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Frau Merkel in Indien

Wenn zwei sich streiten schürt der Dritte oder

Deutsche Regierung schürt in Asien Konflikte

Von Gerd Höhne

Kommunisten-online vom 1. Juni 2011 – Der Konflikt ist nicht erst seit gestern. Indien auf der einen und China und Pakistan auf der anderen Seite und alle drei Länder besitzen Atomwaffen. Frau Merkel ist nicht in Neu Delhi um sich das Taj Mahal zu besichtigen oder auf Fotosafari zu denen bengalischen Tigern zu gehen.

Es geht – um was auch sonst? – und Geld, um Profite für die Konzernherren. So will die Kanzlerin als Handelsvertreterin der Kriegsindustrie den Indern den 126 Eurofighter verkaufen. Das spült  10 Milliarden US-Dollar – das sind rund 6,9 Milliarden €) Für solch einen Gewinn hat mancher Konzern schon einige Menschen um bringen lassen. Das Mordgerät soll Geld in auf die Konten der Konzerne schaufeln.

Entsprechend hochrangig ist die Riege der Damen und Herren besetzt: Kriegsminister Thomas de Maizière, Polizeiminister Peter Friedrich, die Herrscherin über die PISA-geplagten deutschen Schulen und Un-Bildungsministerin Annette Schavan, der  Herr über die Autobahnen, Bundesstraßen und B ahnen, Verkehrsminister Peter Ramsauer. Natürlich gehört auch der umtriebige Guido mit der Westerwelle dazu.

Man fragt sich, was macht Frau  Schavan in der Delegation? Will die Merkel die deutschen Unis nach Indien verscherbeln? Keine Ahnung.

Was da der Kriegsherr de Maizière in der Delegation zu suchen hat, wird da schon eher klar: Mordszeug verkaufen.

Jede Stärkung Indiens bedeutet auch Rückschlag für China. Nun, auch in China wird prächtig verdient. Aber die Chinesen verfolgen handfeste Eigeninteressen und sind auch nicht so leicht um die Finger zu wickeln. Folglich ist er ein Tritt gegen das Schienbein Pekings, wenn die deutsche Regierung, gefolgt auch von der Spitze der EU, die Inder hofiert und Indien hochpäppelt – auch und vor allem militärisch.

Und schließlich ist Indien nach China das Land mit der größten Einwohnerzahl:  1,2 Milliarden Menschen. Man stelle sich vor: Nur 1% von ihnen würde sich einen VW-Golf kaufen. das wären 12 Mio. Wolfsburger Blechkisten auf Indiens Straßen und einen Riesenberg Euros für den Wolfsburger Konzern.

So, oder so ähnlich, rechnen die mit reisenden Chefs der Konzerne und Angie hat die Türen zu öffnen, die Herzen der indischen Herrscher aber auch die Hände für Bestechungsgeld.

Wenn dabei auch noch China mit seiner lästigen Konkurrenz auf den Energie- und Rohstoffmärkten etwas in die Schranken gewiesen wird – nun, das ist gewollt.

G.H.

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Offensiven gegen China (I)

NEW DELHI/BERLIN

Quelle: german-foreign-policy.com vom 31.05.2011

Auf Kommunisten-online am 1. Juni 2011– Mit den heute erstmals stattfindenden deutsch-indischen Regierungskonsultationen treibt Berlin den Aufbau eines Bündnissystems gegen das aufsteigende China voran. Das Treffen sei „ein Meilenstein in der Zusammenarbeit der beiden Länder“, wird der deutsche Botschafter in New Delhi zitiert. Es soll die schon bestehende „strategische Partnerschaft“ zwischen Deutschland und Indien stärken. Regierungskonsultationen führt Berlin bislang nur mit europäischen Staaten und Israel. Bei den Gesprächen steht der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen im Vordergrund. Geschäfte in Indien verhießen rekordträchtige Gewinne, werben die zuständigen Organisationen der Berliner Außenwirtschaftspolitik. Tatsächlich sollen Konzernaktivitäten die Einflussarbeit Berlins in Indien unterfüttern. Hintergrund ist die Absicht, die traditionellen indisch-chinesischen Rivalitäten zu nutzen, um den Aufstieg Chinas mit Hilfe einer Gegenmacht aus Asien zu bremsen. Zu diesem Zweck treibt die Bundesregierung auch die Aufrüstung Indiens voran: In New Delhi will die deutsche Kanzlerin für den Verkauf von Kampffliegern vom Typ Eurofighter werben. Indien soll mehr als 120 Stück für zwölf Milliarden US-Dollar erwerben. Die deutschen Kooperationspläne werden von der EU unterstützt, die bald ein Freihandelsabkommen mit Indien abschließen will - und zuletzt eine Erklärung über gemeinsame Marineaktivitäten im Indischen Ozean unterzeichnet hat.

Ein Meilenstein

An den heutigen deutsch-indischen Regierungskonsultationen nehmen außer der Bundeskanzlerin die Bundesminister für Verteidigung, für Inneres, für Verkehr sowie für Bildung teil. Bereits gestern war der deutsche Außenminister zu vorbereitenden Gesprächen in New Delhi eingetroffen. Der deutsche Botschafter in Indien stuft die neuen Regierungskonsultationen als einen „Meilenstein in der Zusammenarbeit der beiden Länder“ ein.[1] In der deutschen Delegation, die laut Berichten 175 Personen umfasst, sind zahlreiche Unternehmer vertreten. Der Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen gilt als zentraler Gegenstand der Gespräche. Organisationen der deutschen Außenwirtschaftspolitik werben energisch für Geschäftstätigkeiten in Indien. So behauptet etwa der Hauptgeschäftsführer der zuständigen Außenhandelskammer: „Deutsche Investoren sind so überzeugt wie nie zuvor, dass Indien sich weiter auf einem nachhaltigen und schnellen Wachstumspfad befindet“.[2] In der Tat ist die indische Wirtschaft zur Zeit von einem starken Aufschwung geprägt; auch der deutsch-indische Handel steigt rapide an. Im nächsten Jahr soll er laut den Plänen der Bundesregierung ein Volumen von 20 Milliarden Euro erreichen. Weitere deutsche Direktinvestitionen in Indien werden ebenfalls angestrebt.

Zwei zu acht

Dem aktuellen Anstieg des deutschen Indien-Geschäfts gingen langjährige politische Bemühungen voraus. Noch im Jahr 2003 belief sich der bilaterale Warentausch auf ein Volumen von gerade fünf Milliarden Euro. Indienreisen zahlreicher Minister aus Bundes- und Landesregierungen, die darauf angelegt waren, den Handel in Gang zu bringen, erzielten nur mäßigen Erfolg. Erst in jüngster Zeit gelang der Durchbruch; vergangenes Jahr überstieg der deutsch-indische Außenhandel erstmals 15 Milliarden Euro. Damit liegt er aber immer noch weit hinter dem Austausch zwischen Deutschland und dem viel kleineren Südkorea und bleibt uneinholbar hinter dem eigentlichen asiatischen Rivalen zurück: Der Handel zwischen Deutschland und China belief sich 2010 auf mehr als 130 Milliarden Euro - bei weiter rapide steigender Tendenz. Das Verhältnis entspricht dem Unterschied zwischen der ökonomischen Entwicklung Indiens und Chinas. Während die Volksrepublik seit den 1980er Jahren „ungefähr eine Verachtfachung der Pro-Kopf-Einkommen“ verzeichnen könne, „gab es in Indien kaum mehr als eine Verdoppelung“, resümiert ein Experte. Indien stelle darüber hinaus „höchstens 10 Millionen Arbeitsplätze in exportorientierten Industrien zur Verfügung“ - in China „sind es ungefähr 100 Millionen mehr“.[3] Mit symbolischem Unterton erklärt der Wirtschaftswissenschaftler: „Indiens Autobahnen sind meist in der Planung, in China rollt darauf der Verkehr.“

Vom Rivalen zum Feind

Der Rückstand Indiens läuft deutschen Interessen zuwider, weil Berlin das Land als asiatische Gegenmacht zum weiterhin aufsteigenden China zu nutzen sucht. Indien und China sind traditionell Rivalen im Kampf um Einfluss in Asien. Territorialkonflikte zwischen den beiden Ländern um das Gebiet Arunachal Pradesh, die 1962 sogar in einen Krieg mündeten, sind bis heute nicht endgültig beigelegt. Die Entspannung zwischen New Delhi und Beijing, die sich in den vergangenen Jahren abzeichnete, scheint mittlerweile neuen Rivalitäten zu weichen. Während China aus einer Position der Stärke um wirtschaftliche Zusammenarbeit wirbt, kollidieren die Interessen der beiden Staaten unter anderem im Indischen Ozean. Dort sichert sich Beijing zur Absicherung seines Handels eine Kette von Hafenstützpunkten („Strategie der Perlenkette“ [4]), was New Delhi als Einmischung in sein angestammtes Hegemonialgebiet ansieht. Die indischen Eliten begriffen den Aufstieg Chinas als Bedrohung, heißt es in Berichten: „Immer mehr indische Politiker und Militärs sprechen (…) nicht mehr von China als Rivalen, sondern als Feind.“[5]

Im Indischen Ozean

Berlin und die EU nutzen die Spannungen zwischen den beiden asiatischen Mächten, um Indien gegen China in Stellung zu bringen. Die Bundesregierung hat New Delhi zu ihrem „strategischen Partner“ ernannt und mit einer Reihe von Kooperationserklärungen die beiderseitigen Beziehungen zu stärken versucht (german-foreign-policy.com berichtete [6]). Die heute beginnenden exklusiven Regierungskonsultationen setzen diese Linie fort. Auch die EU führt New Delhi als „strategischen Partner“. Um die Wirtschaftsbeziehungen zu stärken, verhandelt sie seit mehreren Jahren über ein Freihandelsabkommen, das noch im laufenden Jahr verabschiedet werden und den beiderseitigen Wirtschaftsbeziehungen einen massiven Aufschwung verschaffen soll. Im Dezember 2010 haben die EU und Indien darüber hinaus auf ihrem regelmäßig abgehaltenen Gipfeltreffen verschiedene Erklärungen unterzeichnet, die ebenfalls die Kooperation intensivieren sollen, darunter auch eine Erklärung über die Zusammenarbeit bei der sogenannten Terrorismusbekämpfung. Damit werden umfassendere Beziehungen zwischen den Repressionsapparaten beider Seiten angebahnt. Zudem enthält die gemeinsame Abschlusserklärung des europäisch-indischen Gipfeltreffens die Zusage, „Dialog und Kooperation“ im Bereich „Sicherheit und Verteidigung“ voranzutreiben. Das beziehe sich, heißt es, nicht zuletzt auf gemeinsame „Marineoperationen zur Bekämpfung von Piraterie“.[7] Wie die EU-Botschafterin in Indien bestätigt, beschränkt sich dies keinesfalls auf abgestimmte Aktivitäten am Horn von Afrika. Die künftige Kooperation betreffe vielmehr „die Bekämpfung der Seeräuberei im Indischen Ozean, über die somalischen Gewässer hinaus.“[8]

Eurofighter

Die geplante Marinekooperation zwischen der EU und Indien ergänzt den Ausbau der Militär- und der Rüstungskooperation, den Berlin schon seit geraumer Zeit vorantreibt. Bereits im September 2006 hatten die Verteidigungsminister Deutschlands und Indiens vereinbart, einen „strategischen Dialog“ zu initiieren und zu diesem Zweck einen jährlich zu militärpolitischen Themen tagenden Ausschuss einzurichten. Zuletzt hatte der deutsche Verteidigungsminister im Februar New Delhi besucht und dort mit seinem indischen Amtskollegen konferiert. Gegenstand der Gespräche war unter anderem das deutsche Ansinnen, Indien solle 126 Eurofighter im Wert von ungefähr zwölf Milliarden Euro kaufen. Dafür setzt sich auch die deutsche Kanzlerin an diesem Dienstag in New Delhi ein. Konkurrent ist der französische Rüstungskonzern Dassault mit seinem Kampfflugzeug Rafale. Die Bundesrepublik hat die Ausfuhr von Kriegsgerät nach Indien, das in den letzten fünf Jahren der bedeutendste Käufer von Kriegsgerät auf dem Weltmarkt war, allerdings schon in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert. Das Volumen der deutschen Rüstungsexporte nach Indien belief sich offiziellen Angaben zufolge zuletzt gewöhnlich auf Jahreswerte von rund 100 Millionen Euro. Das Kriegsgerät kommt dem traditionellen Rivalen Chinas, des Hauptgegners der westlichen Welt, zugute - nicht trotz, sondern wegen der zunehmenden Spannungen zwischen New Delhi und Beijing.

[1], [2] Indien wird Chefsache; www.handelsblatt.com 29.05.2011
[3] Erich Weede: Es ist die Demographie, Dummkopf! www.faz.net 23.05.2011
[4] s. dazu Am Indischen Ozean
[5] Ernüchterung nach Wens Besuch in Indien; www.nzz.ch 18.12.2010
[6] s. dazu Chinas Gegenspieler
[7] EU-India Summit Joint Statement. Brussels, 10 December 2010
[8] EU - Indien: Freihandelsabkommen in Sicht; www.arte.tv 13.04.2011a

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