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Die
Hilfe der Imperialisten für das Volk von Haiti
Die
scheinheiligen Mörder und Blutsauger spielen sich als barmherzige
Samariter auf
Von
Günter Ackermann
Kommunisten-online
vom 21. Januar 2010 – Pat Robertson, Gründer der Christlichen
Koalition, fundamentalistischer Erweckungsprediger, aktiver Zionist
und einer der ultrarechten christlichen Figuren in den USA, brachte es
auf den Punkt: Die schwarzen Sklaven auf Haiti, die sich Ende des 18.
und Beginn des 19. Jahrhunderts gegen ihre französischen Sklavenhalter
und Kolonialherren erhoben und schließlich 1804 siegten und den ersten
unabhängigen Staat mit einer schwarzen Bevölkerung ausriefen,
konnten n ur siegen, weil
sie mit dem Teufel im Bunde waren. Und nun, so meint Pat Robertson,
komme die Strafe Gottes.
Pat Robertson ist kein hinterwäldlerischer und predigender Cowboy in
einem verlassenen Prärienest. Pat Robertson bewarb sich sogar einmal
bei den Republikanern als Präsidentschaftskandidat, Seine von ihm gegründete
Christian Broadcasting Network sendet heute in 180 Ländern und
71 Sprachen. Seine Firma Freedom Gold Ltd.
Stand in regem Geschäftsverkehr mit Charles Taylor, dem Diktator
von Liberia, bekam die Lizenz zum Abbau von Rohstoffen in Liberia und
finanzierte so dessen Krieg gegen das eigene Volk. Robertson
verfügt über Gelder bis zu einer Milliarde US-Dollar. Auch
forderte er die USA auf, Hugo Chavez, den Präsidenten von Venezuela, zu
ermorden.
Die
Robertsons Ansichten sind sicherlich grenzwertig, aber beileibe nicht
die einiger Spinner. Dass Haiti und überhaupt der gesamte
lateinamerikanische Raum eigentlich unter die Fuchtel der USA gehören,
ist gängige Politik in Washington.
Laut Monroe-Doktrin maßen sich die USA an, wenn ein Land den USA aus
dem Ruder läuft, dort zu intervenieren. Beispiele sind eben
Haiti, aber auch die ständige Bedrohung Kubas, die militärische
Aggression in Grenada, der Putsch in Chile gegen Präsident Allende, die
Putschversuche gegen Hugo Chavez in Venezuela und,
und, und…
Haiti
musste im 19. Jahrhundert, damit seine Unabhängigkeit anerkannt wurde,
90 Millionen Gold-Franc an Frankreich zahlen. Ein ungeheuerliche Summe
damals, Nach heutiger Kaufkraft 28 Billiarden US-Dollar
(rund 20 Billiarden €) – in Ziffern = US-$ also
19.840.800.000.000.000 €).
Zum
Vergleich: Die deutschen Staatsschulden betragen insgesamt eben mal (15.
Jan. 2010) 1,5 Billiarden
Euro und das erscheint einigen enorm hoch. Die Kontributionen für die
Anerkennung seiner Unabhängigkeit waren aber 13mal größer (nach
heutiger Kaufkraft). Haiti hatte aber nie annähernd eine so eine große
Wirtschaftsleistung wie Deutschland
Haiti
war auf Jahrzehnte verschuldet, was ausländische Mächte, vor allem die
USA, ausnutzten und das Land quasi zur Halbkolonie machten. Von 1915
bis 1934 besetzten die USA Haiti sogar militärisch. 1957 kam François
Duvalier (Papa Doc) mittels Wahlfälschung und Unterstützung durch die
USA an die Macht. Duvalier plünderte das Land aus, verkaufte seine
„Untertanen“ als Quasi-Sklaven in die Dominikanische Republik, wo
sie unter schlimmsten Bedingungen arbeiten mussten, Er plünderte das
Land aus. steckte sich Entwicklungshilfegelder in die eigene Tasche usw.
1971 starb Papa Doc und sein damals 18 Jahre alter Sohn, Jean-Claude
Duvalier, wurde dessen Nachfolger. Das war aber ein Verstoß gegen die
Verfassung, nach der das Mindestalter des Präsidenten 40 Jahre betragen
musste. Man inszenierte eine Veranstaltung, die sich Volksabstimmung
nannte, um die Verfassung zu ändern. Das Ergebnis: 100%, also ohne eine
einzige Gegenstimme, würde die Verfassung geändert und „Baby Doc“
Nachfolger seines Vaters.
Damit
die Opposition im Lande den Tod des alten Diktators nicht zum Umsturz
und zur Demokratisierung nutzen konnte, patrouillierten USA
Kriegsschiffe vor Haiti und stützten damit den offenen
Verfassungsbruch, USA-Präsident war damals Richard Milhous Nixon.
1986
wurde Jean-Claude Duvalier gestürzt, Die USA hatten ihn
fallen gelassen, er war nicht mehr zu halten gewesen. Die
Herrschaft seiner von den USA Jahrzehnte gestützten Sippe hatten dem
Volk ein Blutopfer von etwa 30.000 Menschen
gefordert.
Dass
Haiti das ärmste Land Lateinamerikas ist, ist natürlich nicht die
Strafe Gottes wegen dessen Unabhängigkeitskampfes, sondern weil das
Land sich nie wirtschaftlich aus den Klauen der Kolonialmächte befreien
konnte. Als es von Frankreich unabhängig wurde, geriet es in die Abhängigkeit
von den USA. Die hatten nicht das Interesse, das Land zu entwickeln und
schon gar nicht, den Lebensstandard des Volkes zu heben, sondern sie
sahen es als ihre
Halbkolonie an strategisch wichtiger Stelle neben Kuba, vor dem
Panamakanal und vor den Ölregionen Venezuelas und Mexikos.
Die
USA behinderten, wo sie nur konnten, die wirtschaftliche Entwicklung
Haitis und das bis in die
Gegenwart.
Auch
jetzt, nach dem Erdbeben. Schickten sie bewaffnete Truppen, nicht Ärzte,
Pflegepersonal, Helfer bei der Bergung der Opfer. Sie schickten
Küstenwachboote, damit ja kein Haitianer es wagen konnte, übers
Meer in die USA zu kommen
und sie sperrten den Flughafen, behinderten Hilfsflüge und schafften
USA-Bürger aus dem Land.
Die
„Hilfe“ der imperialistischen Mächte besteht darin, das Land
niederzuhalten, das Volk zu unterjochen. Sie nehmen
dabei Hunderttausende von Toten in
Kauf – so wie jetzt nach dem Erdbeben. Das von ihnen
verschuldete Elend nutzen sie jetzt, um das Land sich
vollkommen zu unterwerfen. Die Erdstöße waren nur der aktuelle
Auslöser dieser Katastrophe. Das Elend, das die Menschen dieses Landes
erleiden müssen, hat tiefere Ursachen: Die brutale Ausbeutung eines
Landes, eines Volkes, durch den USA-Imperialismus.
Und
diese feinen Herrschaften spielen sich nun auch noch als Wohltäter auf,
wenn sie Hilfsgüter dorthin schicken. Ihre Tränen über die
Opfer sind Krokodilstränen, sie sind deren Mörder.
Frei
nach Rosa Luxemburg, sie schrieb vor ca. 100 Jahren über die
„Hilfe“ bei einer ähnlichen Katastrophe nach einem
Vulkanausbruch:
„Und
nun sind sie alle auf Haiti, wieder ein Herz und eine Seele, sie helfen,
retten, trocknen Tränen und fluchen dem unglücksäenden Erdbeben, du
gutmütiger Riese, du kannst lachen, mit Ekel kannst du herniederschauen
auf diese mildtätigen Mörder, auf diese weinenden Raubtiere, auf diese
Bestien im Samariterkleid…“
(„Und
nun sind sie alle auf Martinique, wieder ein Herz und eine Seele, sie
helfen, retten, trocknen Tränen und fluchen dem unglücksäenden
Vulkan. Mont Pelée, du gutmütiger Riese, du kannst lachen, mit Ekel
kannst du herniederschauen auf diese mildtätigen Mörder, auf diese
weinenden Raubtiere, auf diese Bestien im Samariterkleid.“)
G.A.
1.000 Billionen steht oder 1015, eine Eins mit 15
Nullen:1.000.000.000.000.000 siehe Wikipedia
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BUSH
IN HAITI?
EIN
HOHN AUF DIE TRAGÖDIE
von
Vicky Pelaez, Kuba
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Cubadebate,
19. Januar 2010.- Wo
immer Schmerz vorhanden sein mag, werde ich meinen Teil leisten, ihn zu
lindern. (Juan José Arreola)
Auf
Bill Clinton und George W. Bush zurückzugreifen, damit sie bei der Tragödie
in Haiti helfen, ist nichts weiter als ein Ignorieren des Schadens,
welchen beide US-Staatsmänner diesem verwüsteten Lande zufügten und
einer der am meisten zynischen Handlungen des US-Präsidenten Barack
Obama. Es war genau 1991, als die Bush-Regierung (Bush sr.) den
Staatsstreich gegen den rechtmäßigen populären Präsidenten
Jean-Bertrand Aristide unterstützte, weil Aristide vorhatte, seinem
Volk die Würde zurück zu geben. Er wollte dies über sanfte sozialökonomische
Reformen bewerkstelligen, die von Washington als ein Aufstand gegen den
globalisierten Neoliberalismus betrachtet wurden. Der Widerstand der
Haitianer zwang die US-Regierung schon unter Präsident Clinton, ihre
Marine-Infanteristen zu entsenden, um Aristide 1994 wieder zur Macht zu
bringen. Aber um seine Nichtunterwerfung unter den von den USA
vorgegebenen neoliberalen Wirtschaftskurs abzustrafen, welcher im
haitianischen Volke als „Plan des Todes“ berüchtigt wurde, erklärte
Clinton das Wirtschaftsembargo gegen Haiti, um das Land zu erdrosseln,
in welchem über 80% der Bevölkerung ständig in Armut lebte. Und von
diesen armen Haitianern überleben wiederum 54% mit weniger als einem
US-Dollar pro Tag.
George
W. Bush (jr) war ganz weit weg entfernt, als der wiedergewählte
Aristide 2004 versuchte, die Volkskomitees zu schaffen und ein
Zivilschutzsystem aufzubauen, um menschlichen Tragödien nach
landesweiten Katastrophen wie dem Erdbeben vorzubeugen, welches Haiti flächendeckend
in der vergangenen Woche verwüstet hat. Diese Initiative wurde von den
Falken aus der Bush-Fraktion als eine „kommunistische Bestrebung“
beurteilt, „welche die nationalen Interessen der USA gefährden würde“.
Sofort reaktivierten sie die Todesschwadronen, die das Land
destabilisierten und den USA einen Vorwand lieferten, Aristide mit dem Märchen
festzunehmen und zu verschleppen, dass er zurückgetreten sei. Hinterher
setzten sie ihre Lakaien als Präsidenten ein und erreichten, dass die
Vereinten Nationen Soldaten schickten, um Haiti zu besetzen und das Land
zum Nutzen der Interessen der transnationalen Konzerne zu verwalten.
Die
imperialistischen Großmächte verziehen Haiti nie, dass es das erste
unabhängige schwarze Land gewesen ist, welches 1804 die Franzosen trotz
der den Franzosen von US-Präsident Thomas Jefferson gegebenen Hilfe
verjagte. Jefferson fürchtete seinerzeit, dass „der Aufstand von
500.000 Sklaven in Haiti die Sklaven in Nordamerika aufstacheln könnte“.
Aus Rache an der Befreiung Haitis zwangen die Franzosen Haiti, eine
Entschädigung zu zahlen, die in heutigem Geld 28
Billiarden US-Dollar ausmachen würde. Dies machte aus diesem
einst reichsten Land Lateinamerikas ein Armenhaus voller Katastrophen.
Kaum waren die Franzosen abgezogen, „interessierten sich“ die
US-Amerikaner für den Reichtum des Landes Haiti: Zuckerrohr. 1915
marschierten sie ein und besetzten das Land Haiti bis 1934. In jenen
Jahren der US-amerikanischen Besatzung erfolgte die flächendeckende
Abholzung der Wälder als größte Umweltschädigung. Der damalige
Seefahrtssekretär und spätere US-Präsident Franklin D. Roosevelt
schrieb die Verfassung von Haiti.
In
Wirklichkeit trug jeder US-Präsident irgendwie zum weiteren Ruin dieses
Landes Haiti bei. Ronald Reagan förderte die US-Schweinefleischfirmen
und befahl Haiti die Vernichtung seines Bestandes an 400.000 Schweinen
unter dem Vorwand der Schweinegrippe, deren Vorhandensein nie bestätigt
wurde. Bill Clinton ließ die Reisproduktion Haitis zerstören. Und
jetzt verspricht Barack Obama den Haitianern 100 Millionen US-Dollar aus
den 500 Millionen Embargo-Dollars von Clinton ... als uneigennützige
Hilfe!!! Obama selbst entsandte zugleich 10.000 schwerbewaffnete
Marine-Infanteristen statt Rettungspersonal und Ärzten. Der
Internationale Währungsfonds (IWF) sagt den Haitianern 100 Millionen
US-Dollar als Darlehen mit Zinsen zu.
Heute
verhöhnt Obama Haiti und die Welt, indem er die Aufgabe des Helfens an
George W. Bush überträgt, welcher als US-Präsident von einem Flugzeug
aus nach dem Hurrikan „Katrina“ herabschaute und zusah, wie die
Afroamerikaner in New Orleans starben.
Quelle:
http://www.cubadebate.cu/ zurück |
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Unter
Zwangsverwaltung
PORT-AU-PRINCE/WASHINGTON/BERLIN
(german-foreign-policy
vom 21. Jan, 2010) – Kritiker warnen vor einer erneuten
Kolonialisierung Haitis mittels der globalen Unterstützungsmaßnahmen
nach dem dortigen Erdbeben. Die internationale Hilfe für Haiti sei
„dringend notwendig“, dürfe aber nicht für „neokoloniale
Einflussnahme“ durch die USA und die EU missbraucht werden, fordert
die Bonner Informationsstelle Lateinamerika, die seit 35 Jahren über
die Entwicklung auf dem Subkontinent berichtet. Überlegungen, die
polizeilich-militärische Präsenz von US-amerikanischen Truppen und
EU-Polizisten auf Dauer aufrecht zu erhalten, werden tatsächlich in den
westlichen Machtzentralen diskutiert. Man benötige „eine Methode,
schlecht funktionierende Länder wie Haiti unter internationale
Zwangsverwaltung zu stellen“, heißt es bei US-Think Tanks; die offene
Übernahme staatlicher Aufgaben in Haiti durch die westlichen Großmächte
hat inzwischen begonnen. Berlin, das in Südosteuropa umfangreiche
Erfahrung mit Protektoraten gesammelt hat, ist in Haiti eher in zweiter
Reihe involviert, beteiligt sich aber gleichwohl am Vorgehen der
westlichen Mächte – im Rahmen der EU.
Zerfallender
Staat
Die
Bonner Informationsstelle Lateinamerika (ila), die seit 1975 die
Entwicklung auf dem Subkontinent beobachtet, warnt vor einer weiteren
Aushöhlung der haitianischen Souveränität. „Internationale Hilfe für
Haiti ist dringend notwendig, aber sie darf nicht zu einer erneuten
Kolonisierung Haitis führen“, schreibt die Informationsstelle.
Insbesondere die Einordnung von Ländern als „zerfallender Staat“,
wie sie jetzt auch für den Karibikstaat vorgenommen werde, diene „zur
Legitimation jeglicher neokolonialer Einflussnahme“.[1] Die Folgen
seien meist fatal: Das zeigten die westlichen Interventionen der letzten
Jahre von Somalia über die Demokratische Republik Kongo bis
Afghanistan, wo Frieden und eine Besserung der Lebensumstände nicht
erreicht werden konnten. Auch auf Haiti habe die Stationierung von
UN-Truppen im Jahr 2004 keine Fortschritte gebracht; von einem Ausbau
der Besatzung sei daher nichts zu erhoffen.
Kontrollmechanismen
Dass
die Warnungen im Falle Haitis besonders begründet sind, belegen mehrere
Analysen der vergangenen Jahre, die die Informationsstelle Lateinamerika
in einem Dossier bereitstellt. Demnach liegen zentrale Ursachen für die
schon vor dem Erdbeben eingetretene Verschlechterung der Lebenssituation
in Maßnahmen der westlichen Großmächte begründet, die unter anderem
mit Hilfe der in Haiti stationierten UN-Truppen (Mission des Nations
Unies pour la stabilisation en Haïti, MINUSTAH) das Land de facto
beherrschen. So urteilte ein haitianischer Wirtschaftsprofessor bereits
im Jahr 2006: „Die so genannte 'internationale Gemeinschaft', das heißt
die Interessenvertretung der Großmächte, hat Kontrollmechanismen
entwickelt, mit denen sie die strategischen Entscheidungen des
haitianischen Staats in der Hand hat.“[2] MINUSTAH selbst ist mit
schweren Vorwürfen konfrontiert, seit die Truppe mehrere Massaker in
Armenvierteln der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince begangen
hat.[3] Deutschland hat bislang zwar keine Soldaten nach Haiti entsandt,
unterstützt MINUSTAH aber mit nichtmilitärischem Personal - und ist
zudem über die EU präsent.
Prioritäten
Wie
sich Beschlüsse der westlichen Großmächte zum Nachteil Haitis
auswirken, zeigt exemplarisch eine Analyse, die die Informationsstelle
Lateinamerika im Jahr 2007 veröffentlicht hat. Darin werden unter
anderem Infrastrukturprojekte der EU beleuchtet. Die Regierung in
Port-au-Prince hatte dem Ausbau des Hauptstadthafens prioritäre
Bedeutung beigemessen, große Teile der Bevölkerung wünschten einen
Ausbau der Infrastruktur auf dem Land. „Aber die EU zieht den Bau
einer großen Straße zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik
vor“, heißt es in der Analyse. Über die Straße solle der Export von
Produkten in die Dominikanische Republik abgewickelt werden, die aus den
USA nach Haiti gebracht und zur Ausfuhr bestimmt seien; für Haiti falle
dabei so gut wie kein Profit ab. Umgekehrt sollten Agrarfirmen aus der
Dominikanischen Republik über die Straße ihre Güter nach Haiti
transportieren und dort verkaufen - zum Schaden haitianischer Bauern.[4]
Mit solchen Maßnahmen trage Brüssel zur Zerstörung der Landwirtschaft
in dem verarmten Karibikstaat bei.
Dominant
Wie
das Auswärtige Amt bemerkt, spielen derzeit in Haiti trotz aller Bemühungen
der EU die Vereinigten Staaten „eine politisch und wirtschaftlich
dominierende Rolle“.[5] Die Außenhandelszahlen verdeutlichen dies:
Haiti bezieht rund die Hälfte seiner Importe aus den USA; etwa 80
Prozent seiner Ausfuhren werden in die USA verbracht. Die
Obama-Administration hat bereits im Frühjahr 2009 begonnen, ihren
Einfluss in Haiti zu verstärken und de facto mitzuregieren. Nach Gesprächen
von Außenministerin Hillary Clinton mit dem demokratisch gewählten
haitianischen Präsidenten René Préval im April ernannte der
Generalsekretär der Vereinten Nationen den ehemaligen US-Präsidenten
Bill Clinton zu seinem Sondergesandten für Haiti. Clinton ist dafür
zuständig, Wirtschaftsprojekte und Investitionen in dem Karibikstaat
anzusiedeln; das sind Tätigkeiten, die in souveränen Staaten der
Wirtschaftsminister erledigt. Die Übernahme staatlicher Aufgaben, etwa
der Flughafensteuerung, nach dem Erdbeben setzt die bereits vorher
begonnenen Bemühungen fort, Haiti der direkten Kontrolle Washingtons zu
unterstellen.
Intensiver
Austausch
Neben
den USA hat auch die EU nach dem Erdbeben ihre Aktivitäten in Haiti
verstärkt. Treibende Kraft ist vor allem die ehemalige Kolonialmacht
Frankreich, der das Auswärtige Amt nachsagt, von allen Ländern der EU
„der wichtigste Partner Haitis mit intensivem Besucheraustausch auf
politischer und administrativer Ebene zu sein“.[6] Bis heute zählt
Frankreich den Karibikstaat wegen seiner kolonialen Vergangenheit und
wegen des dort gesprochenen Französisch zu seiner unmittelbaren
Einflusssphäre. Paris hat schon 2003 ein Konzept entwickelt, das
„State Building“ in Haiti vorsah; damit sollte zugleich die Stellung
Frankreichs und der EU dort gestärkt werden. Der französische Staatspräsident
Nicolas Sarkozy hat nun vorgeschlagen, eine internationale
Haiti-Konferenz durchzuführen, und will dazu die EU nutzen. Brüssel
hat einen Betrag von 400 Millionen Euro zugesagt - für unmittelbare,
aber auch für langfristige Maßnahmen. Zusätzlich ist die Entsendung
der Europäischen Gendarmerietruppe im Gespräch. Die Bundesrepublik
wird sich daran nicht beteiligen, bleibt aber über die EU und mit
Finanzhilfen involviert - und stützt damit die europäischen Einflussmaßnahmen.
Protektorate
Die
langfristige Zielsetzung wird in den westlichen Machtzentralen sorgfältig
diskutiert - am offensten in den USA. Dort geben manche zu bedenken, es
dürften nicht zu viele Kräfte aus Militär und Polizei nach Haiti
entsandt werden, um an den zentralen westlichen Kriegsschauplätzen -
insbesondere in Afghanistan - keine Schwächungen hervorzurufen. In
einem Kommentar, der vom Washingtoner Think Tank Council on Foreign
Relations als Pflichtlektüre („Must read“) deklariert wird, heißt
es hingegen, Haiti habe „einige seiner besten Jahre (...) zwischen
1915 und 1934“ erlebt, „als das Land von US-Marines besetzt war“.
Washington habe damals befürchtet, „Deutschland oder irgendeine
andere feindliche Macht“ könne sich sonst in Haiti festsetzen und
„den Panama-Kanal oder andere wesentliche amerikanische Interessen
bedrohen“.[7] Man habe in dem Protektorat nicht selbst die Regierung
übernommen, sondern über einheimische Eliten die Kontrolle ausgeübt.
Ähnliches schwebt den Autoren offenbar auch für die nähere Zukunft
vor. „Wir brauchen dringend eine Methode“, schreiben die Autoren des
„Must read“-Kommentars, „um schlecht funktionierende Länder wie
Haiti unter internationale Zwangsverwaltung zu stellen“. Als Modell
werden die EU-Protektorate Bosnien und Kosovo genannt. Die Lebensverhältnisse
dort gehören zu den miserabelsten in ganz Europa.
[1]
Haiti-Dossier; www.ila-web.de/artikel/Haiti_Dossier/haiti_dossier012010.htm
[2] Rückkehr zur Würde. Interview mit Camille Chalmers von der
Haitianischen Plattform für Alternative Entwicklung (PAPDA); ila 296,
Juni 2006. Das Interview ist, wie auch weitere Analysen, in dem
Haiti-Dossier auf www.ila-web.de abrufbar.
[3] Krieg gegen die Armen. Debatte um Stationierung der UN-Truppen in
Haiti; ila 304, April 2007
[4] Tsigereda Walelign: Die Rückkehr des Kolonialismus. Wie die
„internationale Gemeinschaft“ ein Land zerstört; ila 303, März
2007
[5], [6] Haiti: Außenpolitik; www.auswaertiges-amt.de
[7] America's Uncertain Presence in Haiti's Uncertain Future;
commentarymagazine.com 18.01.2010 |
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