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Iran
in Aufruhr
Was
steckt dahinter?
Vom
Günter Ackermann
Kommunisten-online
22. Juni 2009 – Kurz beantworten kann ich diese Frage nicht und
ich bin mir auch keineswegs sicher, was da alles vor sich geht. Die Berichterstattung der kapitalistischen
Medien ist zu sehr verworren und es riecht nach Manipulationen durch die
Propagandisten der Imperialisten.
Mahmud
Ahmadinedschad ist sicher nicht das, was wir unter einem
fortschrittlichen und antiimperialistischen Politiker verstehen. Dass er
kein Kommunist ist, versteht sich am Rande, aber er ist im Grunde nicht
anderes als ein reaktionärer klerikaler, faschistoider Politiker. Hinter
ihm steht die Mehrzahl der Mullahs im Iran.
Sein Hauptkonkurrent Mousavi steht ihm da in nichts nach. Unter der Regierung von Mir
Hussein Mousavi (1980
bis 1989) war nicht nur der Krieg mit dem Irak (Saddam Hussein hatte den
Krieg mit Billigung der USA vom Zaun gebrochen, dabei konnte er sich auf massive Unterstützung
der USA stützen), sondern im Land wurde radikal jede Opposition aus dem
Weg geräumt. Das betraf nicht nur Anhänger des gestürzten
Schah-Regimes, sondern auch und vor allem solche Oppositionelle, die
unter dem Schah verfolgt waren und selbst gegen den Schah gekämpft
hatten. Es „wurden während
seiner Amtszeit, die zugleich das erste Jahrzehnt der Revolution war,
Zehntausende verhaftet und hingerichtet, die siegreichen Islamisten
schalteten Schah-Anhänger, Linksislamisten und Kommunisten systematisch
aus.“
Dass
eben jenen Mousavi
nun der Westen als eine wahren Symbolfigur für die Wahrung der
Menschenrechte verkauft, ist das eine Kuriosum dieser Affäre.
Damals las es sich anders. Aber damals hatten
ja auch iranische Studenten die USA-Botschaft in Teheran besetzt, der
Schah war auf der Flucht, das ganze schöne Erdöl, an dem sich die
amerikanische Standard-Oil seine Konten fett füllte, war enteignet
worden usw.
Und nun ist aus dem Saulus Mousavi auf einmal
der Demokrat Mousavi geworden. Eine schöne Metamorphose, der vom
Schlächter von Linken zum Menschenrechtstugendbold mutierte.
Nein, es passt den Imperialisten ganz einfach ins Konzept, dass der
amtierende Präsident Mahmud Ahmadinedschad offenbar die
Wahlen gefälscht hatte um an der Regierung bleiben zu können. Er wurde
von den Regierenden der imperialistischen Länder als wahrer Teufel
verkauft, der angeblich nach Atomwaffen strebt, Israel vernichten will und
sogar behauptet, die Nazis hätten keinen Massenmord an den Juden
begangen. Das sind zwar Lügen, aber Ahmadinedschad ist ja nun mal der wahre
Gottseibeiuns. Dabei gab er den Imperialisten auch oft Steilvorlagen. So
die unsägliche Konferenz in Teheran, wo über die Nazi-Judenkorde
diskutiert wurde und namhafte Leugner dieses Megaverbrechens der Nazis
anreisten.
Mit
dem darf sich natürlich, der zum Heros verklärte, neue amerikanische
Präsident nicht an einen Tisch setzen. Der geläuterte Massenmörder an der
Opposition seines Landes, Mussawi, ist das schon eher satisfaktionsfähig.
Die
wahrscheinlichen Wahlfälschungen und die Auseinandersetzungen jetzt,
kommen da sogar noch besser an. Einen Mussawi kann Obama die Hand
entgegen strecken, dass an Mussawis Hand Blut klebt, das Blut von Kommunisten, ist
Nebensache oder sogar förderlich.
Das
Volk des Iran, das offenbar die Priesterherrschaft der Mullahs satt
hat, wird gar nicht gefragt, es ist Manipulationsmasse. Hier geht es den
USA-Konzernen um höhere Güter: um Erdöl und politischen und ökonomischen
Einfluss. Vom Volk redet man dann mal wieder, wenn Mussawi die
Erwartungen in ihn durch die Imperialisten nicht erfüllte, und wenn es
Mussawi satt hat, dieser die Wahlen fälschte … Voraus gesetzt es gibt
einen, den die Imperialisten dazu benutzen können, ihre Geschäfte zu
besorgen. Aber so einen finden sie ja immer.
Wahlfälschungen
sind nur dann für die Imperialisten ein Verbrechen, wenn die Fälschen
nicht die Geschäfte der Imperialisten besorgen, sondern den Gewinn
selbst einstecken wollen – und wenn sie so dumm sind, sich erwischen
zu lassen.
An
sich sind solche Fälschungen in den westlichen bürgerlichen Ländern
keineswegs selten. Wenn die Wähler nicht so entscheiden, wie es die
Herrschenden wollen, behindert man die Opposition bei der Wahlwerbung,
werden ihre Sprecher in den Medien nicht erwähnt, werden Sperrklauseln
eingeführt oder werden oppositionelle Parteien verboten (wie 1956 in
der BRD die KPD). Wenn das alles nichts nützt, dann werden Wahlen gefälscht
oder eben marschieren Polizei und Armee. Also all das, was jetzt den
Herrschenden im Iran vorgeworfen wird. Dabei ist Schäuble drauf und
dran, genau dieses Szenario auch hier vor zu bereiten. Die Krise kann ja
die Opfer des Kapitalismus auf den Gedanken bringen, dass man den
Kapitalismus auch abschaffen kann. Dann: siehe Teheran.
Sie
sollten sich nicht über das echoffieren, was im Iran passiert. Sie sind
nicht besser – im Gegenteil, viel schlimmer. Sie wollen die Welt
beherrschen. Dazu sind sie bereit, Atomwaffen einzusetzen, sie
verantworten Hunger und Terror fast überall in der Welt und, daran
sollte man auch hier noch mal erinnern:
Sie liefen acht Jahre einem
Wahlfälscher nach: George W. Bush.
G.A.
siehe
auch: Gralshüter
wahrer Demokratie oder imperialistische Räuber?
Zur
Berichterstattung über die Präsidentenwahlen in Iran und die Hintergründe,
Von
Günter Ackermann, Kommunisten-online
vom 17. Juni 2009 mehr
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Revolutionäre
Krise
Zuspitzung
der Kämpfe im Iran
Von
Werner Pirker
jungeWelt
vom 22. Juni 2009
Die Auseinandersetzungen im Iran nehmen einen immer
antagonistischeren Charakter an. Große Teile der Bevölkerung wollen
die in der Islamischen Republik herrschenden Verhältnisse nicht mehr
hinnehmen. Somit ist eine revolutionäre Krise entstanden. Die Frage, ob
der Massenaufruhr den Machtkampf innerhalb der Eliten auslöste oder
umgekehrt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Es handelt sich eher um
zwei einander gegenseitig durchdringende Erscheinungen.
Daß eine so verzweifelt entschlossene, kampfbereite Massenbewegung wie
die iranische »grüne Welle« ihre Ursache nicht auch in einer
tiefgehenden sozialen Unzufriedenheit haben sollte, ist schwer
vorstellbar. Zumal sich die soziale Situation im Iran alles andere als
rosig darstellt. Und doch spricht die Revolte in Teheran und anderen
persischen Städten keine soziale Sprache. Die Revolution, so sie eine
sein sollte, äußert sich nicht als Klassenauseinandersetzung. Wenn
Klasseninteressen nicht artikuliert werden, bedeutet das aber noch lange
nicht, daß keine auf dem Spiel stehen. Die im modernen
Revolutionsbegriff inkludierte Emanzipation der Unterschichten steht im
Iran nicht auf der »revolutionären« Agenda. Die »grüne« Agenda ist
vielmehr eine liberale. Das die grüne Welle tragende Subjekt sind die
städtischen Mittelschichten, die Intellektuellen und die Jugend.
War die islamische Revolution von 1979 noch Ausdruck einer breiten
Koalition aller Volksklassen gegen die Schah-Despotie und in diesem Sinn
emanzipatorisch, so reflektiert die gegenwärtige Erhebung die moderne
Klassendifferenzierung. Die liberale Bourgeoisie mobilisiert ihren
Massenanhang zur Überwindung des islamisch-korporatistischen Modells.
Von der islamischen Revolution entwickelte Formen des
Sozialpaternalismus sind auf die Abschußliste geraten. Die iranische
Revolution anno 2009 hat sich in postmoderner Verkehrung des
Revolutionsbegriffs die soziale Deemanzipation auf ihre Fahnen
geschrieben.
Diese Offensive des Neoliberalismus ist keineswegs in Opposition zur
Mullah-Herrschaft entstanden, sondern aus dem Inneren des islamischen
Nomenklaturasystems hervorgegangen. Ajatollah Rafsandschani, einer der
reichsten, weil korruptesten Männer des Iran, der diese Metamorphose am
deutlichsten verkörpert, gilt als die graue Eminenz der gegenwärtigen
Umsturzbewegung. So sehr sich der erbitterte Machtkampf im Iran von den
Revolutionsspielen in ehemaligen Sowjetrepubliken auch unterscheiden mag
– bei allem Heroismus wird auch er sich dem Schicksal aller
postmodernen Revolutionen, nur die Massenszenen für Fraktionskämpfe
innerhalb des herrschenden Regimes geliefert zu haben, nicht entziehen können.
Wie sollte es auch anders sein bei einer Revolution, die im Zeichen der
liberalen Hegemonie stattfindet und die volle Wiedereingliederung des
Iran in das System der imperialistischen Weltordnung zum Ziel hat?
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Erklärung
der Partei der Arbeit Irans (Toufan) zu
Massenprotesten im Iran
Solidarität
mit der Protestbewegung im Iran
Vom
21.06.09
Am
12. Juni wurde im Iran die Präsidentenwahl abgehalten.
Die Auswahl der
Kandidaten erfolgte durch
den Wächterrat, der dem obersten Religionsführers
Khamenei untersteht.
Den demokratischen Parteien,
Organisationen und Persönlichkeiten wurde die Teilnahme verwehrt.
Trotzdem haben Millionen Iranerinnen und Iraner
aktiv an der Wahl teilgenommen, um
ihrer Ablehnung gegen
30 Jahre Unterdrückung, Korruption und Armut Ausdruck zu verleihen
und zu verdeutlichen, dass sie nicht
länger bereit sind, diese Regierung zu dulden! Sie haben mit
ihrer Teilnahme ihre Sehnsucht nach einer
neuen Ordnung verdeutlicht. Die reaktionäre Regierung
Ahmadinejads hat
mit der Unterstützung des obersten
Religionsführers nicht
einmal dem Wahlvolk zugestanden,
unter den vom Wächterrat
auserwählten Kandidaten
„ihren“ Kandidaten zu wählen! So wurde das Votum des Volkes
mit den Füßen getreten und
seine Stimmen zu Gunsten Ahmadinejads manipuliert.
Die
Menschen im Iran und insbesondere die Frauen konnten dieser Machenschaft
der islamischen Herrscher nicht tatenlos zu sehen. Kurz nach der
Bekanntgabe des manipulierten Wahlergebnisses zogen Millionen Menschen
trotz des Demonstrationsverbots auf die Straßen Teherans und riefen
„Wo ist meine Stimme?“. Die Demonstrationen beschränken sich nicht
nur auf Teheran, sondern haben sich auf das ganze Land ausgeweitet. Ähnliche
Demonstrationen finden in Isfahan, Shiraz, Rasht, Täbriz, Urumieh usw.
Die Antwort des Regimes auf die gerechten Forderungen der Bevölkerung
war und ist Unterdrückung, Verhaftung, Folter,
Einsatz von bewaffneten Milizen und Polizei. Allein nach einem
Angriff der bewaffneten Milizen auf die Universität Teheran,
kamen 6 Studentinnen und Studenten ums Leben. Daraufhin haben 120
Professoren und Dozenten ihren Dienst gekündigt.
Bisher sind mehr als 100 Personen bei den Protestaktionen ums
Leben gekommen und viele Hunderte verletzt worden. Die Vorgehensweise
der „Basidji“ (Miliz) und „Ordnungskräfte“ ist seitdem Rede de
obersten Religionsführer, in der er das Wahlergebnis korrekt nannte und
ausdrücklich Ahmadinejad unterstützte, brutaler, blutiger und massiver
geworden.
Die
Einschüchterung des Regimes nimmt kein Ende. Es will die Teilnahme an
den Demonstrationen mit der Ausführung einer gemeinsamen Straftat mit
ausländischen Agenten gleichsetzen, was nach islamischem Gesetz als
Gotteslästerung angesehen ist, und mit Hinrichtung bestraft wird.
Die
reformorientierten Kräfte wollen kleine Korrekturen im System
vornehmen, um mehr an Macht und Ausplünderung beteiligt zu sein! Die
Ordnung des Systems wollen sie beibehalten! Ihnen geht es nicht um die
demokratischen Rechte wie Meinungs- und Pressefreiheit, soziale
Gerechtigkeit, Frauenrechte etc. der Präsidentschaftskandidat Mussavi
warnt immer wieder das Regime, einzulenken, bevor die Bewegung eine
eigene Dynamik entwickelt! Er ruft die Bevölkerung dazu auf, nachts auf
den Dächern „Allah Akbar“ zu rufen, damit die Revolution die
islamische Linie nicht verlässt, aber die Revolutionsbewegung
entwickelt sich rasant. Die ersten Untergrundkomitees sind ins Leben
gerufen worden! Gewerkschaften, Lehrer, Studenten, Medizinpersonal usw.
solidarisieren sich mit der Bewegung! Ein Generalstreik wird das Genick
des Regimes brechen und daraufhin muss gearbeitet werden. Die
Massenproteste sind nicht auf einmal geboren, sondern sind das Ergebnis
von vielen Streiks der Arbeiter, dem Studentenaufstand,
dem Frauenwiderstand und der jahrelangen Unzufriedenheit der Bevölkerung!
Die Wahlfälschung war der letzte Tropfen!
Die
Protestbewegung hat sich bis jetzt nicht einschüchtern lassen. Im
ganzen Land skandieren die Demonstranten „Nieder mit der Diktatur dem
Führer, dem Doktor (Ahmadinejad)“,
„Freiheit, Freiheit, Freiheit“, „Freilassung aller
politischen Gefangenen“, „Putschisten tretet ab“, „ich will
meine Stimme zurück“! So bringen sie das System der Islamischen
Republik ins Wanken.
Hochlebe
die Protestbewegung im Iran
Generalstreik
der Arbeiter, Studenten, Lehrer und Angestellten ist die richtige
Antwort
Nieder
mit dem kapitalistischen Regime der islamischen Republik
Hoch
die internationale Solidarität
Partei
der Arbeit Irans (Toufan)
www.toufan.org
toufan@toufan.org
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