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Die
Belagerung des Gazastreifens ist zur
moralischen Blockade Israels geworden
von
Yitzhak Laor
Aus
der israelischen Zeitung Haaretz vom 5.7.2011
übersetzt
von Ellen Rohlfs und Doris Pumphry
auf
Kommunisten-online am 11. Juli 2011 – Israel ist tatsächlich mit
den Machtzentren der Welt verbunden. Heute scheint es übertrieben einen
Tsunami vorauszusagen, aber vor der Siegesfeier sollte man sich daran
erinnern: die israelische Besatzung ist die längste militärische
Besatzung der modernen Zeit. Jene, die den beiden Formen der Besatzung
– in der Westbank und im Gazastreifen – unterworfen sind, sind einem
brutalen Regime ausgeliefert, wie es sich nur wenige Besatzer erlaubten,
ohne Gesetz: einer Blockade, einer hohen Kindersterblichkeit, Straßensperren
und der Willkür von Soldaten, die gewaltsam in die Wohnungen der
Menschen einbrechen. Man stelle sich nur vor: die eigenen Kinder würden
nachts durch schreiende, bewaffnete Männer aufgeweckt, die Türen
aufbrechen, sie mit Taschenlampen blenden; man stelle sich vor, ohne
jeglichen Schutz zu leben. Die anhaltende Besatzung ist eine Katastrophe
für uns und für die Palästinenser – weil Israel die Unterstützung
des Westens genießt.
Die
Siedlungen haben die Besatzung in etwas Unlösbares verwandelt –
zumindest für die nächsten Dekaden. Die Besatzung wird nicht nur eine
weitere Generation israelischer Soldaten heranziehen, die von Rabbinern
des Pöbels angestachelt werden, sondern auch noch eine dritte und
vierte Generation Palästinenser, die kein anderes Leben kennen lernen.
Die
Tatsache, dass der Gazastreifen zum internationalen Symbol von
Grausamkeit wurde, ist ein weiterer Beweis für die Dummheit unserer Führer.
Die Operation "Gegossenes Blei" und die Belagerung Gazas –
sie werden von einem breiten nationalen Konsens getragen – haben Gaza
zu einem Symbol gemacht, das eine Koordination seitens der Palästinenser
nicht länger benötigt. Die israelische Demokratie zeigt ihr wahres
Gesicht: im Namen der Mehrheit (sechs Millionen Juden) kann man mit der
Minderheit (fünf Millionen in Israel und den besetzten Gebieten)
umgehen, wie es einem gefällt.
Die
nationale Minderheit in Israel hat zwar das Recht zu wählen, aber sie
hat kein eigenes Fernsehen; sie hat Krankenversicherung, aber auch große
Arbeitslosigkeit und eine Kindersterblichkeit, die viel höher ist als
unter den Juden (8,3 verglichen mit 3,7 bei 1000 Geburten). Tel Aviv,
das sich der Welt als liberale Stadt anbietet, ist die einzige
Hauptstadt im Westen, die keine muslimische Bevölkerung hat. Sie ist
"cool" doch dieses "cool" sein ist rassistisch –
die 20% Minderheit erscheint überhaupt nicht im Leben der Stadt. Und es
für Propagandisten ratsam nicht auf Jaffa als einen Beweis der Vielfalt
hinzuweisen. Jaffa mit seiner Yuppie-Einwanderung ist ein perfektes
Beispiel der Apartheid, die vom „säkularen“ und „liberalen“ Tel
Aviv durchgeführt wird.
Auch
die offizielle Propaganda wird nicht helfen. Je stärker Israel auf die
Schaltstellen der Macht – Politik und Mediengiganten – in westlichen
Ländern Druck ausübt, desto höher steigt die Welle dagegen an, denn
der Hass auf die Besatzung und auf den israelischen Rassismus nährt
sich aus dem Wissen, dass das was Israel tut, vom Westen finanziert und
vom Westen und den Verbindungen zu den Machtzentren unterstützt wird
– als ein lebendiges Monument des Kolonialismus. Nichts konnte dies
besser begünstigen als die Art und Weise mit der Griechenland die
Abfahrt der Gaza-Hilfsflotte verhinderte. Und es war nicht nur
Griechenland.
Auch
Linke gehören zu den Koalitionen, die gegen Israel im Westen
organisiert werden. Aber es gibt auch viele andere, und nicht alle sind
humanistisch gesinnt. Nicht alle von ihnen lieben Juden. Diese
Koalitionen werden weiter wachsen, solange sich die westliche politische
Klasse als „hilflos“ darstellt angesichts Israels Unbeugsamkeit. Natürlich
ist sie nicht hilflos und wenn sie ihre tatsächlichen Interessen
verfolgt, dann benimmt sie sich auch in der typischen barbarischen
westlichen Weise, wie jetzt in Libyen und im Irak.
Der
Hass auf Israel passt zum wachsenden Zorn gegen das Establishment in
einem politischen Kontext, in dem sich Parteien kaum voneinander
unterscheiden. Die Proteste in Griechenland sind ein Beispiel für
dieses fehlende Vertrauen. Der Grund dafür ist nicht die israelischen
Besatzung, sondern die Machtlosigkeit der Massen, die Wirtschafts- und
Kriegpolitik in ihren Ländern zu beeinflussen.
Nicht
nur Israel ist im Fokus politischer oder unpolitischer Kritik. Nur sehr
wenige Menschen fahren auf der Flottille mit, aber viele waren an ihrer
Vorbereitung beteiligt und noch mehr verinnerlichen ihre Verhinderung.
Kritik und Raunen ist Teil eines wachsenden Anti-Establishment-Konsens.
Die lange Liste von Heucheleien der Politiker wurde ergänzt durch ihre
heuchlerische Haltung gegenüber Israels Grausamkeit.
Es
ist deshalb nicht überraschend, dass die Belagerung des Gazastreifens
verschärft wird und zwar in Form einer moralischen Blockade Israels. In
einer Welt voller Ungerechtigkeit, Kriegsverbrechen und Rassismus gegenüber
Minderheiten und Migranten, hat Israel in den Jahrzehnten seiner
Dummheit langsam aber sicher gelernt zum Symbol von Ungerechtigkeit und
Verbrechen zu werden. Wir sind nicht mehr die Verkörperung von
Fortschritt, wie wir uns lange Zeit brüsteten, sondern das genaue
Gegenteil. Und dies ist wahrlich nur der Anfang.
Quelle:
http://www.haaretz.com/
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