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„Ich
bin ein Kandidat, der nicht zur alten Nomenklatura gehört“
Quelle:
Antifa-AG
der Uni Hannover
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Palästina
der Zukunft:
„Das
ist ein laizistischer Staat, mit einer fortschrittlichen
sozialen Gesetzgebung, in dem die Trennung von Politik und
Religion klar und deutlich ist. Damit wir uns richtig verstehen:
Ich will nicht, dass der palästinensische Staat auf einem
theokratischen Regime beruht.“
(Taysir
Khaled Präsidentschaftskandidat der DFLP) |
„Ich
bin ein Kandidat, der nicht zur alten Nomenklatura gehört“
„In
der palästinensischen Gesellschaft gibt es laizistische und
fortschrittliche Kräfte, die sich weder durch die alten Apparate der
Fatah noch durch den Integralismus der Hamas und des Islamischen Jihad
vertreten fühlen. Meine Kandidatur beantwortet ein Bedürfnis nach
Identität und Vertretung, das nicht verloren gehen darf.“ Der das
sagt, ist Taysir Khaled (63 Jahre), Mitglied der Exekutive der PLO und
historisches Führungsmitglied der Demokratischen Front für die
Befreiung Palästinas (DFLP), einer der 7 Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen
am kommenden Sonntag. 2003 war er mehrere Monate in Israel inhaftiert.
„Ich respektiere Abu Mazen“ – unterstreicht Khaled – „aber ich
fürchte, dass er ein Gefangener der alten Nomenklatura sowie einem –
gegensätzlichen – internen und internationalen Druck ausgesetzt
bleibt, der Gefahr läuft, seine wahrscheinliche Präsidentschaft zu lähmen.“
Wie
fühlt man sich als Kandidat, der nur „Flagge“ zeigen soll ?
„Danke
gut. Weil diese Flagge die des ruhmreichen palästinensischen
Widerstandes ist, die niemals in den Dienst dieses oder jenes arabischen
Rais <arabisch:
Vorsitzender / Präsident> gestellt wurde noch meint, dass sie
durch Israel oder die Amerikaner legitimiert werden müsse.“
Abu
Mazen hat mehrmals von der Notwendigkeit gesprochen, die Intifada zu
entmilitarisieren. Wie ist Ihre Meinung dazu ?
„Man
muss zwischen terroristischer Praxis unterscheiden, die Zivilisten
einbezieht (und das betrifft die Selbstmordanschläge wie auch den
israelischen Staatsterrorismus) und dem bewaffneten Widerstand gegen die
Besatzungskräfte. Der Terrorismus gegen die Zivilisten muss verurteilt
werden, aber der bewaffnete Widerstand ist ein Recht, das auch von der
Genfer Konvention bestätigt wird. Heute darauf zu verzichten, wäre ein
sehr schwerwiegendes Nachgeben ohne irgendeine bedeutende
Gegenleistung.“
Erscheint
Ihnen der von Ariel Sharon vorbereitete Plan eines Rückzuges aus Gaza
nicht als eine bedeutende Gegenleistung ?
„Machen
wir keine Scherze! Dieser Rückzug ist nur eine Art, um der
internationalen Gemeinschaft Sand in die Augen zu streuen. Gaza wird
unter totaler israelischer Kontrolle bleiben. Das wird für die Grenzen,
den Luftraum, das Meer und die Wasservorkommen gelten. Gaza wird ein
riesiges, von der Außenwelt abgeschnittenes Open-Air-Gefängnis
bleiben. Und das halten Sie für eine bedeutende Öffnung ? Sharon macht
viel Lärm um die Evakuierung von 8.000 Siedlern, während in
Cisjordanien seine Besiedlungspolitik und der Bau des Apartheidwalls mit
Unterstützung der USA weitergeht.“
Die
Vereinigten Staaten setzen sehr stark auf Abu Mazen, in der Hoffnung,
dass er von der Linie abrücken kann, die Yasser Arafat verfolgt hat.
„Um
die Wahrheit zu sagen, schwört Abu Mazen auf jeder seiner Kundgebungen
und in jeder seiner Erklärungen, Arafats Lehre treu bleiben zu wollen.
Ich wünsche mir, dass das nicht nur Wahltaktik ist. Weil, wenn es so wäre,
dieses Spielchen sofort auffliegen und Abu Mazens Präsidentschaft auf
die schlechteste aller Arten beginnen würde und er kein leichtes Leben
hätte.“
Wie
sieht für Taysir Khaled der gerechte Frieden aus ?
„Das
ist der Frieden, der auf die vollständige Umsetzung der Resolutionen
242 und 338 der Vereinten Nationen setzt. Das ist der Frieden, der das Rückkehrrecht
der Flüchtlinge anerkennt. Das ist der Frieden, der es den Palästinensern
erlaubt als freie Frauen und Männer in einem unabhängigen Staat mit
Ost-Jerusalem als Hauptstadt zu leben. Für diesen Frieden, der auf der
Gerechtigkeit und dem internationalen Recht basiert, werde ich weiterhin
kämpfen – bis zum Sieg.“
Und
wie sieht für Tysir Khaled der ideale palästinensische Staat aus ?
„Das
ist ein laizistischer Staat, mit einer fortschrittlichen sozialen
Gesetzgebung, in dem die Trennung von Politik und Religion klar und
deutlich ist. Damit wir uns richtig verstehen: Ich will nicht, dass der
palästinensische Staat auf einem theokratischen Regime beruht.“
Deshalb
lehnen Sie jede Beziehung zur Hamas ab ?
„Zusammen
mit der Hamas befinden wir uns in den Volkskomitees der Intifada. Wir
sind Teil desselben Widerstandes gegen die zionistische Besatzung, aber
in Bezug auf die Politik, den Staat, die individuellen und kollektiven
Rechte, die Rolle der Frau in der Gesellschaft und in der Politik sind
unsere Positionen einander diametral entgegengesetzt.“
Welche
interne Plage würden Sie sofort beseitigen ?
„Das
ist die Plage der Korruption. Ein Übel, das sich auf allen Ebenen der
öffentlichen Verwaltung Palästinas einnistet. Dazu hätte ich von Abu
Mazen klare Worte und präzise Verpflichtungen hören wollen. Dem war
nicht so und das beunruhigt mich etwas.“
Vorbemerkung
und Übersetzung: Antifa-AG
der Uni Hannover |