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Ethnische
Säuberung
Die
Vertreibung von Palästinensern aus dem Zentrum Hebrons
Quelle:
freace.de
vom 16.05.2007
Im
Oktober des vergangenen Jahres fand
der UN-Sonderbotschafter für Menschenrechte in den palästinensischen
Gebieten, John Dugard, vor dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen äußerst
deutliche Worte für das Vorgehen Israels gegen Palästina und die palästinensische
Bevölkerung.
„Israel
hat den Gaza-Streifen in ein Gefängnis für die Palästinenser verwandelt
und den Schlüssel weggeworfen“, sagte er damals. Palästinenser, die
zwischen der von Israel errichteten „Mauer“ und der „Grünen
Linie“ leben, können nicht länger frei Schulen und Arbeitsplätze
erreichen. Viele hätten bereits ihre Bauernhöfe verlassen, so Dugard.
„In anderen Ländern könnte dieser Prozeß als ethnische Säuberung
beschrieben werden, aber die politische Korrektheit verbietet eine solche
Sprache, wenn es um Israel geht.“
Betrachtet
man einen Anfang dieses Monats veröffentlichten Bericht
der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem, so ist Dugards
Einschätzung nicht nur zuzustimmen, er läßt auch keinen Spielraum mehr
für „politische Korrektheit“.
Hebron
ist die zweitgrößte Stadt der West Bank und die einzige palästinensische
Stadt, in deren Mitte sich eine israelische „Siedlung“ befindet. Eine
dem Bericht zugrundeliegende Studie ist zu dem Ergebnis gekommen, daß
mindestens 1.014 Wohnheiten im Zentrum Hebrons, der Altstadt, von ihren
Bewohnern verlassen worden sind, was 41,9 Prozent aller Wohneinheiten in
dem untersuchten Gebiet entspricht. 65 Prozent dieser verlassenen
Wohnungen wurden demnach in den vergangenen sechseinhalb Jahren seit
Beginn der zweiten Intifada - der Auflehnung gegen die israelische
Besatzung - verlassen. 1.829 - 76,6 Prozent - der ehemals 2.388 Geschäfte
sind mittlerweile geschlossen.1.141 hiervon - 62,4 Prozent - wurden während
der zweiten Intifada geschlossen, mindestens 440 davon auf Befehle des
israelischen Militärs hin.
Gründe
für diese Flucht sind „die schwerwiegenden und weitreichenden Beschränkungen
der palästinensischen Bewegungsfreiheit und das systematische Versagen
der Behörden, Gesetz und Ordnung gegenüber gewalttätigen
„Siedlern“, die Palästinenser angreifen, durchzusetzen“, so der
Bericht. Die palästinensischen Bewohner der Stadt leiden außerdem unter
dem Vorgehen der israelischen Sicherheitskräfte.
Während
den ersten drei Jahren der Intifada verhängte das israelische Militär
insgesamt 377 Tage lang Ausgangssperren, die längste hiervon dauerte 182
Tage an, unterbrochen nur von wenigen Stunden ein oder zwei Mal die Woche,
um die Vorräte auffüllen zu können. Die Menschen waren also teilweise
monatelang Gefangene in ihren eigenen Häusern. Die wirtschaftlichen und
gesundheitlichen Folgen hiervon sind nicht schwer zu erahnen. Außerdem
schuf das Militär einen Streifen, an dem entlang sich keine palästinensischen
Fahrzeuge bewegen dürfen. Dieser Streifen durchläuft nicht nur
zahlreiche Straßen, auf denen es sogar palästinensischen Fußgängern
verboten ist, sich zu bewegen, sondern blockiert vor allem mehrere der
Hauptverkehrsadern der Stadt von Nord nach Süd. Darüber hinaus schaffen
die für Verkehr als auch Fußgänger gesperrten Straßen teilweise vollständig
eingeschlossene Gebiete, zugänglich nur durch israelische Kontrollpunkte
- mit den bekannten Folgen „gründlicher“ Durchsuchungen und
Erniedrigungen.
All
dies dient nach israelischer Darstellung dem Schutz der israelischen
„Siedlungen“ innerhalb der Stadt. Die Palästinenser andererseits
brauchen aber nicht auf Schutz vor militanten „Siedlern“ zu hoffen.
Während
der gesamten zweiten Intifada ist es immer wieder zu Angriffen von
„Siedlern“ auf palästinensische Zivilisten gekommen, teils mit Schlägen,
teils mit Knüppeln, teils durch das Werfen von Steinen, Sand, Wasser,
leeren Flaschen und sogar Chlor. „Siedler“ zerstörten Geschäfte und
Türen, begangen Diebstähle und fällten Obstbäume. In mehreren Fällen
eröffneten „Siedler“ sogar das Feuer auf Palästinenser oder
versuchten sie zu überfahren. In einem Fall vergifteten sie einen
Brunnen, in einem anderen töteten sie ein palästinensisches Mädchen.
Obgleich israelische Soldaten praktisch an jeder Straßenecke postiert
sind, greifen sie nur höchst selten ein, um Palästinenser vor solchen Übergriffen
zu schützen. Gleiches trifft auch auf die Polizei zu. Dies kann nur als
stillschweigende Zustimmung betrachtet werden - eine Botschaft, die von
den „Siedlern“ offenbar auch sehr gut verstanden wird.
Über
diese passive Unterstützung der „Siedler“ gehen die israelischen
Soldaten und Polizisten aber auch aktiv gegen die palästinensische Bevölkerung
vor - wie letztlich überall in den besetzten Gebieten. Gewalt, willkürliche
Hausdurchsuchungen, die Beschlagnahme von Häusern, Schikanierung und
Verhaftung von Passanten sind zu einem festen Bestandteil des täglichen
Lebens geworden und tragen ihr übriges dazu bei, daß immer mehr Menschen
versuchen, diesen Bedingungen zu entkommen. Auch wenn derartiges Verhalten
in einigen Fällen nicht einmal durch die israelische Armeeführung
gedeckt wurde, so ist doch offensichtlich, daß es in seiner Gesamtheit
auch dort Zustimmung findet, da auch auf dieser Ebene kaum Versuche
unternommen werden, es einzudämmen.
All
dies kann nur noch als gezieltes Vorgehen zur Vertreibung der palästinensischen
Bevölkerung - also ethnische Säuberung - bezeichnet werden.
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