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 Zu Hintergründen der US-Aggression gegen den Iran (50er Jahre)

DIE ZERSCHLAGUNG VON MOSSADEGH DURCH DIE CIA

von Juan Marrero, Havanna

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

Havanna, 29. Juli 2010, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 2. August 2010) -   Die Bedrohung gegenüber dem Iran war auch Thema in den kürzlich veröffentlichten Gedanken und Beiträgen von Fidel Castro. Dort wurde Bezug insbesondere zu einer Tatsache hergestellt, die schon 57 Jahre zurückliegt: Die Zerschlagung der rechtmäßig gewählten Regierung des iranischen Premierministers Mohammad Mossadegh unmittelbar nach dessen Dekretierung der Nationalisierung des Erdöls. Das iranische Erdöl wurde bis dahin von der Anglo-Iranischen Erdölgesellschaft ausgebeutet. Dieses Konsortium unterstand der Kontrolle der britischen Regierung und wurde einige Jahre später in British Petroleum (BP) umbenannt. Herbei handelt es sich um denselben Ölkonzern, der in diesen Tagen im Golf von Mexiko die größte Umweltkatastrophe der Geschichte angerichtet hat.

In einer an die Muslime gerichteten Rede vom 4. Juni 2010 an der Universität von Kairo erkannte US-Präsident Obama an: „Im Kalten Krieg spielten die USA eine Rolle bei der Zerschlagung einer demokratisch gewählten Regierung“, und zwar jener von Mossadegh im Iran.

Es ist schon ganz richtig, dass er dies anerkannt hat. Denn seit einigen Jahrzehnten ist bekannt, dass damals US-Präsident Dwight Eisenhower, CIA-Direktor Allan Dulles und sein Bruder US-Außenminister John Foster Dulles das gesamte Komplott leiteten, um die Regierung von Mossadegh zu zerschlagen. Mossadegh war ein Politiker mit demokratischen und kleinbürgerlich-nationalistischen Ideen, welcher jedoch keinerlei Sympathien für den Kommunismus hegte. In seinen Memoiren schrieb Eisenhower drei Monate nach seiner Übernahme des Weißen Hauses: „Iran ist offenbar an einem Punkt, in die Hände der Kommunisten zu fallen“. Und sein Erdöl sollte „auf keinen Fall in die Hände des Kommunismus gelangen“.

Von der souverän getroffenen Entscheidung Mossadeghs war gar kein US-Ölkonzern betroffen. Denn die Kontrolle über diesen strategischen Rohstoff lag in den Händen der Anglo-Iranischen Ölgesellschaft, in der die Londoner Regierung 52% der Aktien seit ihrer Gründung zu Beginn des 20. Jahrhunderts unmittelbar nach der Entdeckung der riesigen Erdölvorkommen im Iran hielt.

Nur sechs Jahre nach ihrer Gründung wurde die CIA damit beauftragt, ihre Handbücher der Subversion anzuwenden, um eine demokratisch gewählte Regierung zu zerschlagen. Sie schaffte dies im Fall des Iran, und ein Jahr später auch in Guatemala, wo die demokratische Volksregierung von Jacobo Arbenz die aus US-imperialistischer Sicht „Dreistigkeit“ besaß, in ihrem Programm auch eine Bodenreform zu verankern. Im revolutionären Kuba erlitt das subversive Vorgehen der CIA in seinen verschiedenen Varianten seit dem 1. Januar 1959 ein halbes Jahrhundert lang Niederlage auf Niederlage.

Claude Julien, ein französischer Journalist und Chefredakteur der Internationalen Sektion der Tageszeitung Le Monde schrieb in seinem 1968 in Paris veröffentlichten Buch „Das US-Imperium“ eine minutiös dokumentierende Abhandlung über die erfolgreiche Generalprobe für die CIA im Iran 1953. Gleich nach dem 2. August, an welchem ein Referendum stattfand und 99,4% der abgegebenen Stimmen für die Regierung Mossadegh stimmten, verstärkte die CIA ihr Eingreifen. Von der Schweiz aus, wo sich Allen Dulles, der US-Botschafter im Iran Loy Henderson und Familienangehörige des Schah Reza Pahlevi unter verschiedenen Vorwänden befanden, wurden die Etappen des Staatsstreiches im Iran geleitet.

Damals kam hinter der Fassade eines Touristen US-General H. Norman Schwartzkopf in den Iran. Dies war eine finstere Gestalt, die die Polizei des Schahs von Persien zwischen 1942 und 1948 reorganisiert hatte. Er galt als Iran-Experte. Die CIA gab ihm 10 Millionen Dollar, was damals eine beachtliche Summe war, welche er insgeheim unter jenen Persönlichkeiten der Regierung verteilen sollte, die dem Gelde mehr als dem Dienst am eigenen Volk zugeneigt waren. Mit einem Teil dieser Summe von ca. 400.000 Dollar wurden auch asoziale Elemente gekauft, die auf der Straße Stimmung gegen die Regierung zu machen hatten. Mit dem Rest bezahlte man die großen Massenmedien des Imperiums USA, um jene inszenierten Straßenunruhen als Volksaufstand darzustellen. Und die loyal zum nach Italien geflohenen Schah von Persien stehenden Offiziere der Streitkräfte Irans wurden kontaktet und gut bezahlt von Schwartzkopf, damit sie Mossadegh und seine engsten Gefolgsleute festnahmen. Der Weltöffentlichkeit wurde eine große Lüge aufgetischt: Das iranische Volk, welches im Referendum vom 2. August sein Vertrauen in Mossadegh aussprach, sollte dasselbe Volk sein, welches ihm seine Macht am 19. August entzog.

Schwartzkopf bestimmte zusammen mit dem Schah von Persien die neue iranische Regierung unter General Zahedi, der Premierminister wurde. Er war zuvor Polizeichef des Schahs gewesen. Er war einer der größten Weizenschieber im Süden des Irans. Außerdem unterhielt er enge Beziehungen mit Nazi-Agenten aus dem faschistischen Hitlerdeutschland, die nach dem Ende des 2. Weltkriegs auf iranischem Territorium Zuflucht gefunden hatten und dort in den Bergen lebten. Dies war der Mann, auf den die CIA zurückgriff, um Mossadegh im Namen der Demokratie zu zerschlagen und eine andere Regierung in Teheran zu bilden. Und solche „Verdienste“ wurden keinesfalls in den Tagen des Kalten Kriegs verachtet, als es um den Kampf gegen die Ausweitung der Sowjetunion ging.

Jener „Demokrat“ Zahedi organisierte sechs Monate später sogenannte freie Wahlen. Die Zeitschrift Time schrieb dazu: „Alles war nichts weiter als ein Betrug. Die zwölf gewählten Abgeordneten für die Nationalversammlung wurden handverlesen, noch bevor der erste Wähler seinen Stimmzettel in eine Urne geworfen hatte. Sie alle waren Parteigänger des Generals Zahedi. Ein Wähler hatte seinen Stimmzettel eingeworfen und ließ anschließend die Urne dreimal gründlich prüfen. Als er nach dem Grund dafür befragt wurde, antwortete er: 'Diese Urne ist ein Zauberkasten. Man steckt einen Stimmzettel mit dem Namen Mossadegh hinein. Und bei der Auszählung wird daraus eine Stimme für Zahedi.'„

Mossadegh wurde zu drei Jahren Kerkerhaft und anschließendem Hausarrest für den Rest seiner Lebenszeit verurteilt. Er verstarb 1967.

Claude Julien erzählt in seinem Buch, dass die Regierung von Zahedi es schaffte, den Erdölstreit zu begraben. Die Anglo-Iranische Ölgesellschaft verschwand als solche. Und als eine Art Geste des Dankes für die entschiedene von den USA eingenommene Rolle wurden etliche US-Ölkonzerne wie die Standard Oil, Texaco und Soconny Vacuun Oil usw. in einem neuen Konsortium zugelassen. Und damit war die Geburtsstunde für die BP gekommen, in der Großbritannien und die USA jeweils 40% der Aktien halten. Mit der islamischen Revolution von 1979 wurde die BP aus dem Iran rausgeworfen.

Es geht da also um eine interessante und sehr aufschlussreiche Geschichte, um die Gründe für den Fall Iran sowie die Verbindungen zwischen der BP und der US-Regierung zu verstehen.

Quelle: http://www.cubadebate.cu/

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