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Wer im
imperialistischen Krieg gegen unabhängige Nationen nicht Partei
ergreift, hat schon Partei ergriffen. Von der Äquidistanz zur
Verurteilung aufständischer Gewalt ist es nur mehr ein
Katzensprung. Und von da aus ist es auch nicht mehr weit zur offenen
Apologie imperialistischer Kriege und der daraus hervorgehenden
Nachkriegsordnung. Am Beispiel Jugoslawiens hat sich gezeigt, wie
schnell aus Pazifisten Bellizisten werden können – beherrscht von
der Idee des zivilgesellschaftlichen Interventionismus. |
Das Elend der Äquidistanz
(in gleichem Abstand, d.
Red.K-online)
Der schwarze Kanal
von
Werner Pirker
aus:
http://www.jungewelt.de/2004/01-03/023.php
Am Tag, als der Irak-Krieg
ausbrach, hatten viele der Friedensbewegten bereits kapituliert. Wie Schröder
und Fischer hofften sie, daß der Krieg, nachdem er schon nicht zu
verhindern gewesen war, nun möglichst schnell zu Ende gehen möge. Diese
Hoffnung beruhte auf der absoluten Überlegenheit der US-amerikanischen
Militärmacht. Damit begaben sich diejenigen, die bis zum Kriegsbeginn
gegen den illegalen Angriff aufgetreten waren, auf die Seite der
Aggressoren. Sie identifizierten sich auch mit deren Kriegsziel, dem Sturz
des Baath-Regimes. Das sei der angenehme Nebeneffekt dieses Krieges
gewesen, hieß es. In Wirklichkeit war dies der ganze Sinn und Zweck des
anglo-amerikanischen Überfalls auf den Irak: die Zerschlagung der
irakischen Staatsmacht und die Errichtung eines Protektorats: durch
direkte Militärpräsenz, die es früher oder später ermöglichen soll,
zur Methode des »indirect rule« in Gestalt eines Marionettenregimes überzugehen.
Wirklich Friedensbewegte sollten eine genau entgegengesetzte Haltung
einnehmen. Protest gegen einen Eroberungskrieg ergibt nur dann einen Sinn,
wenn er sich gegen die Kriegspartei richtet, die ihn führt. Das erzwingt
die Einsicht, daß die Nachkriegsordnung im Ergebnis eines
Aggressionskrieges ebenso illegal ist wie dieser selbst. Bewaffneter
Widerstand gegen ein Okkupationsregime, so bestimmt es wenigstens das Völkerrecht,
ist legal. Deutsche Pazifisten sind da anderer Meinung.
In einer Stellungnahme des
hessischen Landesverbandes der Deutschen Friedensgesellschaft –
Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) wird aus einem Kommentar in
junge Welt zitiert: »Eine konsequente Antikriegshaltung kann doch nur
bedeuten, sich im Kriegsfall an der Seite der Angegriffenen zu
positionieren«. Dagegen legen die Friedensfreunde energischen Widerspruch
ein. Pazifisten hätten gegen jede Kriegspartei zu sein. Dem
jW-Kommentator aber ginge es schlicht um die »Parteinahme für eine
Kriegspartei«. »Daß es dabei um die ›angegriffene Seite‹ gehen
soll, ist selbstverständlich heuchlerisch und vorgeschoben«. Nun: Die
Kriegsallianz hat den Irak tatsächlich angegriffen und nicht angeblich.
Und daß der Irak zu einer Kriegspartei geworden ist, ergab sich daraus,
daß er überfallen wurde. Daß er eine Kriegspartei wider Willen war, ist
aus der Sicht pazifistischer Äquidistanz keine Überlegung wert. Doch
selbst mit der Äquidistanz nehmen sie es nicht so genau. Gnadenlos wird
über die irakische Guerilla hergezogen. Den herrschenden Terror-Begriff
unreflektiert übernehmend, wird sie als grausam und menschenverachtend
beschrieben. Auf eine Verurteilung des selbst von den bürgerlichen Medien
mitunter erwähnten Terrors der US-Soldateska wartet man indes vergeblich.
Kein Wort auch über den feigen Bombenkrieg der USA, über die Tötung von
mindestens zehntausend Zivilisten, über die Zehntausenden irakischen, von
ihrer Generalität verratenen Soldaten, die von der US-Airforce auf
offenem Feld niedergemetzelt wurden. Denn auf diese Weise konnte der Krieg
– mit einem Minimum an amerikanischen Opfern – rasch beendet werden.
Was aber diese »Friedensaktivisten« – im Einklang mit den Kriegsherren
in Washington – so nervt, ist die Tatsache, daß dieser Krieg eben noch
nicht zu Ende ist und dabei die unterlegene Seite die strategische
Initiative übernommen hat.
Die UN-Charta, deren Artikel
51 bei Angriffen auf ein Land das Recht auf individuelle oder kollektive
Selbstverteidigung fixiert, wird in der Stellungnahme der DFG-VK Hessen
zur »10 Euro für den Widerstand«-Kampagne ablehnend kommentiert: »Aus
pazifistischer Sicht ist anzumerken, daß das Völkerrecht von Staaten
gemacht wurde, die Kriege führen wollen«. Das genau aber bringt dieser
Artikel nicht zum Ausdruck, sondern das Recht von Bevölkerungen, sich
gegen Staaten, die »Kriege führen wollen« und das auch tun, zur Wehr zu
setzen. Ihnen das abzusprechen und den Partisanenkrieg zu delegitimieren,
bedeutet in der Konsequenz die nachträgliche Rechtfertigung von
Raubkriegen. Hätten Pazifisten während des Zweiten Weltkrieges eine
solche Haltung eingenommen, wären sie als Nazikollaborateure zu behandeln
gewesen. Deutsche Kriegsdienstverweigerer haben aber genau entgegengesetzt
gehandelt.
Wer im imperialistischen
Krieg gegen unabhängige Nationen nicht Partei ergreift, hat schon Partei
ergriffen. Von der Äquidistanz zur Verurteilung aufständischer Gewalt
ist es nur mehr ein Katzensprung. Und von da aus ist es auch nicht mehr
weit zur offenen Apologie imperialistischer Kriege und der daraus
hervorgehenden Nachkriegsordnung. Am Beispiel Jugoslawiens hat sich
gezeigt, wie schnell aus Pazifisten Bellizisten werden können –
beherrscht von der Idee des zivilgesellschaftlichen Interventionismus. |