Der
deutsche Imperialismus auf Kriegskurs
Kriegsforschungsprojekt
SFB 700 bekommt 6,5
Millionen Euro -
Kriegsforschungsgelder
für
die Profite
Rohstoffreiche
Gebiete werden zu „Räumen begrenzter Staatlichkeit“ erklärt, wenn
sich die Regierungen nicht dem Diktat der imperialistischen Mächte
beugen – Vorwand für Präventivkrieg
Von
Gerd Höhne
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Junior-Kriegsforscher
für das deutsche Finanzkapital
Die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des SFB 700 vor dem
Alfried-Krupp-Haus in Berlin, dem Sitz des SFB 700, im Sommer
2006. |
Der
deutsche Imperialismus auf Kriegskurs
Kriegsforschungsprojekt
SFB 700 bekommt 6,5
Millionen Euro -
Kriegsforschungsgelder
für
die Profite
Rohstoffreiche
Gebiete werden zu „Räumen begrenzter Staatlichkeit“ erklärt, wenn
sich die Regierungen nicht dem Diktat der imperialistischen Mächte
beugen – Vorwand für Präventivkrieg
Von
Gerd Höhne
Kommunisten-online
vom 5. September 2008 – Bereits
vor vier Jahren veröffentlichte die Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU
ein Arbeitspapier unter dem Titel "Vorbeugende Militäreinsätze (Preemptive Strikes) Eine neue
sicherheitspolitische Realität?"
Der Autor ist der sicherheitspolitische Koordinator der
Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Karl-Heinz Kamp. Schon damals vertrat die
CDU-Stiftung, wenn ein Land böse sei und sich nicht an das halte, was
die guten Regierungen – Europas und der USA, versteht sich – wolleen,
man es
problemlos mit Krieg überziehen könne. Dass dabei das Völkerrecht
verletzt wird, ist nicht wichtig. Das muss eben so geändert werden,
dass es passt. Sie SPD Friedrich-Ebert-Stiftung schob ein ähnliches Papier nach.
Auch der Ex-Generalinspekteur der Bundeswehr und jetzige
Mitarbeiter einer Firma, die Weltmarktführer für Schutzausrüstung
gegen ABC-Waffen ist, General a.D. Naumann äußerte sich forsch und
kriegerisch. Der ging noch einen Schritt
weiter. Er und andere Nato-Größen forderten Erstschläge mit
Atomwaffen, sollte die weltweite Dominanz des Westens und seiner
„Lebensart“ in Frage gestellt werden.
Das alles ist schon so selbstverständlich, dass man inzwischen schon
wissenschaftlichen Nachwuchsstrategen den Feinschliff machen lässt. Die sollen heraus
finden, wie man in „Räumen begrenzter
Staatlichkeit“ regieren kann. Darunter fallen alle strategisch und
wirtschaftlich wichtigen Länder, wie Georgien, Kongo, Südafrika usw.
Die Absicht, die dahinter steckt, ist klar: Sie wollen da
Marionettenregierungen haben – das ist dann keine begrenzte
Staatlichkeit – glaubt man den Strategen des Krieges.
Es
geht letztlich darum, wie die Investitionen deutscher Konzerne abgesichert
und diese Länder
wirtschaftlich problemlos ausgebeutet werden können.
Wenn
sich die einheimischen Werktätigen mit den Hungerlöhnen nicht mehr
zufrieden sind und das ändern wollen, wird es zum „Raum mit begrenzter Staatlichkeit“ erklärt
und deutsche Landser schießen wieder einmal - und sie sterben wieder
einmal, wie es sich inzwischen in Afghanistan zeigt. Der
Bundeswehr-Verband, wahrlich keine antimilitaristische Organisation,
sprach davon, dass in Afghanistan Krieg herrsche.
Unsere
Nachwuchsforscher vom „Sonderforschungsprojekt 700 (SFB 700)
sind jetzt die, die mit Staatsknete dazu beitragen sollen, dass diese
Kriege im Interesse des Finanzkapitals wieder geführt werden können.
Ich
möchte hier den Vorsitzenden der Kommunistischen Partei Venezuelas
zitieren, der vor einigen Tagen schrieb:
„Dass
sich alles auf eine weitere Episode eines 2. Kalten Krieges beschränken
möge, während für die gesamte Menschheit die definitive Lösung
heranrückt: Frieden und Sozialismus.“
G.H.
Präventivkriege Made
in Germany, Konrad-Adenauer-Stiftung denkt laut über weltweite
deutsche Aggressionskriege nach, Von Günter Ackermann siehe
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Interventionsforschung
Quelle:
german-foreign-policy
vom 04.09.2008
BERLIN
(Eigener
Bericht) - Berlin ergänzt seine zunehmenden Auslandsinterventionen
um ein eigenes Institut zur Interventionsforschung. An einem
„Sonderforschungsbereich 700“ der Freien Universität Berlin
untersuchen Nachwuchswissenschaftler Voraussetzungen und Möglichkeiten
politisch-militärischer Eingriffe rund um den Globus. Die
Forschungsarbeit findet in Kooperation mit Regierungsberatern statt und
wird mit Millionenbeträgen aus staatlichen Haushalten finanziert.
Besonderes Interesse gilt den ressourcenreichen Ländern des Südens,
die zu „Räumen begrenzter Staatlichkeit“ erklärt und damit
westlicher Einmischung preisgegeben werden. Zielgebiete der Berliner
Interventionsforscher sind unter anderem rohstoffreiche Provinzen in der
Demokratischen Republik Kongo (Nord-Kivu, Katanga), aber auch das von
der NATO besetzte Afghanistan sowie Georgien. Bei der Analyse von
Interventionstechniken geht der „Sonderforschungsbereich“ unter
anderem der Frage nach, inwieweit sich Staaten wie etwa Georgien mit
Hilfe sogenannter Nicht-Regierungs-Organisationen „verdeckt steuern“
ließen und inwieweit unmittelbare „externe Eingriffe“ notwendig
seien.
Unfähig
oder unwillig
Aktuelle
Projekte des „Sonderforschungsbereichs 700“ der FU Berlin sind
Konferenzen in der deutschen Hauptstadt (5. September) und in Kapstadt
(19. September). Dabei geht es unter anderem um die Frage, inwieweit
private Großunternehmen aus der Rohstoffbranche die „Sicherheit“
(„security“) und damit die „Regierbarkeit“ („governance“) in
den ressourcenreichen Ländern Süd- und Zentralafrikas gewährleisten können.
Dies sei notwendig, heißt es, weil
den dortigen Regierungen entweder die Fähigkeit oder der Wille fehle,
die für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit notwendige Infrastruktur
bereitzustellen - einschließlich
eines funktionierenden Repressionsapparates („governments lack
the capacity or the will to provide for public goods“).[1] Explizit
genannt werden Provinzen der Demokratischen Republik Kongo (Katanga) und
Südafrikas (Witwatersrand), die über zahlreiche für die westlichen
Industrienationen unverzichtbare Bodenschätze verfügen.[2]
Mit
Interventionen rechnen
Der
an der FU Berlin angesiedelte „Sonderforschungsbereich 700 -
Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit“ (SFB 700) hat 2006 mit
etwa 40 Mitarbeitern seine Tätigkeit aufgenommen und wird von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG) mit insgesamt 6,5 Millionen Euro
finanziert. Beteiligt sind die Universität Potsdam, das
Wissenschaftszentrum Berlin (WZB), Regierungsberater von der Stiftung
Wissenschaft und Politik (SWP), die Hertie School of Governance und das
European University Institute Florenz. Ihren
Sitz hat die Forschungseinrichtung im Alfried-Krupp-Haus in Berlin,
das von der gleichnamigen Stiftung zur Verfügung gestellt wird [3]; es ist nach dem Rüstungsindustriellen und
NS-Kriegsverbrecher Alfried Krupp von Bohlen und Halbach [4]
benannt. In seiner Eröffnungsrede erklärte Georg Boomgaarden,
Staatssekretär im Auswärtigen Amt, die vom SFB 700 untersuchten „Länder
des Südens“ müssten im Falle
der Missachtung „humanitäre(r) Grundregeln“ mit der „gewaltsame(n)
Intervention der Staatengemeinschaft (...) rechnen“.[5]
Defizitäre
Kolonien
Grundlage
der Arbeit des SFB 700 bildet die Einteilung der Länder der so
genannten Dritten Welt in drei Gruppen: „zerfallen(d)e Staaten“ in
„Krisenregionen“, bei denen nach Auffassung der Berliner
Wissenschaftler weder ein staatliches Gewaltmonopol noch die Fähigkeit
des Staates „zur effektiven Durchsetzung politischer Entscheidungen“
vorhanden seien (Afghanistan, Kolumbien, Kongo, Nigeria, Tadschikistan);
„schwache Staaten“, die in beiden Bereichen, wie es heißt, „große
Defizite“ aufwiesen (Argentinien, Armenien, Aserbaidschan, Georgien,
Indien, Indonesien, Mexiko, Pakistan), sowie „Schwellenländer“, bei
denen dies für „Teilbereiche ihres Territoriums“ gelte (Brasilien, China, Südafrika, Südkorea). Abgeglichen werden die
diagnostizierten „Defizite“ in historischer Perspektive mit den
Schwierigkeiten, mit denen sich deutsche, britische, französische und
japanische Kolonialisten konfrontiert sahen - bei der Sicherung ihrer
Herrschaft über die von ihnen okkupierten „Räume“.[6]
Verdeckt
steuern
Der
SFB 700, der vor allem Nachwuchsakademiker beschäftigt, gliedert sich
in mehrere Teilbereiche. In den Forschungsprojekten des Teilbereichs A
(„Theoretische Grundlagen“) geht es unter anderem um die Frage, wie
internationale Institutionen und Nicht-Regierungs-Organisationen (Non-Governmental
Organizations/NGOs) den „zerfallenden Staat“ Georgien „verdeckt
steuern“ könnten [7] und inwieweit „externe Eingriffe und
Aufbauhilfen“ notwendig seien [8]. Mit der „Durchsetzung“
der „EU-Vorgaben zu Gutem Regieren“ befasst
sich auch Teilbereich B („Herrschaft“); dies geschieht am Beispiel
der von Brüssel geforderten „Korruptionsbekämpfung“ in Belarus,
Georgien, Armenien und Aserbaidschan.[9]
Feldforschung
Neben
der Analyse von Interventionstechniken widmet sich der SFB 700 auch der
Evaluation aktueller Gewaltoperationen. Unter Leitung von Christoph Zürcher
und Ulrich Schneckener - beide arbeiten bei der Stiftung Wissenschaft
und Politik (SWP) als Regierungsberater - prüfen Forscher des
Teilbereichs C („Sicherheit“), ob „externe
Stabilisierungsstrategien“ zur „Herstellung von Sicherheit“ in
Afghanistan beigetragen haben. Dabei legen die Wissenschaftler nach
eigener Aussage „größten Wert auf Empirie aus erster Hand“: „(D)ie
qualitativen Fallstudien basieren auf längeren
Feldforschungsaufenthalten, welche es uns ermöglichen, die Realitäten
vor Ort zu erfassen.“[10] „Feldforschung“ findet auch in der
Provinz Nord-Kivu der Demokratischen Republik Kongo statt; [11]
deutschen Regierungsstellen wird vorgeworfen, in Kämpfe um die dortigen
Ressourcen verwickelt zu sein - zum Nutzen von Bürgerkriegsmilizen.[12]
Systematischer
Einblick
In Arbeit ist nicht zuletzt ein Datenbankprojekt, das
Informationen über mögliche Interventionsgebiete
(„Akteurskonstellationen, Strukturbedingungen und Gewaltdynamiken
inner- und substaatlicher Kriege nach 1990“)
umfassend bündeln und für die weitere Auswertung bereithalten soll.
Ziel ist die „präzise Erfassung von gewaltsamen Konflikthandlungen
auf Ereignisbasis“ sowie die Kartierung „lokaler, regionaler oder
transnationaler Konfliktformationen“. Damit könne man
„systematischen Einblick“ in „Eskalations- und
Deeskalationsdynamiken“ gewinnen, heißt es. Neben Angaben über die
„militärischen und finanziellen Möglichkeiten der involvierten
Akteure“ soll die Datenbank die „Häufigkeiten und Charakteristika
externer Steuerungsversuche (militärische Intervention)“ berücksichtigen.[13]
Damit erschließt das Projekt auch vergangene Interventionskriege einer
gezielten Evaluation.
Instrumentalisierung
Zur
Zeit führt der SFB 700, der mehrere Juniorprofessoren beschäftigt, 19
Teilprojekte durch und betreut insgesamt 32 Doktorarbeiten; mehrere
Publikationsreihen erscheinen hier. Die Forschungseinrichtung verbindet
gezielt akademische Nachwuchsförderung mit der Instrumentalisierung
sozialwissenschaftlicher Forschung für die weltweite deutsche
Expansion.
[1] Business in Local Governance. Workshop hosted by the Research
Project: Fostering Regulation? Corporate Social Responsibility in
Countries with Weak Regulatory Capacity at the Freie Universität
Berlin
. 19. September 2008, Graduate
School
of
Business
,
University
of
Cape Town
, www.sfb-governance.de
[2] Workshop „Governing Security and Making Space“. 5.
September 2008, Freie Universität Berlin, www.sfb-governance.de
[3] Allgemeine Informationen zum SFB 700; www.sfb-governance.de. Harald
Neuber: Staat im Rückzug; Telepolis 06.04.2008
[4] Alfried Krupp von Bohlen und Halbach (1907-1967), seit 1931 förderndes
Mitglied der SS, 1936 Vorstandsmitglied des Krupp-Konzerns, 1937
Wehrwirtschaftsführer, 1938 Leiter der Rüstungsabteilung des
Krupp-Direktoriums, Eintritt in die NSDAP, 1943 Alleininhaber des
Konzerns, 1948 vom US-Militärtribunal in Nürnberg wegen der Ausbeutung
von Zwangsarbeitern und der Plünderung von Wirtschaftsgütern in den
von Deutschland während des Zweiten Weltkriegs besetzten Gebieten zu zwölf
Jahren Haft verurteilt, 1951 amnestiert, 1953 wieder Konzernchef;
Hermann Weiß (Hg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich.
Frankfurt/Main 1998, S. 284; Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten
Reich. Frankfurt/Main 2005, S. 345f.
[5] Georg Boomgaarden: Governance in Räumen begrenzter Staatlichkeit
aus außenpolitischer Perspektive. Rede zum Auftakt der Eröffnungskonferenz
des Sonderforschungsbereiches (SFB) 700 „Governance in Räumen
begrenzter Staatlichkeit“. SFB-Governance Lecture Series Nr. 2,
Berlin, März 2007
[6] Rahmenantrag der FU Berlin auf Einrichtung und Förderung des
Sonderforschungsbereichs 700 bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft für
die Jahre 2006-2009
[7] Projektbereich A4: Völkerrechtliche Standards für Governance in
schwachen und zerfallenden Staaten, Leiterin: Prof. Dr. Beate Rudolf,
www.sfb-governance.de
[8] Projektbereich A5: Normative Standards guten Regierens unter
Bedingungen zerfallen(d)er Staatlichkeit, Leiter: Prof. Dr. Bernd Ladwig,
www.sfb-governance.de
[9] Projektbereich B2: „Gutes Regieren“ ohne den Schatten der
Hierarchie? Korruptionsbekämpfung im südlichen Kaukasus im Rahmen der
EU-Nachbarschaftspolitik, Leiterin: Prof. Dr. Tanja Anita Börzel,
www.sfb-governance.de
[10] Projektbereich C1: Transnationale Kooperationspartnerschaften und
die Gewährleistung von Sicherheit in Räumen begrenzter Staatlichkeit,
Leiter: Prof. Dr. Christoph Zürcher und Dr. Ulrich Schneckener,
www.sfb-governance.de
[11] Projektbereich C2: Privatisierung und Kommerzialisierung von
Sicherheit in zerfallen(d)en Staaten, Leiter Prof. Dr. Sven Chojnacki,
www.sfb-governance.de
[12] s. dazu Schwerpunktpartner
[13] Projektbereich: C4 - Krieg und (Un-)Sicherheit in Räumen
begrenzter Staatlichkeit, Leiter Prof. Dr. Sven Chojnacki, www.sfb-governance.de |