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siehe auch: 

Die Enthüllungen eines ehemaligen Carter-Beraters:

Ja, die CIA war vor den Russen in Afghanistan …  mehr

Zeugenaussage vor dem  Auswärtigen Ausschuss des US-Senats

Zbigniew Brzezinski

Originaltext unter  (siehe)

1. Februar 2007

Herr Vorsitzender,

Ihre Anhörungen kommen zu einem kritischen Zeitpunkt im von den Vereinigten Staaten gewählten Krieg im Irak und ich lobe Sie und Senator Lugar, sie angesetzt zu haben.

Es ist Zeit für das Weiße Haus, sich mit zwei zentralen Realitäten abzufinden:

1. Der Krieg im Irak ist eine historische, strategische und moralische Katastrophe. Da er unter falschen Voraussetzungen begonnen wurde, untergräbt er Amerikas globale Legitimität. Seine zusätzlichen zivilen Opfer beflecken Amerikas moralisches Ansehen ebenso wie einige Mißbrauchsfälle. Geführt aus manichäischen Impulsen und imperialer Selbstüberhebung, vergrößert er die Instabilität in der Region.

2. Nur eine politische Strategie, die eher historisch von Bedeutung ist, als an koloniale Bevormundung zu erinnern, kann den benötigten Rahmen für eine annehmbare Lösung sowohl des Krieges im Irak als auch der sich verstärkenden Spannungen in der Region bieten.

Wenn die Vereinigten Staaten weiterhin in einer sich hinziehenden blutigen Verwicklung im Irak stecken bleiben, ist der letzte Halt auf dieser Bergabfahrt wahrscheinlich ein Frontalzusammenstoß mit dem Iran und mit einem Großteil der gesamten islamischen Welt. Ein einleuchtendes Szenario für einen militärischen Zusammenstoß mit dem Iran umfasst das Scheitern der Iraker beim Erreichen der Meilensteine, gefolgt von Anschuldigungen, der Iran trage die Verantwortung für dieses Scheitern, dann von einer Provokation im Irak oder einem terroristischen Akt in den Vereinigten Staaten, den man dem Iran zuschreibt, gipfelnd in einer ‘defensiven’ US-Militäraktion gegen den Iran, die das einsame Amerika in einen sich ausweitenden und vertiefenden Sumpf stürzt, der sich schließlich über den Irak, den Iran, Afghanistan und Pakistan erstreckt.

Ein historischer Mythos zur Rechtfertigung eines solch langwierigen und potentiell sich ausweitenden Krieges wurde schon artikuliert. Anfänglich gerechtfertigt durch getürkte Behauptungen über Massenvernichtungswaffen im Irak, wird der Krieg jetzt als das ‘entscheidende ideologische Ringen’ unserer Zeit neu definiert, was an frühere Zusammenstöße mit Nazismus und Stalinismus gemahnt. In diesem Zusammenhang werden islamistischer Extremismus und al Qaida als Äquivalente der Bedrohungen durch Nazi-Deutschland und später durch Sowjetrussland präsentiert und ‘9/11’ als das Äquivalent des Angriffs auf Pearl Harbour, der Amerikas Beteiligung am Zweiten Weltkrieg beschleunigte.

Diese stark vereinfachende und demagogische Geschichte übersieht die Tatsache, dass der Nazismus auf der militärischen Stärke des industriell am höchsten entwickelten europäischen Staates fußte und dass der Stalinismus in der Lage war, nicht nur die Ressourcen der siegreichen und militärisch mächtigen Sowjetunion zu mobilisieren, sondern auch weltweite Anziehungskraft durch die marxistische Doktrin. Im Gegensatz dazu nehmen die meisten Muslime den islamischen Fundamentalismus nicht an, al Qaida ist eine isolierte fundamentalistische islamistische Verirrung, die meisten Iraker sind in den Streit verwickelt, weil die amerikanische Besetzung des Irak den irakischen Staat zerstörte, während der Iran – obwohl er regional an Einfluss gewinnt – selbst politisch gespalten sowie wirtschaftlich und militärisch schwach ist. Zu behaupten, dass Amerika in der Region schon in einem Krieg gegen eine erweiterte islamische Bedrohung stehe, deren Epizentrum der Iran ist, bedeutet, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung zu fördern.

Die Außenpolitik der Administration im Mittleren Osten hat sich beklagenswerterweise neuerdings fast völlig auf ein solches Verbreiten von Schlagworten verlassen. Vages und hetzerisches Gerede über ‚einen neuen strategischen Kontext’, der auf ‘Klarheit’ basiert und ‚die Geburtswehen eines neuen Mittleren Ostens’ veranlasst, gebiert einen sich verstärkenden Anti-Amerikanismus und vergrößert die Gefahr eines langfristigen Zusammenstoßes zwischen den Vereinigten Staaten und der islamischen Welt. Die für die US-Diplomatie Verantwortlichen haben auch die Pose einer moralistischen Selbstverbannung gegenüber dem Iran eingenommen, die stark an John Foster Dulles Einstellung gegenüber den chinesischen Kommunistenführern in den frühen 1950ern erinnert (und unter anderem in der wohlbekannten Episode von dem verweigerten Handschlag resultierte). Es brauchte rund zweieinhalb Jahrzehnte, bis ein anderer ‚republikanischer’ Präsident in der Lage war, jenes Vermächtnis rückgängig zu machen.

Man sollte hier auch zur Kenntnis nehmen, dass kein Land der Welt die manichäischen Illusionen teilt, welche die Administration so leidenschaftlich artikuliert. Das Ergebnis ist wachsende politische Isolation der Vereinigten Staaten sowie ein überall vorhandener Widerstand gegen ihre Stellung in der Welt.

Es ist inzwischen offensichtlich, dass das nationale Interesse Amerikas einen signifikanten Richtungswechsel erfordert. Es gibt in der Tat einen vorherrschenden Konsens für einen Wechsel. Die öffentliche Meinung in Amerika ist jetzt der Ansicht, dass der Krieg ein Fehler gewesen sei, dass er nicht ausgeweitet werden sollte, dass ein politisches Vorgehen in der Region sondiert werden sollte und dass ein israelisch-palästinensisches Übereinkommen ein wesentlicher Bestandteil des politischen Wandels sei und aktiv verfolgt werden sollte. Es ist beachtenswert, dass von einer Anzahl führender ‚Republikaner’ schwere Vorbehalte gegen die Politik der Administration geäußert worden sind. Man muss hier nur die zum Ausdruck gebrachten Ansichten des viel bewunderten Präsidenten Gerald Ford anführen, des früheren Außenministers James Baker, des früheren Nationalen Sicherheitsberaters Brent Scowcroft und mehrerer führender ‚replikanischer’ Senatoren, neben anderen John Warner, Chuck Hagel und Gordon Smith.

Wir benötigen heute dringend eine Strategie, die versucht, einen politischen Rahmen für eine Lösung der Probleme anzustreben, die sowohl durch die US-Besatzung des Irak als auch durch die Sicherheit (-sprobleme, LF) durch den zivilen und konfessionell begründeten Konflikt verursacht werden. Ein Ende der Besatzung und die Herstellung eines regionalen Dialogs zur Sicherheit sollten die sich gegenseitig verstärkenden Ziele einer solchen Strategie sein, aber beide Ziele werden Zeit brauchen und ein wirklich ernsthaftes Engagement der Vereinigten Staaten erfordern.

Die Suche nach einer politischen Lösung für das anwachsende Chaos im Irak sollte vier Schritte umfassen:

1. Die Vereinigten Staaten sollten ausdrücklich und unzweideutig erneut ihre Entschlossenheit bekräftigen, den Irak in einer annehmbar kurzen Frist zu verlassen.

Mehrdeutigkeit bezüglich der Dauer der Besatzung fördert in der Tat Widerwillen gegen einen Kompromiss und verstärkt den andauernden Streit zwischen den Bürgern. Zudem wird eine solche öffentliche Erklärung benötigt, um Ängste im Mittleren Osten vor einer neuen und andauernden imperialen Hegemonie Amerikas zu besänftigen. Ob zu Recht oder zu Unrecht sehen viele die Errichtung einer solchen Hegemonie als Hauptgrund für die amerikanische Einmischung in einer Region an, die erst seit Kurzem frei ist von kolonialer Beherrschung. Dieser Wahrnehmung sollte von höchster US-Ebene widersprochen werden. Vielleicht sollte das der US-Kongress durch eine Resolution tun.

2. Die Vereinigten Staaten sollten ankündigen, dass sie mit den irakischen Führern Gespräche führen werden, um gemeinsam mit ihnen einen Termin festzulegen, an dem der militärische Abzug der Vereinigten Staaten beendet sein wird. Die endgültige Festlegung eines solchen Termins sollte als gemeinsame Entscheidung verkündet werden. In der Zwischenzeit sollten die Vereinigten Staaten eine militärische Eskalation vermeiden.

Es ist notwendig, alle irakischen Führer – einschließlich diejenigen, die nicht in der ‚Grünen Zone’ wohnen – in eine ernsthafte Erörterung bezüglich des vorgeschlagenen und gemeinsam festgelegten Termins für den militärischen Abzug der Vereinigten Staaten einzubinden, weil der Dialog an sich dabei helfen wird, die wahren irakischen Führer zu erkennen mit dem Selbstbewusstsein und der Fähigkeit, auf ihren eigenen Füßen zu stehen ohne Schutz durch das US-Militär. Nur irakische Führer, die über die ‚Grüne Zone’ hinaus wirkliche Macht ausüben können, können vielleicht ein echtes Übereinkommen im Irak erreichen. Es ist eine schmerzhafte Realität, dass ein Großteil des gegenwärtigen irakischen Regimes, von der Bush-Administration als ‚Vertretung des irakischen Volkes’ bezeichnet, sich selbst weitgehend durch seinen physischen Aufenthaltsort definiert (als Vertretung, LF), die 4 Quadratmeilen große US-Festung in Bagdad, geschützt durch eine stellenweise 15 Fuß (rd. 4,5 m, LF) starke Mauer, besetzt mit schwerbewaffnetem US-Militär, allgemein bekannt als ‚die Grüne Zone.’

3. Die Vereinigten Staaten sollten gemeinsam mit geeigneten irakischen Führern eine Einladung an alle Nachbarn des Irak (und vielleicht einige weitere muslimische Länder wie Ägypten, Marokko, Algerien und Pakistan) aussprechen, oder vielleicht von den irakischen Führern aussprechen lassen, an einem Dialog darüber teilzunehmen, wie man am besten die Stabilität im Irak in Verbindung mit einem militärischen Abzug der Vereinigten Staaten erhöht, und schließlich an einer Konferenz über die Stabilität in der Region teilzunehmen.

Die Vereinigten Staaten und die irakische Führung müssen die Nachbarn des Irak in eine ernsthafte Diskussion über die Sicherheitsprobleme in der Region einbeziehen, aber solche Diskussionen können nicht geführt werden, während die Vereinigten Staaten als Besatzer für unbestimmte Dauer wahrgenommen werden. Der Iran und Syrien haben keinen Grund, den Vereinigten Staaten dabei zu helfen, eine andauernde Vorherrschaft in der Region zu festigen. Es ist allerdings Ironie, dass sowohl der Iran als auch Syrien kürzlich einen regionalen Dialog gefordert haben und dadurch den sinnlosen Charakter der weitgehend passiven – weil in der Hauptsache Schlagworte verbreitenden – US-Diplomatie ausschlachteten.

Ein ernsthafter Dialog in der Region, direkt oder indirekt von den Vereinigten Staaten gefördert, könnte zu einem gewissen Punkt durch einen weiteren Kreis von Beratungen gestützt werden, die weitere Mächte mit Interesse an der Stabilität der Region einbeziehen, wie die EU, China, Japan, Indien und Russland. Die Ausschussmitglieder könnten in Erwägung ziehen, informell mit denjenigen Staaten Fühlung aufzunehmen, die ein potentielles Interesse an einem solchen erweiterten Dialog bekundet haben.

4. Gleichzeitig sollten die Vereinigten Staaten eine glaubwürdige und energische Anstrengung unternehmen, um schließlich einen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu erreichen, und in diesem Prozess klarmachen, welche grundlegenden Parameter eine solche endgültige Übereinkunft umfassen sollte.

Die Vereinigten Staaten müssen die Region davon überzeugen, dass die Vereinigten Staaten sowohl einer dauerhaften Sicherheit Israels als auch der Fairness gegenüber den Palästinensern verpflichtet sind, die nunmehr seit über vierzig Jahren auf ihren eigenen Staat warten. Nur eine aktive Intervention von außen kann die lange verzögerte Klärung fördern, weil die Geschichte zeigt, dass die Israelis und die Palästinenser dies niemals von alleine tun werden. Ohne eine solche Klärung werden sowohl nationalistische als auch fundamentalistische Leidenschaften in der Region auf lange Sicht jedem arabischen Regime zum Verhängnis werden, das als Unterstützer der regionalen Vorherrschaft der Vereinigten Staaten angesehen wird.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gewannen die Vereinigten Staaten die Oberhand in der Verteidigung der Demokratie in Europa, weil sie erfolgreich eine langfristige politische Strategie der Vereinigung ihrer Freunde und der Aufspaltung ihrer Feinde betrieben, der nüchternen Abschreckung einer Aggression, ohne Feindseligkeiten auszulösen und weil sie während der ganzen Zeit die Möglichkeit von Übereinkommen auf dem Verhandlungsweg sondierten. Heute steht der weltweite Führungsanspruch Amerikas im Mittleren Osten auf dem Prüfstand. Eine ähnlich kluge Strategie echt konstruktiven politischen Engagements wird jetzt dringend benötigt.

Es wird auch Zeit, dass der Kongress sich durchsetzt.

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Zbigniew Brzezińskis Verschwörungstheorie

Die US-Regierung könnte den Iran eines Terrorangriffs beschuldigen und sich dann „verteidigen“.

Quelle: Steinberg-Recherche vom 3. Februar 2007

Einer der übelsten, vor allem aber einer der erfolgreichsten Verschwörungspraktiker des vorigen Jahrhunderts vertritt eine Verschwörungstheorie. Zbigniew Brzeziński erklärte am 1. Februar 2007 vor dem Auswärtigen Ausschuß des US-Senats: 

Ein plausibles Scenario für einen militärischen Zusamenstoß mit dem Iran ist: Der Irak erreicht die Vorgaben nicht; darauf folgt der Vorwurf iranischer Verantwortung für das Scheitern; dann eine Provokation im Irak oder ein terroristischer Anschlag in den Vereinigten Staaten, dessen der Iran beschuldigt wird; gipfelnd in einem US-militärischen „Verteidigungs“-Unternehmen, das ein einsames Amerika in einen sich ausweitenden und vertiefenden Sumpf zieht, der womöglich vom Irak über den Iran und Afghanistan bis Pakistan reicht.  

A plausible scenario for a military collision with Iran involves Iraqi failure to meet the benchmarks; followed by accusations of Iranian responsibility for the failure; then by some provocation in Iraq or a terrorist act in the U.S. blamed on Iran; culminating in a „defensive” U.S. military action against Iran that plunges a lonely America into a spreading and deepening quagmire eventually ranging across Iraq, Iran, Afghanistan, and Pakistan. 

Zbigniew Brzeziński hatte 1979 als Sicherheitsberater von Präsident James Carter die sozialdemokratische Regierung in Afghanistan und deren sowjetische Beschützer mittels US-trainierter und bezahlter Muslime in einen 10-jährigen Krieg manövriert, der der Sowjetunion den Garaus machte. 

Der gerissene Hund Brzeziński hat über die zentrale Rolle Mittelasiens einen Bestseller verfaßt: The Great Chessboard (Die einzige Weltmacht) ist geopolitische Pflichtlektüre für jeden außenpolitisch Interessierten. 

Brzezińskis Aussage vor dem wichtigsten außenpolitischen Ausschuß der Welt über eine drohende Kriegsgrund-Inszenierung hat daher großes Gewicht. Seine Verschwörungstheorie klingt umso plausibler, als bisher keine der großen US-amerikanischen Zeitungen ein Sterbenswörtchen darüber hat verlauten lassen. 

Die Aussage, ein rhetorische Lehrstück, steht als .pdf-Datei auf den Seiten des US-Senats.

T:I:S, 3. Februar 2007

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