen, den die Medien jetzt unverantwortlicherweise mit Unterstützung
vieler US-Amerikaner gefördert haben?
Michel
Chossudovsky: Eine Sache: Iran, Irak, Afghanistan, sie
sind alle in gewisser Weise Nachbarländer. Iran hat eine Grenze zu
Afghanistan, hat eine Grenze zum Irak, und die Vereinigten Staaten und
die NATO verfügen über militärische Einrichtungen in jenen Ländern,
die sie besetzen. Was wird geschehen? Die Truppen vom Iran werden sofort
die Grenzen überschreiten, nehme ich an.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Nun gut, ich weiß nicht, welche
Taktik sie anwenden werden, aber wenn man sich an ihre Stelle versetzt,
dann wäre eine Truppenkonzentration nicht das Ratsamste, denn so wären
diese in höherem Grade Opfer eines Angriffs mit taktischen Atomwaffen.
Das heißt, dass es so, wie die Bedrohung angezeigt ist, besser wäre,
dass sie eine ähnliche Taktik wie die von uns im Süden von Angola
genutzte anwenden, als wir vermuteten, dass Südafrika über Atomwaffen
verfügte. Wir haben taktische Gruppen von je 1.000 Mann mit Feuerkraft
der Landstreit- und Flugabwehrkräfte geschaffen. Die Atomwaffen hatten
so nie eine große Anzahl Soldaten in ihrer Reichweite. Die
Luftabwehrraketen und andere ähnliche Waffen unterstützten unsere
Streitkräfte. Die Waffen und das Terrain verändern sich und die
Taktiken müssen sich ständig ändern.
Michel
Chossudovsky: Zerstreut.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Zerstreut, aber es sind nicht einzelne
Soldaten, es waren circa 1.000 Mann mit den geeigneten Waffen, dass
Terrain war sandig, wo sie auch hinkamen, mussten sie graben und sich in
unterirdischen Unterständen schützen, wobei sie immer die größten
Abstände zwischen den Einheiten eingehalten haben. Niemals wurde dem
Feind die Möglichkeit gegeben, den 60.000 kubanischen und angolanischen
Soldaten im Süden von Angola einen entscheidenden Schlag zu versetzen.
Das,
was wir in jenem Bruderland getan haben, ist etwas, was mit
traditionellen Kriterien eine Armee von einigen Hunderttausenden
erreicht hätte. Nun gut, wir waren nicht nur 100 tausend, im Süden von
Angola gab es 60.000 Mann, Kubaner und Angolaner. Aufgrund von
technisch-fachlichen Voraussetzungen waren die taktischen Gruppen vor
allem aus Kubanern zusammengesetzt, denn sie fuhren die Panzer,
handhabten die Raketen, die Flugabwehr, die Nachrichtentechnik, aber die
Infanterie war aus kubanischen und angolanischen Soldaten
zusammengesetzt, mit einem großen Kampfgeist, die keinen Augenblick gezögert
haben, sich eine Schlacht mit der Armee der Weißen des Apartheid zu
liefern, die von den Vereinigten Staaten und Israel unterstützt wurde.
Wer handhabte die zahlreichen Atomwaffen, die sie zu jenem Zeitpunkt
besaßen.
Im
Fall von Iran sind Nachrichten zu vernehmen, dass sie den Boden
aufscharren, und wenn sie befragt werden, dann geben sie zur Antwort,
dass sie Friedhöfe anlegen, um die Invasoren zu beerdigen. Ich weiß
nicht, ob es ironisch ist, aber ich glaube, dass sie eigentlich sehr
tief aufscharren müssen, um ihre Streitkräfte gegen den Angriff, mit
dem sie bedroht werden, zu schützen.
Michel
Chossudovsky: Der Iran hat die Möglichkeit, eine
Truppenstärke von mehreren Millionen zu mobilisieren.
Comandante
Fidel Castro Ruz: Entscheidend sind nicht nur die
Truppen, sondern auch die Befehlsstellen. Meiner Meinung nach ist die
Dekonzentration sehr wichtig. Die Angreifer werden versuchen, die Übermittlung
von Befehlen zu verhindern. Jede Kampfeinheit muss im Voraus wissen, was
sie unter den jeweiligen Umständen zu tun hat. Der Angreifer wird mit
Hilfe seiner funkelektronischen Waffen versuchen, der Befehlskette Schläge
zu versetzen und sie zu zerschlagen. Alle diese Faktoren müssen berücksichtigt
werden. Dem Menschen ist niemals eine solche Erfahrung zuteil geworden.
Egal
unter welchen Umständen, aber das von Afghanistan ist eine Kleinigkeit
und das vom Irak ebenfalls, im Vergleich zu dem, auf was sie im Iran stoßen
werden: die Bewaffnung, die Ausbildung, die Mentalität, die Art
Soldaten. Wenn die iranischen Kämpfer vor 31 Jahren die Minenfelder geräumt
haben, indem sie über sie vorrückten, dann würden sie sicherlich die
gefürchtetsten Gegner sein, mit denen die Vereinigten Staaten sich je
auseinandersetzen mussten.
Michel
Chossudovsky is a frequent contributor to Global Research.
Global Research Articles by Michel Chossudovsky
Global Research Articles by Fidel Castro Ruz
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