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Ein
Kommentar von Gerhard Drexler zur
Veranstaltung mit Henryk M. Broder in der Städtischen Bücherei
Penzing in Wien am 20. Feber 2007. Vorgestellt wurde sein Buch:
„Hurra, wir kapitulieren“, über das Leon de Winter am Cover
schreibt: „Broder entlarvt die Selbsttäuschungen und Illusionen
all derer, die Amerika und Israel kritisieren, statt sie in ihrem
Kampf gegen islamischen Faschismus und arabische Tyrannei zu unterstützen“. |
(siehe auch; „Psychologische
Kriegführung, Henryk M. Broder und die »Lust am Einknicken«.
Kampfansage an 1,5 Milliarden Moslems, von Knut Mellenthin, jungeWelt vom
17.01.2007 mehr)
EIN
ANTIISLAMISCHER HASSPREDIGER – ODER ALLES WIEDER NUR EIN MISSVERSTÄNDNIS?
von
Gerhard Drexler. Wien 24. Febr. 2007
Die
Antwort auf diese Frage bleibt den überwiegend aus dem Kreis der
Zionisten stammenden Zuhörerinnen und Zuhörern überlassen und wird, je
nach ideologischem Standort, sicher höchst unterschiedlich ausfallen.
Jetzt ist also auch der Auftritt Henryk M. Broders in Wien vorüber und
man kann ruhigen Gewissens sagen, diese Veranstaltung hätte ohne weiteres
auch als eine Veranstaltung der FPÖ über die Bühne gehen und H.C.
Straches (1) Sager „Daham statt Islam“ hätte problemlos auch als
Motto über dieser Veranstaltung stehen können.
Die
45 minütige Lesung aus seinem Buch hat Broder gleich einmal mit dem
Bonmot begonnen: „Gelegentlich passiert es auch, dass ich selbst nicht
meiner Meinung bin“ um dann in gewohnter Weise mit der zynischen
Feststellung fortzufahren, dass er eigentlich auch Terrorist hätte werden
können, wären doch auch bei ihm die typischen Vorraussetzungen für eine
Terroristenlaufbahn gegeben gewesen, die da sind: Kind einer
dysfunktionalen Familie, Eltern, deren Erwartungen er nicht erfüllen
konnte, nicht enden wollende Demütigungen und Erniedrigungen in der
Jugend, einsam, frustriert und geladen wie ein Fass Dynamit, eben alles
Voraussetzungen für einen idealtypischen Amokläufer, nur fehlte bei ihm
der entscheidende Aspekt: Er wollte sich nicht an der Welt rächen! Womit
er im Gegenzug genau erklärt hat, warum man (man ist bei ihm natürlich
Moslem!) zum Terroristen wird, während ihm, dem großen Philanthropen,
Hass schon seit jeher fremd gewesen wäre!
Davon
merkt man natürlich im weiteren Verlauf seiner Lesung nichts, ganz im
Gegenteil! Von Moslems geht natürlich immer nur Gewalt aus, und die
Nichtmoslems sind die ewig Naiven, die das auch noch verstehen wollen
statt endlich einmal hart durchzugreifen. Hätte es noch vor Beginn des
Irakkrieges geheißen „No blood for oil“ wären die Lehrer heute froh,
wenn ihre Schüler mit Migrationshintergrund (ein Wort, über das sich
Broder nicht genug mokieren kann) nur Schlagringe und keine Messer
verwenden würden, und die Lösung des „Kopftuchproblems“ an den
Schulen sei überhaupt falsch, denn selbstverständlich sei das Verbot des
Kopftuches an den Schulen richtig, doch deshalb auch gleich alle anderen
auffälligen religiösen Symbole wie das christliche Kreuz oder die jüdische
Kipa zu verbieten sei absolut falsch, denn das Problem wäre nicht das
Tragen religiöser Symbole als solche, sondern einzig und allein das
Tragen des Kopftuches; zum Beweis führt er an, dass es auch schon vor dem
Kopftuch in den Schulen Kreuz und Kipa gegeben habe ohne dass jemand damit
ein Problem gehabt hätte. Die Probleme seien erst mit dem Kopftuch
gekommen, und deshalb gehöre ausschließlich das Kopftuch verboten; wer
es allerdings ist, der auf einmal ein Problem gerade mit dem Kopftuch hat,
erläutert Broder natürlich nicht, ganz im Gegenteil macht er einen durch
und durch abscheulichen Vergleich, indem er allen Ernstes meint, man würde,
wenn man die Unterwelt entwaffnet, ja auch nicht gleich die Polizei
mitentwaffnen nur wegen der Gleichheit! Womit Broder auch gleich seine
Wertung vornimmt: Die Moslems sind die Bösen, also die Unterwelt, und die
Christen und Juden sind die Guten, verglichen mit der Polizei, deren
Aufgabe es anscheinend ist die Bösen, also die Moslems, zu bekämpfen.
Das sind also die Ansichten und Vergleiche eines Menschen, dem Hass fremd
ist und der einzig und allein für mehr Toleranz eintritt!!
Doch
es geht in dieser Tonart munter weiter. Die Unterscheidung zwischen Islam
und Islamisten sei in Wirklichkeit nur feinsinnig, und provokant und er
stellt die Frage in den Raum, ob es nicht vielmehr die Islamisten seien,
die den Koran korrekt auslegen, indem sie ihn wörtlich nehmen? Wer hier
differenziert, kapituliert im Grunde auch schon. (Im Buch auf S. 53 heißt
es dann deutlicher, der Unterschied zwischen Islam und Islamismus
entspreche vermutlich dem zwischen Alkohol und Alkoholismus, also er sei
nur eine Frage der Dosierung). Eine Gesellschaft wie die deutsche, die
eine Ausstellung über den Islamismus veranstaltet statt „solche
Leute“ des Landes zu verweisen hat sich selbst aufgegeben, und zwangsläufig
kommt der äußerst geschmacklose Vergleich mit der Appeasementpolitik des
Lord Chamberlain gegenüber Hitler. Und einen weiteren Vergleich hat
Broder auf Lager, wenn er meint, die Veranstaltung von multikulturellen
Straßenfesten sei vergleichbar mit dem Kapitän der sinkenden Titanic,
der das Bordorchester aufspielen ließ, um den Passagieren den Untergang
so angenehm wie möglich zu machen!
Selbstverständlich
muss ein „ordentlicher Rechter“ und strammer Verteidiger des US
Imperialismus auch seinen Antikommunismus unter Beweis stellen, und so
zieht er nicht nur über zahlreiche anerkannte Dichter der ehem. DDR her,
sondern macht sich auch über andere vermeintliche Linke wie
beispielsweise Franz Xaver Kroetz lustig, um dann am Ende seines Referates
die provokante Frage zu stellen: „Was ist so schlecht an dem
(Kapitalistischen) System? Es hat sich als enorm flexibel und lernfähig
erwiesen. Statt seine Feinde auszugrenzen hat es sie integriert und
korrumpiert. Ein ehemaliger Straßenkämpfer konnte Außenminister werden
und nach nur sieben Jahren Amtszeit ein Haus in Berlins bester Gegend
beziehen. Ein ehemaliger Terroristenanwalt wurde Innenminister und
oberster Hüter der Verfassung, leitende Stasi-Mitarbeiter bekamen die
Chance, sich als Hobbyköche und Schriftsteller zu resozialisieren.“
Damit
hat er sich endgültig selbst bloßgestellt.
In
der Diskussion zeigte Broder dann sein wirkliches, höchst überhebliches
Wesen und gebärdete sich Andersdenkenden gegenüber in ausschließlich
arroganter Weise. Auf die Feststellung, auch die katholische Kirche hätte
eine Reihe von Verbrechen begangen und man verurteile dennoch nicht gleich
die ganze Kirche sagte Broder nur, der Anfrager solle besser sein Verhältnis
zu katholischen Kirche klären statt sich hier zu Wort zu melden, und auf
die Feststellung eines jungen Teilnehmers, Broder habe in seinem ganzen
Referat überhaupt keine Lösung angeboten und die anschließende Frage,
was eigentlich seiner Meinung nach mit den hier lebenden Muslimen, vor
allem dann, wenn sie bereits die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen,
geschehen solle, entgegnete er nur hochnäsig, auf solche flegelhaften
Fragen antworte er nicht, das hätte er nicht notwendig, denn es gibt
Fragen, auf die man nicht antworten muss.
Richtig
wütend wurde Broder dann, als ein Zuhörer bemerkte, dass das eigentliche
Problem in der heutigen Zeit die USA seien. Das wäre Blödsinn, heischte
er den Zuhörer an, und so etwas dürften Leute, die 1945 von der US Armee
befreit wurden, auch heute nicht sagen! Hier steht Broder also eindeutig
auf der antideutschen (antinationalen) Position, die ausschließlich dazu
dient Kritik am heutigen US Imperialismus schon im Keim zu ersticken. Dass
diese antinationale Position mit der Verabsolutierung des politischen
Zustandes während und unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg natürlich auch
jegliche Kritik an den heutigen Verbrechen Israels am palästinensischen
Volk als von Haus aus unmoralisch zu unterbinden versucht ist dabei
mitenthalten, auch wenn der Name Israel während des ganzen Abends kein
einziges Mal erwähnt wurde. Mit diesem von Broder verwendeten Argument
entlarvt er sich aber auch als unobjektiven Polemiker. Bekanntlich sind
sowohl Berlin als auch Wien nicht von den US Truppen, sondern unter großen
Opfern von der Roten Armee befreit worden, und der damalige
Oberbefehlshaber der Roten Armee hieß Josef Stalin! Die Broder’sche
Logik in objektiver Weise anwendend dürfte man also deshalb auch heute
weder die Rote Armee noch Josef Stalin, die ehem. Sowjetunion und auch
nicht den Kommunismus kritisieren; genau das macht aber der notorische
Antikommunist und rechte „Denker“ Henryk. M. Broder!
Die
wirkliche Chuzpe behielt sich Broder allerdings für den Schluss der
Diskussion vor, als er sagte, er wäre eigentlich gegen ein rein weißes
arisches Europa, ihm wären mehr Moslems in Europa lieber, denn eigentlich
hat er ja nichts gegen Moslems und tritt nur für mehr Toleranz ein! Mehr
Toleranz? Wie war denn das vorhin mit dem Vergleich zwischen einem
multikulturellen Straßenfest mit der auf der untergehenden Titanic
spielenden Bordkapelle? Wenn es um mehr Toleranz geht, sollte Herr Broder
erst einmal die eigenen Hausaufgaben machen.
Wien,
am 24. Feber 2007
Anmerkungen:
(1) H.C.Strache ist der Parteivorsitzende der FPÖ (= Freiheitliche Partei
Österreichs), einer am rechten Rand der österreichischen
Parteienlandschaft angesiedelten Partei, die im vergangenen Wahlkampf vor
allem durch ihre ausländerfeindlichen Aussprüche wie beispielsweise „Daham
(= wienerischer Dialektausdruck für daheim bzw. zu Hause) statt Islam“
von sich reden gemacht hat.
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