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„USA haben den Putsch in Honduras tatkräftig unterstützt“

Von Eva Golinger   

redglobe  vom 13. Oktober 2009 – Eva Golinger wurde 1973 in New York geboren. Die Rechtsanwältin, Publizistin und Autorin venezolanischer Abstammung lebt seit einigen Jahren in Caracas. In ihren Artikeln und (drei) Büchern untersucht sie die Einmischung der USA in Lateinamerika. In deutscher Sprache erschien bislang „Kreuzzug gegen Venezuela. Der Chávez Code“ (Zambon Verlag, 2006). Mit ihr sprach Manola Romalo.
„Wenn sie ihnen fünf Minuten die Waffen entziehen, stürtzt das De-facto-Regime“, sagte Präsident Manuel Zelaya in der vergangenen Woche dem Widerstandssender Radio Globo. Als „Druckmittel“ haben die USA das Streichen von 16 Mio. Dollar von insgesamt 260 Mio. angekündigt. Welche Rolle spielen die USA aktuell in Honduras?

Die Regierung der Vereinigten Staaten hat gar keine realen Maßnahmen ergriffen, um auf die hondurianischen Streitkräfte Druck auszuüben. Die 16 Mio. Dollar, die sie angeblich streichen wollten, hatten sie schon ausgezahlt. Das war nur eine Nebelkerze für die Öffentlichkeit, um den Druck zu mindern, den wegen des Staatsstreichs in Honduras ausgesetzt war. Das US-Militär befindet sich weiterhin auf dem Militärstützpunkt von Soto Cano (Palmerola), über den die Amerikaner die vollkommene Kontrolle haben. Wir sahen ja gerade, wie sie diesen Militärstützpunkt für das geheime Treffen zwischen dem Generalsekretär des OAS (Organisation Amerikanischer Staaten), José Miguel Insulza, mit dem Diktator Micheletti benutzten. Anwesend waren auch US-Botschafter Hugo Llorens und Pentagon-Offiziere.

Wie viel Geld geben die Vereinigten Staaten tatsächlich an Honduras?

Die Amerikaner sagen, dass sie einen Teil der Gelder der USAID (United States Agency for International Development), das dem State Department direkt unterstellt ist, ausgesetzt haben. Aber dieses Geld war schon ausgezahlt! Der größte Teil des Betrages das vom State Department nach Honduras fließt, wird nicht direkt der hondurianischen Regierung ausgezahlt, das bekommen andere. Dann gibt noch einen Betrag vom Pentagon, dessen Höhe ich nicht kenne, da sie diese Information nicht veröffentlichen.

Welche Organisationen bekommen die Unterstützungen des US-Außenministerium?

Die so genannte „Zivilgesellschaft“, also Unternehmerverbände, ONG`s, Medien. Es ist bewiesen, dass diese Gruppen den Staatsstreich unterstützt haben und weiterhin der Putsch-Regierung helfen. Was die Millenium-Kooperation betrifft sind ca. 270. Mio. Dollar schon ausgezahlt worden. 2009 gibt die USAID 49 Mio. aus, im Jahr 2010 erhöht sich dieser Betrag auf 68. Mio. Dollar.
Wenn Zelaya sagt, dass das Putschregime in Honduras sich an die Macht hält weil es von den Vereinigten Staaten unterstützt wird, ist das richtig. Falls die USA tatsächlich das Regime ersticken wollten, um seinen Abgang zu forcieren, hätten sie energischere Maßnahmen ergreifen müssen. Dieses Ziel hatten sie aber niemals. Das Ziel der Amerikaner war den Verhandlungsprozess bis zu den November-Wahlen zu verzögern um niemals die Rückkehr an der Macht von Manuel Zelaya zu erlauben.

In einem Brandbrief vom 9. August 2009, adressiert an Hugo Llorens, den US-Botschafter in Tegucigalpa, geben Manuel Zelaya und sein Kabinett ihm und Hillary Clinton die Verantwortung für das „Blutbad des hondurianischen Volkes.“ Welche Rolle spielte Hugo Llorens in dem Staatstreich?

Hugo Llorens, Botschafter der Vereinigten Staaten ab Mai 2008, hat eine dunkle Vergangenheit. 2002 war er stark in den Staatstreich gegen den venezolanischen Präsidenten Chávez verwickelt. Llorens, gebürtiger Kubaner, gehört zu den ultra-rechten Gruppierungen aus Miami, die versuchen, linksgerichtete Regierungen zu destabilisieren. 2002 bis 2003 war er Koordinator der US-Politik für die Andenstaaten im Nationalen Sicherheitsrat (National Security Council). Damals war der berüchtigte Otto Reich Untersekretär für die Süd-Hemisphäre. Mehrere Wochen vor dem Staatstreich, sogar noch einige Tage davor, hat Llorens die Hauptakteure des hondurianischen Putsches getroffen. Er hat sich öffentlich gegen die „Vierte Urne“ gewandt. Llorens hat den reaktionären Kräften geholfen den Staatsstreich zu koordinieren.

Wodurch?

Am 28. Juni, als die Militärs mit Gewalt Manuel Zelaya aus seiner Wohnung entführten, schickte die US-Botschaft einen Wagen, um Xiomara Castro de Zelaya, die Frau des Präsidenten, an einem Ort außerhalb von Tegucigalpa an dem sie sich aufhielt, abzuholen. Der Botschaftswagen kam dort zwischen 9.00 und 10.00 Uhr an. Während die Militärs den Präsidenten gewaltsam entführten und nach Costa Rica ausflogen, hat die US-Botschaft praktisch eine simultane Aktion koordiniert. Das berichtete Xiomara Castro de Zelaya selbst. Sie wollten auch sie aus dem Land bringen, aber sie hat sich geweigert. Das beweist, dass die Vereinigten Staaten jede Minute wussten, was geschieht.

Quelle: redglobe

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