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Betrogener
Betrüger
Israel
hilft Abbas zu Tode
Von
Knut Mellenthin
Quelle: jungeWelt
vom 03.07.2007
Die
israelische Regierung verkündet täglich, daß sie Mahmud Abbas in seinem
Kampf gegen die Hamas helfen will. Damit diskreditiert Jerusalem den palästinensischen
Präsidenten bei vielen seiner Landsleute als Kollaborateur. Zugleich löst
Ministerpräsident Ehud Olmert aber seine Hilfeversprechen nicht ein,
sondern läßt Abbas weiter im Regen stehen. Damit macht er ihn zusätzlich
als betrogenen Betrüger lächerlich.
Am Montag meldete Israel die Tötung eines hochrangigen Fatah-Mannes in
einem Flüchtlingslager bei Dschenin auf der Westbank. Mohammed Abu Al
Heija war Stellvertreter von Zakariya Zubeidi, einem der bedeutendsten
Kommandanten der zu Abbas’ Fatah gehörenden Al-Aksa-Brigaden. Schon am
Mittwoch und Donnerstag voriger Woche hatten israelische Soldaten ein Flüchtlingslager
bei Nablus überfallen und dort neben Mitgliedern anderer Organisationen
auch Fatah-Leute verletzt und festgenommen.
Solche Provokationen schlagen Abbas jedes Argument aus der Hand, in seinem
Machtbereich die in der vorigen Woche angeordnete Entwaffnung aller
Milizen durchzusetzen. Man brauche die Waffen zur Selbstverteidigung gegen
die israelischen Angreifer, sagen die Al-Aksa-Brigaden im Westjordanland.
Nicht einmal Abbas wagt, ihnen jetzt offen zu widersprechen.
Auch sonst sieht es mit Israels Hilfe für Abbas gar nicht gut aus: Die
von Olmert angekündigte Freilassung von 250 gefangenen Fatah-Leuten wurde
von seinem Kabinett abgelehnt. Vorerst wird kein einziger israelischer
Kontrollposten im Westjordanland aufgehoben. Die zahllosen Sperren an
allen wichtigen Verkehrsverbindungen, mit stundenlangen Wartezeiten,
machen jedes normale wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in den
besetzten Gebieten unmöglich. Die palästinensischen Steuern, Zölle und
anderen Abgaben, die Israel seit 17 Monaten widerrechtlich zurückhält,
werden nur ratenweise an Abbas ausgezahlt. Während die palästinensische
Seite davon ausgeht, daß sich mittlerweile 700 Millionen Dollar
angesammelt haben, spricht Israel von 500 Millionen. Davon sollen in den
kommenden sechs Monaten nur 300 bis 400 Millionen ausgezahlt werden. Den
Rest will Israel gegen angebliche palästinensische Schulden verrechnen.
Scheint es auch Wahnsinn, hat es doch Methode: Mit seinem Versprechen,
Abbas zu helfen, erfüllt Olmert einen Wunsch der Amerikaner und Europäer.
In Wirklichkeit ist er aber so wenig wie seine Vorgänger daran
interessiert, Abbas oder einen anderen palästinensischen Politiker zu stärken.
Denn noch häufiger als die Nationalhymne HaTikva wird in Jerusalem die
Platte gespielt: »Wir würden so gerne verhandeln. Aber es gibt auf der
Gegenseite ja niemanden.« Das soll offenbar so bleiben. |