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Das Gewäsch der Propaganda, wenn sie mal wieder solch einen Krieg zu führen beabsichtigen, von wegen Menschenrechte und so, wird erfindungsreich sein. Man denke nur an den sog. Hufeisenplan, eine Erfindung der NATO-Strategen als es um den Jugoslawienkrieg 1999 ging, die Lügen der US-Regierung von Massenvernichtungswaffen im Irak, die angebliche Verwicklung der Taliban in die Geschehnisse um den 11. September 2001 usw. Ersatzweise und/oder zusätzlich wird dann Verstöße gegen die Menschenrechte als Kriegsgrund aufgeführt. Verbrechen dieser Art kommen aber tagtäglich in Ländern vor, die den USA hörig sind.

Worum es geht sind schlichtweg die neokolonialen Interessen Nordamerikas, Europas und der anderen imperialistischen Mächte Es geht um Bodenschätze, Absatzmärkte, Rohstoffe, kurz: es geht um Raub. 

Präventivkriege Made in Germany

Konrad-Adenauer-Stiftung denkt laut über weltweite deutsche Aggressionskriege nach

siehe auch: Konrad-Adenuaer-Stiftung und Arbeitspapier

Von Günter Ackermann

Was waren es doch für schreckliche Zeiten: das Reich des Bösen (US-Präsident und Ex-Schauspieler Ronald Reagan über die sozialistischen Staaten) hinderte die guten USA und ihre Verbündeten die Segnungen des Imperialismus weltweit zu verbreiten.

Als z.B. 1956 Ägypten  den Suez-Kanal nationalisierte und die bisherigen Besitzer mit Israel gemeinsam militärisch gegen Ägypten vorgehen wollten und vorgingen, konnte die UdSSR die Imperialisten mit Hinweis auf die sowjetischen Waffen am Vordringen hindern. Aus der Traum vom großen Geldverdienen in Ägypten.

Schon einige Jahre vorher gefiel den USA nicht, was sich da in Korea ereignete, und sie bekamen mit Hilfe ihrer Vasallen sogar ein UN-Mandat zum militärischen Eingreifen. Sie dachten, das wäre ein Spaziergang, aber die USA unter Präsident Truman wurden in einen langwierigen Krieg verwickelt. Die sozialistischen Nachbarstaaten, die UdSSR und die Volksrepublik China, verhinderten gemeinsam mit der Volksrepublik Korea, dass die USA siegten.

Welch eine schreckliche Zeit für die Wallstreet und das Weiße Haus.

Wie einfach ist es doch jetzt: Da sind eine Reihe von Staaten, die nicht nach der Pfeife der USA tanzen, die werden ganz einfach zu Schurkenstaaten erklärt. Washington meint, man könne, ja man müsse dort militärisch eingreifen. Dass einige dieser Länder reich an Bodenschätzen, v.a. dem begehrten Erdöl, sind, wird wohlwollend zur Kenntnis genommen. Aber – ein Schuft der Böses dabei denkt – es geht den USA nur um die Demokratie und Menschenrechte, gegen Staaten, die Terroristen unterstützen und Massenvernichtungswaffen besitzen oder entwickeln.

Zwar besitzen – außer den klassischen Atommächten – nur noch die USA-Freunde Israel, Pakistan und Indien Atomwaffen, aber das sind ja die Guten, keine Schurken.

Naja, etwas ist Indien und Pakistan „schurkig“, aber nur etwas. Deshalb hat dann auch der „Vater der islamischen Atombombe“ Abdul Qadir Khan, vorher in den USA in der Atomwaffen-Entwicklung tätig, jüngst erklärt, er habe Libyen, Iran und Nordkorea die Atomwaffengeheimnisse verraten.

Rein zufällig sind das auch Schurkenstaaten in der Sprachregelung des US-Präsidenten. Und nun haben die USA den Beweis, dass diese Länder Atomwaffen entwickeln. Ist doch schön so!

„Pakistans Präsident Pervez Musharraf, der unter starkem Druck der USA steht, musste ihn deshalb schweren Herzens seiner Ämter entheben.[1]

Warum dieser Abdul Qadir Khan nicht, wie sonst in Pakistan üblich, kurzerhand umgelegt wurde, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis. Ist aber schon beachtenswert.

Hindernis für „Präventivkriege“: Völkerrecht

Das Völkerrecht verbietet allerdings solche Kriege. Die territoriale Integrität ist in der UN-Charta festgelegt.  Daran hält sich im Zweifelsfall keiner der „guten“ Staaten, wenn er seine Interessen in Gefahr sieht. Nicht nur die USA machen das so, auch Frankreich führt seit Jahrzehnten Kriege in Afrika (Kongo, Ruanda , Burundi, Tschad). Frankreich unterstützte z.B. den Diktator Habyrimana von Ruanda , einen Hutu. Nach seinem Tod kam es zu den Massakern. Die französische Fremdenlegion, die das Massaker hätte verhindern können, griff nicht ein und half vielmehr der Hutu-Führung. Noch heute verhindert die Fremdenlegion, dass die geflohenen Mörderbanden zur Rechenschaft gezogen werden.

Also keine Rede von Präventivkrieg, nur ganz normale militärische Präsenz wegen imperialer Interessen. Die Charta der UN wird angewandt oder nicht, je nach Bedarf.

Jetzt ist auch Deutschland wieder soweit. Deutsche Soldaten sind in Ex-Jugoslawien und Afghanistan, deutsche Kriegsschiffe kreuzen am Horn von Afrika und nun kommen deutsche Truppen auch nach Äthiopien – allerdings mit Zustimmung der Regierung.

Für die UN-Charta gilt, wie auch im gesamten Rechtsbereich: Rechtsfragen sind Machtfragen. Die bisherige Regelung abzuschaffen, also das Prinzip der territorialen Integrität, wäre zu Zeiten des Kalten Krieges am Veto der Sowjetunion gescheitert. Ein Versuch der Abschaffung oder Aufweichung dieser Bestimmung hätte imperialistische Aggressionskriege zwar nicht verhindert, deren Rechtfertigung aber erschwert.

Konrad-Adenauer-Stiftung denkt laut über Abschaffung der „strikten Auslegung des Völkerrechts[2]“ nach

Mit dem Ende der Sowjetunion und der Einführung des Kapitalismus in China sind die Hemmungen der Imperialisten Aggressionskriege zu führen, weggefallen. Die USA tragen Stolz zur Schau, dass sie, wie uns die bürgerliche Presse immer wieder einbläut, die einzige verbliebene Supermacht sind. Sie wollen schalten und walten können nach eigenem Gutdünken.

Das gefällt den europäischen Mächten natürlich entschieden weniger. Sie haben nichts gegen imperialistische Machtpolitik, aber nicht ohne oder gegen den anderen wichtigen Wirtschaftsblock, die EU, allen voran die wichtigsten EU-Länder Deutschland und Frankreich.

Diese unterschiedlichen Interessen traten in der Frage des Irak-Kriegs offen zu Tage. Die Bundesregierung konnte sich, mit der Friedenspalme wedelnd, der Weltöffentlichkeit präsentieren. Dabei war sie nicht gegen diesen Krieg, sondern sie hatte nur abweichende Ansichten über das Kriegsziel.

Oder einfacher gesagt: Sie wollte die Beute „gerecht“ geteilt wissen. Auch das Gerede, die UNO müsse mehr einbezogen werden, weist in diese Richtung. Da nun v.a. die amerikanischen Truppen mit Hilfe von Nadelstichen des irakischen Widerstands gegen die Besaatzer in einen  ständigen Kleinkrieg verwickelt werden, wird mit einem ironischen Lächeln wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Es ist also auch nicht verwunderlich, dass es im deutschen Interesse – damit der EU – liegen muss, dass die USA nicht schalten und walten nach Gutdünken, sondern durch Regeln daran gebunden werden, den anderen Räubern nicht die Beute durch ihre schiere Größe wegzuschnappen. Darüber herrscht Einigkeit aller Bundestagsparteien, einschließlich PDS (auch wenn die PDS das nicht sagt. Nach dem neuen Programm können Kriege mit UNO-Mandat geführt werden).

Das formale Völkerrecht jedoch verbietet Angriffskriege jeder Art und verbietet auch jede Einmischung in die inneren Angelegenheiten fremder Staaten. Diesem Missstand will die Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung nun ein Ende setzen helfen.

Das Modell des Adenauer-Stiftung: die Guten und die (potentiell) Bösen

Es gibt die potentiell bösen Staaten – das sind die Habenichtse, die Länder mit großen und strategisch wichtigen Bodenschätzen (Erdöl, aber auch Metalle) die an strategisch wichtigen geographischen Punkten liegen, andere wichtige Rohstoffe herstellen usw.) oder solche, bei denen es „ökologisch verantwortungslose Staudammprojekte oder unsichere Kernkraftwerke in Grenznähe“[3] gibt[4]. Die bedrohen die guten Staaten. So beispielsweise, wenn sie ihre Bodenschätze zu vernünftigen Preisen verkaufen wollen oder gar diese Bodenschätze dem Zugriff der Konzerne entziehen und die – natürlich berechtigten – Interessen der Konzerne mit Füßen treten und alles enteignen.

Und es gibt gute Staaten, die haben immer und überall den Weltfrieden, die Demokratie, die Gerechtigkeit, Menscherechte, Wohlstand, Freiheit und was es auch sonst noch alles Gute gibt, im Sinn. Problem ist nur, wenn diese edlen Staatsgebilde ihrer Mission folgen wollen, rums, steht das Völkerrecht dem entgegen.

Bisher mussten sie zu Tricks greifen: Man bediente sich Halbedler, die mal einen Putsch, mal eine Revolution anzettelten, mal einen Partisanenkrieg führten oder schlichtweg alles zusammen machten, manche würde man – natürlich nur wir, mit unserem nur normalen Menschenverstand – schlichtweg Kriminelle nennen. Diese Halbedlen gab es z.B. in Afghanistan (Taliban und Al Quaida) und im Kosovo, (UCK), in Zaire (Kongo) und anderswo. Nachteil dieser Halbedlen ist, sie laufen gern aus dem Ruder, dann verfolgen sie eigene Interessen, die sich oft nicht mit denen der Guten und Edlen decken.

Die andere Art von Halbedlen sind Feudalfürsten (z.B. Saudi Arabien) oder Diktatoren nach der Art Pinochet. Aber auch die sind nicht ideal. Einerseits lassen sie sich einer verwunderten Weltöffentlichkeit kaum als edel und der Menschlichkeit verpflichtet verkaufen, andererseits neigen auch die dazu, aus dem Ruder zu laufen. Saddam Hussein ist ein Beispiel hierfür. Die USA bedienten sich seiner in den 80ern gegen den Iran, aber dann lief er aus dem Ruder.

Oder Noriega in Panama. Während der Zeit, als die CIA in Nikaragua die Kontras finanzierte und Schwarzgeld brauchte, verdiente sie es mit Drogenhandel. Noriega war einer der Geldbeschaffer und ein Großdealer, Panama also eine gigantischer Umschlagplatz und Transferland für Kokain. Dann brauchten die CIA Noriega und den Drogenhandel nicht mehr, Noriega aber war nicht einsichtig und dealte im großen Stil weiter, also mussten die USA militärisch eingreifen. Noriega sitzt nun lebenslang in einen Knast in den USA.

Bei strategisch wichtigen Schurkenstaaten gilt ähnliches. 1999 z.B. musste die Nato, um gegen Jugoslawien vorgehen zu können, sich den „Hufeisenplan“ ausdenken und die Öffentlichkeit mit einen erfundenen Genozid  erschrecken. Der damalige deutsche Kriegsminister Scharping verkaufte den Schwindel der entsetzten deutschen Öffentlichkeit. Heute bestreitet niemand mehr, dass dieser Plan die blanke Lüge war.

Es ging angeblich nicht darum, imperiale Interessen zu vertreten – wie sollte es auch – sondern um die Verwirklichung von Menschenrechten und den Kampf gegen deren Verletzung.

„Der Bekämpfung der offensichtlichen Menschenrechtsverletzungen auf dem Balkan war Vorrang vor dem Gewalt- und Interventionsverbot eingeräumt worden.[5] Das Recht auf vorbeugende Militäreinsätze, dass eine wachsend Anzahl von Staaten für sich beansprucht bedeutet einen weiteren Schritt weg von dem Absolutheitsanspruch staatlicher Souveränität.“[6]

Dass dies alles unbefriedigend für die Guten ist, liegt auf der Hand. Und hier setzt das Arbeitspapier der Konrad-Adenauer-Stiftung an.

„Hier liegt der Schlüssel für die Fortentwicklung des Völkerrechts. Statt eines Einforderns formaler Regeln muss es künftig weit stärker um ein Ermessen und Beurteilen gehen. Aus der konkreten Situation heraus müssen die unterschiedlichen völkerrechtlichen Grundwerte gegeneinander abgewogen werden. Dabei sind es in der Perspektive nicht allein Gefahren durch Massenvernichtungswaffen oder humanitäre Erfordernisse, die eine militärische Präemption rechtfertigen können. Denkbar wäre auch, dass der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen im Extremfall eine Intervention rechtfertigen könnte, etwa wenn sich eine vitale Bedrohung durch ökologisch verantwortungslose Staudammprojekte oder unsichere Kernkraftwerke in Grenznähe ergibt.“[7]

Also weg mit dem „Einfordern formaler Regeln“, es muss ermessen und beurteilt werden. Wer ermisst, wer beurteilt? Die Bösen nicht, die Halbedlen auch nicht – bingo - die Guten ermessen, also die USA, NATO, EU, die Weltbank, der Weltwirtschaftsgipfel usw.

Fazit

Was hier die Adenauer-Stiftung in die Welt setzte, ist keineswegs nur auf dem Mist der CDU gewachsen. Hier hat mal einer etwas durchdacht, was wirklich den Strategen der Konzerne, Geheimdienste und Kriegsministerien übel aufstößt. Nicht etwa, dass sie sich durch das Völkerrecht von Kriegen abhalten lassen, diese führten sie, wenn es ihnen erforderlich erschien, schon immer, aber diese von der Adenauer-Stiftung empfohlene „Abkehr von der formalen Auslegung des Völkerrechts hin zu einem Interpretations- und Abwägungsmechanismus“[8] erleichtert Aggressionen ungemein. Das lästige Bitten z.B. der USA wegen des Iraks oder 1999 Jugoslawien betreffend in der UNO entfällt. Die USA marschieren, wenn sie meinen, der Staudamm sei ökologisch unmöglich, oder wenn sie erklären, ein Kernkraftwerk in Nordkorea sei eine Gefahr für die USA, einfach ein und zetteln einen Präventivkrieg an. Aber, da das ganze formal die Notwendigkeit einbeziehen soll, die Interessen der anderen Räuber zu beachten, sollen die USA teilen müssen. Ob sie sich darauf einlassen, wird sich zeigen. Gern tun sie dies mit Sicherheit nicht, eher gezwungenermaßen.

Die von den USA angestrebte Neuordnung der erdölreichen Region um das Kaspische Meer wird auch erleichtert. Das gilt, versteht sich, auch für die EU.

Dass hierbei die Kriegsgefahr steigt, ficht den Autor des Arbeitspapiers Karl-Heinz Kamp nicht an.[9] Ich verstehe das auch sehr gut. Diese Leute sind intellektuelle Produzenten von Stichwörtern, sie sollen Erklärungsmuster abgeben usw. Die politischen Entscheidungen fällen andere und das ist noch nicht einmal die CDU-Zentrale und auch nicht das Bundeskanzleramt, sondern in den Chefetagen der Banken. Und die sehen ihre Profite auf Dauer nur gesichert, wenn sie wieder, wie vor der Oktoberrevolution, ihre Raubkriege führen, Kanonenbootdiplomatie oder andere Terrorakte begehen können. Das Völkerrecht hat sich dem zu beugen, auch zum Preis, dass es dann keins mehr gibt. Die soll UNO, wie weiland der Norddeutsche Landtag der Peitsche Bismarcks folgte und von ihm dressiert wurde, Ausführungsorgan der imperialistischen Mächte werden. Immerhin war das Ergebnis damals dann auch etwas, was dem deutschen Kapital ganz recht kam: Der Krieg von 1870/71, die Gründung des Deutschen Reiches und die Kaiserkrönung Wilhelms Nummer eins.

Das Gewäsch der Propaganda, wenn sie mal wieder solch einen Krieg zu führen beabsichtigen, von wegen Menschenrechte und so, wird erfindungsreich sein. Man denke nur an den sog. Hufeisenplan, eine Erfindung der NATO-Strategen als es um den Jugoslawienkrieg 1999 ging, die Lügen der US-Regierung von Massenvernichtungswaffen im Irak, die angebliche Verwicklung der Taliban in die Geschehnisse um den 11. September 2001 usw. Ersatzweise und/oder zusätzlich wird dann Verstöße gegen die Menschenrechte als Kriegsgrund aufgeführt. Verbrechen dieser Art kommen tagtäglich in Ländern vor, die den USA hörig sind.

Worum es geht sind schlichtweg die neokolonialen Interessen Nordamerikas, Europas und der anderen imperialistischen Mächte Es geht um Bodenschätze, Absatzmärkte, Rohstoffe, kurz: es geht um Raub. 


[2] Arbeitspaier, hrg. Von der Konrad-Adenauer-Stuftung, Karl-Heinz Kamp: Vorbeugende Militäreinsätze (Preemptive Strikes), Eine neue sicherheitspolitische Realität? Sankt Augustin, Januar 2004

[3] ebenda

[4] Eine spannende Frage ist hier: Kann z.B. das österreichische Bundesheer einen Präventivkrieg gegen die Slowakei oder Polen gegen die Ukraine führen, denn dort gibt es „unsichere Kernkraftwerke in Grenznähe“?

[5] Durch die Abstimmungsverhältnisse im UN-Sicherheitsrat, der nachträglichen UN-Resolutionen und durch die Akzeptanz durch die Mehrheit der Staatengemeinschaft wird die Aktion heute weitgehend als legitim angesehen. Das Völkerrecht ist damit fortgebildet worden, obgleich der Tatbestand der "humanitären Intervention" in der UN-Charta nicht aufgeführt ist. (Originalanmerkung der Adenauer-Stiftung)

[6] Arbeitspaier, hrg. Von der Konrad-Adenauer-Stuftung, Karl-Heinz Kamp: Vorbeugende Militäreinsätze (Preemptive Strikes), Eine neue sicherheitspolitische Realität? Sankt Augustin, Januar 2004

[7] ebenda

[8] ebenda

[9] Karl.Heinz Kamp ist Koordinator Sicherheitspolitik der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sankt Augustin bei Bonn.

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Krieg ist Frieden

SANKT AUGUSTIN - Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung fordert in einer Denkschrift eine ,,Debatte über die völkerrechtliche Zulässigkeit von Präventivschlägen". Die Vorschläge laufen auf eine Generalvollmacht für ,,hegemoniale Staaten" zu Überfällen auf souveräne Völkerrechtssubjekte hinaus. Während sich die NATO auf ein Gipfeltreffen im Juni vorbereitet, von dem weit reichende Beschlüsse zur militärischen Kontrolle des Nahen und Mittleren Ostens erwartet werden, zieht die deutsche Denkschrift selbst ,,ökologisch verantwortungslose Staudammprojekte oder unsichere Kernkraftwerke in Grenznähe" als legitime Kriegsgründe in Betracht.

Autor der Denkschrift ist der Leiter der Abteilung Planung und Grundsatzfragen der Konrad-Adenauer-Stiftung, Karl-Heinz Kamp. Die als linksliberal geltende und der rot-grünen Bundesregierung verbundene Frankfurter Rundschau dokumentierte das Papier in voller Länge.
Das völkerrechtliche Verbot militärischer Interventionen durch die Charta der Vereinten Nationen mit dem Primat der staatlichen Souveränität sei schon seit Jahren aufgeweicht, argumentiert der deutsche ,,Sicherheitsexperte": ,,Bereits 1999 hat die Nato einen Angriffskrieg gegen das Regime von Slobodan Milosevic geführt, ohne dass ein Mandat des Sicherheitsrats vorlag und ohne dass eine unmittelbare militärische Bedrohung durch Serbien eine vorbeugende Selbstverteidigung gerechtfertigt hätte." Der Gedanke eines ,,Recht(s) auf vorbeugende Verteidigung" stoße auf immer breitere internationale Resonanz.1) Daher gehe es nun darum, das ,,Verständnis von 'Verteidigung' neu zu definieren", um bisher verbotene militärische Erstschläge zu rechtfertigen: ,,Während Präemption unter dem Aspekt der unmittelbaren Gefahrenabwehr durchaus legitim sein kann, ist ein Präventivkrieg, der vorbeugend die eigenen Interessen mit militärischen Mitteln durchsetzt, in der Regel nur schwer zu rechtfertigen."

Angriff ist Verteidigung...

Kamp fordert eine ,,Neuausrichtung des teilweise überkommenen Völkerrechtsverständnisses", die mit dem ,,Primat der staatlichen Souveränität" bricht und den ,,vorbeugenden Streitkräfteeinsatz" legitimiert. Die formale Auslegung des Völkerrechts, die jeden Staat vor externer Intervention schützt, müsse durch einen ,,Interpretations- und Abwägungsmechanismus" der unterschiedlichen völkerrechtlichen Grundwerte ersetzt werden. Werte wie die ,,Achtung elementarer Menschenrechte", das ,,Selbstbestimmungsrecht der Völker" und der ,,Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen" stünden dann in Konkurrenz zum Interventionsverbot und könnten es je nach ,,Ermessen und Beurteilen" aufheben. ,,(Z)wangsläufig", so Kamp, ,,werden dabei hegemoniale Staaten begünstigt, verfügen sie doch über das entsprechende politische, militärische und juristische Instrumentarium, um ihrer Interpretation Gehör zu verschaffen."
Die Grundlage der ,,Legitimität präemptiven Handelns" will der deutsche ,,Sicherheitsexperte" möglichst umfassend gestalten. Ein Präventivkrieg soll nicht nur durch ,,Gefahren durch Massenvernichtungswaffen" oder ,,humanitäre Erfordernisse" gerechtfertigt sein: ,,Denkbar wäre auch, dass der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen im Extremfall eine Intervention rechtfertigen könnte, etwa wenn sich eine vitale Bedrohung durch ökologisch verantwortungslose Staudammprojekte oder unsichere Kernkraftwerke in Grenznähe ergibt."

... mit allen Mitteln

Ist diese Generalermächtigung für ,,vorbeugende" Angriffskriege durchgesetzt, soll auch das gesamte militärische Arsenal zur Verfügung stehen. Das Spektrum möglicher ,,Optionen präemptiven Handelns" sei wesentlich breiter als der vorwiegend diskutierte ,,umfassende Militärschlag gegen einen Staat", so Kamps. Denkbar seien ebenso nicht-militärische oder ,,semimilitärische" Aktionen gegen Regierungen und nicht-staatliche Akteure. Diese könnten auf dem Boden von Staaten stattfinden oder etwa in internationalen Gewässern und die Unterbrechung von Informationsströmen, das Aufbringen von Schiffen, umfassende Blockaden oder Sabotageaktionen beinhalten. Sie könnten von regulären Streitkräften, von ,,Special Forces" oder von Geheimdiensten durchgeführt werden: ,,Selbst die nukleare Präemption ist eine zumindest theoretisch vorstellbare Option."

1) s. auch Aktionspläne und EU-Strategie: ,,Präventivkriege" weltweit

s. auch In Liebe - Krieg und Angriff und Verteidigung sowie Für den Frieden und Partner

Auszüge aus dem ,,Arbeitspapier Vorbeugende Militäreinsätze": ,,Vorbeugende" Angriffskriege

Quellen:
Vorbeugende Militäreinsätze (Preemptive Strikes). Arbeitspapier/Dokumentation Nr. 120/2004; www.kas.de
Die Bedrohung bekämpfen, bevor sie akut wird. Die internationale Politik muss eine Debatte über die völkerrechtliche Zulässigkeit von Präventivschlägen führen; Frankfurter Rundschau 04.02.2004

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