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GEHT ES BEI IRAN UM IRAN?

von Juan Gelman, Dichter und Publizist aus Argentinien

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke

Havanna, 13. November 2011, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 14. November 2011) – Die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEA) hat am 8. November der Weltöffentlichkeit einen Bericht vorgelegt. Darin stellt sie dar, dass Iran auf dem Weg ist, eine Atombombe zu entwickeln und nicht mehr weit davon entfernt sein soll, diese Atombombe tatsächlich entwickelt zu haben. Der israelische Präsident Shimon Peres verkündete, dass ein militärischer Angriff seines Landes auf die Nuklearanlagen des Iran wirksamer als jedes diplomatische Handeln wäre, um Iran zu überzeugen, diesem Programm ein Ende zu setzen. Bei all dem scheint es immer noch so zu sein, dass die Enthüllung zu einer Phase des Nachdenkens geführt hat.

Die israelische Regierung sieht sich einem eisenharten Dilemma gegenüber: Greift sie an, kann sie weder auf die Unterstützung des Westens noch Chinas oder Russlands rechnen, und auch nicht auf die Freund-Feind-Staaten des Iran in der Arabischen Liga zählen. Selbst Sarkozy, der „die Libyen-Lösung“ mit verursachte, erklärte im April, dass eine Intervention dieser Art „verhängnisvoll“ sein würde. Leon Panetta, Chef des Pentagon, fasste dies in nettere Worte am vergangenen Donnerstag: „Ein militärisches Vorgehen gegen das umstrittene Nuklearprogramm des Iran könnte unerwartete Folgen haben“ (Haaretz, 10.11.2011). Panetta hob hervor, dass der Angriff den Iran um maximal lediglich drei Jahre bei der Umsetzung seines Programms zurückwerfen würde und außerdem Reaktionen in den anderen Ländern der Region und bei den vor Ort stationierten US-Streitkräften hervorrufen würde“. Dies sollte „das letzte Mittel“ sein, unterstrich er. Die Forderungen aus Israel treffen also ins Leere.

Die von der UNO angewendete Alternative, zum fünften Mal wirtschaftliche Sanktionen gegen den Iran zu verhängen, hat ebenfalls eine neblige Zukunft, nicht nur wegen der ablehnenden Haltung seitens Chinas und Russlands. Das Weiße Haus hat da ebenfalls ernsthafte Zweifel. Washington ist besorgt wegen der Wirkung solcher Maßnahmen auf dem Markt für Energieträger und insbesondere beim Erdöl. „Viele US-Regierungsbeamte fürchten, dass die Durchsetzung neuer und harter Sanktionen von Teheran als eine Kriegserklärung gedeutet würde, was den Einfluss extremistischer Elemente in Iran verstärken würde und eine Welle von Terroranschlägen auf US- und westliche Ziele lostreten könnte.“ Und eine schwerwiegende iranische Reaktion, die den freien Schiffsverkehr für die Tankschiffe an der Meerenge von Hormuz bedrohen könnte, wäre nicht unmöglich. 40% des in aller Welt verbrauchten Erdöls werden dort befördert“ (www.haaretz.com, 10.11.2011).

Es gibt noch weitere Risiken. Der IAEA-Bericht steckt voller Mutmaßungen, was vielleicht vorhanden sein könnte (//graphics8.nytimes.com, 9.11.2011): „Es gibt Anzeichen, dass die Entwicklungen eines atomaren Sprengkopfes seit 2003 weitergehen, und einige davon könnten gerade ablaufen.“ Oder: „Die IAEA hat Informationen aus einem Mitgliedsstaat, dass Iran die Herstellung von kleinen Kapseln zur Verwendung als Behälter für eine Kernstoffkomponente verwendet hat. Die IAEA wurde von einem anderen Mitgliedsstaat informiert, dass Iran mit solchen Komponenten auch experimentiert hat, um seine Fähigkeit zu analysieren, Neutronen zu erzeugen.“ Und so äußerte Dr. Olli Heinonen, ein 27 Jahre lang in der IAEA tätiger Wissenschaftler, dass der Text „nicht viel neue Information enthält“ (www.haaretz, 10.11.2011). Dies würde bedeuten, dass diese Informationen schon seit gewisser Zeit im Besitz der IAEA sind. Und dass ihr früherer Leiter, der Ägypter Mohammed El Baradei, sie nicht veröffentlichte, weil er vielleicht dachte, dass sie nicht schlüssig sind. Auf jeden Fall waren sie den Regierungen der IAEA-Mitgliedsstaaten nicht unbekannt. Und der IAEA-Bericht beweist: „Der iranische Fortschritt ist langsam.“ So äußerte es Heinonen hinsichtlich der Urananreicherung, die den Flaschenhals bei diesen Verstrickungen darstellt.

Israelische Regierungsbeamte beschuldigen heute El Baradei, ein iranischer Agent zu sein und Iran geholfen zu haben, an eine Atomwaffe zu gelangen, weil er die Information zurückgehalten hätte, welche im jüngsten IAEA-Bericht steht (www.nytimes.com, 9.11.2011). In einem Interview, welches El Baradei vor einigen Monaten dem SPIEGEL gab, formulierte er eine aufsehenerregende Anklage: Beamte aus den USA und Europa würden wichtige Dokumente zurückhalten. Sie seien „nicht interessiert daran, mit der Regierung von Teheran zu verhandeln, sondern auf den Regimewechsel mit allen notwendigen Mitteln aus“ (www.spiegel.de, 19.04.2011).

Der Standpunkt hinsichtlich Iran von Yukiya Amano, dem gegenwärtigen IAEA-Leiter, steht in den Veröffentlichungen von WikiLeaks im britischen Guardian. Geoffrey Pyatt, US-Vertreter bei der IAEA, informierte am 16. Oktober 2009 das US State Department darüber, dass Amano ihm gesagt hatte, dass er „fest an der Seite der USA bei jeder strategischen Schlüsselentscheidung steht, von der Ernennung von hohen Beamten bis hin zum Umgang mit dem Programm der mutmaßlichen Kernwaffenproduktion des Iran“ (www.guardian.co.uk). Pyatt hob „den sehr hohen Grad an Übereinstimmung zwischen seinen Prioritäten und unser eigenen Tagesordnung in der IAEA“ seit seiner ersten Begegnung mit Amano hervor: Er ist ein Freund der USA“, wie man zu sagen pflegt.

Offenkundig ist, dass Israel Atomwaffen in einer Zahl von 200 bis 400 Sprengköpfen besitzt, wie verschiedene Schätzungen ergeben haben. Und dass Israel wie auch die KVDR nicht dem Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen beigetreten ist. Was jedoch Israel ganz im Unterschied zu Iran die Besuche der IAEA-Inspektoren erspart. Gideon Levy, Journalist der israelischen Tageszeitung Haaretz, schreibt dazu: „Es gibt Länder, die die Erlaubnis haben. Und es gibt andere Länder, die ein Verbot haben“, Kernwaffen zu besitzen. Die Großmächte halten sich nicht an das 4. Kapitel des UNO-Vertrags, welches sie verpflichtet, die Atomwaffen abzuschaffen. Levy weist da auf die Doppelzüngigkeit und die Scheinheiligkeit dieser Maßnahmen hin: Für Israel und die USA ist die UNESCO schlecht, weil sie Palästina als Vollmitglied akzeptierte. Die IAEA ist gut, weil sie wegen der iranischen Atomgefahr Alarm schlägt.

Und dies heißt nicht zu ignorieren, wozu die Fundamentalisten Teherans fähig sind, was man gut in Argentinien weiß. Der Anschlag von 1992 auf die Botschaft Israels in Buenos Aires verursachte 29 Tote und 242 Verletzte. Der Anschlag von 1994 gegen die AMIA führte zu 85 Toten und 300 Verletzten. Argentinien erwartet noch immer, dass Teheran die darin verwickelten iranischen Diplomaten ausliefert, damit ihnen der Prozess gemacht wird.

Quelle:

http://www.cubadebate.cu/opinion/2011/11/13/iran-por-iran/

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