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Die
neue Weltordnung
Von whs
Arbeiterkorrespondenz auf Kommunisten-online vom 8. Februar 2010 –
Wenn man sich die Berichte von
german-foreign-policy noch ein Mal vornimmt und das Weltgeschehen in
diesem Zeitraum nochmals Revue passieren lässt, so eröffnen sich
erstaunliche Perspektiven. Der Imperialismus rüstet zu einer neuen
Runde im Machtpoker. Ganz offensichtlich werden die ökonomischen und
politischen Hauptmächte neu geordnet. Und ganz offensichtlich geht es
nicht mehr nur um nationale Stärke.
Es
begann eigentlich alles mit der Schaffung der US-Eingreiftruppe. Sofort
meldeten sich die Europäer zu Wort und meinten, so etwas auch nötig zu
haben. Franzosen und (West)Deutsche bauten damals die gemeinsame
Schnelle Eingreiftruppe auf. Dies war der erste Schachzug, um den Kampf
um Rohstoffe, Einflusssphären und Absatzmärkte zu
internationalisieren. Die zunehmende internationale Verflechtung der
Monopole macht dies notwendig. Und ganz offensichtlich setzen diese
Monopole nicht mehr nur auf einen Staat.
Die
Eingreifverbände der USA bestanden ihre Feuerprobe im Golfkrieg, dem
ersten Krieg, der nach dem Vietnamkrieg mal wieder siegreich für die
USA ausging. Damals hielten sich die Europäer zurück. Dann setzte sich
Bush das Ziel, den „bösen Diktator“
Saddam Hussein zu verjagen, der
den Ölmonopolen den Zugriff auf die irakischen Ölquellen
verwehrte. Diese Gefahr für den Profit galt es abzuwenden und der Irak
wurde mit Krieg überzogen, der bis heute fast unvermindert andauert.
Hier beteiligte sich die EU bereits mit erheblichen Kräften.
Weiter
ging es in Ex-Jugoslawien. Unter sehr durchsichtigen Vorwänden wurde
der Kosovo von Serbien abgespalten. Nun übernahm auch erstmals die
Bundesrepublik eine unrühmliche Rolle. Dass dies gerade in Jugoslawien
geschah, ist wohl nicht von ungefähr. Hier wurde auch die Fähigkeit
deutscher Stäbe getestet, um ihre Eignung für künftige Führungsaufgaben
zu überprüfen. Sie bestanden, zwar nicht „summa cum laude“, aber
sie hatten ihre Eignung nachgewiesen. Damit waren sie für eigenständige
Aufgaben einsetzbar.
Der
nächste Einsatz ließ denn auch nicht lange auf sich warten.
Afghanistan wurde von einer Streitmacht im Auftrag internationaler
Monopole besetzt. Hier nun dürfen die Deutschen erstmals selbst eine
Region in eigener Regie überwachen. Und sie machen das gut, auch wenn
die US-Amerikaner ab und zu mal ordnend dazwischen hauen. Aber im Großen
und Ganzen ist man mit ihnen zufrieden. Auch zufrieden ist man mit der
deutschen Politik, die die Zeichen der Zeit erkannt hat, und ihre
internationalen Geldgeber dort unterstützt, wo sie ihre Unterstützung
am dringendsten brauchen. Somit hat auch die deutsche Politik
nachgewiesen, dass sie den Interessen der Finanzoligarchie ergeben
dient.
Nun
drängen die Europäer immer mehr in Gremien, die die Sicherung der
Macht der Monopole garantieren. Ausgelöst
durch die zunehmende Schwäche der USA und der noch vorhandenen Zurückhaltung
Chinas übernehmen sie nun auch Aufgaben, die sich eigentlich die US-Führungsstellen
vorbehalten hatten. So soll Haiti als nächster Stellvertreter ausgebaut
werden. Dass dabei nun auch immer öfter die Europäer in Führungspositionen
drängen, hat zum einen mit der gestiegenen ökonomischen Stärke und
zum anderen mit dem gestiegenen Selbstvertrauen zu tun, dass man sich in
den diversen Einsätzen zum Wohle der Finanzoligarchie erworben hat, zu
tun.
Noch
einige Gedanken zu den Stellvertretern.
Im Nahen Osten ist natürlich Israel die unbestrittene Nummer
Eins. Da kann es keinen Zweifel geben. Sie ist ja auch die Militärmacht
Nummer Eins in dieser Region. Aber Israel ist zum anderen natürlich
auch im eigenen Lande gebunden, ausgelöst von der unsinnigen Politik
gegenüber den Palästinensern. Deshalb sind auch seine außenpolitischen
Aufgaben beschränkt. Aus diesem Grund sollte zusätzlich der Irak als Wächter
gegenüber dem Iran installiert werden, um Israel zu entlasten. Das hat
nun nicht funktioniert. Afghanistan hat ebenfalls eine wichtige Funktion
in dieser Region. Pakistan und Indien (zwei Atommächte) streiten um die
führende Position in der Gegend. Keine der beiden Mächte war so recht
zu beherrschen. So wäre ein Stützpunkt Afghanistan schon sehr viel
wert. Zumal man von dort auch den noch unsicheren Kandidaten China im
Blick hat der zusätzlich von Taiwan, Japan und Südkorea aus
kontrolliert werden kann. Aber auch die Ausstrahlung Richtung Indochina
ist dabei nicht zu vergessen. Immerhin sind mit Laos, Kambodscha und vor
allem Vietnam immer noch einige Staaten, die sich nicht so recht vom
internationalen Finanzkapital in die Karten schauen lassen wollen.
In
all diesen Regionen sind natürlich hauptsächlich die US-Amerikaner
die, die die Hauptaufsicht führen. Da ist es den Europäern natürlich
nur recht, gerade vor der Haustür der USA mitzumischen. Und Haiti
bietet sich als Stützpunkt geradezu an. Das Erdbeben macht es zudem möglich,
relativ ungestört die erforderlichen Installationen zu tätigen, um
dann dauerhaft die Region zu kontrollieren. Kolumbien wird zwar von den
USA als Stützpunkt weiter ausgebaut, aber es ist nicht verkehrt, einen
zweiten Stützpunkt in der Karibik zu haben, zumal Kuba dauerhaft am
sozialistischen Kurs festhält. Da bietet sich Haiti geradezu an. Auf
dem Festland ist ja auch Europa präsent (Französisch-Guyana), so dass
eine weitere Basis nicht erforderlich erscheint, zumindest nicht im
Bereich der Karibik.
Da
nimmt es nicht wunder, dass die UNO zunehmend als Weltregierung
ausgebaut wird. Sie scheint auch gewillt, diese Aufgabe zu übernehmen.
Auch die Einbindung Chinas ist durch den ständigen Sitz im
Sicherheitsrat gewährleistet. China wird es sich auf Dauer auch nicht
leisten können, internationale Einsätze im Interesse der Monopole
abzulehnen, will es nicht seinen Einfluss in diesem Gremium aufs
Spiel setzen. Wie die chinesischen Streitkräfte letztendlich
eingebunden werden, wird die Zeit zeigen.
Das
Finanzkapital ist dabei seine Macht neu zu strukturieren und auf die
Erfordernisse einer globalisierten Welt auszurichten. Dabei werden neue
Gefahren auf die internationale Arbeiterklasse zu kommen, aber auch neue
Kampfmethoden möglich sein. Das Proletariat wird auch deutlich bessere
Möglichkeiten haben, sich gegen die verschärfte Ausbeutung zu wehren.
Notwendig dazu ist die straffe Organisation zunächst auf nationaler,
aber auch auf internationaler Ebene. Je eher in den einzelnen Staaten
die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, desto schneller kann diese
internationale Organisation ihre Arbeit aufnehmen. Je schneller die
internationale kommunistische Organisation die Arbeit aufnehmen kann,
desto schneller wird der
Kampf des Proletariats Früchte tragen.
Für
die Einheit der Arbeiterlasse!
Für
eine gerechte Weltordnung!
Für
die proletarische Revolution!
Rot
Front
Werner
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Die
Prioritäten der Großmächte
PORT-AU-PRINCE/BERLIN
german-foreign-policy
vom 05.02.2010 (Eigener
Bericht) – Berlin entwickelt Konzeptionen für eine langfristige
Übernahme der Kontrolle über Haiti durch die westlichen Führungsmächte.
Wie die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in einem neuen
Strategiepapier schreibt, sei die Absicht der Großmächte deutlich,
„Haiti nun nach ihren eigenen Prioritäten zu entwickeln“. Die
„geeignete Form“ müsse jedoch „noch gefunden werden“. Die SWP
betrachtet vier unterschiedliche Varianten, die von der Installation
einer „Entwicklungsagentur“ in Haiti bis zur Unterstellung des
Landes unter die Hoheit der UNO reichen. Letzteres Modell, das ungefähr
der früheren Besatzungsverwaltung im Kosovo entspricht, werde derzeit
„für den Fall versagender Staaten“ allgemein diskutiert, teilt die
SWP mit. Die EU markiert ihren Anspruch, sich an der Kontrolle Haitis zu
beteiligen, mit der Stationierung ihrer Gendarmerietruppe in dem Land.
Damit weiten sich die Aktivitäten europäischer Polizei- und Militäreinheiten
in der Karibik und in den nahen Küstenregionen Lateinamerikas aus; auch
Deutschland schickt zuweilen Repressionskräfte in die Region. Die Maßnahmen
sichern Präsenz im Hinterhof der USA und vor allem in unmittelbarer Nähe
zu widerspenstigen Staaten wie Venezuela und Kuba.
Erneute
Einmischung
In
einem neuen Strategiepapier entwickelt der Berliner Regierungs-Thinktank
Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) Konzeptionen, die auf eine
langfristige Übernahme Haitis durch die westlichen Großmächte
hinauslaufen. Haiti leide „unter den Symptomen zerfallender
Staatlichkeit“ [1], heißt es in dem Papier über das Land, das sich
in den vergangenen 200 Jahren nie von unmittelbarer Einmischung aus
Europa und den USA befreien konnte - Militärinterventionen und
Protektoratsherrschaft inklusive. Ohne eine erneute Einmischung („Übernahme
von Verantwortung“) durch die westlichen Mächte („internationale
Gemeinschaft“) sei es nur „schwer vorstellbar, dass die dringendsten
Bedürfnisse der Bevölkerung (...) befriedigt werden können“,
behauptet die SWP. „Die für Haiti geeignete Form“ äußerer
Intervention müsse allerdings „noch gefunden werden“. Das Papier
betrachtet dazu vier Varianten.
Ad-hoc-Gruppe
Für
problematisch hält der Autor des SWP-Papiers Überlegungen, die
westlichen Aktivitäten in Haiti unter dem Dach der bestehenden
UN-“Mission“ MINUSTAH durchzuführen. Schließlich wude MINUSTAH im
Jahr 2004 mit der Begründung installiert, von Haiti gehe eine Bedrohung
für den Frieden aus (Kapitel 7 der UN-Charta). Nach dem Erdbeben „dürfte
es schwierig sein“, diese Behauptung aufrecht zu halten, heißt es bei
der SWP. Auch ein „internationales Protektorat“ „ohne besondere völkerrechtliche
Ermächtigung“ - gemeint ist eine eigenmächtige Besatzung nach einer
freiwilligen oder erzwungenen Bitte der Regierung in Port-au-Prince -
ist dem Papier zufolge nicht optimal; es sei „fraglich, ob gerade
Haiti (...) das richtige Terrain ist, um ein solches, grundsätzliche
Legitimitätsfragen berührendes Format einzuführen“.[2] Am
praktikabelsten scheint dem Autor „der Aufbau einer
Entwicklungsagentur“, geführt von den Vereinten Nationen „oder
einer Ad-hoc-Gruppe von Mitgliedstaaten“. Diese Agentur solle „in
Zusammenarbeit“ mit der gewählten Regierung Haitis „den
Wiederaufbau gestalten“.
Kolonie
Besondere
Beachtung widmet die SWP Überlegungen, das System der
UN-“Treuhandgebiete“ nach Kapitel XII der UN-Charta wiederzubeleben.
Insbesondere in den USA werde dies allgemein „für den Fall
versagender Staaten“ erwogen, heißt es in dem Strategiepapier. Bei
den einstigen UN-“Treuhandgebieten“ handelte es sich um Kolonien,
die in die Eigenstaatlichkeit entlassen werden sollten; der Vorgang
dauerte zum Teil Jahrzehnte. Dieses Modell könne im Falle Haitis „für
zentrale Akteure der internationalen Gemeinschaft attraktiv sein“, vor
allem wenn die Erfahrungen mit der Besatzungsverwaltung des Kosovo berücksichtigt
und die Verwaltung Haitis diesem Modell angepasst werde, schreibt der
Autor. Er gibt aber zu bedenken, eine solche „Option einer
internationalen Übergangsverwaltung“ sei „für VN-Mitgliedstaaten
wie Haiti nicht anwendbar“.[3]
Militärstützpunkte
Wie
auch immer die Entscheidung über die westliche Einmischung in Haiti
ausfallen wird - Deutschland, heißt es in dem SWP-Papier, „kann sich
daran ebenso wirkungsvoll beteiligen wie an der technischen Hilfe beim
Wiederaufbau.“[4] Einstweilen markiert die EU ihren Anspruch auf
Mitwirkung per Stationierung ihrer Gendarmerietruppe in dem
Karibikstaat. Damit weiten sich die Aktivitäten von Polizei- und Militärkräften
europäischer Länder in der Karibik und den angrenzenden Küstenregionen
Lateinamerikas aus; an ihnen ist, im Unterschied zur Gendarmerietruppe,
auch Deutschland beteiligt. So unterhält Paris Militärstützpunkte in
seiner Kolonie Französisch-Guayana, wo sein Auslandsgeheimdienst -
Direction Générale de la Sécurité Extérieure, DGSE -
Geheimdienstexperten zufolge gemeinsam mit dem BND einen Horchposten
betreibt.[5] In Französisch-Guayana trainiert zudem das Kommando
Spezialkräfte (KSK) den Dschungelkampf. Auf Martinique, einer weiteren
französischen Kolonie, hat Paris einen Marinestützpunkt eingerichtet
(Fort Saint Louis), den die Bundesmarine letztes Jahr im Rahmen einer
Trainingsfahrt ansteuerte. In der früheren britischen Kolonie Belize
unterhält London eine „British Army Training Support Unit Belize“,
deren „International Jungle Patrol Course“ das KSK zur Ausbildung
nutzt. Außerdem bildet die Bundeswehr seit 2006 Offiziere aus Belize
aus.
Spannungen
Die
Präsenz europäischer Repressionskräfte in der Region sichert nicht
nur eine dauerhafte Präsenz im „Hinterhof“ der Vereinigten Staaten.
Sie setzt auch Signale gegenüber Ländern wie Venezuela und Kuba, die
sich der europäisch-US-amerikanischen Hegemonie widersetzen. So galt es
als eindeutiges Signal an Venezuela, als 2009 der Einsatz- und
Ausbildungsverband der Bundesmarine in den kolumbianischen Hafen
Cartagena de Indias einlief; zwischen Kolumbien und Venezuela bestehen
große Spannungen. Deutsche und kolumbianische Kriegsschiffe nahmen
danach gemeinsam an einem multinationalen Manöver teil. Auf den Niederländischen
Antillen, einer niederländischen Kolonie rund 60 Kilometer vor der Küste
Venezuelas, unterhält Den Haag einen Stützpunkt („Hato Navy Air
Station“), der von den USA als Forward Operating Location genutzt
wird. Die starken Spannungen zwischen Venezuela und seinen Verbündeten
auf der einen und den USA sowie Kolumbien auf der anderen Seite lassen
die Bedeutung erkennen, die den europäischen Militärbasen und Truppen
in der Region zukommt. Dies gilt auch für die neue europäisch-amerikanische
Präsenz in Haiti, über deren formale Ausgestaltung die SWP nachdenkt:
Haiti ist nur rund 80 Kilometer von Kuba entfernt.
Bitte
lesen Sie zur Thematik auch Unter Zwangsverwaltung und Neue Kolonien.
[1],
[2], [3], [4] Günther Maihold: Haiti: Was kommt nach der
Katastrophenhilfe? SWP-Aktuell 9, Januar 2010
[5] Udo Ulfkotte: Der Krieg im Dunkeln: Die wahre Macht der
Geheimdienste, Frankfurt am Main 2006
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