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Foltergefängnisse
in Israel
| „Nachdem ich 2 oder drei
Tage daran gehindert wurde zu schlafen, wurde mir ein
Blecheimer auf den Kopf gestellt. Ich wurde gezwungen, still zu
stehen. Dann drehte
der Vernehmungsbeamte eine Dusche über meinem Kopf an, das Wasser
tropfte langsam herunter. So wurde ich für mehrere Stunden
allein gelassen; nur
ein Wächter beobachtete mich. Ich hatte das Gefühl, den Verstand
zu verlieren. Nach mehreren Stunden kam der Vernehmungsbeamte zurück
und machte sich über mich lustig : „Ob ich genug Spaß gehabt
hatte und nun sei
ich ja endlich einmal sauber“ ... unter solchen Umständen
wird der Stress
unerträglich.“ |
Die
Welt schweigt zu Israels Abu-Ghraibs-Gefängnissen
Al-Jazeera,
13.11.2005
Israel
hält über 8.000 Palästinenser in seinen Gefängnissen fest. Seit die palästinensische
Intifada vor 5 Jahren ausbrach, wurden 35.000 Palästinenser,
einschließlich 3.000 Kinder von den Israelis verhaftet – nach MIFTAH,
einer palästinensischen Friedens- und Menschenrechtsgruppe. Die
Palästinenser haben wiederholt das Internationale Rote Kreuz (IRCS) darum
gebeten, die israelische Regierung unter Druck zu setzen, um die Gefangenen
in Israels Gefängnissen zu schützen, da die meisten, wenn nicht gar
alle, ohne Verurteilung oft für lange Zeit festgehalten werden.
Jede
Familie in Palästina hatte ein Familienmitglied irgendwann im Gefängnis.
Israel hat eine lange Geschichte mit Verhaftungen ohne Gerichtsurteil,
das sich auf eine administrative statt auf eine juristische Order
gründet, die sich wiederum auf Geheiminformationen gründet –
die sich oft als gefälscht
erweisen. Solche Order können auf die Initiative eines
Militärkommandeurs in Übereinstimmung mit der Militärorder 1229 von 1988
herausgegeben werden (stellt das San FranciscoBay Area Independent Media
Center auf seiner Website fest).
Israel
gab seine ersten Militärorder 1970 heraus, die administrative Verhaftungsorder
authorisierten; es ist ein Maßnahme, die für Palästinenser
in den besetzten Gebieten bestimmt war.
Die
NGO ADDAMEER, eine Menschenrechtsorganisation, die sich um palästinensische
Gefangene bemüht, sagt, dass § 1 der letzten Militärorder folgendes
feststellt:
„Wenn
ein Militärkommandeur die Verhaftung einer Person
aus Sicherheitsgründen für notwendig erachtet, so kann dies für einen
Zeitraum von nicht länger als 6 Monaten geschehen; danach hat er das Recht,
die Haftzeit um weitere 6 Monate auszudehnen, entsprechend der ursprünglichen
Order. Die Verhaftungsorder kann ohne die Gegenwart des Verhafteten
durchgeführt werden.“
Amnesty
International beschreibt die Verwaltungshaft in Israel als ... „ein Verfahren,
nach dem die Verhafteten ohne Anklage oder Gerichtverhandlung festgehalten
werden. Keine Anklagen werden dokumentiert, und es gibt nicht die
Absicht, den Verhafteten vor Gericht zu stellen. Durch die
Verhaftungsorder wird dem Verhafteten eine entsprechende Haftzeit gegeben.
Nach dieser Zeit oder kurz davor wird die Haftzeit verlängert. Dieser
Prozess kann unendlich fortgesetzt werden.“
Israel
hält ( Herbst 2005) etwa 8.000 Gefangene in seinen Gefängnissen fest, einschließlich
312 Kindern und 128 Frauen (MIFTAH)
2002 berichteten „Reporter ohne Grenzen“, mehr als 20
palästinensische Journalisten
wären verhaftet worden, seitdem Israel am 29.3.2003 die palästinensischen
Städte neu zu besetzen begann. Die Organisation stellte auch fest, dass
mindestens 13 Journalisten
im Gefängnis waren und im ganzen wurde von 954 Fällen
von Verwaltungshaft von MR-Gruppen berichtet worden.
Und die Zahl der Gefangenen
wächst.
Ahmed
(nicht sein richtiger Name) beschreibt seine Erfahrung mit der Administrativhaft:
„Ich
weiß nicht, warum ich in Haft war. Man sagte mir, weil ich sozial
aktiv war. Das war alles,
was sie mir sagten“
Er
wurde während der Nacht verhaftet,
die er als „panische Nacht“ beschreibt: die israelischen Soldaten
holten ihn (2002) um 2 Uhr nachts aus dem Haus. „Die Tür meines Hauses
wurde gesprengt, dann wurde laut im Haus und auf der Straße geschossen.
In dem Moment dachte ich: ich und meine Familie werden erschossen.
Dann benützten sie Lautsprecher und verlangten, dass alle aus dem
Haus gehen, sonst würde das Haus über uns gesprengt.“
„Sie
fesselten meine Hände
hinter dem Rücken und verbanden meine Augen, packten mich in einen
Wagen auf den Boden. Die meiste Zeit stießen sie mich mit ihren Stiefeln
am ganzen Körper. Nach einiger Zeit hielt das Fahrzeug, sie brachen
mich, ich weiß nicht wohin. Später wurde mir klar, dass diese Fahrt
verglichen mit dem, was dann kam, Erholung war.“
„Nach
mehreren langen Stunden, die ich auf einem Stein sitzend verbrachte, half
mir ein Bursche und nahm mir die Plastikfesseln und die Augenbinde ab. Ich
erinnere mich, dass ich fast 24 Stunden ohne einen Tropfen Wasser und etwas
zu essen, verbrachte. Als ich darum bat, auf die Toilette gehen zu dürfen,
musste ich weitere zwei Stunden warten, um dann in eine mobile,
sehr schmutzige Toilette gehen zu können – ohne Wasser. Nachdem ich
drei Nächte auf den Steinen
geschlafen habe, brachte man mich in einem Spezialbus
zum Ofer-Gefängnis in der Nähe von Ramallah.“
„Das
Gefängnis war in 11 Sektionen geteilt. In jeder waren 120 Gefangene, die
auf sechs Zelte verteilt waren. Die sanitären Anlagen: 6 Toiletten aus Zinkblech,
zwei Duschen und zwei Toiletten für Urin und zwei andere mit eine
Sinkgrube. Der Boden des Gefängnisses und der Zelte war aus Asphalt . Die
„Betten“ waren aus Holzbrettern mit einer dünnen Matratze ohne
Kissen und mit 2 Bettlaken.
Diese schützen die Gefangenen überhaupt nicht vor der Kälte
im Winter Die Gefangenen behielten auch nachts ihre Jacken an. Sie wären
sonst vor Kälte erfroren. Jeder Gefangene hat ein Konto, das vom Gefängnis
verwaltet wird. Geld wird von der Familie des Gefangenen eingezahlt.
Die
Sicherheitszählung beginnt um 6 Uhr früh: alle Gefangenen müssen
vor ihrem Zelt knien. Immer
zehn in einer Reihe. Dann kommt ein von einem Vertreter
der Sektion begleiteter Soldat und zählt. Das findet dreimal am Tag
statt. Wenn man einen Gefängniswärter direkt ins Gesicht schaut, wird man
mit einem Tag Isolierung bestraft oder mit Geldstrafe, die vom
„Konto“ abgezogen wird.
Wenn sich ein Gefangener wegen irgendeines Übels oder einer
Krankheit beklagt wie z.B. Bluthochdruck, Erkältung oder andere Infektionen,
dann gibt es nur eine Medizin: Paracetamol. Für jede Art von Notfall
kommt – wenn man Glück hat – nach
einem Tag eine Antwort aus der Gefängnisverwaltung.“
„Im
Ofer-Gefängnis hat mich niemand verhört. Man schickte mich nur in ein Zelt
mit anderen 19, obwohl das Zelt nur für höchstens 6-8 Personen ist. Nach
drei Wochen dort, rief mich die Gefängnisverwaltung zu einem Militärgericht..“
Die
Urteile der Administrativhaft werden in einem „Gericht“ –
einem Raum von 7x5 m –
gemacht. Da gibt es einen Militärrichter, einen Vertreter vom Geheimdienst,
den Anwalt und einen Übersetzer. Es ist ein vorgetäuschtes Gericht,
das dann sagt, dass es ein geheimes Beweisstück gibt, das niemand kennt,
auch der Richter nicht. Auf den Rat des Geheimdienstes wird verurteilt.
Dies geschieht, um einen Gefangenen mit 6 Monaten zu strafen oder
um seine Strafzeit um weitere drei bis sechs Monate zu verlängern.
Die
israelischen Anwälte, die mit Verwaltungshaft zu tun haben, geben die harten
Lebensbedingungen (und Schlimmeres ) für die in Israels Gefängnissen Verhafteten
zu. ...
Die
Gefangenen haben nicht die Möglichkeit, mit ihrer Familie oder mit Freunden
Kontakt aufzunehmen ... während der oft stattfindenden Belagerungen
der palästinensischen Städte und den besonderen Absperrungen und während
aller jüdischen Feiertage
waren Besuche ausgesetzt. Die Besucher und die Besuchten
wurden peinlichen und demütigenden Durchsuchungen unterzogen. Während
des Besuches sind die Gefangenen durch einen doppelten Maschendrahtzaun
getrennt; jeder physische Kontakt ist verboten, auch nicht mit
Babys. Ein normales Gespräch ist unmöglich. Die Gefangnen dürfen auch
nicht per Telefon
kommunizieren – nicht einmal mit ihrem Anwalt.“
Palästinenser
in Administrativhaft werden meistens im Ofer-Militärgefängnis in
der Westbank, in Ansar 3 in der Negevwüste, Beitunia und Kfar Yuna Militärgefängnislager
gehalten.
Einer
der in Ansar 3 gefangen Gehaltenen beschieb das Gefängnis als „ eine lebende
Hölle ... wo man zwischen Schlangen und Skorpionen lebt.“
1998
berichtete ai, dass im Megiddo-Militärgefängnis-Zentrum Marwan Ma'all,
der im August verhaftet
worden war, im September Selbstmord beging. Psychologen
im Haftzentrum hatten ihn als depressiv und suizidgefährdet diagnostiziert
und empfahlen seine Entlassung oder Krankenhauseinweisung. Eine
israelische Menschenrechtsorganisation hatte seine Isolierungszelle als
„unpassend für ein menschliches Wesen“ bezeichnet. Trotzdem wurde seine
Administrativhaft kurz vor seinem Selbstmord um fünf Monate verlängert.“
„Nachdem
ich 14 und ein halbes Jahr im Gefängnis verbracht habe ... kann ich
ihnen Tausende von Geschichten über Folter und Misshandlung erzählen. Normalerweise
denken wir bei Folter an brutale physische Gewalt, die dem nackten
Körper zugefügt wird. Ich will Ihnen eine andere Geschichte erzählen,
etwas, das mir geschah,“ berichtete ein palästinensischer Ex-Gefangener
neulich in London bei einer Konferenz.
„Nachdem
ich 2 oder drei Tage daran gehindert wurde zu schlafen, wurde mir ein
Blecheimer auf den Kopf gestellt. Ich wurde gezwungen, still zu stehen. Dann
drehte der Vernehmungsbeamte eine Dusche über meinem Kopf an, das Wasser
tropfte langsam herunter. So wurde ich für mehrere Stunden allein gelassen;
nur ein Wächter beobachtete mich. Ich hatte das Gefühl, den Verstand
zu verlieren. Nach mehreren Stunden kam der Vernehmungsbeamte zurück
und machte sich über mich lustig : „Ob ich genug Spaß gehabt
hatte und nun sei ich ja
endlich einmal sauber“ ... unter solchen Umständen wird der
Stress unerträglich.
In
den Räumen daneben haben andere ähnliche Dinge erlebt. Viele brachen zusammen
und begannen zu halluzinieren. Diese
Taktiken ähneln weitestgehend denen der US-Militär-Vernehmungsbeamten,
die sie im Abu Ghraib-Gefängnis in der Nähe Bagdads
praktizieren, von wo die groteskesten Bilder im April 2004 auftauchten:
die Gefangenen waren sexueller und physischer Misshandlung, Folter
und anderen brutalen Methoden ausgesetzt, um sie zum Reden zu bringen
und den Beamten Informationen zu geben, die sie benötigten.
Zahlreiche
Medienberichte und die meisten, die mit dem Misshandlungsskandal im
Abu-Ghraib-Gefängnis belastet wurden, behaupteten, dass der US-Außenminister
D. Rumsfeld die Genehmigung für solche Methoden gegeben hat,
die aus Guantanamo, dem US -Gefängniszentrum auf Cuba, eingeführt
wurden.
Wenn
wir jetzt über diese brutalen Verhörmethoden und harten Bedingungen hören,
unter denen die Palästinenser in Israels Gefängnissen leiden, kann man
behaupten, dass diese Methoden von hochrangigen israelischen Militärs oder
von Mitgliedern aus Sharons Regierung autorisiert und befohlen wurden.
Bei
einigen Berichten hat man den Verdacht – wenn es auch nicht bewiesen wurde
– dass israelische Agenten in die Misshandlungen in Abu Ghraib verwickelt
waren. NewsMax'
UN-Korrespondent Stew Stogel sagte einmal, dass ihm über diplomatische
Quellen in Washington gesagt wurde, dass Israelis verdächtigt werden,
bei dem Irak-Folterskandal beteiligt gewesen zu sein.
„Israelis
sind in Abu Ghraib und anderen Gefängnissen im Irak gewesen,“ sagte
ein Informant und fügte hinzu, dass dort beteiligte Israelis als „zivile
Unternehmer“ bezeichnet wurden, die mit den Besatzungskräften
bei den Verhören irakischer
POWs mitarbeiteten. Man glaubte, dass es Veteranen der
israelischen Geheimdiensteinheit Shin Bet, als auch vom Mossad und Israels
Geheimdienstagentur sind.
„Wer
hat denn bessere Erfahrungen mit Arabern als die Israelis?“ fragte eine
Quelle.
„Verhörmethoden,
die die US-Vernehmungsbeamten im Irak angewendet hatten, sind
schon seit Jahren in Israel angewendet worden,“ sagte eine Quelle.
Aber über Israels Abu Ghraibs -Gefängnis schweigt die Welt.
(dt.
Ellen Rohlfs)
gemailt
von: <mailto:paula.abrams@chello.at>Paula
Abrams-Hourani |