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Klageweiber
Ramallah
fällt Gaza in den Rücken
Quelle:
jungeWelt vom
30.12.2008
Von
Werner Pirker
Die
Bemerkung des Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas, die Hamas habe
Israel die gewünschte Vorlage zum Angriff auf Gaza geliefert, erwies
sich selbst als eine von der proisraelischen Meinungsmache dankbar
aufgenommene Vorlage. Woher aber will Abbas wissen, ob die Hamas nicht
doch noch zu einem neuen Waffenstillstand mit Israel bereit gewesen wäre?
Immerhin hätte das von den Israelis gestellte Ultimatum erst am
vergangenen Sonntag auslaufen sollen, zu einem Zeitpunkt also, als die
israelische Terroroffensive bereits voll im Gang war. Einer spontanen
Eingebung ist diese großangelegte Militäroperation sicher nicht
gefolgt. Sie war bereits in Planung, als sich der gerade abgelaufene
Waffenstillstand noch im Verhandlungsstadium befand.
Natürlich
muß Abbas, will er nicht auch aus dem Westjordanland verjagt werden,
das von Israel in Gaza angerichtete Massaker beklagen. Und natürlich
hat die Autonomiebehörde in Ramallah Verhandlungen mit Israel
ausgesetzt, »solange wir angegriffen werden«. Doch mit dem Vorwurf an
die Hamas, Israel zu dem Angriff provoziert zu haben, argumentiert er in
unmittelbarer Nähe zur israelischen Rechtfertigungsrhetorik. Dabei wird
außer acht gelassen, daß die brachiale Anwendung militärischer Gewalt
die Fortsetzung der Blockadepolitik ist, gegen die sich der mit äußerst
beschränkten militärischen Mitteln geleistete Widerstand der
islamischen Militanten gerichtet hat.
Es
ist deshalb auch völlig folgerichtig, daß die Hamas ihre Bereitschaft
zu einem Waffenstillstand an die Bedingung eines sofortigen Endes der
israelischen Kriegshandlungen und einer Aufhebung der langfristig nicht
minder mörderischen Blockade knüpft. Etwas anderes ist natürlich die
Durchsetzbarkeit dieses Standpunktes. Was ersteres betrifft, kann das
geschundene Volk von Gaza vielleicht auch auf den internationalen Faktor
setzen. Letzteres betreffend hat die internationale Gemeinschaft bisher
völlig versagt. Die Europäische Union, die sich gern als ehrlicher
Makler in Nahostfragen in Szene setzt, trägt die Embargopolitik gegen
die unter Hamas-Verwaltung stehende Gaza-Bevölkerung maßgeblich mit.
Und der arabische Bruderstaat Ägypten steuert seinen Teil zur vollständigen
Abriegelung der Grenzen des Elendsgebietes bei.
Die
unsolidarischen Angriffe des Dorfschulzen von Ramallah, wie Abbas
gerechterweise tituliert werden müßte, auf die Führung in Gaza
ergeben durchaus Sinn. Die von ihm repräsentierten Fatah-Kräften
hoffen, aus dem Konflikt zwischen Israel und der Hamas als lachende
Dritte, das heißt als Sieger im innerpalästinensischen Machtkampf
aussteigen zu können. In der Entmachtung der Islamisten und der
Ernennung einer von ihnen handverlesenen Führung aber liegt ohnedies Israels
Kriegsziel auf Gaza. Wie es aber aussieht, hat Israels Überfall das
Ansehen der Widerständigen erhöht und das der Klageweiber weiter beschädigt |