|
NEUE
BEWEISE FÜR FOLTERUNGEN IN GUANTANAMO BAY
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
4. März 2011, Cubadebate.(auf Kommunisten-online am 7. März 2011) –
Das rechtswidrig von den USA in der widerrechtlich besetzt gehaltenen
Guantánamo Bay betriebene Gefängnis ist erneut in den Mittelpunkt der
Öffentlichkeit geraten. Diesmal kamen neue Beweise für die Folterungen
an den Häftlingen in diesem Gefängnis an das Tageslicht. Ein
ehemaliger Häftling sprach über die verbrecherischen Experimente von
US-Medizinern an den Gefangenen im US-Marinestützpunkt Guantánamo Bay.
Muraz
Kurnaz ist Deutscher türkischer Herkunft. Er äußerte gegenüber der
Berliner Zeitung, „wie schlecht“ er sich fühlte, nachdem ihm eine
der üblichen Spritzen verpaßt wurden, bis dass „ich mich übergeben
mußte“. Laut Kurnaz zwangen sie ihn zur Einnahme von Tabletten und
behaupteten dabei, dass es sich um Medizin gegen die Malaria handeln würde.
Als er eine dieser Tabletten eingenommen hatte, fühlte er sich völlig
kraftlos, erlitt Schweißausbrüche und Atemprobleme.
Die
Erklärungen dieses Deutschen türkischer Herkunft stimmen mit den
Ergebnissen von zwei Untersuchungen überein, die unabhängig
voneinander von US-Rechtsanwälten und der US-Menschenrechtsorganisation
Truthout durchgeführt worden sind. Beide Untersuchungsberichte enthüllen,
dass jahrelang medizinisch an den Gefangenen von Guantánamo
herumexperimentiert wurde. „Gegen ihren Willen und ohne
Notwendigkeit“ wurden die Gefangenen gezwungen, hohe Dosen von
bestimmten Medikamenten einzunehmen.
In
den Archiven der beiden Untersuchungsgruppen finden sich Informationen,
wonach die Gefangenen von Guantánamo Mefloquin einnehmen mußten. Dies
ist ein Vorbeugemittel gegen Malaria. Dies trotz der Tatsache, dass in
Kuba keine Malariakrankheit auftritt. Die in Guantánamo Bay
stationierten US-Militärangehörigen nehmen üblicherweise keinerlei
Mittel gegen Malaria ein. Außerdem überstieg die den Guantánamo-Häftlingen
aufgezwungene Tagesdosis der Medizin das Fünffache der empfohlenen
Dosis für eine Woche.
Desweiteren
offenbarte Kurnaz in seinen Erklärungen das Fehlen jeglicher
medizinischer Betreuung in der Haftanstalt. Er sagte aus, dass er zwei
Jahre lang an starken Zahnschmerzen litt, aber weder ein Schmerzmittel
noch eine Behandlung erhielt. Oft litt er auch an Kopfschmerzen. „Auf
die Bitte hin, mir doch wenigstens eine Tablette zu geben, pflegten sie
mir zu sagen, dass ich meine Aussagen machen soll und dann die Medizin
erhalten würde sowie sie dann einen Arzt rufen würden, damit er mir
hilft.“
Laut
Kurnaz ließen sich einige Häftlinge auf diese Bedingungen ein und
erhielten danach wirklich eine medizinische Betreuung.
Die
Angaben der Menschenrechtsverteidiger und Zeugen bestätigen, dass gegen
die Gefangenen in jener Haftanstalt Folterungen angewendet wurden, wie
zum Beispiel das simulierte Ertrinken namens „waterboarding“, der
systematische Schlafentzug, die psychische Folter mit hochfrequenten
Dauergeräuschen, usw.
Im
November 2010 verteidigte der ehemalige US-Präsident George Bush öffentlich
den Gebrauch der Verhöre mit gewaltsamen Methoden in dem Gefängnis.
Dabei beharrte er darauf, dass mit der dadurch erlangten Information
geholfen wurde, terroristische Anschläge zu vereiteln.
Am
zweiten Tag seiner Amtszeit versprach US-Präsident Barack Obama die
Schließung der Einrichtung binnen eines Jahres bis Januar 2010. Dessen
ungeachtet ist der Plan des US-Präsidenten immer noch nicht umgesetzt
worden und bleibt das Gefängnis intakt.
Auf
der 9. Sitzung des UNO-Menschenrechtsrates in Genf im Herbst 2010
ersuchten die Mitglieder dieses Gremiums um die sofortige Schließung
des Gefängnisses von Guantánamo Bay sowie die Untersuchung aller
Anklagen, die diesbezüglich mit den USA etwas zu tun haben.
Ende
2010 erklärte Robert Gibbs, Sprecher des Weißen Hauses, dass die
Haftanstalt auf dem US-Stützpunkt Guantánamo nicht in naher Zukunft
geschlossen werden würde. Er verwies auf rechtliche und gesetzliche
Probleme, die den Abtransport und die weitere Verbringung der Gefangenen
verhindern würden.
Viele
der dort Inhaftierten sind niemals verurteilt worden. Colin Powell, der
einstige Chef der Kanzlei des ersten Staatsekretariats der Regierung des
US-Präsidenten George Bush, erklärte, dass die Mehrheit der Gefangenen
von Guantánamo „absolut unschuldige Menschen“ sind.
„Wenn
Guantánamo jetzt nicht geschlossen wird, müssen wir fürchten, dass es
nie geschlossen werden wird. Wir befürchten, dass es als ein tragisches
und verbrecherisches Denkmal für die Unfähigkeit des Menschen
weiterbesteht, das Richtige in den kritischen Momenten zu tun“, sagte
Frida Berrigan von der Organisation Zeugen Gegen die Folter. Diese Erklärungen
erhielt die Nachrichtenagentur EFE am 9. Jahrestag dieses Gefängnisses,
dem 12. Januar 2010.
Die
USA halten seit 1903 widerrechtlich den Stützpunkt Guantánamo Bay in
Kuba besetzt. Er fungiert auf Weisung von George W. Bush als Gefängnis
für die als besonders gefährlich eingestuften Häftlinge seit den
Anschlägen vom 11. September 2001. Seit 2002 werden dort mehrheitlich
Angehörige der Organisation Al-Quaida und der Taliban-Bewegung
gefangengehalten, die bei US-Aggressionen in Afghanistan und Irak
gefangengenommen wurden. Es handelte sich um insgesamt 770 ausländische
Häftlinge. Derzeit verbleiben von ihnen noch immer 170 Menschen im
Folterkerker des US-Stützpunktes Guantánamo Bay.
(aus
dem Programm von RT)
Quelle:
http://www.cubadebate.cu/ |