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Zionistischer
Staatsterror in der Art mittelalterlicher Belagerung trifft
die Schwächsten:
die
Kinder!
Kindermord
der israelischen Armee |
Der
Krieg gegen Kinder
von John
Pilger/26.06.2006
Quelle:
ZNet
17.06.2006
„…
ein Psychiater, der einer Kinderklinik vorsteht, erzählte mir: „Nach
der Statistik, die für mich unerträglich ist, sind 99,4 % der Kinder,
mit denen wir es zu tun haben, traumatisiert ...99,2 % erlebten, wie ihr
Haus bombardiert wurde, 97,5 % waren Tränengas ausgesetzt; 96,6 % waren
Zeugen als geschossen wurde; ein Drittel sah, wie Familienmitglieder
oder Nachbarn verletzt oder getötet wurden.“
Arthur
Miller schrieb: “Nur wenige von uns können den Glauben aufgeben, dass
die Gesellschaft irgendwie einen Sinn hat. Der Gedanke, dass der Staat
seinen Verstand verloren hat und dabei ist, so viele unschuldige
Menschen zu strafen, ist unerträglich. Also muss der Beweis dafür
intern geleugnet werden.“
Millers
Wahrheit wurde am 9. Juni im Fernsehen flüchtige Realität, nachdem
israelische Kriegsschiffe auf Familien, die am Strand von Gaza
picknickten, geschossen und 7 Menschen getötet hatten, einschließlich
drei Kindern und drei Generationen. Dies stellt – das Problem der Palästinenser
betreffend - schließlich eine Lösung (final solution) dar, die mit der
USA und Israel abgestimmt ist. Während die Israelis Granaten auf palästinensische
Picknicker und Häuser in Gaza und in der Westbank abschießen, lassen
beide Regierungen sie außerdem aushungern. Die Opfer werden vor allem
Kinder sein. Am 23. Mai wurde vom US-Repräsentantenhaus mit 361 zu 37
Stimmen die Sperrung der Hilfsgelder für NGOs genehmigt, die das
Rettungsseil für das besetzte Palästina darstellen. Israel hält palästinensische
Steuern zurück, die sich auf 60Millionen $ im Monat belaufen.
Solch
eine kollektive Strafe, die nach den Genfer Konventionen als Verbrechen
gegen die Menschheit betrachtet wird, erinnert an die Strangulierung des
Warschauer Gettos durch die Nazis und die amerikanische Belagerung des
Irak in den 90er Jahren. Wenn die Täter ihren Verstand verloren haben,
wie Miller denken lässt, scheinen sie ihr Barbarei zu verstehen und
ihren Zynismus zu entfalten, wie z.B. Dov Weißglas mit der „Idee, die
Palästinenser auf Diät zu setzen .“ Er ist Berater des israelischen
Ministerpräsidenten, Ehud Olmert.
Dies
ist der Preis, den die Palästinenser für ihre demokratischen Wahlen im
Januar zahlen müssen. Die Mehrheit wählte die „falsche“ Partei,
die Hamas, die die USA und Israel als Terroristen beschreiben - im Sinne
von „ ein Esel schimpft den andern einen Esel“ . Doch Terrorismus
ist nicht der Grund für die Aushungerung der Palästinenser, dessen
Ministerpräsident Ismail Haniyeh bestätigt hat, dass Hamas sich
verpflichtet, den jüdischen Staat anzuerkennen, wenn Israel sich an das
Völkerrecht hält und die Grenzen von 1967 respektiert. Israel
verweigert dies, weil es - wie die im Bau befindliche Apartheidmauer
deutlich macht – andere Absichten hegt: immer mehr palästinensisches
Land zu übernehmen und ganze Orte ja schließlich auch Jerusalem zu
umzingeln.
Der
Grund, warum Israel Hamas fürchtet ist der, dass Hamas wahrscheinlich
kein vertrauensvoller Kollaborateur sein wird, der sein eigenes Volk im
Auftrag Israels unterwirft. Tatsächlich war die Stimme der Wähler für
Hamas eine Stimme für den Frieden. Die Palästinenser hatten die Nase
voll vom Versagen und der Korruption der Arafat –Ära. Nach dem früheren
US-Präsidenten Jimmy Carter, dessen Carter-Zentrum den Hamas-Wahlsieg
beglaubigte, zeigten „die Meinungsumfragen, dass 80% der Palästinenser
ein Friedensabkommen mit Israel wünschen.“
Es
ist schon ironisch, wenn man den Aufstieg der Hamas betrachtet, der dank
geheimer Unterstützung Israels zustande kam, da dieses mit den USA und
den Britten wollte, dass Islamisten den säkularen Arabismus und dessen
„moderate“ Träume von Freiheit unterminieren. Hamas weigerte sich,
dieses Macchiavellsche Spiel mitzuspielen und hielt trotz der vielen
israelischen Angriffe 18 Monate lang seine Feuerpause ein. Das Ziel des
israelischen Angriffs auf den Strand von Gaza war offensichtlich die
Sabotage der Feuerpause. Das ist eine uralte Taktik.
Nun
findet Staatsterror in der Art einer mittelalterlichen Belagerung statt
und trifft die Schwächsten. Für die Palästinenser ist ein Krieg gegen
ihre Kinder kaum etwas Neues. Eine 2004 veröffentlichte Feldstudie in
einer britisch medizinischen Zeitschrift berichtet, dass in den letzten
vier Jahren „Zwei Drittel der (von Israelis) getöteten 621 Kinder -
an Checkpoints, auf dem Weg zur Schule oder in ihren Häusern - durch
kleine Waffen starben, die zur Hälfte auf den Kopf, den Hals und die
Brust gerichtet waren – es sind Wunden von Scharfschützen. Ein
Viertel der palästinensischen Kinder unter fünf sind akut oder
chronisch unterernährt. Die israelische Mauer wird 97 (Primary-)Gesundheitskliniken
und 11 Krankenhäuser von der Bevölkerung trennen, der sie dienen
sollten.“
Die
Studie beschreibt „einen Mann in einem jetzt eingemauerten Dorf nahe
Qalqilia, als er sich mit seiner schwer kranken Tochter im Arm einem Tor
näherte und die Soldaten darum bat, ihn passieren zu lassen, damit er
sie ins Krankenhaus bringen könne. Die Soldaten verweigerten dies.
Gaza,
das nun wie ein Gefängnis abgesperrt ist und vom Lärm von die
Schallgeschwindigkeit durchbrechender Knallerei durch die israelische
Luftwaffe terrorisiert wird, hat eine Bevölkerung, deren Hälfte unter
15 Jahre alt ist. Dr. Khalid Dahlan, ein Psychiater, der einer
Kinderklinik vorsteht, erzählte mir: „Nach der Statistik, die für
mich unerträglich ist, sind 99,4 % der Kinder, mit denen wir es zu tun
haben, traumatisiert ...99,2 % erlebten, wie ihr Haus bombardiert wurde,
97,5 % waren Tränengas ausgesetzt; 96,6 % waren Zeugen als geschossen
wurde; ein Drittel sah, wie Familienmitglieder oder Nachbarn verletzt
oder getötet wurden.“
Diese
Kinder leiden unvermindert an Alpträumen und „Nachtterror“, und sie
müssen sich weiterhin mit eben diesen Situationen auseinandersetzen.
Einerseits träumen sie davon, Doktor und Krankenschwester zu werden,
„damit sie andern helfen können“; andrerseits wird dieser Wunsch
von einer apokalyptischen Vision überholt, dass sie die nächste
Generation der Selbstmordattentäter seien. Sie machen konstant nach
israelischen Angriffen diese Erfahrung. Für einige Jungen sind nicht
mehr Fußballspieler die Helden, sondern eine Verbindung des palästinensischem
„Märtyrer“ mit dem Feind, „weil israelische Soldaten stärker
sind und Apachen-Kanonenboote haben.“
Dass
diese Kinder nun darüber hinaus noch weiter gestraft werden, mag
menschlichen Verstand übersteigen, aber da liegt eine gewisse Logik
drin. Jahrelang haben Palästinenser es vermieden, in den Abgrund eines
Bürgerkrieges zu fallen, wohl wissend, dass es genau dies ist, was
Israel wünscht. Indem sie nun ihre gewählte Regierung zerstören,
versuchen sie, eine parallele Regierung um den palästinensischen Präsidenten
Mahmoud Abbas aufzubauen ...die Folge: eine anarchistische Gesellschaft
... beherrscht von verzweifelten Milizgruppen, Banden, religiösen
Ideologien, zerbrochen in ethnische und religiöse Clans und
Kollaborateure. Schauen wir auf den Irak von heute: das ist es, was
Sharon für uns auf Lager hatte,“ schrieb der Oxforder Akademiker und
Palästinenser Karma Nabulsi.
Der
Kampf in Palästina ist ein amerikanischer Krieg, der von Amerikas
schwerbewaffneter Militärbasis, Israel, aus geführt wird. Wir im
Westen sollten über den israelisch-palästinensischen „Konflikt“
nicht in dieser Weise denken, so wie wir über die Israelis als Opfer,
aber nicht als illegale und brutale Besatzer denken sollten. ...doch
ohne F-16-Bomber und die Apachen-Hubschrauber und die Milliarden Dollars
amerikanischer Steuerzahler, hätte Israel längst mit den Palästinensern
Frieden gemacht. Seit dem 2. Weltkrieg hat die USA Israel 140 Milliarden
$ gegeben, den größten Teil für die militärische Ausrüstung. Nach
dem Kongress-Forschungsdienst waren in demselben „Hilfsbudget“ 28
Millionen $ „Hilfe für palästinensische Kinder eingeschlossen, die
unter dieser Konfliktsituation leiden“ , um ihnen mit „grundlegender
erster Hilfe“ beizustehen. Diese Hilfe wurde jetzt auch gestrichen.
Karma
Nabulsis Vergleich mit dem Irak ist treffend, denn dieselbe
„Politik“ wird dort angewandt. Die Aufbringung von Zarqawi war ein
wunderbarer Medien-Event. Die Philosophin Hanna Arendt nannte dies eine
„Aktion als Propaganda“ und hat wenig mit der Realität zu tun. Die
Amerikaner... haben ihren Dämon in die Luft gesprengt. Die Wahrheit
ist, das Zarqawi größtenteils ihre Schöpfung war. Seine
offensichtliche Tötung diente einem wichtigen Propagandazweck, der uns
im Westen vom amerikanischen Ziel, den Irak wie Palästina in eine ohnmächtige
Gesellschaft von ethnischen und religiösen Clans/Stämmen umzuwandeln,
ablenken soll. Todesschwadronen, die von Veteranen der CIA in
Zentral-Amerika ausgebildet und trainiert werden, sind dafür wichtig.
Der Mord an Zarqawi und die Mythen über seine Bedeutung lenken auch von
den Massakern der US-Soldaten ab, wie das in Haditha. Sogar der
Marionetten-Präsident Al-Maliki beklagt das mörderische Verhalten der
US-Truppen als tägliches Geschehen ...
Dies
ist als „Befriedung“ bekannt. Die Asymmetrie eines befriedeten Irak
und eines befriedeten Palästina ist klar. Wie in Palästina geht der
Krieg im Irak gegen Zivilisten, meist gegen Kinder. Nach UNICEF war der
Irak einmal das Land mit dem höchsten Indikator für das Wohlbefinden
der Kinder. Heute leidet ein Viertel aller Kinder zwischen ½ und 5
Jahren an akuter oder chronischer Unterernährung, schlimmer als in der
Zeit der Sanktionen. Armut und Krankheit nehmen mit jedem Tag der
Besatzung zu.
Im
Britisch besetzten Basra ist „die Kindersterblichkeit um 30 %
angewachsen, verglichen mit der Saddam Hussein-Ära“ ( nach Saving
Children from War, einer EU –Hilfsagentur). Sie sterben, weil die
Krankenhäuser keine Ventilatoren haben und das Wasser verschmutzt ist
.... Die Kinder werden Opfer von nicht explodierten britischen und US-
Clusterbomben. Sie spielen in Gegenden, die von abgereichertem Uran
verseucht sind(und Krebs/Leukemie verursacht). Im Gegensatz dazu bewegen
sich brit. Überwachungsteams dort nur mit vor Strahlung schützenden
speziellen Ganzkörper-Anzügen mit Gesichtsmasken und Handschuhen.
...Das Verteidigungsministerium nennt dies einen „vollen biologischen
Test.“
Hatte
Arthur Müller recht? Wird dies alles intern dementiert? Oder hören wir
auch auf entferntere Stimmen? Bei meinem letzten Aufenthalt in Palästina
wurde ich beim Verlassen von Gaza mit einem Schauspiel palästinensischer
Flaggen von innerhalb des ummauerten Gebietes belohnt. Kinder waren dafür
verantwortlich. Keiner hatte sie dazu aufgefordert. Sie machten
Fahnenstangen aus zusammengebundenen Stöcken, kletterten auf eine Mauer
und hielten die Fahnen ruhig zwischen sich. Wohl im Glauben, dass sie
der Welt erzählen werden.
(Dieser
Artikel erschien zuerst in New Statesman – seine Website: www.johnpilger.com) |