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Eine
dramatische Eskalation im israelisch-palästinensischen Konflikt liegt
in der Luft. Dies wird durch den nicht überraschenden Rücktritt
Abu-Mazens und den Versuch Israels, Scheikh Ahmad Yassin zu töten,
deutlich.
Am
2. September erklärte der Außenminister Silvan Shalom, dass die
israelischen politischen und militärischen Instanzen sich einig darin
seien, Yasser Arafat zu vertreiben (Quelle: Israelisches Militär-Radio
GALATZ).
Am
gleichen Tag äußerte sich ein bedeutender israelischer General, die
jetzige Woche sei kritisch, denn am WOCHENENDE werde der Entscheid gefällt,
ob und wann Israel in die Offensive gehen werde (Quelle: der
Internet-Nachrichtenservice Walla der Ha'aretz Gruppe).
Gestern
meldete das israelische Erste Fernsehen, dass Gespräche zwischen
Scharons Regierung und der Bush-Administration stattfänden, um die
Vertreibung Arafats zu koordinieren. Denn Israel braucht dafür grünes
Licht aus Washington.
Auf
diesem Hintergrund muss auch der jüngste Besuch des israelischen Außenministers
in Marokko verstanden werden.
Es
ist klar, dass die Deportation Arafats, die jetzt nur noch eine Frage
der Zeit ist, eine heftige palästinensische Reaktion auslösen wird,
die der israelischen Armee wiederum die notwendige Ausrede liefern wird,
die längst ersehnte nächste oder gar übernächste Stufe der
ethnischen Säuberung an den PalästinenserInnen zu begehen.
Von
Anfang an war klar, dass die sogenannte 'Road Map' zum Scheitern
verurteilt ist, denn die Israelis verlangten von Mahmud Abbas das Unmögliche,
nämlich, dass er den palästinensischen Widerstand entwaffnen und
unterdrücken müsse. Ihrerseits aber waren sie nicht bereit für echte
Konzessionen. Ihre Strategie war es lediglich, die palästinensische Führung
schlecht aussehen zu lassen und sie für den Misserfolg verantwortlich
zu machen.
Im
Grunde genommen wurde die sogenannte Zwei-Staaten-Lösung seit Anfang
dieser Intifada vor bald drei Jahren endgültig begraben, und es gibt für
die Zukunft nur die folgenden Haupt-Szenarien:
1.
1. Das ganze Land
westlich des Jordans wird unter direkter israelischer Herrschaft stehen
(mit oder ohne palästinensische Bevölkerung).
2.
2. Kleine palästinensische
Enklaven (Bantustan), die nach israelischen Direktiven von palästinensischen
Marionetten kontrolliert werden.
3.
Ein gemeinsamer jüdisch-arabischer säkularer und demokratischer
Staat im ganzen Gebiet westlich des Jordans
Die
zwei ersten Perspektiven haben zwar die größere Wahrscheinlichkeit,
beinhalten jedoch Sprengstoff, welcher die ganze Region wenn nicht die
ganze Welt gefährden könnte.
Das
dritte Szenario ist weniger utopisch, als es auf den ersten Blick
aussieht. Es sind nicht nur die südafrikanischen Erfahrungen, die
gezeigt haben, dass dieser Weg, trotz schwerwiegender Probleme, gangbar
ist. Tatsache ist, dass die jüdischen und palästinensischen Menschen
wie untrennbare siamesische Zwillinge verdammt sind, zusammen zu leben
oder zusammen zu sterben. Nur die Überwindung des jeweiligen
Nationalismus und Rassismus bietet Hoffnung auf eine friedliche Zukunft. |