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Wir
hören von unseren kapitalistischen Medien nur das
Geschwätz der Obamas und der Merkels. Aber diesen wichtigen Beitrag zur
Frage des Klimawandels aus Venezuela, unterschlagen die kapitalistischen
Medien. Kommunisten-online bringt hier die Rede des Präsidenten von
Venezuela, der den Herrschenden der kapitalistischen Ländern seine
ungeschminkte Meinung sagte.
Vorbemerkung
Roter Webmaster
| „Die Ursache
ist ohne Zweifel, und ich komme auf das Thema all dieses
katastrophalen Panoramas zurück, das zerstörerische
Stoffwechselsystem des Kapitals und sein fleischgewordenes
Modell: der Kapitalismus.“ |
Rede
des Präsidenten Hugo Chávez Frías in Kopenhagen
„LASST
UNS DAS SYSTEM VERÄNDERN UND SO DEN PLANETEN RETTEN“
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
auf
Kommunisten-online am 20. Dezember 2009
Herr
Präsident! Meine Damen und Herren! Exzellenzen! Freundinnen und
Freunde!
Ich
verspreche Ihnen, dass ich nicht mehr von dem weiter reden werde, von
dem ich an diesem Nachmittag hier gesprochen habe. Gestatten Sie mir
eine einleitende Bemerkung, die ich gerne als Teil des vorangegangenen
Punktes gemacht hätte, der von der Delegation aus Brasilien, aus China,
aus Indien, Bolivien ausgeführt wurde. Wir waren gerade dabei gewesen,
um das Wort zu bitten, aber es war nicht möglich, das Wort zu
ergreifen. Die Vertreterin Boliviens sprach meinen Gruß ganz richtig an
den Genossen Präsidenten Evo Morales aus, der dort drüben ist, der Präsident
der Republik Bolivien.
(Beifall
der Anwesenden)
Sie
sagte unter anderem folgendes. Nehmen Sie es hiermit zur Kenntnis. Sie
sagte: Der vorgelegte Text ist nicht demokratisch, er bezieht uns nicht
ein.
Ich
war kaum angekommen, und wir saßen da, als wir die Vorsitzende der
vorangegangenen Sitzung sagen hörten, dass ein Dokument kommen würde,
welches jedoch niemand kennt. Ich habe nach dem Dokument gefragt. Wir
haben es noch nicht. Ich glaube, dass niemand von diesem top secret -
Dokument weiß.
Jetzt
hat die bolivianische Genossin es richtig ausgesprochen. Es ist nicht
demokratisch, es bezieht uns nicht ein. Jetzt, meine Damen, meine
Herren!
Ist
nicht vielleicht dies genau die Wirklichkeit auf dieser Welt?
Sind
wir vielleicht in einer demokratischen Welt? Ist das Weltsystem
vielleicht uns einbeziehend?
Können
wir etwas Demokratisches, uns Einbeziehendes vom gegenwärtigen
Weltsystem erwarten?
Wir
erleben auf diesem Planeten eine imperiale Diktatur. Und von hier aus
prangern wir sie weiterhin an. Nieder mit der imperialen Diktatur! Und
auf dass die Völker und die Demokratie und die Gleichheit auf diesem
Planeten hochleben!
(Beifall
der Anwesenden)
Und
was wir hier sehen ist die Widerspiegelung davon: Ausschluss.
Es
gibt eine Gruppe von Ländern, die sich gegenüber uns aus dem Süden,
uns aus der dritten Welt für überlegen halten. Uns, den
Unterentwickelten, oder wie es der großartige Freund Eduardo Galeano
sagt: Uns, den niedergewalzten Ländern, wie durch einen Zug, der uns in
der Geschichte überrollt hat.
Daher
befremdet uns dies nicht. Wir sind nicht befremdet. Es gibt keine
Demokratie in der Welt. Und hier stehen wir ein weiteres Mal einem mächtigen
Zeugnis der weltweiten imperialen Diktatur gegenüber. Dann standen dort
zwei junge Leute auf. Zum Glück sind die Ordnungshüter verhältnismäßig
gewesen. Irgendein Stoß dort entlang, und sie machten mit. Nein? Dort
draußen sind viele Leute. Wissen Sie das? Natürlich passen sie nicht
in diesen Salon, es sind viele Leute. Ich habe in der Presse gelesen,
dass es einige Festnahmen gegeben hat, einige große Proteste. Hier in
den Straßen von Kopenhagen. Und ich möchte all diese Menschen grüßen,
die da draußen sind. In der Mehrheit sind es Jugendliche.
(Beifall
der Anwesenden)
Natürlich
sind das besorgte Jugendliche. Ich glaube, dass sie mit Grund viel mehr
als wir um die Zukunft der Welt besorgt sind. Wir hier in der hier
versammelten Mehrzahl haben schon die Sonne im Rücken. Sie haben die
Sonne vor sich und sind sehr besorgt.
Man
könnte sagen: Herr Vorsitzender, ein Gespenst geht um in Kopenhagen. In
Anlehnung an Karl Marx, den großartigen Karl Marx. Ein Gespenst geht um
in den Straßen von Kopenhagen. Und ich glaube, dass dieses Gespenst
ruhig durch diesen Saal wandert, unter uns. Es wandelt durch die Gänge,
geht hinaus nach unten, kommt herauf. Dieses Gespenst ist ein
grauenhaftes Gespenst. Beinahe niemand will es benennen: Der
Kapitalismus ist das Gespenst. Beinahe niemand will es benennen.
(Beifall
der Anwesenden)
Das
ist der Kapitalismus. Es brüllen die Völker. Da draußen hört man
sie.
Ich
las einige in den Straßen gemalte Parolen. Und ich glaube, dass diese
Parolen dieser Jugendlichen, einige davon hörte ich, als der junge Mann
dort raus ging und die junge Frau da entlang. Das sind zwei, von denen
ich Kenntnis nahm. Man hört unter anderen zwei starken Losungen. Eine:
Verändert nicht das Klima, verändert das System.
(Beifall
der Anwesenden)
Und
ich greife sie auf für uns.
Verändern
wir nicht das Klima. Verändern wir das System!
Und
als Ergebnis werden wir beginnen, den Planeten zu retten. Der
Kapitalismus, das zerstörerische Entwicklungsmodell, macht Schluss mit
dem Leben. Er droht, endgültig der Gattung Mensch ein Ende zu bereiten.
Und
die andere Losung ruft zum Nachdenken auf. Sehr passend zur Bankenkrise,
die die Welt ereilte und noch auf sie einschlägt. Und zur Form, wie die
Länder des reichen Nordens den Bankiers und den Großbanken halfen.
Allein für die USA, gut, ist die Zahl verloren gegangen, denn sie ist
astronomisch. Um Banken zu retten. Sie sagen in den Straßen das
Folgende: Wenn das Klima eine Bank wäre, hätten sie es schon gerettet.
(Beifall
der Anwesenden)
Und
ich glaube, dass das wahr ist. Wenn das Klima eine kapitalistische Bank
von den größten Banken wäre, dann hätten die reichen Regierungen es
schon gerettet.
Ich
glaube, dass Obama nicht angekommen ist. Er erhielt den
Friedensnobelpreis beinahe am gleichen Tage, an dem er 30.000 Soldaten
mehr zum Töten Unschuldiger nach Afghanistan schickte. Und jetzt kommt
er, sich hier mit dem Friedensnobelpreis vorzustellen. Der Präsident
der USA.
Aber
die USA haben das Maschinchen, Scheine zu drucken, Dollars herzustellen.
Und sie haben gerettet … gut, sie glauben, die Banken und das
kapitalistische System gerettet zu haben.
Gut,
dies als Bemerkung am Rande, die ich machen wollte. Wir haben gerade die
Hand gehoben, um Brasilien, Indien, Bolivien, China in ihrer
interessanten Position zu begleiten, welche Venezuela und die Länder
des Bolivarischen Bündnisses teilen, und zwar nachdrücklich. Aber gut,
sie gaben uns nicht das Wort, so dass man mir diese Minuten bitte nicht
anrechnen möge, Vorsitzende.
(Beifall
der Anwesenden)
Passen
Sie da mal auf. Ich kannte und hatte das Vergnügen, diesen französischen
Schriftsteller Hervé Kempf zu kennen. Ich empfehle dieses Buch. Ich
empfehle es. Das gibt es in spanischer Sprache. Hier ist Hervé, auch in
französischer, sicherlich in englischer Sprache. Wie die Reichen den
Planet zerstören. Hervé Kempf: Wie die Reichen den Planet zerstören.
Darum sagte Christus: Eher kommt ein Kamel durch ein Nadelöhr als ein
Reicher in das Himmelreich. Dies sagte Christus, unser Herr.
(Beifall
der Anwesenden)
Die
Reichen sind dabei, den Planeten zu zerstören.
Werden
sie daran denken, nach einem anderen Planeten zu gehen, wenn sie diesen
zerstören?
Werden
sie Pläne haben, zu einem anderen Planeten zu gelangen?
Bis
jetzt sieht man keinen am Horizont der Galaxis.
Gerade
ist dieses Buch bei mir angekommen. Mir hat es Ignacio Ramonet
geschenkt, der auch hier in diesem Saal ist. Und am Ende des Vorwortes
oder der Einleitung steht eine sehr wichtige Aussage. Kempf sagt
folgendes. Ich lese: „Wir werden den materiellen Verbrauch auf
Weltniveau nicht vermindern können, wenn wir es nicht schaffen, dass
die Mächtigen ein paar Stufen herunterkommen, und wenn wir die
Ungleichheit nicht bekämpfen. Es ist notwendig, dass wir dem so nützlichen
ökologistischen Grundsatzes Global Denken und Lokal Handeln in der
Stunde der Bewusstwerdung den Grundsatz hinzufügen, welchen die Lage
erfordert: weniger verbrauchen und mehr teilen“.
Ich
glaube, dass ist ein guter Rat, den uns dieser französische
Schriftsteller Hervé Kempf gibt.
(Beifall
der Anwesenden)
Jetzt
ist gut, Herr Vorsitzender, der Klimawechsel ist zweifellos das
verheerendste Umweltproblem des gegenwärtigen Jahrhunderts. Überschwemmungen,
Dürren, schwere Unwetter, Hurrikane, Gletscherschmelzungen, Erhöhungen
des Meeresspiegels, Versäuerung der Ozeane und Hitzewellen. All dies
verschlimmert das Ausmaß der weltweiten Krisen, die uns geißeln.
Das
gegenwärtige Handeln der Menschheit überschreitet die Schwellen des
Haltbaren und bringt das Leben auf dem Planeten in Gefahr, aber auch in
dieser Hinsicht sind wir sehr ungleich.
Ich
möchte erinnern: Die 500 Millionen reichsten Menschen, 500 Millionen, -
das ist 7%, 7%, 7% der Weltbevölkerung. Diese 7% sind verantwortlich.
Diese 500 Millionen reichsten Menschen sind verantwortlich für 50% der
Schadstoff-Emissionen. Demgegenüber sind die 50% der ärmsten Menschen
nur für 7% der Schadstoff-Emissionen verantwortlich.
Darum ruft es in mir Beachtung hervor und ist ein wenig merkwürdig,
hier die USA und China auf gleicher Ebene zu nennen. Die USA haben
vielleicht mal gerade 300 Millionen Einwohner.
China
hat fast 5-mal mehr Bevölkerung als die USA.
Die
USA verbrauchen mehr als 20 Millionen Barrel täglich an Erdöl. China
kommt nur auf 5,6 Millionen Barrel täglich beim Verbrauch von Erdöl.
Man kann nicht dasselbe von den USA und China fordern.
Es
gibt hier Themen, die diskutiert werden müssen. Hoffentlich können wir
Chefs von Staaten und Regierungen uns zusammensetzen und mit der
Wahrheit diskutieren, mit der Wahrheit über diese Themen.
Des
Weiteren, Herr Vorsitzender, sind 60% der Ökosysteme des Planeten beschädigt,
20% der Erdoberfläche ist in Mitleidenschaft gezogen. Wir sind
unwiderlegbare Zeugen der Waldvernichtung, der Umwandlung ganzer
Landstriche, der Versteppung, der Veränderungen des Süßwassersystems,
der Überausbeutung der Meeresressourcen, der Verschmutzung und des
Verlustes der biologischen Vielfalt geworden.
Die
überzogene Bewirtschaftung des Erdbodens übersteigt um 30% die Fähigkeit,
ihn zu regenerieren. Der Planet verliert derzeit, was die Techniker die
Fähigkeit zur Selbstregulierung nennen. Dies verliert der Planet
gerade. An jedem Tag kommt es zu weiteren Abraumhalden aus dem, was sich
verarbeiten lässt. Das Überleben unserer Gattung hämmert im
Bewusstsein der Menschheit. Trotz der Dringlichkeit sind zwei Jahre
voller Verhandlungen vergangen, um eine zweite Periode der Kompromisse
unter dem Kyoto-Protokoll abzuschließen. Und wir nehmen an diesem
Termin ohne wirkliche und bedeutende Übereinkunft teil.
Und
richtig, zum Text der Erklärung, die da aus dem nichts kommt, wie
einige es nennen, sagt der chinesische Vertreter und sagt Venezuela und
sagen die Länder der ALBA, des Bolivarischen Bündnisses, - wir sagen
und sagten bereits, dass wir keinem anderen Erklärungswortlaut
zustimmen werden als dem, der von den Arbeitsgruppen des
Kyoto-Protokolls und der Konvention kommt. Dies sind die rechtmäßigen
Textwortlaute, die mit so viel Intensität in diesen Jahren
ausdiskutiert worden sind.
(Beifall
der Anwesenden)
Und
in diesen letzten Stunden glaube ich, dass sie nicht geschlafen haben,
außer nicht zu Mittag gegessen zu haben. Mir erscheint es nicht
logisch, dass jetzt ein Dokument aus dem Nichts kommt, wie sie sagen.
Das
wissenschaftlich gestützte Ziel der Verminderung des Ausstoßes der
Treibhausgase und Erzielung einer Übereinkunft zur langfristigen
Zusammenarbeit bei vollem Lichte erscheint heute zu dieser Stunde jetzt
gescheitert zu sein.
Der
Grund, welcher ist es? Wir haben keinen Zweifel.
Der
Grund ist die verantwortungslose Haltung und das Ausbleiben politischen
Willens bei den mächtigsten Ländern des Planeten. Niemand fühle sich
angegriffen. Ich greife auf den großartigen José Gervasio Artigas zurück,
der sagte: „Mit der Wahrheit greife ich weder an, noch fürchte
ich.“ Aber in Wahrheit ist es eine verantwortungslose Haltung aus
Aufgeboten, aus Gegenaufgeboten, aus Ausschluss, aus elitärem Führen
bei einem Problem, welches alle betrifft, und welches wir nur alle
werden lösen können.
Der
politische Extremkonservatismus und der Egoismus der Großverbraucher,
der reichsten Länder, deuten hin auf eine hohe Unsensibilität und das
Ausbleiben von Solidarität mit den Ärmsten, mit den Hungernden, mit
den Schwächsten, mit den Krankheiten, mit den Naturkatastrophen. Herr
Präsident, unentbehrlich ist ein neues und einheitliches Abkommen,
welches anwendbar ist auf absolut ungleiche Partner im Umfang ihrer
Beiträge und wirtschaftlichen, finanziellen und technologischen Fähigkeiten.
Und welches auf die uneingeschränkte Beachtung der in der Konvention
enthaltenen Grundsätze gegründet ist.
Die
entwickelten Länder müssen engverknüpfte, klare und konkrete
Vereinbarungen zur wesentlichen Verringerung ihrer Emissionen eingehen
und Verpflichtungen zur finanziellen und technologischen Hilfe für die
armen Länder übernehmen, um den zerstörerischen Gefahren aus dem
Klimawechsel zu begegnen. In dieser Hinsicht muss die Besonderheit der
Inselstaaten und der wenig entwickelten Länder voll anerkannt werden.
Herr
Vorsitzender, der Klimawechsel ist nicht das einzige Problem, welches
heute die Menschheit in Mitleidenschaft zieht. Andere Übel und
Ungerechtigkeiten geißeln uns. Die Kluft, welche die reichen und armen
Länder trennt, hat nicht zu wachsen aufgehört, trotz aller Ziele des
Jahrtausends. Der Finanzgipfel von Monterrey, alle diese Finanzgipfel,
wie es der Präsident von Senegal beim Anprangern einer großen Wahrheit
voller Versprechen und unerfüllter Versprechen sagte, setzen ihren
zerstörerischen Marsch fort.
Das
Gesamteinkommen der 500 reichsten Menschen der Welt ist höher als das
Einkommen der 416 Millionen ärmsten Menschen, der 2,8 Milliarden
Menschen, die in Armut leben, mit weniger als zwei Dollar pro Tag, und
die 40% der Erdbevölkerung mit nur 5% des weltweiten Einkommens
vertreten.
Heute
sterben jährlich ca. 9,2 Millionen Kinder vor dem 5. Lebensjahr. Und
99% dieser Todesfälle ereignen sich in den ärmsten Ländern.
Die
Kindersterblichkeit beträgt 47 Tote auf 1000 Lebendgeborene. Aber sie
liegt bei nur 5 pro Tausend in den reichen Ländern. Die Lebenserwartung
auf dem Planeten beträgt 67 Jahre. In den reichen Ländern sind es 79
Jahre, in einigen armen Ländern lediglich 40 Jahre.
Außerdem
gibt es 1,1 Milliarden Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser. Es gibt 2,6
Milliarden Menschen ohne gesundheitliche Betreuung. Über 800 Millionen
Menschen sind Analphabeten. Und 1,2 Milliarden Menschen hungern. Das ist
der Zustand der Welt.
Jetzt
zur Ursache, - welches ist die Ursache?
Sprechen
wir von der Ursache. Umgehen wir nicht die Verantwortlichkeiten. Lassen
wir nicht die Tiefe dieses Problems außer acht. Die Ursache ist ohne
Zweifel, und ich komme auf das Thema all dieses katastrophalen Panoramas
zurück, das zerstörerische Stoffwechselsystem des Kapitals und sein
fleischgewordenes Modell: der Kapitalismus.
Hierzu
gibt es ein Zitat. Und ich möchte es Ihnen kurz vorlesen, von diesem
großartigen Befreiungstheologen Leonardo Boff, der wie wir wissen,
Brasilianer ist, aus unserem Amerika. Leonardo Boff sagt über dieses
Thema:
„Welches
ist die Ursache? Ah, die Ursache ist der Traum, die Freude über die
materielle Anhäufung und den Fortschritt ohne Ende zu suchen, dafür
die Wissenschaft und die Technik zu benutzen, mit denen man unbegrenzt
alle Ressourcen der Erde ausbeuten kann.“ Und er zitiert hier Charles
Darwin und seine „Natürliche Auslese“ mit dem Überleben der Stärksten.
Aber wir wissen, dass die Stärksten auf der Asche der Schwächsten überleben.
Jean
Jacques Rousseau muss man stets in Erinnerung haben. Er sagte jenes:
„Zwischen dem Starken und dem Schwachen unterdrückt die Freiheit.“
Darum spricht das Imperium von Freiheit. Das ist die Freiheit zur
Unterdrückung. Um einzumarschieren, um zu morden, um niederzumachen, um
auszubeuten. Dies ist seine Freiheit. Und Rousseau fügt den errettenden
Satz hinzu: „Nur das Gesetz erlöst.“
Es
gibt einige Länder, die vorspielen, dass es hier kein Dokument gibt.
Weil sie konkret kein Gesetz wollen. Sie wollen keine Norm. Denn das
Nichtvorhandensein dieser Norm ermöglicht ihnen, ihre ausbeuterische
Freiheit auszuspielen, ihre niederwalzende Freiheit auszuspielen.
Lasst
uns eine Anstrengung machen! Lasst uns Druck machen! Hier und auf den
Straßen! Damit hier ein Kompromiss rauskommt, ein Dokument rauskommt,
welches die reichsten Länder der Erde in die Pflicht nimmt.
(Beifall
der Anwesenden)
Gut,
man fragt, Herr Vorsitzender, wegen Leonardo Boff. Haben Sie Leonardo
Boff kennengelernt? Ich weiß nicht, ob Leonardo herkommen konnte. Ich
habe ihn vor kurzem in Paraguay kennengelernt. Wir haben ihn immer
gelesen.
Kann
eine endliche Erde ein unendliches Vorhaben tragen? Der Leitgedanke des
Kapitalismus, das unbegrenzte Wachstum, ist ein zerstörerisches Modell.
Lasst uns dies akzeptieren.
Nachher
fragt uns Boff: „Was sollen wir von Kopenhagen erwarten können?“
Allein dieses schlichte Eingeständnis: So, wie wir sind, können wir
nicht weitermachen. Und eine einfache Absicht: Wir werden die Richtung
ändern. Lasst uns das machen! Aber ohne Zynismus, ohne Lüge, ohne
doppelte Tagesordnungen, ohne aus dem Nichts rauskommend Dokumente, mit
der Wahrheit ganz vorne.
Wie
lange, so fragen wir uns von Venezuela aus, Herr Vorsitzender, meine
Damen und Herren, wie lange werden wir diese Ungerechtigkeiten und
Ungleichheiten zulassen? Wie lange werden wir die derzeitige
Weltwirtschaftsordnung und die geltenden Marktmechanismen tolerieren?
Wie lange werden wir zulassen, dass große Epidemien wie HIV-AIDS ganze
Bevölkerungen auslöschen? Wie lange werden wir zulassen, dass die
Hungernden sich nicht ernähren können, nicht mal ihre eigenen Kinder
ernähren können? Wie lange werden wir zulassen, dass weiterhin
Millionen Kinder an heilbaren Krankheiten sterben? Wie lange werden wir
bewaffnete Auseinandersetzungen zulassen, die Millionen unschuldiger
Menschen morden, nur damit sich die Mächtigen der Bodenschätze anderer
Völker bemächtigen?
Lasst
uns Schluss machen mit den Aggressionen und den Kriegen! Lasst uns Völker
der Welt die Imperien bitten und jene bitten, die weiterhin die Welt
beherrschen und uns unterwerfen wollen!
Keine
weiteren imperialen Militärstützpunkte! Keine Staatsstreiche! Lasst
uns eine gerechtere und gleich behandelnde wirtschaftliche und
gesellschaftliche Ordnung aufbauen! Lasst uns die Armut abschaffen!
Lasst uns unverzüglich die hohen Emissionswerte stoppen! Lasst uns die
Umweltschädigung bremsen und die große Katastrophe des Klimawechsels
vermeiden! Schließen wir uns zusammen im würdigen Ziel, alle freier
und solidarischer zu sein!
Herr
Vorsitzender, vor fast zwei Jahrhunderten hinterließ ein weltweit
bedeutender Venezolaner, ein Befreier der Nationen und Vorläufer von
Denkrichtungen der Nachwelt einen denkwürdigen Spruch voller
Willenskraft: „Wenn sich die Natur widersetzt, werden wir gegen sie kämpfen
und sie zu unserer Obhut machen…“ Das war Simon Bolívar, der
Befreier.
Vom
Bolivarischen Venezuela aus, wo an einem Tag wie heute ganz sicher vor
10 Jahren, genau 10 Jahren, wir die größte Klimatragödie unserer
Geschichte erlebten. Die von Vargas so genannte Tragödie, von diesem
Venezuela aus, dessen Revolution vorhat, die Gerechtigkeit für
Venezuelas Volk herzustellen.
Dies
ist nur möglich auf dem Weg des Sozialismus. Der Sozialismus, das
andere Gespenst, von dem Karl Marx sprach. Dies läuft hier auch herum,
aber es ist wie ein Gegengespenst. Der Sozialismus, das ist die
Richtung, dies ist die Richtung für die Errettung des Planeten. Ich
habe nicht den geringsten Zweifel daran. Und der Kapitalismus ist der
Weg der Hölle, zur Zerstörung der Welt. Der Sozialismus, von diesem
Venezuela aus, welches wegen dem Sozialismus den Bedrohungen des
US-Imperiums gegenübersteht.
Von
den Ländern aus, die wir die ALBA bilden, als Bolivarisches Bündnis
fordern wir, und das will ich mit Respekt, aber von meiner Seele im
Namen vieler auf diesem Planeten fordern, - wir fordern von den
Regierungen und den Völkern des Planeten, den Worten von Simon Bolívar,
dem Befreier, zu folgen: Wenn die zerstörerische Natur des Kapitalismus
sich widersetzt, dann lasst uns gegen diese Natur kämpfen und sie zu
unserer Obhut werden lassen! Warten wir nicht mit den Händen im Schoße
den Tod der Menschheit ab!
Die
Geschichte ruft uns auf zum Zusammenschluss und zum Kampf.
Wenn
der Kapitalismus sich widersetzt, dann sind wir verpflichtet, die
Schlacht zu schlagen gegen den Kapitalismus und die Wege zur Errettung
der Gattung Mensch aufzutun. Es ist an uns. Erheben wir die Fahnen von
Christus, von Madoma, von der Gleichheit, der Liebe, der Gerechtigkeit,
des Humanismus, des wahren und tiefsten Humanismus! Wenn wir das nicht
tun, dann wird die schönste weltweite Schöpfung, das menschliche
Wesen, verschwinden.
Dieser
Planet ist Milliarden Jahre alt. Und dieser Planet lebte Milliarden
Jahre ohne uns, die Gattung Mensch. Das heißt, wir fehlen nicht, damit
er existiert. Jetzt aber leben wir nicht ohne die Erde. Und wir zerstören
derzeit die Pachamama, wie Evo sagt, wie unsere eingeborenen Brüder Südamerikas
es sagen.
Zum
Schluss, Herr Vorsitzender, um zum Ende zu kommen, lasst uns Fidel
Castro zuhören, welcher sagte: „Eine Gattung ist in der Gefahr der
Vernichtung, der Mensch.“
Lasst
uns Rosa Luxemburg zuhören, welche sagte: „Sozialismus oder
Barbarei.“
Lasst
uns Christus, dem Erretter, zuhören, welcher sagte: „Selig seien die
Armen, denn ihres wird sein das Himmelreich.“
Herr
Vorsitzender, meine Damen und Herren, lassen Sie uns imstande sein, aus
dieser Erde nicht das Grab der Menschheit zu machen, aus dieser Erde
einen Himmel zu machen! Einen Himmel des Lebens, des Friedens, und des
Friedens aus Brüderlichkeit für die ganze Menschheit, für die Gattung
Mensch!
Herr
Vorsitzender, meine Damen und Herren, recht vielen Dank und guten
Appetit.
(Beifall
der Anwesenden)
Quelle:
http://www.pcv-venezuela.org/
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