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Terrorismus-Doppelmoral, am Beispiel einer Mossad-CIA-Geschichte

von Yossi Gurvitz

Quelle: tlaxcala vom 25.1.2012

Übersetzt von Ellen Rohlfs

Der Artikel in Foreign Policy über die False-Flag-Aktivitäten erinnert uns daran, dass Israel seit sehr langer Zeit Terroristen unterstützt.

Auf Kommunisten-online vom 8. Februar 2012 – Marc Perrys Artikel in Foreign Policy, der sich damit befasst, wie Mossad-Agenten Terroristen in Pakistan rekrutierten – Mitglieder der Jundullah-Organisation –, um Angriffe im Iran auszuführen, hat große Aufmerksamkeit erlangt. An die amerikanische Öffentlichkeit gerichtet, ist die Geschichte nicht so eingerahmt: sie konzentriert sich auf die Tatsache, dass israelische Agenten ihr Bestes taten, um die USA in ihre Handlungen einzubeziehen. Aber wenn man einen weiteren Horizont hat als die der Beltway-Bevölkerung, sollte diese Geschichte einige unangenehme Fragen über Israels Doppelmoral zum Terrorismus stellen. Es sollte bemerkt werden, dass Israels Regierungsvertreter inoffiziell die Geschichte geleugnet haben und zwar in einer wenig überzeugenden Weise.

Warum kommt die Geschichte der Jundullah-Operationen, die nach Perry zwischen 2007 und 2009 durchgeführt wurden und ihren Höhepunkt während der späten Bushjahre erreichten, erst jetzt heraus? Ich denke, die beste Antwort ist die, dass es ein Signal der Regierung Obama ist, mit der Terrorkampagne im Iran aufzuhören. Noch ein iranischer Wissenschaftler wurde in dieser Woche ermordet, zusammen mit einigen Familienmitgliedern – zum Entzücken der israelischen Medien. Der IDF-Stabschef machte seine Witze über „unnatürliche Ereignisse“ im Iran, und die Medien haben sich gierig darauf gestürzt.

Die Jundullah-Operationen waren die Domäne von Meir Dagan, dem früheren Mossadchef. Dagan, der diese Position acht Jahre hielt (nur ein anderer, Isser Harel, hielt den Job länger – in der totalitären Zeit Ben Gurions) und der Liebling der Tauben wurde, die gegen einen Krieg mit dem Iran sind, da er ein lautstarker Gegner eines solchen Krieges wäre. Aber Meir Dagan ist keine Taube: er ist Israels Hoher Scharfrichter. Ariel Sharon, der ihn ernannte, sagte, seine Spezialität wäre „den arabischen Kopf von seinem Körper zu trennen“. Er war der Kommandeur der verschwiegenen Rimon-Einheit, die in den frühen 70er Jahren im Gazastreifen aktiv war und deren Taktiken die Ermordung von palästinensischen Aktivisten gehörte. Dagan, der es zum Generalmajor in der IDF gebracht hatte, unterstand in jener Zeit dem Befehl von Sharon, der der Kommandeur des Kommando Süd war.

Diese neue Information setzt Dagans Behauptung, ein offener Krieg sei mit dem Iran nicht ratsam, in ein neues Licht. Dagan redete nicht vom Ende von Feindseligkeiten mit dem Iran, sondern eher von einer Fortsetzung eines stillen Krieges mit dem Iran, anstelle eines öffentlichen. 

links:
Meir Dagan
links: Jundullah-Logo

Der Iran und Israel sind jetzt seit Jahrzehnten in ein Schattenboxen verwickelt. Der Shin Bet und iranische Agenten fochten es im Libanon aus, wo sowohl Israel als auch der Iran verbündete Milizgruppen unterhielten. Der iranische Nachrichtendienst war stark beteiligt an den Angriffen in den 90er-Jahren auf Israels Botschaft in Argentinien und auf das jüdische Zentrum dort. Es dauerte ein Jahrzehnt, bis die israelische Öffentlichkeit langsam und undeutlich die Gründe für den Angriff auf die Botschaft erfuhr. Vier iranische Diplomaten waren im Libanon während der israelischen Invasion 1982 ermordet worden, und die Iraner forderte Informationen über sie. Die israelische Regierung sagte der israelischen Öffentlichkeit nichts davon, bis zu dem Deal mit Hisbollah – ich denke, es war der Tannenbaum-Deal – als Israel offiziell auf die iranischen Fragen antwortete: es behauptete, die vier Diplomaten wären gefangen genommen und von den Falangisten exekutiert worden. Wie praktisch!

Ähnlich waren die Nachrichten über einen Versuch der Hisbollah, die israelische Botschaft in Bangkok in die Luft zu jagen. Dies sollte im selben Licht gesehen werden. Eine iranische Rache nach noch einem israelischen Angriff auf sein Territorium.

Dagans Schattenkrieg mit dem Iran setzte eine lange Tradition der israelischen Nachrichtendienste fort, terroristische Angriffe in fremden Ländern durchzuführen. Die berühmtesten kamen nach dem Mord in München 1972, als die Mossadmörder durch Europa und im Libanon herumzogen und sich nach palästinensischen Terroristen umschauten. Aber es fing viel früher an.

Eines der am längsten währenden Dramen in Israels Geschichte war der „esek bish“, der eine Folge einer vermasselten Terrorkampagne von Israels militärischem Geheimdienst 1954 in Ägypten war. Den Terroristen wurde befohlen, amerikanische und britische Ziele anzugreifen, um, äh, die nicht existierende amerikanische und britische Unterstützung für das Nasser-Regime zu untergraben. Die Terroristen wurden gefangen, einige wurden hingerichtet, und das verlängerte politische Chaos diente am Ende als Vorwand, um Ben Gurion schließlich seines Amtes zu entheben.

Die Angriffe in Ägypten waren ein Teil einer umfassenden Strategie, synchronisierte die Minderheiten-Strategie oder die Peripherie-Strategie in den 50ern: Israel sollte Minderheiten in arabischen Ländern unterstützen und sie ermutigen, sich gegen ihre zentrale Regierung zu erheben. Israelische Agenten waren in der arabischen Welt und Afrika sehr aktiv und weckten Unzufriedenheit. Es gibt einen Grund zu glauben, dass Israels Agenten hinter Idi Amins Staatsstreich in Uganda steckten, so konnte es seine Linie bei den Rebellen im Südsudan halten. Es unterstützte lange Zeit die Kurden im Irak – dann, auf Befehl von Kissinger, überließ es sie ihrem Schicksal. Viele von Israel unterstützte Gruppen engagierten sich in dem, was als Terrorismus beschreiben wird. Dies störte den Mossad oder Israels Führung nicht allzusehr.

All dies sollte im Gedächtnis behalten werden, wenn Israel das nächste Mal den Terrorismus anklagt.

Danke Tlaxcala
Quelle: http://972mag.com/israels-double-standard-on-terrorism-framing-mossad-cia-story/32996/
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 14/01/2012
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=6689


Schlagworte: Meir Dagan | Mossad | CIA | Terrorismus | Jundullah  

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Die New York Times und die Kriegsvorbereitungen gegen den Iran

Quelle: Kominform vom 04.02.2012

Die New York Times veröffentlichte am Sonntag in ihrem Wochenmagazin einen längeren Artikel, der die Argumente führender israelischer Politiker zugunsten eines militärischen Angriffs auf den Iran im Laufe des Jahres wohlwollend und klinisch rein darlegt.

Von Barry Grey

Auf Kommunisten-online am 6. Februar 2012 – Der Artikel des prominenten israelischen Journalisten Ronen Bergman, dessen Spezialgebiet Geheimdienstangelegenheiten sind, stützt sich auf Interviews mit hohen aktuellen und früheren israelischen Offiziellen wie Verteidigungsminister Ehud Barak, Vizepremier Ya’alon und Ex-Mossad-Chef Meir Dagan. Bergman geht auf die umfangreichen militärischen Vorbereitungen Israels für einen Angriff auf iranische Atomanlagen ein. Er behandelt den verdeckten Krieg, den Israel mit amerikanischer Unterstützung führt. Dieser umfasst tödliche Explosionen in Militär- und Nuklearanlagen, Cyberangriffe und die Ermordung von fünf iranischen Atomwissenschaftlern seit 2007. Der letzte Mord fand am 11. Januar im Zentrum von Teheran statt.

Der Autor schließt den Artikel mit den Worten. „Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass Israel noch 2012 gegen den Iran losschlagen wird.“

Der Artikel erscheint im Kontext der jüngsten Ankündigung amerikanischer und europäischer Sanktionen gegen iranische Ölexporte. Gleichzeitig wird im Persischen Golf die amerikanische Marinepräsenz aufgebaut. Der Artikel dient so einem klaren und bedrohlichen Zweck: Er soll den Vorwand für einen präventiven und unprovozierten Aggressionskrieg liefern und die öffentliche Meinung darauf einstimmen. Ein solcher Krieg hätte katastrophale Folgen für die Bevölkerung des Iran, des Nahen Ostens und letztlich der ganzen Welt.

Der Artikel erschien nur Tage nach der kriegerischen Rede Präsident Obamas zur Lage der Nation. Obama prahlte darin, den Iran zu isolieren und wirtschaftlich zu schwächen. Er werde „keine Option vom Tisch nehmen“, um den Iran an der Beschaffung von Atomwaffen zu hindern. Am gleichen Tag, an dem der Artikel veröffentlicht wurde, behauptete Verteidigungsminister Leon Panetta auf CBS in der Sendung „60 Minutes“ freiweg, der Iran werde innerhalb eines Jahres eine Atomwaffe besitzen.

Der Times-Artikel gab die Argumente von Unterstützern und Gegnern eines baldigen Angriffs auf den Iran im israelischen Establishment wieder, gab den Befürwortern allerdings größeren Raum. Er akzeptiert unkritisch die gemeinsame Prämisse, von der Israel, die USA und die europäischen Mächte ausgehen, nämlich dass der Iran den Bau von Atomwaffen anstrebe und daran gehindert werden müsse, dieses Ziel zu erreichen, wenn notwendig auch mit militärischen Mitteln. Er zitiert den israelischen Vizepremier und Minister für strategische Angelegenheiten Moshe Ya’alon, mit den Worten: „Es ist unsre Politik, das Nuklearprogramm des Iran auf die eine oder andere Weise zu stoppen.“

Diese Formulierung der israelischen Politik unterstreicht den völlig kriminellen Charakter des Kriegs gegen den Iran, der hier vorbereitet wird. Israel hat den Atomsperrvertrag nicht unterzeichnet und sitzt auf einer großen Zahl illegaler Atomwaffen. Es nimmt das Recht für sich in Anspruch, das Atomprogramm des Iran zu zerstören, der den Vertrag unterzeichnet hat. Der Iran betont auch, dass sein Nuklearprogramm rein zivilen Zwecken diene und deswegen nach internationalem Recht zulässig sei. Trotz aller Bemühungen der USA, Israels und ihrer imperialistischen Verbündeten konnte die Internationale Atomenergiebehörde IAEA keinen Beweis erbringen, dass der Iran tatsächlich an der Entwicklung von Atomwaffen arbeite.

Iranische Atomwaffen als Casus belli sind genauso wenig glaubwürdig wie damals die Massenvernichtungswaffen, die zusammen mit dem Kreuzzug gegen al-Qaida zur Rechtfertigung der imperialistischen Kriege und Besetzungen gegen den Irak und Afghanistan durch die USA herhalten mussten. Genau so wenig glaubwürdig ist die Behauptung, der „Schutz von Zivilisten“ sei notwendig, die als Rechtfertigung für Kolonialkrieg und einen Regimewechsel in Libyen herhalten musste.

Die wirklichen Kriegsziele der USA und Israels im Iran haben mit Israels Kampf um die Aufrechterhaltung seiner militärischen Überlegenheit im Nahen Osten und mit Washingtons Bestreben zu tun, die Ölvorräte der Welt zu monopolisieren und die wirtschaftliche und geopolitische Position seiner großen Rivalen zu schwächen. Besonders China schält sich immer deutlicher als Ziel einer künftigen Militäraggression heraus.

Der Artikel in der Times zeigt, wie sehr diese Zeitung, wie die gesamten amerikanischen Medien und das politische Establishment überhaupt, eine Außenpolitik unterstützen, die offen kriminelle Züge trägt: Sie beinhaltet Aggressionskriege, Folter, Mordanschläge, Entführungen, und das Verschwindenlassen von Menschen.

Das Ziel der angesehenen Zeitung ist es, einen Krieg schönzureden und zu rechtfertigen, der in einem Land mit 74 Millionen Einwohnern Hunderttausende Menschenleben kosten könnte. Mit einem solchen Krieg würde nicht nur ein Gegenschlag des Iran gegen Israel provoziert sondern auch gegen amerikanische Ziele im In- und Ausland. Syrien, der Libanon, Ägypten, die Golfstaaten, Russland und China würden mit hineingezogen. Dies zeigt in aller Deutlichkeit die innere Fäulnis der amerikanischen Demokratie und das praktisch völlige Fehlen von demokratischem Bewusstsein in der herrschenden Elite Amerikas.

Man kann sich ähnliche Artikel vorstellen, die in Deutschland zurzeit vor dem Nazi-Einmarsch in Polen erschienen wären: Sie hätten einen Fall von Selbstverteidigung kaltblütig konstruiert, der dem Dritten Reich angeblich keine Wahl gelassen hätte, als den Nachbarn im Osten zu unterwerfen.

Die fehlende Unterstützung in der amerikanischen herrschenden Klasse für die Verteidigung demokratischer Prinzipien im In- und Ausland ist Ausdruck der Krise des amerikanischen Kapitalismus, die sich in erster Linie in dem enormen Anwachsen von sozialer Ungleichheit und der Zunahme von Klassenspannungen äußert.

Der Militarismus des amerikanischen Imperialismus geht Hand in Hand mit der Zerstörung demokratischer Rechte und der Verarmung der Arbeiterklasse in den USA einher. Die einzige gesellschaftliche Kraft, die dieses Abgleiten in Diktatur und Weltkrieg verhindern kann, ist die amerikanische und internationale Arbeiterklasse.

Quelle: wsws.org

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