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„Dann schlossen sie die Drähte an meine Finger an, befahlen mir, meine Hände seitwärts auszustrecken und schalteten den elektrischen Strom an. Als der elektrische Strom durch meine Körper floß, hatte ich das Gefühl, als träten meine Augen aus ihren Höhlen und sprühten Funken. Meine Zähne fingen an, heftig zu klappern, und auch die Knie zitterten heftig. Mein ganzer Körper zuckte.“

USA-Kriegsverbrechen im Irak:

USA in Folterkooperation mit Israel

Gefoltert in Abu Ghraib:

Zeugenaussage unter Eid von Ali Shalal

Ali Shalal, Februar 2007

Übersetzt von Hergen Matussik, überprüft von Eva-Luise Hirschmugl

Quelle: tlaxcala.es

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links:

Michel Chossudowski und Ali Shalal in Kuala Lumpur, 7. Februar 2007 

 

 

Eidesstattliche Erklärung

Ich, Ali Sh. Abbas (alias Ali Shalal), volljährig und irakischer Bürger erkläre hiermit feierlich und aufrichtig folgendes:

1. Ich bin 45 Jahre alt.

2. Ich lebe jetzt in Amman, Jordanien.

3. Ich war Lehrer für islamische Religion in der Stadt Al-Alamiya im Irak.

4. Die Absicht dieser eidesstattlichen Erklärung ist, die Öffentlichkeit über die Folter, der ich im Gefängnis von Abu Ghraib ausgesetzt war, zu informieren und sie somit aktenkundig zu machen.

5. Am 13. Oktober 2003 wurde ich von amerikanischen Soldaten festgenommen, als ich mich auf dem Weg in die Moschee von Al-Amraya befand. Sie fesselten meine Hände auf den Rücken und zogen mir einen Sack über den Kopf. Sie brachten mich in ein kleines Gefängnis in einem US-Militärlager in Al-Amraya.

6. Der Befehlshaber dieses Militärlagers, ein gewisser Captain Philips, sagte mir, daß er Befehl von seinem Vorgesetzten erhalten habe, ihn (mich) zu verhaften, und daß er die Gründe dafür nicht kenne. Man ließ mich im Gefängnis allein.

7. Nach zwei Tagen wurde ich ins Gefängnis von Abu Ghraib überführt. Als erstes untersuchten sie dort meinen Körper und mißhandelten mich. Zusammen mit anderen Gefangenen ließ man uns auf dem Boden sitzen und zog uns dann in den Verhörraum. Dieser so genannte Raum ist in Wahrheit eine Toilette (ca. 2m x 2m groß), der Boden war knöchelhoch mit Wasser und menschlichen Exkrementen überschwemmt. Man forderte mich auf, in dem dreckigen Wasser zu sitzen, während der amerikanische Vernehmungsbeamte mit dem Übersetzer vor der Tür stand.

8. Nach dem Verhör wurde ich aus der Toilette geholt und, bevor der nächste Gefangene hereingebracht wurde, urinierten die Wärter in das dreckige Wasser vor den Augen der anderen Gefangenen.

9. Die erste Frage, die sie mir stellten, war: „Bist Du Sunni oder Schiia?“ Ich antwortete, dies sei das erste Mal in meinem Leben, daß mir diese Frage gestellt wurde. Ich war über die Frage erstaunt, da es im Irak keine solche Unterscheidung oder einen solchen Unterschied gibt. Der amerikanische Verhörbeamte sagte mir, ich müsse direkt auf die Fragen antworten und nicht an der Frage vorbei antworten. Dann sagte er, es gebe im Irak Sunniten, Schiiten und Kurden.

10. Die Vernehmungsbeamten trugen Zivilkleidung und der Übersetzer, ein Afroamerikaner, trug eine Uniform der amerikanischen Armee.

11. Als ich antwortete, ich sei ein irakischer Muslim, wies der Vernehmungsbeamte dies zurück und warf mir die folgenden Vergehen vor:

a) Ich sei Anti-Zionist und Antisemit.

b) Ich unterstütze den Widerstand.

c) Ich stachele die Leute gegen die Besatzung auf.

d) Ich würde den Aufenthaltsort von Osama Bin Laden kennen.

Ich protestierte und sagte, daß Muslime und Juden von derselben historischen Familie abstammten. Ich sagte, ich könne nicht im Widerstand sein, da ich behindert bin und eine verletzte Hand habe.

12. Der Vernehmungsbeamte beschuldigte mich, ich hätte mir die Hand bei einem Angriff auf amerikanische Soldaten verletzt.

13. Der Vernehmungsbeamte teilte mir mit, sie wären darüber informiert worden, daß ich eine wichtige gesellschaftliche Stellung hätte und ihnen darum hilfreich sein könne. Als Anreiz für meine Zusammenarbeit bot mir der Verhörende medizinische Versorgung für meine Hand an.

14. Als ich nicht kooperierte, fragte mich der Verhörende, ob ich die amerikanische Armee als „Befreier“ oder als „Besatzer“ betrachte. Als ich antwortete sie seien Besatzer, verlor er die Beherrschung und drohte mir. Er sagte mir, ich werde nach Guantanamo Bay geschickt, wo noch nicht einmal Tiere überleben könnten.

15. Sie brachten mich in einen anderen Raum und nahmen meinen Daumenabdruck, machten ein Foto von meinem Auge und entnahmen eine Speichelprobe für die DNA-Analyse. Nach dieser Prozedur befestigten sie ein Band mit einem Etikett an meinem Handgelenk, auf dem folgende Informationen standen: mein Name, meine Religionszugehörigkeit und ob ich vorher schon einmal verhaftet worden war.

16. Dann schlugen sie mich mehrfach und steckten mich in einen Lastwagen, um mich in einen anderen Trakt von Abu Ghraib zu überführen.

17. Dieser Teil des Gefängnisses befand sich unter offenem Himmel, bestand aus fünf Sektoren, die von Mauern und Stacheldraht umgeben waren und wurde „Fidschi-Land“ genannt. Jeder Sektor war mit Stacheldraht abgegrenzt und in jedem Sektor befanden sich jeweils fünf Zelte. Als ich aus dem Lastwagen geholt wurde, malten mir die Soldaten mit roter Farbe die Worte „Big Fish“ auf die Stirn. Alle Gefangenen in diesem Lager werden für „große Fische“ gehalten. Ich wurde in Lager B untergebracht.

18. Die Lebensbedingungen im Lager waren sehr schlecht. In jedem Zelt befanden sich 45 bis 50 Gefangene, und der Platz für jeden Gefangenen betrug lediglich 30 mal 30 Zentimeter. Wir mußten zwei bis drei Stunden warten, nur um auf die Toilette gehen zu dürfen. Es gab nur sehr wenig Wasser. Jedem Zelt waren nur 60 Liter Wasser täglich zugeteilt, die sich die Gefangenen teilen mußten. Dieses Wasser war zum Trinken und zum Waschen der Wunden nach den Foltersitzungen. Sie ließen uns auch lange Stunden stehen.

19. Manchmal wurde uns zur Strafe kein Essen gegeben. Wenn Essen ausgegeben wurde, war das Frühstück um 5:00 Uhr, Mittagessen um 8:00 Uhr und Abendessen um 13:00 Uhr. Während des Ramadan brachten sie das Essen zweimal täglich, das erste Mal um Mitternacht, das zweite Mal während der Zeit des Fastens, um die Gefangenen dazu zu bringen, ihre religiöse Pflicht des Fastens zu verletzen.

20. Während meiner Gefangenschaft im Lager wurde ich zweimal verhört und gefoltert. Jedesmal drohte man mir, daß ich ins Gefängnis von Guantanamo Bay geschickt werde. Ich hörte von meinen Mitgefangenen, daß sie gefoltert wurden, indem man sie mit Zigaretten verbrannte, ihnen halluzinogene Chemikalien injizierte und ihnen verschiedene Gegenstände wie Holzstöcke und Rohre rektal einführte. Wenn sie ins Lager zurückkehrten, bluteten sie stark. Einige hatten Knochenbrüche.

21. In meinem Lager sah ich Gefangene, die aus einem geheimen Gefängnis herübergebracht wurden, von dem ich später erfuhr, daß es sich im Gebäude des „Arabischen Instituts für Öl“ im Norden Bagdads befand. Diese Gefangenen waren schwer verletzt.

22. Nach einem Monat, kurz vor Sonnenuntergang, wurde meine Nummer aufgerufen. Sie zogen einen Sack über meinen Kopf und banden mir die Hände auf den Rücken. Meine Beine wurden ebenfalls gefesselt. Dann brachten sie mich in eine Zelle.

23. Als ich in die Zelle gebracht wurde, forderten sie mich in arabischer Sprache dazu auf, mich auszuziehen. Als ich mich weigerte, rissen sie mir die Kleider herunter und fesselten mich dann wieder. Dann zogen sie mich einen Treppenabsatz hoch, und als ich mich nicht bewegen konnte, schlugen sie mich wiederholt. Als ich oben auf der Treppe angekommen war, fesselten sie mich an Stahlstangen. Dann bewarfen sie mich mit menschlichen Exkrementen und urinierten auf mich.

24. Als nächstes hielten sie mir eine Schußwaffe an den Kopf und sagten, daß sie mich an Ort und Stelle exekutieren würden. Ein anderer Soldat benutzte ein Megafon, um mir Schimpfworte zuzubrüllen und mich zu erniedrigen. Während dieser Zeit konnte ich die Schreie anderer Gefangener hören, die gefoltert wurden. Dies dauerte bis zum nächsten Morgen.

25. Am Morgen stand ein Israeli vor mir und nahm mir den Sack vom Kopf. Er sagte mir auf Arabisch, daß er Israeli sei und Gefangene in Palästina verhört und gefoltert habe. Er sagte mir, wenn Gefangene nicht kooperierten, würden sie getötet. Er fragte mich wiederholt nach Namen von Widerstandskämpfern. Ich sagte ihm, daß ich keine Widerstandskämpfer kenne, aber er wollte mir nicht glauben und fuhr fort, mich zu schlagen.

26. Dieser Israeli in Zivilkleidung folterte mich, indem er mir zunächst einen hölzernen Stock ins Rektum steckte, und dann den Lauf eines Gewehres. Ich erlitt innere Schnittwunden und blutete stark. Während dieser Zeit schlug mich jeder Wachhabende, der vorbeikam. Ich bekam 36 Stunden lang nichts zu essen.

27. Am nächsten Morgen kam der israelische Verhörspezialist in meine Zelle und fesselte mich an das Zellengitter. Dann spielte er den Popsong „By the Rivers of Babylon“ der Gruppe Boney M. ununterbrochen bis zum nächsten Morgen. Der Effekt war, daß ich mein Gehör verlor und durchdrehte. Es war sehr schmerzhaft und ich verlor das Bewußtsein. Ich wachte erst auf, als der Israeli mir Wasser ins Gesicht und über den Kopf goß. Als ich das Bewußtsein wiedererlangte, begann er wieder, mich zu schlagen und verlangte, ich solle ihm die Namen von Widerstandskämpfern und deren Aktivitäten nennen. Als ich ihm sagte, daß ich keine Widerstandskämpfer kenne, trat er mich viele Male.

28. Ich wurde zwei Wochen lang in der Zelle ohne Kleidung gefangen gehalten. Während dieser Zeit kam ein amerikanischer Wärter namens „Grainer“ in Begleitung eines marokkanischen Juden namens Idel Palm (auch bekannt als Abu Hamid) in meine Zelle und fragte nach meiner verbundenen Hand, die bereits verletzt war, ehe ich verhaftet wurde. Ich sagte ihm, ich sei operiert worden. Da zog er den blutigen Verband ab und riß dabei Haut und Fleisch mit. Ich hatte starke Schmerzen, und als ich ihn nach Schmerzmitteln fragte, trat er mir auf die Hand und sagte „dies sind amerikanische Schmerzmitttel“ und lachte.

29. Am fünfzehnten Tag meiner Gefangenschaft wurde mir eine Decke gegeben. Ich war erleichtert, daß ich eine kleine Annehmlichkeit erhielt. Ich machte ein Loch in die Decke, indem ich sie gegen die Wand rieb, und konnte so meinen Körper bedecken. Dies taten alle Gefangenen, wenn sie eine Decke bekamen.

30. Eines Tages kam ein Gefangener an meiner Zelle vorbei und sagte mir, die Vernehmungsbeamte wollten ihre Untersuchung beschleunigen und brutalere Methoden anwenden, um die Antworten zu erhalten, die sie von den Gefangenen hören wollten. Ich wurde in den Verhörraum gebracht, nachdem sie einen Sack über meinen Kopf gezogen hatten. Als ich in den Verhörraum kam, entfernten sie den Sack über meinem Kopf, so daß ich die elektrischen Kabel sehen konnte, die an eine Steckdose in der Wand angeschlossen waren.

31. Im Raum anwesend waren der marokkanische Jude, Idel Palm, der israelische Verhörspezialist, zwei Amerikaner, einer als „Davies“ bekannt, der andere als „Frederick“, und noch zwei weitere. Sie trugen alle Zivilkleidung, außer den Amerikanern, die Armeeuniformen trugen. Idel Palm sagte mir auf Arabisch, wenn ich kooperierte sei dies meine letzte Chance, am Leben zu bleiben. Ich sagte ihm, ich wüßte nichts über den Widerstand. Dann wurde mir der Sack über den Kopf gezogen, und man ließ mich lange Zeit allein. Während dieser Zeit hörte ich mehrere Schreie und Gewimmere von Gefangenen, die gefoltert wurden.

32. Die Verhörspezialisten kehrten zurück und zwangen mich dazu, mich auf einem Karton mit Lebensmittelkonserven zu stellen. Dann schlossen sie die Drähte an meine Finger an, befahlen mir, meine Hände seitwärts auszustrecken und schalteten den elektrischen Strom an. Als der elektrische Strom durch meine Körper floß, hatte ich das Gefühl, als träten meine Augen aus ihren Höhlen und sprühten Funken. Meine Zähne fingen an, heftig zu klappern, und auch die Knie zitterten heftig. Mein ganzer Körper zuckte.

33. Ich wurde zu drei verschiedenen Gelegenheiten mit Elektroschocks gefoltert. Bei den ersten zwei Sitzungen wurde ich zweimal mit Strom gefoltert, jedes Mal einige Minuten lang. Bei der letzten Sitzung biß ich mir während der Stromschläge auf die Zunge und blutete aus dem Mund. Sie hörten mit den Elektroschocks auf und riefen einen Arzt, der mich behandelte. Ich lag am Boden. Der Arzt goß etwas Wasser in meinen Mund und öffnet meinen Mund gewaltsam mit dem Fuß. Dann stellte er fest: „Nichts Ernstes. Macht weiter!“ Danach verließ er den Raum wieder. Trotzdem hörte der Wärter mit den Elektroschocks auf, da ich heftig aus dem Mund blutete. Die Decke und mein ganzer Körper waren mit Blut verschmiert. Aber sie fuhren fort, mich zu schlagen. Nach einer Weile hörten sie mit den Schlägen auf und brachten mich in meine Zelle.

34. Während der Zeit, in der ich gefoltert wurde, machten die Verhörspezialisten Fotos.

35. Dann wurde ich 49 Tage lang in meiner Zelle allein gelassen. Während dieser Phase meiner Gefangenschaft hörten sie auf mich zu foltern. Am Ende des neunundvierzigsten Tages wurde ich zurück ins Lager gebracht, ins Zelt C. Dort blieb ich weitere 45 Tage lang. Ein Mitgefangener sagte mir, er habe einige Wärter sagen hören, ich sei fälschlicherweise verhaftet worden und werde entlassen.

36. Ich wurde Anfang März 2004 entlassen. Ich wurde auf einen Lastwagen gesetzt, zu einer Fernstraße gebracht und dort ausgesetzt. Ein vorbeifahrendes Auto hielt an und brachte mich nach Hause.

37. Nach dieser Erfahrung entschloß ich mich dazu eine Organisation ins Leben zu rufen, um allen Folteropfern beizustehen. Dabei werde ich von zwölf weiteren Folteropfern unterstützt.

38. Ich bin sehr traurig darüber, daß ich schreckliche Erfahrung wieder und wieder in meiner Erinnerung hochkommt und ich sie durchleben muß. Ich hoffe, daß das malayische Volk unserem Ruf nach Hilfe folgt, so Gott will.

Und ich gebe diese feierliche Erklärung gemäß dem Gesetz über eidsesstattliche Erklärunngen ab, in der festen Überzeugung, daß sie wahr ist.

Unterschrieben und eidesstattlich versichert vom oben genannten Ali Sh. Abbas alias Ali Shalal im Februar 2007 in Kuala Lumpur. Übersetzt (ins Englische, A.d.Ü.) von Abbas Z. Abid (irakischer Reisepaß Nr. S379532), nachdem dieser Abbas Z. Abid zunächst versichert hat, daß er wahrheitsgemäß, deutlich und hörbar den Inhalt dieser eidesstattlichen Erklärung dem Erklärenden Ali Sh. Abbas alias Ali Shalal übersetzt hat, und daß er wahrheitsgemäß und aufrichtig die Versicherung hierüber übersetzen werde, die dem besagten Ali Sh. Abbas alias Ali Shalal gegenüber gemacht werde.

Name: Abbas Z. Abid

(Irakischer Reisepaß Nr. S379532)

Vor mir,

dem Beauftragten für eidesstattliche Erklärungen

Kuala Lumpur, Malaysia

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