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Gedanken
von Fidel / 6. November 2009
DER
ANSCHLUSS KOLUMBIENS AN DIE USA
Von
Fidel Castro Ruz
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Jeder
normal informierter Mensch begreift sofort, dass jenes süßlich
formulierte „Ergänzungs-Abkommen für Zusammenarbeit und Technische
Hilfe bei der Verteidigung und Sicherheit zwischen den Regierungen von
Kolumbien und den Vereinten Staaten“ mit Unterzeichnungsdatum vom 30.
Oktober 2009 und Veröffentlichungsdatum vom 2. November 2009 dem
Anschluss Kolumbiens an die USA gleichkommt.
Das
Abkommen bringt Theoretiker und Politiker in Bedrängnis. Es ist nicht
ehrlich, jetzt die Ruhe zu bewahren und dann über Souveränität,
Demokratie, Menschenrechte, Meinungsfreiheit und andere Dinge zu reden,
wenn gerade ein Land vom Imperium mit derselben Leichtigkeit verspeist
wird, mit der eine Echse eine Fliege verspeist. Es geht um das kämpferische
und werktätige tapfere kolumbianische Volk. Ich habe im ganzen langen
Schinken eine verdauliche Rechtfertigung gesucht und keinen Grund
gefunden.
Auf
48 Seiten mit 21 Zeilen finden sich 5, die sich dem Philosophieren über
die Vorgeschichte der schändlichen Auffassung widmen, wonach Kolumbien
ein Übersee-Territorium wird. Alle Seiten gründen sich auf nach der
Ermordung des angesehenen fortschrittlichen Kämpfers Jorge Eliécer
Gaitán am 9. April 1948 mit den USA unterschriebene Abkommen und die
Schaffung der OAS am 30. April 1948, welche seinerzeit von den
Regierungschefs der Hemisphäre bei ihrer Beratung in Bogotá unter dem
Taktstock der USA diskutiert wurde. In jenen tragischen Tagen, in
welcher die kolumbianische Oligarchie das Leben jenes Volkshelden
erstickte und der bewaffnete Kampf in Kolumbien ausbrach:
-
Das „Abkommen über militärischen Beistand zwischen der Republik
Kolumbien und den USA vom April 1952;
-
Die Abkommen über „eine Heeresmission, eine Marinemission und eine
Luftwaffenmission der USA“, unterschrieben am 7. Oktober 1974;
-
die Konvention der UNO gegen den Drogenschmuggel von 1988;
-
die Konvention der UNO gegen das internationale organisierte Verbrechen
von 2000;
-
die Resolution 1373 des Sicherheitsrates von 2001;
-
die Interamerikanische Demokratische Charta;
-
die Charta zu Verteidigung und Demokratischer Sicherheit;
-
weitere Beschlüsse, die sich im besagten Dokument befinden.
Aber
keiner davon rechtfertigt es, ein Land von 1,141.748 Quadratkilometern
Größe im Herzen, zu einem US-Militärstützpunkt werden zu lassen.
Kolumbien ist 1,6-mal so groß wie Texas, der zweitgrößte
US-Bundesstaat, welcher einst Mexiko geraubt wurde und anschließend als
Stützpunkt zur Eroberung mit Blut und Feuer der Hälfte jenes
Bruderlandes Mexiko diente.
Andererseits
sind bereits 59 Jahre vergangen, seit kolumbianische Soldaten in das
weit entfernte Asien entsendet wurden, um zusammen mit den US-Truppen
gegen Chinesen und Koreaner im Oktober 1950 zu kämpfen. Jetzt hat das
Imperium vor, sie in den Kampf gegen ihre venezolanischen,
ekuadorianischen und anderen bolivarischen Völker der ALBA zu schicken,
um die venezolanische Revolution zu zerschlagen, wie sie es einst mit
der kubanischen Revolution im April 1961 versucht hatten.
In
mehr als eineinhalb Jahren vor der Invasion rüstete und bildete die
US-Regierung die konterrevolutionären Banden der Escambray aus. Genau
wie sie heute die kolumbianischen Paramilitärs gegen Venezuela benutzt.
Als
der Angriff in der Schweinebucht begann, operierten die B-26 der
US-Truppen mit Söldnerbesatzungen von Nikaragua aus und steuerten ihre
Kampfflugzeuge auf Flugzeugträgern in das Kampfgebiet, und die
Invasoren kubanischer Herkunft kamen in Begleitung von Marine-Infanterie
und Kriegsschiffen aus den USA. Heute sind ihre Kriegsmittel und ihre
Truppen in Kolumbien nicht nur die Bedrohung für Venezuela, sondern für
alle Staaten in Mittel- und Südamerika.
Es
ist wirklich zynisch zu verkünden, dass das abscheuliche Abkommen eine
Notwendigkeit des Kampfes gegen den Drogenschmuggel und den
internationalen Terrorismus ist. Kuba hat gezeigt, dass keine ausländischen
Truppen notwendig sind, um den Anbau und den Schmuggel von Drogen zu
verhindern und die innere Ordnung aufrecht zu erhalten, obwohl die USA
als mächtigste Großmacht der Welt seit Jahrzehnten die terroristischen
Handlungen gegen die kubanische Revolution förderte, finanzierte und
bewaffnete.
Der
innere Frieden ist elementares Anliegen jeden Staates. Die Präsenz von
US-Truppen in einem Land Lateinamerikas zu diesem Zweck ist eine unverhüllte
ausländische Einmischung in die inneren Angelegenheiten, was
unvermeidlich den Protest seiner Bevölkerung hervorrufen wird.
Die
Lektüre des Dokuments zeigt, dass nicht nur die kolumbianischen
Luftwaffenstützpunkte den US-Amerikanern in die Hände gegeben werden,
sondern auch die zivilen Flughäfen und letztlich jede ihren Streitkräften
nützliche Einrichtung. Der Funkraum wird auch jenem Land anderer Kultur
zur Verfügung gestellt, dessen Interessen nichts mit denen der
kolumbianischen Bevölkerung zu tun haben.
Die
US-Streitkräfte werden Sonderrechte genießen.
In
jedem Teil Kolumbiens können die Besatzer Verbrechen gegen die
kolumbianischen Familien, die Güter und die Gesetze Kolumbiens begehen,
ohne sich dafür vor den Behörden des Landes Kolumbien verantworten zu
müssen. Zu nicht wenigen Orten brachten sie Skandale und Krankheiten,
wie sie es mit dem Militärstützpunkt von Palmerola in Honduras taten.
In Kuba, als sie die neue Kolonie besuchten, setzten sie sich in
Reiterposen auf die Statur von José Martí im Zentralpark der
Hauptstadt. Die Begrenzung der Gesamtzahl ihrer Soldaten kann auf Antrag
der USA verändert werden, ohne jede Einschränkung. Die Flugzeugträger
und Kriegsschiffe , die die ihnen gestatteten Marinestützpunkte
besuchen, werden so viele Mannschaften bei sich haben, wie sie für
erforderlich halten, und es können Tausende allein auf einem dieser großen
Flugzeugträger sein.
Das
Abkommen wird alle 10 Jahre auf die folgenden 10 Jahre verlängert
werden. Und niemand kann es verändern, außer am Ende jeder 10-jährigen
Periode, wenn er es ein Jahr zuvor ankündigt. Was werden die USA tun,
wenn eine Regierung wie die von Johnson, Nixon, Reagan, Bush sen. oder
Bush jun. und weitere ähnliche die Aufforderung zum Verlassen
Kolumbiens erhält? Die US-Amerikaner waren fähig, Dutzende Regierungen
in unserer Hemisphäre zu zerschlagen. Wie lange würde eine Regierung
in Kolumbien im Amt bleiben, wenn sie solche Absichten ankündigt?
Die
Politiker Lateinamerikas haben jetzt ein delikates Problem vor sich: die
elementare Pflicht, ihre Gesichtspunkte über das Anschlussdokument zu
erklären. Ich begreife. dass das, was in diesem für Honduras
entscheidenden Moment geschieht, die Aufmerksamkeit der Massenmedien und
der Außenminister dieser Hemisphäre in Anspruch nimmt. Aber das
schwerwiegende und folgenreiche Problem, welches in Kolumbien
stattfindet, kann an den lateinamerikanischen Regierungen nicht
unbeachtet vorbeiziehen.
Ich
hege nicht den geringsten Zweifel an der Reaktion der Völker. Sie
werden die Messerspitze spüren, die sich in ihre tiefsten Gefühle
bohrt, insbesondere beim Volk Kolumbiens. Sie werden sich widersetzen.
Niemals werden sie so eine Abscheulichkeit hinnehmen!
Die
Welt steht heute vor schwerwiegenden und dringlichen Problemen. Der
Klimawechsel bedroht die gesamte Menschheit. Führende Persönlichkeiten
Europas erflehen fast schon auf Knien ein Abkommen in Kopenhagen,
welches die Katastrophe abwenden soll. Sie legen als Realität vor, dass
auf der Gipfelkonferenz das Ziel einer Übereinkunft nicht erreicht
werden wird, welche drastisch den Ausstoß der Treibhausgase vermindert.
Sie versprechen, den Kampf fortzusetzen, um dies vor 2012 zu erreichen.
Es ist das wirkliche Risiko vorhanden, dass da nichts erreicht werden
kann, bevor es zu spät sein wird.
Die
Länder der Dritten Welt fordern zu recht von den entwickeltesten und
reichsten Ländern Hunderte von Milliarden Dollars jährlich zur
Abdeckung der Kosten für den Kampf um das Klima.
Hat
es einen Sinn, dass die Regierung der USA Zeit und Geld in den Bau von
Militärstützpunkten in Kolumbien investiert, um unseren Völkern ihre
verhasste Tyrannei aufzuzwingen? Auf diesem Wege, wo eine Katastrophe
die Welt bedroht, bedroht eine größere und viel schnellere Katastrophe
das Imperium, und alles wäre Folge desselben Ausbeutungs- und Ausplünderungssystems
des Planeten.

Fidel
Castro Ruz
6.
November 2009
Quelle:
http://www.cubadebate.cu/
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