|
Atomübung
gegen Iran
Von
Knut Mellenthin
Quelle:
jungeWelt vom 08.01.2007
Israel
plant nach einem Bericht der Sunday Times den Einsatz von Atomwaffen gegen
Iran. Nach Angaben der britischen Zeitung, die sich auf anonyme, nicht näher
bezeichnete »israelische Militärquellen« beruft, üben zwei
Luftwaffen-Geschwader bereits den Angriff auf iranische Atomanlagen. Zum
Training sollen in den letzten Wochen auch Flüge nach Gibraltar gehört
haben, um Aktionen über so lange Strecken durchzuspielen.
Laut
Sunday Times will Israel Atomwaffen von der 15fachen Kraft der
Hiroshima-Bombe gegen die über 20 Meter tief verbunkerte
Anreicherungsanlage in Natanz einsetzen. Zuvor sollen mit konventionellen,
lasergesteuerten Bomben, die Israel aus den USA erhalten hat, »Tunnel«
in die Verbunkerung geschlagen werden. Weitere Hauptziele sollen dem Blatt
zufolge die Anlage zur Umwandlung von Rohuran in Gasform in Isfahan und
der geplante Schwerwasserreaktor in Arak sein.
Iran
reagierte am Sonntag zurückhaltend auf den Kriegsbericht aus Großbritannien.
Außenamtssprecher Mohammed Ali Hosseini betonte in Teheran, jegliche
Militäraktion gegen die Islamische Republik werde »nicht ohne Antwort
bleiben«. Der »Aggressor« werde seine Tat »sehr schnell bereuen«. Die
israelische Regierung lehnte eine Stellungnahme zu dem Times-Report ab.
Miri Eisin, die Sprecherin des israelischen Ministerpräsidenten Ehud
Olmert, erklärte lapidar: »Solche Berichte kommentieren wir nicht.«
Auch der Minister für Strategische Angelegenheiten, Avigdor Lieberman,
wollte sich nicht äußern. In die Zuständigkeit des rechtsextremen
Politikers fallen die Kriegsvorbereitungen gegen Iran. Das israelische Außenministerium
gab zwar eine Erklärung ab, doch ist diese nicht als Dementi des Berichts
der Sunday Times zu interpretieren. Sprecher Mark Regev betonte lediglich,
daß zum jetzigen Zeitpunkt der Schwerpunkt der israelischen Aktivitäten
auf diplomatischem Gebiet liegt.
Die
im Besitz eines neokonservativen Verlegers befindliche Sunday Times hatte
schon im März 2005 gemeldet, das sogenannte innere Kabinett des damaligen
Ministerpräsidenten Ariel Scharon habe die konkrete Vorbereitung von
Militärschlägen und die Ausarbeitung von Angriffsplänen gegen Iran
beschlossen. Offenbar werden derartige Gerüchte von bestimmten Kreisen
ausgestreut, um die iranische Führung zu ausnutzbaren Reaktionen zu
provozieren. Die Sunday Times selbst deutet jetzt die Möglichkeit an, daß
»Indiskretionen« über einen geplanten israelischen Atomwaffeneinsatz
auch dazu dienen könnten, die US-Regierung zu eigenem militärischen
Vorgehen zu drängen.
Viele
Experten rechnen mit einem amerikanischen Angriff auf den Iran noch vor
Ende der Amtszeit von US-Präsident George W. Bush. Diese läuft im Januar
2009 ab. Einiges spricht jedoch dafür, in die Rechnung zwei weitere
Faktoren einzubeziehen. Erstens: Für die US-Regierung wäre es günstig,
wenn zum Zeitpunkt des Kriegsbeginns ihr wichtigster europäischer Verbündeter,
Anthony Blair, der schon beim Überfall auf den Irak unschätzbare Dienste
leistete, noch im Amt wäre. Der britische Premier wird voraussichtlich im
September des laufenden Jahres zurücktreten. Und zweitens: Wie schon bei
der Zerstörung des irakischen Versuchsreaktors durch die israelische
Luftwaffe am 30. September 1980 spricht alles dafür, den von russischen
Firmen gebauten iranischen Reaktor bei Buschehr anzugreifen, bevor er mit
Brennstäben bestückt und in Betrieb genommen wird. Rußland hat nach
mehreren Verschiebungen angekündigt, die Brennstäbe im September 2007 zu
liefern. |