Gegen den imperialistischen Krieg

Wichtige Rubriken und Beiträge

+++Neu+++

Newsletter bestellen

zur Homepage

Der Krieg der herrschenden Klasse gegen das Volk

Kampf den ideologischen Diversanten

Für den Aufbau der Kommunistischen Partei Deutschlands

Gegen den imperialistischen Krieg

Black Channel

Betrieb&Gewerkschaft

Bildung, Kultur & Wissen

Wider den Block der
Rechten und Trotzkisten

zur Geschichte
der internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung

Wissenschaftlicher Sozialismus

Aus den Ländern

Links

Impressum

Archiv

Intern

Proletarischer Internationalismus

zurück

Selbstbestimmung

Quelle: German-Foreign-Policy vom  13.02.2007

BELGRAD/PRISTINA/TIRANA/BERLIN

(Eigener Bericht) - Serbien soll seine Südprovinz Kosovo aufgeben und sich der fördernden Kontrolle der ehemaligen Kriegsgegner unterstellen. So lautet das Angebot, das die deutsche Ratspräsidentschaft der Belgrader Regierung am gestrigen Montag unterbreitet hat. Als Lohn für den Verzicht auf den Kosovo werden Gespräche über ein „Assoziierungsabkommen“ mit der EU offeriert. Die territoriale Selbstamputation, die Berlin namens der EU erwartet, würde die Verfassung Serbiens brechen und einen folgenschweren Präzedenzfall schaffen: die erzwungene Sezession von Staatsteilen unter Berufung auf das „Selbstbestimmungsrecht“ gewalttätiger Minderheiten. Entsprechende Theorien verbreiten Vorfeldorganisationen der Berliner Außenpolitik seit Jahren und zielen auf die Zerstückelung der deutschen Nachbarnationen. Die Offerte der Berliner Ratspräsidentschaft erfolgt nach Demonstrationen gewalttätiger kosovarischer Sezessionisten, die am vergangenen Wochenende zwei Menschenleben forderten. Angestiftet werden die Unruhen von einer terroristischen Organisation, die den Verzicht auf humanitäre Standards im Kosovo fordert und eine Außenstelle in Deutschland unterhält. Ihr Anführer gehörte während der Vorbereitung auf den Jugoslawien-Krieg 1999 zu den Verhandlungspartnern des ehemaligen deutschen Außenministers Klaus Kinkel und kooperierte dabei mit der von Deutschland unterstützten Untergrundarmee UCK. Deren Anführer regieren heute in Pristina. Die aktuellen Gewalttaten sind eine Folge des damals von Berlin forcierten Machtwechsels, der mutmaßlichen Kriegsverbrechern und Kriminellen entscheidenden Einfluss im Kosovo gesichert hat.

Wie es nach einem Treffen der EU-Außenminister heißt, das am gestrigen Montag unter deutschem Vorsitz stattfand, bieten die ehemaligen Kriegsaggressoren Belgrad eine Wiederaufnahme der Verhandlungen über ein sogenanntes Assoziierungsabkommen an. Voraussetzung ist, dass die serbische Regierung sämtliche Forderungen des UN-Tribunals in Den Haag erfüllt und ehemalige hochrangige Offiziere ihrer Streitkräfte an die Sieger ausliefert. Zudem soll Serbien dem Sezessionsplan des im Namen der UNO auftretenden ehemaligen finnischen Staatspräsidenten, Martti Ahtisaari, Folge leisten und unter Bruch seiner eigenen Verfassung auf seine Südprovinz Kosovo verzichten. Um den Eindruck einer völligen Kapitulation Belgrads zu vermeiden, wird die beabsichtigte Sezession des Kosovo als „Teilunabhängigkeit“ ausgegeben, obwohl die Kosovo-Staatsgründung mit fast sämtlichen Insignien einer souveränen Macht einhergehen soll. Das „Assoziierungsabkommen“, über das danach mit Belgrad weiter verhandelt werden kann, bindet Serbien unumkehrbar an die Europäische Union und entfernt es weiter von seinem bisherigen Verbündeten Russland, der nach wie vor seine Zustimmung zur Sezession des Kosovo verweigert.[1]

Anlass

Die Offerte der EU-Außenminister war bereits im Vorfeld der Gespräche bekannt geworden und stachelte kosovarische Terroristen auf, die gegen kosmetische Einschränkungen der beabsichtigten „Selbstbestimmung“ Sturm laufen. Sie wollen ihren neuen EU-Staat ohne Brüsseler Kontrollen etablieren und dabei weitere Grenzübergriffe offenhalten - gegen die südosteuropäischen Anrainer unter anderem in Griechenland. Zeitgerecht angesetzte Demonstrationen, die am Vorabend des EU-Außenministertreffens Eindruck machen sollten, forderten am vergangenen Wochenende zwei Menschenleben. Angestiftet wurden die Proteste von einer Organisation mit dem Namen „Vetëvendosje“ (Selbstbestimmung), die seit mehreren Jahren für eine Vereinigung des Kosovo mit Albanien und für den Anschluss von Teilen Mazedoniens, Montenegros und Griechenlands kämpft. Als Modell für die aktuellen Unruhen gelten die kosovarischen Aufstände vom März 2004, bei denen mindestens 18 Menschen ums Leben kamen und mehrere Kirchen und Klöster der serbischen Orthodoxie verwüstet wurden - mit Erfolg: Über die damaligen Aufstandsplanungen waren zwar Kritikern zufolge deutsche Geheimdienst- und Militärkreise bereits im Vorhinein informiert; die Unruhen wurden jedoch von den Besatzungstruppen nicht verhindert und lieferten der Berliner Außenpolitik den Anlass, auf eine baldige Sezession der südserbischen Provinz zu drängen.[2]

Herumgereicht

Die Organisation Vetëvendosje, die von Experten als terroristisch eingestuft wird, verlangt den sofortigen Abbruch der Sezessionsverhandlungen und die unmittelbare Gründung eines Staates Kosovo. „Schlagt die Serben“ und „Freiheit, keine Standards“ lauten ihre zentralen Parolen, berichtet ein langjähriger Beobachter [3]; mit „Standards“ ist auch der von der UNO verlangte Schutz von Minderheiten vor mörderischen Pogromen gemeint. Vetëvendosje bewegt sich im Umfeld von Veteranen der Vereinigung „Balli Kombëtar“, einer früheren Terrororganisation des großalbanischen Nationalismus, die zu Beginn der 1940er Jahre mit NS-Deutschland kollaborierte. Vetëvendosje-Chef Albin Kurti verfügt über Kontakte nach Deutschland; er nutzte sie, um seine einflussreiche Position in der kosovarischen Sezessionsbewegung zu sichern. Als Repräsentant der Untergrundarmee UCK wurde er während der Vorbereitung des Jugoslawien-Krieges „in der ganzen westlichen Welt als ‚charismatischer Studentenführer’ herumgereicht“, berichtet ein damaliger deutscher Regierungsberater.[4] Zu Kurtis Kontaktpersonen gehörte auch der frühere Außenminister Klaus Kinkel.

Vorstöße

Kurtis Deutschland-Kontakte konnten im Dunstkreis der langjährigen Unterstützung gedeihen, die das deutsche Geheimdienstmilieu der UCK zukommen ließ. Entsprechende „Vorstöße in den albanischen Raum“ begannen bereits Ende der 1980er Jahre. Nach Auskunft des Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom leitete der damalige deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher diese Kontaktsuche an.[5] Ziel war es, den Zusammenbruch der Warschauer Pakt-Staaten zu nutzen und rasch an den Grenzen des damaligen Jugoslawien Fuß zu fassen. Neben Waffenlieferungen erhielt Tirana ab 1991 auch Spionagegerät - zu einem Zeitpunkt, als der albanische Geheimdienst mit dem Aufbau der frisch gegründeten UCK begann. Teile der deutschen Lieferungen fand man später im Kosovo. Presseberichten zufolge ging der Bundesnachrichtendienst 1996 zur direkten Ausrüstung der UCK über, die damals mit Bombenanschlägen auf fünf serbische Flüchtlingslager ihre erste große Offensive startete. Die Geheimdienstverbindungen dauern offenbar bis heute an. Wie die Belgrader Presse vor einem Jahr meldete, hatten damals der BND sowie der deutsche Inlandsgeheimdienst mit der Ausbildung von Spionage- und Staatsschutzorganisationen im Kosovo begonnen.[6]

Das gesamte Spektrum

Auf den Geheimdienstkontakten der Vorkriegs- und der Kriegszeit beruhen auch die engen politischen Verbindungen nach Berlin, die die herrschenden Clans in Pristina bis heute unterhalten. Ehemalige UCK-Zöglinge der deutschen Außenpolitik stellen zwei der vier bisherigen „Ministerpräsidenten“ des Kosovo. Agim Ceku, im Jahr 1999 als UCK-„Generalstabschef“ für den Bodenkrieg im Rahmen des NATO-Überfalls zuständig, leitet seit dem vergangenen Jahr die Regierungsgeschäfte in dem Protektorat. Er wird schwerer Kriegsverbrechen beschuldigt und ist zweimal auf Intervention des Westens ohne Gerichtsbeschluss aus Untersuchungshaft freigekommen. Ramush Haradinaj, Cekus Vorvorgänger im Amt, überführte nach Kriegsende die UCK-Strukturen in das paramilitärische „Kosovo-Schutzkorps“. Über Haradinaj urteilte der BND vor zwei Jahren auf der Basis seiner intimen Kenntnisse der südserbischen Provinz: „Die im Raum Decani auf Familienclan basierende Struktur um Ramush Haradinaj befasst sich mit dem gesamten Spektrum krimineller, politischer und militärischer Aktivitäten, die die Sicherheitsverhältnisse im gesamten Kosovo erheblich beeinflussen. Die Gruppe zählt ca. 100 Mitglieder und betätigt sich im Drogen- und Waffenschmuggel und im illegalen Handel mit zollpflichtigen Waren. Außerdem kontrolliert sie kommunale Regierungsorgane.“[7]

Verachtet

Die Aussicht, dass auf Drängen Berlins derartigen Herrschaftsstrukturen ein eigener Staat überantwortet werden soll, veranlasste den ehemaligen Kosovo-Ombudsmann der Vereinten Nationen, Marek Antoni Nowicki, zu scharfer Kritik. „Die Gesellschaft wird von einem engmaschigen Netz großer albanischer Familien dominiert, die die Region auf klanhafte Weise regieren“, berichtete Nowicki im vergangenen Jahr: „In diesem Teil der Welt ist Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz nie geschätzt worden und wird verachtet.“[8] Die Menschenrechtssituation in dem Protektorat liege „immer noch unterhalb der internationalen Mindeststandards“, urteilte er nach einer ausführlichen Analyse des Sicherheits- und Justizsystems sowie von Korruption, Organisierter Kriminalität und Diskriminierung von Minderheiten in dem Sezessionsgebiet.[9] Als die abschließenden Verhandlungen über die Abspaltung des Kosovo unmittelbar bevorstanden, wurde Nowicki von seinem Posten entfernt. Kritische Äußerungen seines Nachfolgers sind nicht bekannt.

Weitere Schwerpunktberichte und Interviews über die Folgen der westlichen Kosovo-Politik bringt german-foreign-policy.com am Ende der Woche.

Lesen Sie unsere Berichte über die deutsche Kosovo-Politik: Es begann mit einer Lüge, „Treuhand“ nach deutschem Vorbild für den Kosovo, Deutscher Verwalter stellt territoriale Integrität Jugoslawiens in Frage, „Unaufhaltsamer Kriegskurs“, Berliner Beute, Konsequenz des Krieges, Leitbild, Sonderwirtschaftszone, Kolonialherren, „Stück Land ohne Status“, Politische Anreize, Mutmaßlicher Abschluss, Keine Standards vor Status, Neuer Vasall, Imperiale Vollendung, Teil der Verwaltung, Die Wiederauferstehung Jugoslawiens, Die Herren des Rechts, Paketlösung, Abmontiert und Sieger im Kalten Krieg.

[1] s. dazu Sieger im Kalten Krieg
[2] s. dazu Konsequenz des Krieges und Leitbild
[3], [4] Albin Kurti: Mit wohlbekannten Methoden auf dem Weg nach Groß-Albanien; www.eurasischesmagazin.de 30.07.2006
[5] Europäische und amerikanische Interessen auf dem Balkan; Telepolis 29.08.2001
[6] s. dazu Imperiale Vollendung
[7] Rechtsstaat? Lieber nicht!; Die Weltwoche 43/2005
[8] Kosovo und Kosova. Gedanken eines ehemaligen Balkan-Korrespondenten; Neues Deutschland 22.03.2006
[9] Marek Antoni Nowicki: Kosovo pro memoria; www.kosovo.net/news/archive/2006/February_24/1.html

zurück

Spenden für die Homepage: Günter Ackermann, Konto-Nr.: 433 407 436,
IBAN DE62 3601 0043 0433 4074 36., BIC PBNKDEFF, BLZ: 360 100 43
Postbank Essen. Verwendungszweck: Homepage 
(Bitte eMail-Adresse und Verwendungszweck immer angeben!)

  Bitte immer angeben!