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"Wenn Sharon von "einem palästinensischen Staat" spricht, meint er eine verstümmelte Reihe von Enklaven, nicht mehr als die Hälfte der West Bank umfassend und von allen Seiten durch israelisch besetztes Territorium umgeben, das übersät ist mit Militärlagern und Siedlungen."

GushShalom:  

Wird diesmal etwas dabei herauskommen?

Einschätzung von Adam Keller (siehe)

Internationale Pressemitteilung Tel-Aviv – 2. Juli 2003.

"Wird es diesmal gelingen? Vielleicht, nur vielleicht!" so kann man es von Israelis und von Palästinensern, von engagierten Friedensaktivisten bis zum Ladenbesitzer, der für Sharon gestimmt hat, hören: eine Mischung von Hoffnung und Skepsis, auch noch am 3. Tag der zerbrechlichen "Hudna" - arabisch für Feuerpause, einem Plan, entnommen aus einer alten islamischen Tradition, der im letzten Jahr in das Alltagshebräisch einging).

Israelis und Palästinenser, wir alle haben es schon viele Male erlebt -  vielverheißende Feuerpausen zerbrochen in schreckliche Szenen des Blutvergießens, teilweise Rückzüge, die damit endeten, dass die Panzer mit noch mehr Brutalität zurückkamen, Gefangene entlassen und wieder festgenommen. Kann es diesmal vielleicht anders enden?

Die Gründe für Skepsis sind mannigfaltig und einleuchtend. Die israelischen Armeekommandeure machen kein Geheimnis daraus, dass sie diese Waffenruhe nicht wollten - was möglicherweise gefährlicher ist als die palästinensischen Schurkengruppen, welche den Waffenruhe bisher missachteten. (Ironischerweise gehören sie nicht zu den islamischen Militanten, sondern zu Randgruppen der Fatah Organisation, der Zentralstruktur, die all zu erfolgreich von den IDF gezielt angegriffen wurde)

E gibt fundamentale Meinungsunterschiede über das, worum die ganze Sache geht. Sharon, seine Minister und Generäle verlangen laut die Entwaffnung und Demontage von Hamas und dem Islamischen. Dschihad. Mit dieser Forderung, die unvermeidlich zu einem regelrechten palästinensischen Bürgerkrieg führen würde, scheint Sharon, den Rückhalt der Bush-Regierung zu haben. Was den Teil der Palästinenser angeht, so haben sie sich verpflichtet, die Waffenruhe durchzusetzen und Angriffe auf Israelis, einschließlich Angriffe auf Soldaten und Siedler, zu verhindern, was lange Zeit ein umstrittener Punkt war. Sie machten aber auch sehr deutlich klar, dass sie nicht die Absicht haben, Sharon das Schauspiel einer blutigen Schlacht zwischen Palästinensern auf den Straßen von Gaza präsentieren zu wollen.

Angenommen, dass diese größere Hürde irgendwie überwunden werde, dann blieb eine weit grundlegendere Diskrepanz ungelöst. Wenn Sharon von "einem palästinensischen Staat" spricht, meint er eine verstümmelte Reihe von Enklaven, nicht mehr als die Hälfte der West Bank umfassend und von allen Seiten durch israelisch besetztes Territorium umgeben, das übersät ist mit Militärlagern und Siedlungen. Kaum ein "lebensfähiger Staat", wie er in der berühmten Road Map anvisiert wurde. Zur Förderung dieses Ziels setzt Sharon mit voller Kraft den Siedlungsbau fort, von der Regierung autorisiert und von ihrem Budget finanziert - während der laut hinausposaunte "Abbau illegaler Siedlungsaußenposten" zu einer unglaubwürdigen Farce zusammengeschrumpft ist.

Darüber hinaus steckt Sharon eifrig seine Version der eventuellen Grenze ab in Form des sog. Trennungszaunes ("Apartheid-Mauer" von israelischen und palästinensischen. Protestierern genannt) kund zu tun. Tagtäglich verlieren, während das Monster über Felder und Olivenhaine voran rückt, palästinensische Dörfer weiterhin ihr Land und ihre Lebensgrundlage - ungeachtet des öffentliches Ausdrucks des Missfallens durch die Nationale Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice.

Warum haben wir immer noch ein bisschen Hoffnung? Nicht nur weil Menschen noch leben, die sonst tot sein könnten, noch wegen ein paar Bekundungen seitens der Besatzung, wie z.B. dass Straßensperren im Gazastreifen weggeräumt worden wären. Was viel wichtiger ist, ist das allgemeine Gefühl auf beiden Seiten, dass die militärischen Möglichkeiten bis zum äußersten und darüber hinaus ausgeschöpft worden sind. Kein israelischer General konnte auf signifikante Erfolge hinweisen, die man bei fortdauernder Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung hätte erwarten können. Noch können palästinensische Militanten glaubhaft irgendwelche positiven Erfolge durch weitere Selbstmordattentate versprechen. Beide Gesellschaften sind erschöpft, beide Ökonomien in verheerendem Zustand. Die palästinensische Armut geht immer schlimmer voran, aber auch immer mehr Israelis kommen nicht mehr mit ihrem Geld aus.  

Wie viele Kommentatoren bemerken, geht der "Tausendtägige Krieg" zu Ende - falls er wirklich zu Ende geht – mit einer Pattsituation, ohne klaren Sieger. Wenn man die enorme Diskrepanz an wirtschaftlicher und militärischer Macht betrachtet, so ist solch ein Ergebnis nur mit enormer Hochachtung gegenüber der palästinensischen Ausdauer und Standhaftigkeit zu verstehen.

In gewisser Hinsicht könnte gerade der Skeptizismus auf beiden Seiten sich als Segen erweisen. Einer der (von vorn herein eingebauten) Fehler von "Oslo" war, dass ein vorläufiges Abkommen, das die wichtigsten Probleme offen lässt, feierlich und formell so dargestellt wurde, als wäre der Frieden bereits erreicht worden. Alles danach konnte kaum mehr etwas anderes als Enttäuschung sein. Dieses Mal, wo die Erwartungen bei Israelis genau so wie bei den Palästinensern sehr gering waren, könnten Überraschungen nur als positiv angesehen werden.

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Adam Keller ist Sprecher von Gush Schalom zurück

Wird diesmal etwas dabei herauskommen?

Datum:  02.07.03

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