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Ewigkeitsanspruch
EU
vor Israel eingeknickt
Von
Werner Pirker
jungeWelt
vom 09.12.2009 – Das zionistische Dogma von Jerusalem als der
ungeteilten ewigen Hauptstadt Israels steht in einem Widerspruch zu
allen Palästina betreffenden Resolutionen des UN-Sicherheitsrates. So
sieht zum Beispiel die Resolution 242 vom Juni 1967 den Rückzug Israels
aus allen im Verlauf des Sechstagekrieges besetzten Gebieten vor. Dazu
gehört neben dem Westjordanland und dem Gazastreifen auch Ostjerusalem.
Aus diesen Gebieten soll sich der künftige Palästinenserstaat
zusammensetzen, hieß es im ursprünglichen Entwurf einer Nahost-Erklärung
der EU-Außenminister. Als palästinensische Hauptstadt wird
Ostjerusalem genannt. Noch bevor das Dokument zur Erörterung
unterbreitet werden konnte, war es von den Israelis bereits heftig
kritisiert worden. Das zeigte durchaus Wirkung. Die von Berlin angeführte
Gruppe der besonders treuen Israel-Freunde wollten das Eindeutige
weniger eindeutig formuliert wissen, was letztlich auf eine Tolerierung
der israelischen Besatzungspolitik hinausläuft.
Als eindeutig bezeichnete es der luxemburgische Außenminister
Asselborn, daß Ostjerusalem wie alle anderen 1967 von Israel besetzten
palästinensischen Territorien zu Palästina gehöre. In dem vom
schwedischen Ratsvorsitz vorgelegten Text hieß es deshalb, daß die EU
keine Änderungen der Grenzen aus der Zeit vor 1967 anerkennen werde,
womit auch die israelische Besatzung des Ostteils Jerusalems als
unrechtmäßig verworfen wird. Folgerichtig sieht der schwedische
Entwurf Ostjerusalem als Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates
vor. Nun aber hat man sich auf eine Erklärung über Jerusalem als »künftige
Hauptstadt zweier Staaten« geeinigt. Diese Formel enthält anders als
die Ernennung des östlichen Jerusalems zur Hauptstadt Palästinas keine
Absage an den israelischen Anspruch auf Jerusalem als ewig ungeteilte
Hauptstadt, was auf eine nackte Annexion hinausläuft.
Die Nachgiebigkeit der EU gegenüber israelischen Ewigkeitsansprüchen
macht es der Regierung Netanjahu um so leichter, in Ostjerusalem Fakten
zu schaffen, die alle Voraussetzungen für die Gründung eines Palästinenserstaates
in den Grenzen der 1967 von Israel besetzten palästinensischen Gebiete
nachhaltig zerstören. Nachdem US-Präsident Obama seine anfänglichen
Versuche, Israel wenigstens zu einigen Gesten guten Willens zu bewegen,
sehr schnell aufgegeben hat, weil sich offenbar die zionistische
Lobbyorganisation AIPAC (American Israel Public Affairs Committee) als
noch einflußreicher denn erwartet herausgestellt hatte, zeigen auch die
Europäer wenig Bereitschaft, dem dynamischen Duo Netanjahu/Lieberman
Paroli zu bieten. Das liegt vor allem an Deutschlands fataler Obsession,
die Unterstützung der israelische Gewaltpolitik als Akt der Schuldbewältigung
zu zelebrieren. Inzwischen müßte aber auch der dümmste Deutsche
mitbekommen haben, daß ein Nahostkonflikt ohne Ende nur Verlierer haben
kann. |