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Sind wir bereit für einen Krieg gegen den dämonisierten Iran?

Warum die USA den iranischen Wahlen die Rechtmäßigkeit absprechen wollen

AUTOR:  Paul Craig ROBERTS

Übersetzt von  Zeit-Fragen

Quelle: Tlaxcala vpm 16.6.2009 (auf K-online am 26. Juni 2009)

Wie viel Aufmerksamkeit schenken die US-Medien den Wahlen in Japan, Indien, Argentinien oder irgendeinem anderen Land? Wie viele Amerikaner oder amerikanische Journalisten wissen überhaupt, wer in anderen Ländern – abgesehen von England, Frankreich und Deutschland – ein politisches Amt ausübt? Wer kennt die Namen der Regierungschefs der Schweiz, Hollands, Brasiliens, Japans oder selbst Chinas?

Aber viele kennen Irans Präsidenten Ahmadinejad. Der Grund liegt auf der Hand. Er wird in den US-Medien täglich dämonisiert.

Die Dämonisierung Ahmadinejads durch die US-Medien veranschaulicht an sich schon die amerikanische Ignoranz. Der Präsident Irans ist nicht der Herrscher. Er ist nicht der Oberkommandierende der Streitkräfte. Er kann keine politische Linie festlegen, die außerhalb der Grenzen liegt, welche die iranischen Herrscher setzen – die Ajatollahs, welche nicht zulassen wollen, dass die iranische Revolution mittels amerikanischen Geldes in einer dieser Farbcode-«Revolutionen» gestürzt wird.

Die Iraner haben bittere Erfahrungen mit der Regierung der Vereinigten Staaten gemacht. Ihre erste demokratische Regierung nach Überwindung des Status der Besetzung und Kolonialisierung in den 1950er Jahren wurde von der US-Regierung gestürzt. An die Stelle des gewählten Kandidaten hat die US-Regierung einen Diktator eingesetzt, der Andersdenkende, die der Meinung waren, Iran sollte ein unabhängiges Land sein und nicht von einer amerikanischen Marionette regiert werden, folterte und ermordete.

Die US-«Supermacht» hat den iranischen islamischen Ajatollahs die iranische Revolution der späten 1970er Jahre nie verziehen: Jene stürzten die amerikanische Marionettenregierung, nahmen die Mitarbeiter der US-Botschaft, die man als «Höhle von Spionen» betrachtete, in Geiselhaft; derweil iranische Studenten die im Aktenvernichter zerstückelten Dokumente der Botschaft wieder zusammensetzten, welche die amerikanische Komplizenschaft bei der Zerstörung der iranischen Demokratie bewiesen.

Die von der Regierung kontrollierten, korporierten US-Medien, ein Propagandaministerium, reagieren auf die Wiederwahl Ahmadinejads mit pausenlosen Berichten über gewalttätige Iraner, die gegen Wahlbetrug protestieren. Der Wahlbetrug wird als Tatsache hingestellt, obwohl es dafür keinerlei Beweise gibt. Die Reaktion der US-Medien auf einen dokumentierten Wahlbetrug während der George W. Bush/Karl Rove-Ära bestand darin, die Beweise des Wahlbetrugs zu ignorieren.

Die Regierungschefs der Marionettenstaaten Großbritannien und Deutschland haben sich der amerikanischen Operation der psychologischen Kriegsführung angeschlossen. Der diskreditierte britische Außenminister, David Miliband, brachte an einem Treffen der EU-Minister in Luxemburg seinen «ernsten Zweifel» an Ahmadinejads Sieg zum Ausdruck. Miliband verfügt natürlich über keinerlei unabhängige Quellen. Er folgt lediglich den Instruktionen aus Washington und verlässt sich auf unbestätigte Behauptungen des unterlegenen, von der US-Regierung bevorzugten Kandidaten.

Angela Merkel, die deutsche Kanzlerin, wurde ebenfalls überredet. Sie berief den iranischen Botschafter ein, um «mehr Transparenz» bezüglich der Wahlen zu fordern.

Selbst die amerikanische Linke hat der Propaganda der US-Regierung beigepflichtet. In einem Artikel in The Nation1 präsentiert Robert Dreyfus die überspannten Ansichten eines iranischen Dissidenten, als stellten sie die endgültige Wahrheit über «die illegitimen Wahlen» dar, indem er sie als «Staatsstreich» bezeichnet.

Wer ist die Informationsquelle für die US-Medien und die amerikanischen Marionettenstaaten? Nur die Behauptungen des unterlegenen Kandidaten, desjenigen, den Amerika bevorzugt.

Es liegen aber harte Beweise für das Gegenteil vor. Amerikanische Meinungsforscher haben vor den Wahlen eine unabhängige, objektive Umfrage durchgeführt. Die Meinungsforscher Ken Ballen vom gemeinnützigen Center for Public Opinion und Patrick Doherty von der gemeinnützigen New America Foundation legen ihre Resultate in der «Washington Post» vom 15. Juni dar. Finanziert wurde die Umfrage durch die Rockefeller Brothers Funds, und durchgeführt wurde sie in Farsi «von einem Umfrageunternehmen, dessen Arbeit in der Region für ABC News und BBC einen Emmy Award erhalten hat».2

Die Resultate der Umfrage, die einzig wirkliche Information, die wir derzeit haben, lassen erkennen, dass die Wahlergebnisse den Willen der iranischen Wähler widerspiegeln. Zu den äußerst interessanten Informationen, welche die Umfrage zutage fördert, zählen die folgenden:

«Viele Experten behaupten, die Höhe des Sieges des amtierenden Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad sei das Resultat von Betrug oder Manipulation, aber unsere landesweite Meinungsumfrage unter den Iranern 3 Wochen vor der Wahl zeigte, dass Ahmadinejad in einem Verhältnis von mehr als 2 zu 1 in Führung lag – klarer noch als die tatsächliche Höhe seines Sieges in den Wahlen.

Während westliche Nachrichtenberichte aus Teheran in den Tagen vor der Wahl eine für Ahamadinejads Hauptopponenten, Mir-Hossein Moussavi, enthusiastische iranische Öffentlichkeit zeichneten, zeigten unsere wissenschaftlichen Stichproben, die wir in allen 30 Provinzen Irans nahmen, dass Ahmadinejad klar vorne lag.

Das Ausmaß der Unterstützung für Ahmadinejad war in der Umfrage vor den Wahlen offensichtlich. Während der Kampagne betonte Moussavi zum Beispiel seine Identität als Aserbaidschaner, der zweitgrößten ethnischen Gruppe in Iran nach den Persern, um die aserbaidschanischen Wähler zu umwerben. Unser Umfrage zeigte aber, dass die Aserbaidschaner Ahmadinejad im Verhältnis von 2 zu 1 den Vorzug vor Moussavi gaben.

Viele Kommentatoren haben die iranische Jugend und das Internet als Vorboten einer Wende in diesen Wahlen dargestellt. Aber unsere Befragung zeigte, dass nur ein Drittel der Iraner überhaupt Zugang zum Internet hat und die 18- bis 24jährigen zugleich den stärksten Wählerblock für Ahamdinejad darstellten.

Die einzigen Bevölkerungsgruppen, bei denen in unserer Umfrage Moussavi gegenüber Ahmadinejad in Führung oder konkurrenzfähig war, waren Universitätsstudenten oder -absolventen und die Iraner mit dem höchsten Einkommen. Als unsere Umfrage durchgeführt wurde, war nahezu ein Drittel der Iraner noch unentschieden. Aber die grundlegenden Verteilungen, die wir damals fanden, widerspiegeln die Resultate, welche von den iranischen Behörden gemeldet wurden, was darauf hinweist, dass die Wahl nicht das Produkt großflächigen Betruges ist.»

Zahlreiche Nachrichtenberichte thematisierten, dass die US-Regierung ein Programm zur Destabilisierung Irans in die Tat umsetzt. Es gab Berichte darüber, dass die US-Regierung Bombenanschläge und Ermordungen innerhalb Irans finanzierte. Die US-Medien behandeln diese Berichte in prahlerischer Manier als Illustrationen für die Fähigkeit der amerikanischen Supermacht, andersdenkende Länder gefügig zu machen, während einige ausländische Medien in diesen Berichten den Beweis für die inhärente Unmoral der US-Regierung sehen.

Der frühere Armeechef von Pakistan, General Mirza Aslam Beig, äußerte am 15. Juni im Pashto Radio, dass unbestrittene Geheimdienstinformationen belegen, dass die USA in die iranischen Wahlen eingegriffen haben. «Die Dokumente belegen, dass die CIA 400 Millionen Dollar innerhalb Irans ausgab, um nach den Wahlen eine farbige, aber hohle Revolution aus dem Boden schießen zu lassen.»

Der Erfolg der US-Regierung beim Finanzieren farbiger Revolutionen in den ehemaligen Sowjetrepubliken Georgien und Ukraine und in andern Teilen des ehemaligen sowjetischen Imperiums sind weithin berichtet und diskutiert worden, wobei die US-Medien dies als Hinweis auf die Allmacht und das natürliche Recht der USA behandelten, während ausländische Medien darin ein Zeichen der US-Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder sahen. Es liegt sicher im Bereich der Möglichkeiten, dass Mir-Hossein Moussavi ein gekaufter und bezahlter Agent der US-Regierung ist. Wir müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass die US-Regierung mittels US-Medien und ausländischer Medien Operationen psychologischer Kriegführung führt, die sowohl auf Amerikaner als auch auf Ausländer zielen. Zu diesem Thema sind viele Artikel publiziert worden.

Denken Sie über die iranischen Wahlen vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes nach. Weder ich noch die große Mehrheit der Leser sind Iran-Experten. Aber vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes betrachtet: Stünde Ihr Land von zwei Ländern mit weit mächtigeren Militärapparaten unter der ständigen Drohung eines Angriffes, wie es Iran von Seiten der USA und Israel ist, würden Sie dann den besten Verteidiger Ihres Landes im Stich lassen und den bevorzugten Kandidaten der USA und Israels wählen?

Glauben Sie, die Iraner hätten gewählt, um ein amerikanischer Marionettenstaat zu werden?

Iran ist eine geschichtsträchtige und gebildete Gesellschaft. Ein großer Teil der intellektuellen Klasse ist säkularisiert. Ein signifikanter, wenn auch kleiner Prozentsatz der Jugend hat sich der westlichen Hingabe an persönliches Vergnügen und Selbstbefangenheit verschrieben. Diese Leute können leicht mit amerikanischem Geld organisiert werden, um ihre Regierung und die islamischen Einschränkungen im persönlichen Verhalten auszupfeifen.

Die US-Regierung nutzt diese verwestlichten Iraner aus, um eine Basis zur Diskreditierung der iranischen Wahlen und der iranischen Regierung zu schaffen.

Am 14. Juni billigte das McClatchy Washington Bureau3, das manchmal versucht, die wirklichen Nachrichten zu berichten, die psychologische Kriegsführung Washingtons und erklärte: «Die Resultate der Wahlen in Iran erschweren die Kontaktbemühungen Obamas». Hier beginnt sich die hässliche Fratze der Ausrede vom «diplomatischen Misserfolg» zu zeigen, so dass nur eine militärische Lösung übrigbleibe.

Als jemand, der die Vorgänge alle im Innern der US-Regierung erlebt hat, denke ich, dass die US-Regierung mit der Manipulation der amerikanischen Medien und derjenigen der Marionettenregierungen beabsichtigt, die iranische Regierung dadurch zu diskreditieren, dass sie diese Regierung als Unterdrücker des iranischen Volkes hinstellt, die den Willen des iranischen Volkes vereitelt. So baut die US-Regierung Iran für einen militärischen Angriff auf.

Mit Hilfe von Moussavi erzeugt die US-Regierung ein weiteres «unterdrücktes Volk», das – wie die Iraker unter Saddam Hussein – amerikanischen Blutes und Geldes zu ihrer Befreiung bedarf. Wurde Moussavi, der Kandidat Amerikas in den iranischen Wahlen, der rundum geschlagen wurde, von Washington ausgewählt, um der amerikanische Marionettenherrscher Irans zu werden?

Die große Macho-Supermacht ist begierig darauf, ihre Hegemonie über das iranische Volk wiederherzustellen und so die offene Rechnung mit den Ayatollahs zu begleichen, welche 1978 die amerikanische Herrschaft in Iran gestürzt hatten. Das ist das Drehbuch. Sie sehen es jede Minute im US-Fernsehen.

Eine endlose Reihe von «Experten» unterstützt das Drehbuch. Als ein Beispiel unter Hunderten finden wir Gary Sick, der früher im Nationalen Sicherheitsrat tätig war und gegenwärtig an der Columbia University lehrt.

«Wenn sie etwas bescheidener gewesen wären und gesagt hätten, Ahmadinejad habe mit 51 Prozent gewonnen», sagte Sick, hätten die Iraner Zweifel gehabt, aber hätten es eher akzeptiert. Aber die Beteuerung der Regierung, dass Ahmadinejad mit 62 Prozent der Wählerstimmen gewonnen hat, «ist nicht glaubwürdig». «Ich denke» fährt Sick fort, «es markierte eine eigentliche Übergangsstelle in der iranischen Revolution, von einer Position, in der beansprucht wird, die eigene Legitimität auf Grund der Unterstützung der Bevölkerung zu haben zu einer Position, die zunehmend auf Repression setzt. Die Stimme des Volkes wird ignoriert.»

Die einzige handfeste Information ist die oben erwähnte Umfrage. Die Befragung stellte fest, dass Ahmadinejad mit einem Vorsprung von 2 zu 1 der favorisierte Kandidat war.

Aber wie bei allem anderen, das mit der amerikanischen Hegemonie über andere Völker zu tun hat, spielen Fakten und Wahrheit keine Rolle. Lügen und Propaganda herrschen.

Zerfressen von seiner Leidenschaft nach Hegemonie, ist Amerika getrieben, über andere zu triumphieren, Moral und Gerechtigkeit zu verdammen. Das die Welt bedrohende Drehbuch wird gespielt werden, bis Amerika sich selbst in den Bankrott führt und den Rest der Welt so vor den Kopf gestoßen hat, dass es isoliert und überall verachtet wird.  

___________

1  Laut Wikipedia eine politisch linksgerichtete Wochenzeitschrift in den Vereinigten Staaten.

The Iranian People Speak. By Ken Ballen and Patrick Doherty. Washington Post, 15. Juni 2009 http://www.washingtonpost.com/wpdyn/content/article/2009/06/14/AR2009061401757.html?nav=rss_opinion/columns

McClatchy ist ein amerikanisches Verlagsunternehmen mit insgesamt etwa 14.000 Mitarbeitern, das mehrere Zeitungen und Internet-Informationsplattformen, darunter das Washington Bureau, unterhält.


Quelle:  CounterPunch - Are You Ready for War with a Demonized Iran?

Originalartikel veröffentlicht am 16.6.2009

Über den Autor:

Paul Craig Roberts war stellvertretender Finanzminister in der Regierung Reagan. Er ist Verfasser von „Supply-Side Revolution: An Insider‘s Account of Policymaking in Washington“ (Revolution der Angebotsseite: Bericht eines Insiders über Politik in Washington), von „Alienation and the Soviet Economy“ (Entfremdung und die sowjetische Wirtschaft) und von „Meltdown: Inside the Soviet Economy“ (Abschmelzen: Innenansicht der sowjetischen Wirtschaft), sowie gemeinsam mit Lawrence M. Stratton von „The Tyranny of Good Intentions: How Prosecutors and Bureaucrats Are Trampling the Constitution in the Name of Justice“ (Tyrannei der guten Absichten: Wie Strafverfolger und Bürokraten die Verfassung im Namen der Gerechtigkeit mit Füßen treten).  Er war Co-Redakteur der Meinungsseite des Wall Street Journal und Mitherausgeber der National Review.

Zeit-Fragen ist ein Partner von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. Diese Übersetzung kann frei verwendet werden unter der Bedingung, daß der Text nicht verändert wird und daß sowohl der Autor, der Übersetzer, der Prüfer als auch die Quelle genannt werden.

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=7928&lg=de

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Die CIA, der Iran und die Wahl

AUTOR:  Hans-Jürgen FALKENHAGEN & Brigitte QUECK. Kommentiert von Hamid Beheschti 

Quelle: tlaxcala vom 24.6.2009 (auf K-online am 26. Juni 2009)

Es würde an ein Wunder grenzen, wenn die CIA und ihre auf der ganzen Welt für sie arbeitenden Nichtregierungsorganisationen, von denen eine davon von dem US- Multimilliardär Soros, geleitet wird, sich diesmal nicht in die inneren Angelegenheiten des Irans eingemischt hätte.

Rühmte sich doch Soros in seinem Buch: „Die Vorherrschaft der USA- eine Seifenblase“ damit, dass er mit seinen Geldern dazu beigetragen hätte, das sozialistische Weltsystem zu beseitigen. Wer schwafelt da heute noch von der sogenannten „Volksrevolution“ in der DDR 1989, oder den Volksrevolutionen in Jugoslawien, Georgien der Ukraine oder anderswo ?

Leider spielten in all diesen Staaten auch bezahlte Kollaborateure, wie man heute weiß, eine große Rolle.

Es verwundert deshalb keineswegs aus dem Munde des früheren pakistanischen Armeegenerals Mirza Aslam Being zu erfahren, dass die CIA diesmal 400 Millionen Dollar innerhalb des Irans ausgegeben habe, um eine „bunte“ Revolution bei den Wahlen zu inszenieren. Er erklärte, dass die USA die Lage im Iran beeinflussen wollen, um eine pro-US-Regierung an die Macht zu bringen.

Er gratulierte dem iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad zu seiner Wiederwahl, unterstreichend, dass sich die gut nachbarlichen Beziehungen unter seiner 4-jährigen Präsidentschaft zu Pakistan verbessert hätten:

„Ahmadinejad’s Wiederwahl ist ein entscheidender Punkt der Regierungspolitik und falls sich Pakistan, Afghanistan mit dem Iran verbinden, dann müssen die USA das Feld räumen, speziell was das okkupierte Afghanistan anbelangt“, erklärte Being. ( siehe unter : Dprogram.net vom 14.6.09)

Am 19. Juni äußerte Kissinger gegenüber BBC Newsnight, dass falls ein volksfreundliches (sprich: US genehmes Regime ! d. Verf. ) im Iran nicht installiert werden würde, dann “sollten wir für einen Regimewandel von außerhalb sorgen“.

Dies ist eine eindeutige Kriegserklärung, die kriminelle Akte gegenüber einer souveränen Nation plant.

So hatte der Konkurrent von Ahmadinejad, Mousavi, wie wir erfahren haben, seinen Sieg bereits einige Stunden vor Wahlschluss erklärt. Übrigens war das Gleiche bei der Wahl  im Jahre 2001 in Jugoslawien zu verzeichnen.

Auch da erklärten Kostunica und der Westen genau wie diesmal beim Iran im Gleichklang:

„Die Wahlen sind gefälscht!“

Wenn man dann noch wie damals in Jugoslawien den bezahlten Pöpel unter Führung der Jugendorganisation OTPOR agieren lässt, die ebenfalls wie später bekannt wurde, von der NGO eines Herrn Soros bezahlt wurde und die für ihre „Bemühungen“  seitens der Friedrich Ebert–Stiftung den Menschenrechtspreis 2001 erhalten hat, sieht das nach außen doch wirklich wie eine „Volksrevolution“ aus.

Ja, es soll auch danach aussehen, haben sich die USA doch schon zu oft in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten mit Waffengewalt eingemischt und als das Volk dort ihren Kandidaten wählte, diesen ermordet und einen US–Statthalter eingesetzt.

Da muss man sich freilich endlich  etwas anderes einfallen lassen, das nach außen „demokratisch“ aussieht!! Ein spezifisches Detail dazu: Die genannte Studentenopposition OTPOR wurde auch in allen ehemaligen Sowjetrepubliken aktiv, wenn es um Wahlen oder Umstürze ging!!

Und dort, wie gegenwärtig im Iran, wurden die westlichen Medien im Sinne vor allem der Rüstungsmonopole ihrer Länder aktiv. Schon im Vorfeld der Wahlen im Iran konnte man von ihnen hören, dass diese  bestimmt gefälscht werden würden.

Nach den Wahlen, am 20.6.09, entlarvte sich  ein deutscher Berichterstatter aus dem Iran, indem er in den Abendnachrichten erklärte, dass es denn „so abgemacht war (!!), dass die iranische Opposition auch in den Folgetagen nach den Wahlen auf die Strasse gehen wird“.

Woher hatte dieser Korrespondent sein Insiderwissen ?!

Manche Berichterstatter erklärten auch ganz unverfroren, dass man seitens der Deutschen Welle seit vielen Wochen schon „in Persisch sendet, um der Opposition im Iran eine Stimme zu geben.“ Das aber ist offene Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten!

Man stelle sich das Gleiche bei den Wahlen in Deutschland vor, wenn dann andere Staaten, z. B. aus Asien, oder dem Nahen Osten die Opposition in Deutschland offen unterstützen würden!! Übrigens blockiert Deutschland seit dem 15.6.09 den iranischen Nachrichtensender www.irna.ir. Versteht das die Regierung in Deutschland unter Meinungsfreiheit?

Eine andere Frage ist die Einschätzung der Wahlergebnisse durch sog. seriöse iranische Vertreter in Deutschland, die ausgehend von der Auszählung der iranischen Wählerstimmen in Deutschland, bezogen auf Ahmadinejad, bzw. seine Konkurrenten Mousavi oder Karroobi auf die Wahlergebnisse im Iran selbst schließen.

Das ist aber ist schon vom normalen Menschenverstand her völlig abwegig.

Das wäre genauso, wie wenn man z. B. bei Wahlen in Kuba  von den Stimmen der kubanischen Opposition in den USA oder in Deutschland auf die Situation in Kuba schließen würde.

Kommentar

Worum ging es bei den iranischen Wahlen?

Hamid Beheschti

24.06.2009

Die Frage ist: Gab es gravierende Wahlfälschungen im Iran oder nicht?

Die Frage ist so alt wie die Informationsfreiheit: Welchen Informationen vertrauen wir?

Hängt dies davon ab, welche Interessen wir haben und für welche Seite wir Partei ergreifen?

Gibt es überhaupt eine Wahrheit in jeder Auseinandersetzung, die herauszufinden und darüber zu berichten Aufgabe eines jeden Berichterstatters ist? Oder ist es genauso beliebig, wie eben die Interessenlage und die subjektive Einstellung des Berichterstatters und des Betrachters?

Natürlich, wenn Sie die Wahlen im Iran aus dem Blickwinkel betrachten, dass man sich den Interessen der einzigen Supermacht widersetzen sollte, kommen Sie zu einem ganz anderen Ergebnis, als wenn Sie die Präsidentschaftswahlen im Iran als eine Möglichkeit betrachten, dass die dortige Bevölkerung ihre bisherige Regierung – falls sie damit unzufrieden ist – friedlich abwählt.

Also die Frage ist: Worum ging es bei diesen Wahlen? Um das Votum des iranischen Volkes oder um die Machenschaften der US-Regierung?

Mein Eindruck ist, dass für Herrn Falkenhagen und Frau Queck in ihren Artikeln: “Hetzkampagne gegen den Iran ...“ und „Die CIA, der Iran und die Wahl“, die große Anzahl von Inhaftierten nach den 10. Präsidentschaftswahlen und mehr als ein Dutzend Erschossenen und die vielen Verletzten auf den Straßen des Landes  nicht der Rede wert sind, weil ihm die Gegnerschaft zum US-Imperialismus als viel wesentlicher erscheint.

Dass meine Landsleute mit großer Mehrheit einen Regierungswechsel herbeisehnten und dafür auf die Straßen gingen, sich dafür niederknüppeln ließen und sogar ihren Tod in Kauf nahmen, steht für mich außer Frage. Dafür sind die vielen Informationen aus ganz unterschiedlichen Quellen ein Beleg. Wenn dem nicht so wäre, wovor hat denn Ahmadinejad Angst? Dass Iraner in einer freien und friedlichen Atmosphäre ihre Wahl treffen?

Quelle: die Autoren

Originalartikel veröffentlicht am 24.6.2009

Über den Autor:

H-J Falkenhagen und Brigitte Queck sind assoziierte Autoren und Hamid Beheschti ist ein Mitglied von Tlaxcala, dem Übersetzernetzwerk für sprachliche Vielfalt. 

URL dieses Artikels auf Tlaxcala: http://www.tlaxcala.es/pp.asp?reference=7931&lg=de

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