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DIE
OBAMA-DOKTRIN:
AUS
DER NOT EINE TUGEND MACHEN
von
James Petras
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
USA,
9. November 2011, Website von James Petras
(auf Kommunisten-online am 23. November 2011) – Nach fast 3 Jahren
des intensiven Führens von Kolonialkriegen, welche der ehemalige US-Präsident
Bush begonnen hatte, hat das Obama-Regime endlich die katastrophalen
Folgen im In- und Ausland anerkannt. Demzufolge hat nun der „Realitäts-Grundsatz“
gegriffen. Die Erhaltung des US-Imperiums erfordert die Veränderung von
Taktiken und Strategien, um die politischen, militärischen und
diplomatischen Niederlagen zu beenden (1).
In
Reaktion auf die großen militärischen und politischen Niederlagen
sowie als neue Möglichkeit gestaltet das Weiße Haus derzeit eine neue
Doktrin der imperialistischen Eroberung, welche auf die verstärkte Führung
von Krieg mit der Luftwaffe, größere Interventionen außerhalb des
eigenen Staatsgebietes und ggf. Bündnissen mit Kollaborateuren gegründet
ist. Dies schließt die Bewaffnung und finanzielle Unterstützung rückständiger
despotischer Regimes in den Golfstaaten, von Fundamentalisten,
opportunistischen Überläufern, Söldnern, akademisch gebildeten
Gangstern im Exil und anderem Gesindel ein, welches willens ist, dem
Imperium für einen Preis zu dienen.
Ob
diese „Veränderungen“ sich zu einer neuen nachkolonialen „Obama-Doktrin“
zusammenfügen oder einfach eine Reihe von Improvisationen aus den
Niederlagen der Vergangenheit widerspiegeln („aus der Not eine Tugend
machen“), bleibt abzuwarten.
Wir
werden uns der Betrachtung der strategischen Fehler zuwenden, die den
Hintergrund für das „Umdenken“ der Bush-Obama-Spielarten der
Politik Mitte 2011 bilden. Wir werden dann auf das „Realitäts-Prinzip“
- die tiefgreifenden Krisen und die aufbrechenden Drucksituationen -
eingehen, die das Obama-Regime dazu zwangen, seine Methoden der
imperialistischen Kriegsführung zu verändern. Obamas Veränderungen
werden erarbeitet, um Machthebel unter den Bedingungen der begrenzten
Mittel und mit zweifelhaften Verbündeten aufrechtzuerhalten. Der dritte
Abschnitt wird diese Veränderungen so beschreiben, wie sie eingetreten
sind, - den Schwerpunkt auf ihr reaktives Wesen legen - improvisiert -
weil ungünstige Umstände sich entwickeln und günstige Möglichkeiten
aufgekeimt sind.
Der
letzte Abschnitt wird Obamas neue Spielarten der Politik, ihren Einfluss
auf die Zielländer und die Völker sowie die Folgen für die USA
kritisch einschätzen.
Die
Bush-Obama-Kontinuität 2009-2011
Obama
entnahm seine Leitlinie der Bush-Administration und richtete sich daran
aus. Obama weitete die Kriegshaushalte auf über 750 Milliarden Dollar
aus. Obama steigerte die Bodentruppen um 30.000 Mann in Afghanistan.
Obama erhöhte die Mittel für den Bau von Militärstützpunkten und die
Anwerbung von Söldnertruppen in Irak. Obama vervielfachte die
Interventionen der USA mit der Luftwaffe und den Bodentruppen in Jemen,
Pakistan, Somalia, Libyen.
Infolgedessen
erreichte das Haushaltsdefizit 1,6 Trilliarden Dollar. Das
Handelsdefizit erreichte unhaltbare Ausmaße, und die Rezession
verschlimmerte sich. Die öffentliche Unterstützung für Obama und die
Demokraten brach ein.
Parallel
zu Obamas astronomischen Ausgaben für die Expansion des US-Imperiums im
Ausland gab er Hunderte von Milliarden Dollar an Dutzende
Inlandsgeheimdienste aus und erschöpfte damit die Mittel des
Finanzministeriums. Die größere Verschuldung im Ausland und die
Haushaltsdefizite wurden von dem 1-Trilliarden-Dollar-Rettungspaket für
die Wall Street begleitet, während 10 Millionen Eigenheime verloren
gingen und die Massenarbeitslosigkeit sich verdoppelte. Obama führte
die Kriege, die Rettungspakete, die Steuervergünstigungen für die
Millionäre aus der Bush-Amtszeit weiter und weitete sie noch aus. Er
schlug drakonische Kürzungen bei den Ausgaben für die soziale
Sicherheit, den von der US-Bundesregierung finanzierten medizinischen
Programmen und im Bildungsbereich vor.
Trotz
massiven militärischen Engagements konnte Obama nicht einen einzigen
großen militärischen Sieg sicherstellen. Zu Beginn des dritten Jahres
seiner Amtszeit war weit und breit klar, dass mit der Verwüstung der
einheimischen US-Wirtschaft und der Abkehr von wichtigen verbündeten
Regierungen in Übersee das US-Imperium unter Belagerung steht.
Das
Realitätsprinzip
Die
Realität der massenhaften Kosten für verlorene Kriege und die
stockende Unterstützung daheim und im Ausland durchdrangen letztlich
selbst die dogmatischsten und härtesten militaristischen Ideologen in
Obamas Regime. Nationalistische Islamisten wurden zu einer
„Schattenregierung“ in ganz Afghanistan, die den US-NATO-Streitkräften
sogar in der Hauptstadt Kabul Verluste zufügen. In Irak lehnte sogar
das Marionettenregime eine minimale US-Militärpräsenz ab und schärfen
die Kriegsfraktionen bereits ihre Messer bei der Vorbereitung auf einen
nachkolonialen Konflikt zwischen den willigen kolonialen
Kollaborateuren, den Widerstandskämpfern, den religiösen Sekten, den
Stämmen, den Todesschwadronen, den ethnischen Separatisten und den Söldnern.
Trotz den militärischen Drohungen der USA und den von den Zionisten
entworfenen wirtschaftlichen Sanktionen gewann Iran Einfluss in der
gesamten Region und schwächte sich der US-Einfluss in Irak, Syrien,
Westafghanistan, dem Golf, dem Libanon und Palästina (insbesondere
Gaza).
Der
Sturz der großen US-Statthalter-Regime in Ägypten und Tunesien
(Mubarak und Ali), und die Volksaufstände, welche die anderen
Marionettenregime in Jemen, Somalia und Bahren bedrohen, zwangen das
Obama-Regime schließlich anzuerkennen, dass der israelische
„Musterweg“, mittels Krieg, Besetzung und Kolonialherrschaft ein
Marionettenregime einzusetzen, nicht durchführbar war.
Das
Realitätsprinzip bahnte sich seinen Weg selbst durch den
dichtesten Nebel um die Berater und Strategen der USA herum. Das
US-Imperium war auf dem Rückzug, Obama-Clinton waren nicht die Hüter
eines expandierenden Imperiums, sondern die Meister der Niederlagen der
USA.
Das
Projekt der Errichtung des US-Imperiums aus der Nachkriegszeit, welches
einseitiges Vorgehen und die militärische Überlegenheit voraussetzt
und von Bush sr. gestartet worden war, dann von Clinton fortgesetzt
wurde, von Bush jr. erweitert wurde und von Obama vervielfacht umgesetzt
worden ist, war ein völliges und ungehemmtes Scheitern gemäß allen
Zielvorgaben der USA: In die Länge gezogene verlorene Kriege wurden
begleitet von einer breiten Woge pro-demokratischer Aufstände gegen die
billig zu habenden Marionetten der USA. Weil die Kolonialkriege die
Haushaltsmittel der USA erschöpften, verarmten die Bürger der USA und
wurde ihre Bereitschaft untergraben, „sich aufzuopfern“ für die
Chimäre einer Globalen Größe. Die Massenstimmung in den USA war
sowohl durch die Kosten für das Imperium als auch den Verlust an
globalen Märkten an die neuen asiatischen Konkurrenten in China, Indien
und anderswo tiefgreifend verstört.
Nirgendwo
anders war der Abstieg der USA offenkundiger als in Lateinamerika, wo
die neuen nationalistischen Reform- und Entwicklungsregimes verschiedene
politische Spielarten hinsichtlich der außenpolitischen Angelegenheiten
sicherstellten, ein hohes Wachstum generierten, mit neuen
Handelspartnern zusammenarbeiteten, entschlossen etliche von den USA
unterstützte Staatsstreiche vereitelten und Geithners wieder
aufgelegtes Freimarkt-Dogma ablehnten. Es gab keinen Ort in der Welt, an
welchem Obama behaupten konnte, einen militärischen Sieg, einen
wirtschaftlichen Erfolg oder eine Vergrößerung des politischen
Einflusses für das US-Imperium eingefahren zu haben.
Weil
die Tatsache der Haushaltsdefizite, Niederlagen, Verluste und
Unzufriedenheit in das Bewusstsein der maßgeblich die Politik
bestimmenden Köpfe eindrang, nahm eine neue politische Tagesordnung der
USA Konturen an, die nicht vollständig ausgearbeitet war, sondern
improvisiert wurde, je nachdem wie die Umstände dies diktierten.
Die
Aufmachung der „Obama-Doktrin“
Die
allererste „Anerkennung der Realität“ unter den Obama-Stabsleuten
bestand darin, dass in einer Welt von souveränen Staaten auf
territoriale Besatzungsarmeen gegründete koloniale Bodenkriege nicht
machbar sind. Sie führen zu andauerndem Widerstand, ausufernden
Haushaltsausgaben, andauernden Verlusten bei den eigenen Streitkräften
und sind absolut nicht „selbstfinanzierend“, wie die zionistischen
Berater im Pentagon einst behaupteten. Neue Formen der US-Kriegsführung
würden notwendig sein, um das US-Imperium zu erhalten und seine Gegner
zu zermalmen.
Vor
eine harte Entscheidung stellte sich das Obama-Regime bezüglich Irak.
Sie bestand darin, entweder in Kauf zu nehmen, eine Niederlage zu
erleiden und sich zurückzuziehen (in dem Sinn, dass die USA eine
Kolonialmacht aufrechterhalten können und einen unzuverlässigen militärischen
und politischen Machthaberkreis zurücklassen werden, der seine
Verbindungen zum Iran ausweitet und feindselig gegenüber Israel ist),
oder einen ‘Sieg’ zu feiern im Sinne des Sturzes von Saddam Hussein
und der Schwächung der Rolle Iraks im Mittleren Osten. Die Wirklichkeit
des Rückzugs und der Niederlage ist jetzt Tatsache mit einer
„Umgruppierung“ von 20.000 Angehörigen der US-Streitkräfte in die
Kleinstaaten, die von den despotischen Monarchien am Golf beherrscht
werden, und der Entsendung von Kriegsschiffen in den Persischen Golf.
Obama-Clinton
behaupten, dass die Truppen, Kriegsschiffe und Flugzeugträger erneut in
den Irak einfallen werden, wenn das derzeitige Regime dort fällt und
eine neue nationalistische Bewegung im Irak an die Macht kommt. Dies ist
ein zweifelhaftes Ansinnen, weil jegliche erneute Invasion die USA in
einen langwierigen und kostspieligen Krieg zurückwerfen würde.
Der
Hauptzweck der Umgruppierung ist der Schutz der diktatorischen
Marionettenregime am Golf vor ihren inneren pro-demokratischen
Volksbewegungen und die Einleitung eines gemeinsam von den USA und
Israel geführten Angriffs auf Iran von der See und von der Luft aus. Im
Klartext: Die Truppenreduzierung (als koloniale Besatzungsmacht) wird
abgelöst durch den Aufbau und die Konzentration von Luft- und
Seestreitkräften für den Angriff und die Zerstörung der militärischen
und wirtschaftlichen Grundlagen des iranischen Staates.
Der
USA-Rückzug ist ein Ergebnis der Niederlage, eine Abfahrt unter Zwang.
Die Umgruppierung der Truppen in die despotischen kleinen Ölscheichtümer
ist eine Verringerung der US-Präsenz und eine Bewegung hin zur Stützung
von sehr verwundbaren korrupten auf Clans gegründeten despotischen
Regimes. Die Verlagerung von Irak in die Golfstaaten ist eine Bewegung
hin zu kleinen, sicheren Zufluchtsorten aus einem hochgradig unsicheren
und Konflikt beladenen großen Staat mit einer Geschichte des
Widerstandes und des Unabhängigkeitskampfes. Weil sich die USA nicht länger
eine unendliche große Truppenpräsenz leisten können und eine
‘Restarmee’ nicht absichern können, macht der Rückzug ihrer
Streitkräfte in die Golfstaaten aus der Not eine Tugend, wird daraus
eine Rückfallposition, um eine Startbasis für den nächsten Luftkrieg
aufrecht zu erhalten.
Der
Libyenkrieg kennzeichnet die ausschlaggebende Formel des US-Imperiums,
um Obamas Bestrebungen für das US-Imperium aufrecht zu erhalten. Der
Anlass für den Krieg war genauso erlogen wie der casus belli im Fall
des Iraks: Anstelle der Massenvernichtungswaffen wurden bei Libyen
Anschuldigungen wegen Völkermords und Vergewaltigung vorgeschoben. Eine
UNO-Resolution beanspruchte das Recht der militärischen Intervention
„zum Schutz von Zivilpersonen“ und wurde hoch gekocht. Und die NATO
begann einen Krieg von 8 Monaten, welcher sich auf nahezu 30.000
Luftangriffe gründete, um die etablierte Regierung zu stürzen und die
Wirtschaft zu zerstören. Obamas Libyen-Politik war auf die
Bombenangriffe von der See und der Luft aus sowie die speziellen Militärberater
gegründet, die Benutzung einer Söldnerarmee und gekaufter libyscher
Exilleute als der ‘neuen Führer’, eine multilaterale Koalition von
europäischen Imperiums-Erbauern (NATO) und den Öl-Oligarchien der
Golfstaaten.
Im
Gegensatz zu Irak und Afghanistan unterstützten massive Luftangriffe
eine große Invasionsarmee. Obamas militärische Strategen haben die
libysche Erfahrung als eine neue „Obama-Doktrin“ für ein
erfolgreiches Zurückdrängen der unabhängigen arabischen Regime und
Volksbewegungen gefeiert und ausgegeben. Trotz massiver
Propaganda-Anstrengungen, um die Rolle der Söldner-’Rebellen’
aufzublasen, ist die Tatsache geblieben, dass Gaddafis Getreue nur durch
die kombinierten Luftangriffe des militärischen NATO-Kommandos
niedergeschlagen wurden.
Obama-Clintons
Feier des Libyensieges ist verfrüht. Die Mittel für den Sieg schlossen
die vollständige Zerstörung der Wirtschaft ein, und zwar von den Häfen
bis hin zu den Bewässerungssystemen, den Straßen und den Krankenhäusern,
dem Verschwinden der Arbeitskraft des Landes mit dem erzwungenen Abflug
von Hunderttausenden Arbeitskräften aus den Ländern südlich der
Sahara und nordafrikanischen Fachkräften.
Im
Klartext: Dies war ein „Pyrrhussieg“. Washington stürzte einen
Kontrahenten. Washington hat keinen lebensfähigen Staat dabei gewonnen.
Es
ist sogar noch schlimmer. Washingtons korrupte Söldnerkräfte am Boden
beinhalten einen Bodensatz aus fundamentalistischen, in Stammes-rund
Clanfehden verwickelten Gangstern, Opportunisten und neoliberalen
Beamten, die kaum gemeinsame Interessen miteinander verbindet. Und sie
alle sind bewaffnet und bereit, die feudalen Lehensgüter im
Konkurrenzkampf zu zerstückeln. Die Parallele besteht hier mit
Afghanistan, wo die USA Drogenbarone, Clan-Chefs, Kriegsherren und
Fundamentalisten bewaffneten und finanzierten, um das sekuläre
pro-sowjetische Regime zu bekämpfen. Kaum hatten sie dieses Regime
zerstört, wandten sich dieselben Kräfte gegen die USA und gingen
daran, eine Art pan-islamischer Mobilisierung gegen die
US-Marionettenstaaten und die US-Militärpräsenz im südlichen
Mittelasien, in den Golfstaaten, dem Mittleren Osten und Nordafrika
auszuweiten.
Obamas
Libyen-Formel der Benutzung von ungleichartigen Söldnern zur Erreichung
kurzfristigen militärischen Erfolgs ist zum Bumerang geworden.
Islamische fundamentalistische Milizen und Schmuggler senden gerade
tonnenweise Boden-Luft-Raketen, Maschinengewehre und automatische
Schnellfeuerwaffen aus der Kriegsbeute in Gaddafis Waffendepots nach Ägypten,
Syrien, Somalia, Sudan und alle Punkte im Osten, Westen, Süden und
Norden.
In
einem Wort, die schwebenden sozialen und militärischen Konflikte unter
den kollaborierenden „Herrschern“ in Libyen weisen alle Kennzeichen
eines gescheiterten Regimes auf. Weder NATO-Stützpunkte noch Ölkonzerne
können da vorhaben, Basen für ihre Tätigkeit oder Ausbeutung
einzurichten.
Der
Rückgriff auf die Raketen-Kriegsführung, vor allem die
Drohnen-Angriffe gegen die US-Vasallenregimes herausfordernden Aufständischen,
was so prominent in der „Obama-Doktrin“ zum Vorschein kommt, haben
dazu geführt, ein paar Kommandeure vor Ort zu töten. Dies jedoch um
den Preis, dass damit ganze Clans, Dorfgemeinschaften, städtisches Volk
und die allgemeine Öffentlichkeit vor Ort in den Zielländern gegen die
USA empört wurde.
Drohnen-Raketen
töten gegenwärtig Hunderte Zivilpersonen. Dies treibt
Verwandtschaftskreise und ethnische Stammesgemeinschaften in die
Widerstandsgruppen.
Bis
in die Gegenwart, nach drei Jahren verstärkter „Raketenkriegsführung“,
hat das Obama-Regime nicht einen einzigen großen Sieg über irgendeinen
der ins Korn genommenen Aufstände sichergestellt. Die verfügbaren
Angaben zeigen das Gegenteil.
In
Pakistan sind nicht nur die gesamten nordwestlichen Stammesgebiete dem
islamischen Widerstand in die Arme gefallen, sondern es ist die breite
Mehrheit der Pakistanis mit 80% der Bevölkerung, welche die US-Drohnen
als Verletzung der nationalen Souveränität begreift. Sie zwingen sogar
die sonst unterwürfigen Offiziere, ihre militärischen Verbindungen mit
Washington in Frage zu stellen.
In
Somalia und Jemen haben die Einsätze der Drohnen-Spezialstreitkräfte
keinen Einfluss für eine Schwächung der massenhaften Opposition gegen
die amtierenden Marionettenregimes. Obamas Hochtechnologie-Kriegsführung
aus langer Distanz ist eine uneffektive Ablösung für die gescheiterten
umfassenden Bodenkriege.
Die
dritte Dimension der Obama-Doktrin, das schwere Vertrauen in die militärische
Intervention durch „eine dritte Partei“ und / oder multilaterale
bewaffnete Interventionen war in Afghanistan und Irak nicht erfolgreich
und von begrenzter Wirksamkeit in Libyen. Die europäischen
multilateralen Streitkräfte zogen sich frühzeitig aus dem Irak zurück.
Sie waren nicht willens, weiterhin für einen Krieg ohne Ende und ohne
Unterstützung an der Heimatfront zu zahlen.
Derselbe
Prozess kurzfristiger niedriggradiger militärischer multilateraler Einsätze
spielte sich in Afghanistan ab. Die meisten NATO-Soldaten werden dort
weg sein, bevor die USA abziehen. Die Libyen-Erfahrung mit
„multilateraler“ Luftwaffenzusammenarbeit beim Zerschlagen der
libyschen Streitkräfte zerstörte das Land, untergrub jeglichen
Nachkriegswiederaufbau für Jahrzehnte. Darüber hinaus folgte „die
multilateralen Luftwaffenzusammenarbeit“ der Formel des „leicht
hinein und rasch hinaus“ - ließ die Söldner-Beutegeier zurück bei
der Beherrschung am Boden mit ihrem dokumentierten Nachweis an überbordenden
Vergewaltigungen, Plünderungen, Brandschatzungen, Folterungen und
Massakern. Nur eine geistlose und moralisch verkommene Hilary Clinton
konnte die Lobhymnen absingen und einen Freudentanz zur Feier des Sieges
eines Messer schwingenden Sodomiten, der einen ergriffenen Präsidenten
folterte, vollführen und dies als „einen Sieg für die Demokratie“
bezeichnen.
Die
vierte Dimension der „Obama-Doktrin“, der Einsatz von ausländischen
Söldnerarmeen, ist versucht worden und in einer Reihe von Fällen
gescheitert, wo amtierende Marionettenherrscher von den Widerstandskräften
belagert werden.
Die
USA finanzierten die bewaffnete Invasion der äthiopischen Diktatur in
Somalia, um ein korruptes, isoliertes und in der Hauptstadt
angegriffenes Regime zu stützen. Nach einem längeren vergeblichen
Versuch, die Richtung der Strömung umzukehren, bewirkten die äthiopischen
Söldnerstreitkräfte keine Besserung.
Ihnen
folgte die Invasion der von den USA gestützten kenianischen Streitkräfte,
die nur zu Massakern und dem Hungern von Hunderttausenden somalischen Flüchtlingen
in Nord-Kenia und Süd-Somalia und tödlichen Hinterhaltangriffen durch
den landesweiten islamischen Widerstand in Somalia führte. Diese
Invasionen durch eine dritte Partei sind völlig gescheitert, um das
Vasallenregime abzusichern. In Wirklichkeit haben sie eine größere
nationalistische Opposition gebracht.
Die
von den USA unterstützten bewaffneten Söldnerinterventionen in Bahren
durch eine „dritte Partei“, wo saudi-arabische Streitkräfte einen
Aufstand der Volksmehrheit niederschlugen, hat zeitweilig die
despotische Monarchie gestützt, aber ohne Behandlung der dringenden
Forderungen der pro-demokratischen Massenbewegungen.
Die
fünfte Dimension der Obama-Doktrin besteht darin, hochqualifizierte und
schwerbewaffnete Kontingente der „Spezialkräfte“ (special forces -
SF) von über 500 Mann einzusetzen, um Aufstandsführer zu ermorden,
ihre Unterstützer in den ländlichen Gebieten zu terrorisieren und den
militärischen Offizieren vor Ort „Rückhalt zu verschaffen“. Obamas
Entsendung einer Brigade der „Spezialkräfte“ nach Uganda ist ein
typisches Beispiel dafür.
Bisher
gibt es keine Meldungen über entscheidende Siege, - nicht mal in diesem
kleinen Land. Die Perspektiven für den künftigen Einsatz dieser Taktik
des US-Imperiums sind wahrscheinlich begrenzt auf Schauplätze von
begrenzter geo-politischer und wirtschaftlicher Bedeutung mit schwachen
Widerstandsbewegungen. Und nur als „Ergänzung“ für die vor Ort
stehenden Armeen.
Das
letzte und wahrscheinlich wichtigste Element in der Obama-Doktrin ist
die Förderung von zivil-militärischen Massenaufständen und die
Umbesetzung von Elite-Figuren, um volksdemokratische Bewegungen zu
unterlaufen und sie davon abzubringen, mit dem
US-Marionettenregime in ihrem Land Schluss zu machen.
Washington
und die EU haben konfessionelle regionale Massen- und bewaffnete
Bewegungen mit dem Ziel angestiftet und bewaffnet, das autoritäre
nationalistische Assad-Regime in Syrien to stürzen. Mit dem
Gegeneinander-Ausspielen von legitimen demokratischen Forderungen und
sich daran ankoppelnder fundamentalistischer Feindseligkeit einem sekulären
Staat gegenüber haben sich die USA und die EU mit der Kollaboration der
Türkei und der Golfstaaten mit einer Dreifach-Politik aus Sanktionen
von außen her, Volksaufständen und bewaffnetem Widerstand gegen die
sekulären zivile Mehrheit und die nationalistischen Streitkräfte
hinter Basher Assad eingebracht. Die Obama-Politik vertraut sehr auf die
Propaganda der Massenmedien und die Ausbeutung von regionalen Missständen,
um den Hebel für einen möglichen „Regimewechsel“ in die Hand zu
bekommen.
Parallel
zur politischen „Außenseiter“-Strategie in Syrien hat die
Obama-Doktrin eine Insider-Strategie im Fall von Ägypten und Tunesien
beschlossen. Washington sah sich gesellschaftlichen nationalistischen
pro-demokratischen und pro-Arbeiter-Umbrüchen in Ägypten gegenüber
und finanzierte und unterstützte eine Machtübernahme durch die Militärs
und die Herrschaft durch eine autokratische Militärjunta, die den
grundlegenden ausländischen und einheimischen Spielarten der Politik
folgt und die Wirtschaftsstruktur der Mubarak-Diktatur stützt. Während
zynisch der „Geist“ des arabischen Frühlings entwickelt wurde,
unterstützen Obama und Clinton die Militärgerichte, welche Tausende
pro-demokratische Aktivisten verfolgen, foltern und einkerkern. Ein ähnlicher
Prozess der von der EU finanzierten „inneren Subversion“ hat eine
Koalition der „islamischen Freimarktler“ und pro-NATO-Politiker auf
den Plan gerufen, die mehr gemein haben mit dem Weißen Haus als mit der
ursprünglichen pro-demokratischen Volksbewegung.
In
der augenblicklichen Zeit hat die Benutzung von ‘äußeren’ und
‘inneren’ zivil-militärischen Aufstandskräften gemäß der
Obama-Doktrin den Erfolg gehabt, die verheißungsvollen
antiimperialistischen Volksbewegungen irrezuleiten, welche in den
Anfangsmonaten des Jahres 2011 ausbrachen. Bei all dem hat die sich öffnende
große Kluft zwischen den wiederverwerteten neuen Marionettenherrschern
und den pro-demokratischen Bewegungen bereits zu Aufrufen nach einer
‘zweiten Runde’ der Aufstände geführt, um die Opportunisten zu stürzen,
„die den Volksaufstand bestohlen haben“ und die demokratischen
Grundsätze jener verraten haben, die sich aufopferten, um den
Marionettendikator zu stürzen.
Alle
die Bedingungen, die den „arabischen Frühling“ untersetzen, sind
vor Ort vorhanden oder haben sich verschlimmert: die
Massenarbeitslosigkeit, die polizeiliche Unterdrückung, der
Vetternwirtschafts-Kapitalismus, die Ungleichheiten und die Korruption.
Die Erfahrung des erfolgreichen Aufstands ist unter der zunehmend
desillusionierten Jugend noch frisch und lebendig. Wie alle neuen
politischen Spielarten Obamas verspricht das Stützen von eingesetzten
Statthaltern nicht eine erneute Festigung des US-Imperiums.
Schlussfolgerung:
Die „Obama-Doktrin“
Mit
den reaktiven, improvisierten politischen Spielarten ohne einen übergreifenden
strategischen Rahmen zeigt die sogenannte „Obama-Doktrin“ wenige
Anzeichen für eine Umkehrung des Niedergangs des US-Imperiums. Die
Verschlechterung der „vorgeschobenen Positionen“ der USA im
arabischen Kernland geht nicht einher bzw. verläuft ohne taktische
Fortschritte, vor allem im Lichte des Einsetzens von verschiedenen
islamischen Führungspersonen durch das Obama-Regime in Libyen, Syrien
und Tunesien und der Wiederverwertung von Generälen aus der Ära
Mubarak in Ägypten.
Unter
der Hülle der politischen Euphemismen unterschätzt das Obama-Regime
das Ausmaß und die Bedeutung seiner politischen und diplomatischen
Verluste und Niederlagen. Der erzwungene Rückzug aus Irak wird als eine
„erfolgreiche Mission zum Regimewechsel“ dargestellt, obwohl die
sich ausweitende Gewalttätigkeit im zivilen Bereich und seitens des
Regimes zwischen den rivalisierenden konfessionellen und sekulären
Fraktionen stattfindet.
Der
US-“Rückzug“ aus Afghanistan ist in Wahrheit ein militärisches Zurückweichen,
weil die Taliban und die mit ihnen verknüpften Kräfte eine
Schattenregierung im ganzen Land bilden und die mit Milliarden Dollars
aus dem Pentagon finanzierte große Söldnerarmee von
islamisch-nationalistischen Kämpfern unterwandert ist.
Die
als erfolgreiche neue grenzüberschreitende Anti-Terror-Waffe präsentierten
„Drohnen-Angriffe“ werden zu einer effektiven und kostengünstigen
Alternative zu umfassenden Bodentruppen-Invasionen bei lang anhaltendem
bewaffnetem Widerstand aufgebauscht. Tatsächlich bringen die
„Drohnen“ und die Tötungen hauptsächlich Sensationspropaganda und
PR-Erfolge. Sie haben nur einen kleinen Einfluss auf die Umformung der
größeren entmutigenden politischen Realität.
An
der diplomatischen Front ist der Niedergang des US-Imperiums noch
weitaus dramatischer. Die UNO-Vollversammlung stimmte beim Thema Kuba
gegen die USA, und die UNESCO stimmte für die Zulassung Palästinas.
Das war eine überbordende Feindseligkeit gegenüber dem Obama-Regime.
Washington sah sich völlig isoliert und seine Vergeltungshandlung des
Streichens von Finanzmitteln senkte weiter die institutionelle
Hebelkraft der USA.
Weil
Obama der größeren Unterwürfigkeit zu Israels politischem Arm in den
USA huldigt, den 52 „Vorsitzenden der Großen Amerikanisch-Jüdischen
Organisationen“, und einen militärischen Angriff auf Iran
vorbereitet, verweigert selbst die NATO dabei die brave Gefolgschaft.
Die
große Gefahr der „Obama-Doktrin“ besteht darin, dass sie auf
kurzfristige Wirkungen ‘vor Ort’ blickt. Die Luft- und Seestreitkräfte
können die Kernanlagen und militärischen Einrichtungen Irans
erfolgreich bombardieren, den Kopf der israelischen herrschenden Junta
zufriedenstellen und für Obamas Wiederwahlkampf die finanzielle Unterstützung
der amerikanischen Zionisten gewährleisten. Übersehen wird dabei die
militärische Fähigkeit Irans, die wichtigste Wasserstraße der Welt,
die Straße von Hormuz, für den Öltankerverkehr zwischen Europa, Asien
und den USA zu schließen.
Obamas
Luftkriegserfolge in Iran würden überschattet werden von iranischen
Bodenraketen-Angriffen auf die US-Streitkräfte in der gesamten
Golfregion. Alle Erdölverbündeten der USA in der Region wären
angreifbar. Iranische Langstreckenraketen würden Millionen Israelis in
die Luftschutzbunker jagen, noch bevor Obamas zionistische Berater ihren
Champagner entkorkt haben, um ihren „Luftsieg“ über Teheran zu
feiern.
Kehrt
sich die ‘Obama-Doktrin’ der Luftkriege in entfernten Territorien
gegen Iran, würde dies einen katastrophalen Flächenbrand verursachen,
welcher weit über das Verwüstungsausmaß der Bodenkriege in Irak und
Afghanistan hinausgehen würde. Die „Obama-Doktrin“ ist in der
Wirklichkeit ein Mix aus improvisierten politischen Spielarten, die dafür
entworfen wurden, mit spezifischen Arten von Umständen, die sich auf
ein gemeinsames überall vorhandenes Problem gründen, umzugehen.
Wie
soll man die Herrschaft des US-Imperiums angesichts gescheiterter
politischer Spielarten der kolonialen Besetzung stützen? Der taktische
Erfolg im Luftkrieg gegen Libyen und die Gelegenheiten aus dem von
Muslimen eröffnetem Volksaufstand in Syrien weisen auf die
Notwendigkeit hin, eine neue allgemeingültige Strategie zu formulieren.
Die Kollaborateure vor Ort stehen im Zentrum, vor allem jene mit einer
institutionellen Stärke (ägyptisches Militär) oder mit Hebeln des
regionalen Einflusses in der zivilen Gesellschaft (islamische Bewegungen
in Syrien).
Der
Versuch, diese ‘taktischen’ Erfolge zu einer allgemeinen
Angriffsstrategie zu verallgemeinern, gründet auf dem Irrtum
„unzutreffender Konkretheit“.
Iran
ist nicht Libyen. Iran hat die militärische Stärke, die geographische
Nähe und die wirtschaftlichen Grundlagen, die schwache und verwundbare
„Peripherie“ der US-Vasallenstaaten zu zerstören.
Israel
kann einen Krieg der USA gegen die islamische Welt anzetteln, ihn aber
nicht gewinnen. Netanjahus Niederlagen in der UNO können nicht mit dem
Gerede von 193 „antisemitischen“ Ländern abgetan werden.
Die
Troika aus Zionisten, USA und Israelis masturbiert sich gegenwärtig
gegenseitig in einem Klosett. Sie können schäumen und schimpfen und
sogar einen apokalyptischen Krieg herbeiführen.
Aber
Obama und Netanjahu stehen zunehmend am Rande der Veränderungen der
Welt. Ihre politischen Spielarten sind kraftlose Reaktionen auf
Volksbewegungen, die auf historische Umgestaltungen abzielen, und die
sogar schon begonnen haben, in das Zentrum der Imperien vorzudringen:
Wall Street und Tel Aviv.
Letztendlich
ist die „Obama-Doktrin“ dazu bestimmt zu scheitern, weil sie nicht
anerkennen kann, dass das Problem des Niedergangs des US-Imperiums nicht
einfach nur ein Problem von ‘Taktiken’ ist, sondern ein
grundlegender Systembruch des Gebäudes des US-Imperiums. Die Risse und
Sprünge im Ausland haben Aufstände im Inland entfacht.
[1]
Thomas Shanker und Steven Lee Myers „US Planning Troop Buildup in Gulf
After Exit from Iraq”, New York Times, 29. Oktober 2011.
Quelle:
: http://petras.lahaine.org/?p=1879
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