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Kosovo:
Die
Kosovo-Mafia gab der Nato 1999 mit Mord und Vertreibung den
Kriegsgrund gegen Jugoslawien – deutsche Diplomaten sind die
Busenfreunde der Mafiosi |
Politische
Freundschaften
Quelle:
german-foreign-policy
vom 21.01.2008
PRISTINA/BERLIN/DEN HAAG
(Eigener
Bericht) - Der Den Haager Kriegsverbrecherprozess gegen einen engen
Kooperationspartner des deutschen UN-Verwalters im Kosovo, Joachim Rücker,
nähert sich in dieser Woche mit den Schlussplädoyers seinem Ende. Vor
dem Internationalen Jugoslawien-Tribunal angeklagt ist Ramush Haradinaj,
ein ehemaliger kosovarischer Ministerpräsident; ihm wird vorgeworfen,
bereits 1998, ein Jahr vor dem NATO-Überfall auf Jugoslawien, Folter
und zahlreiche Morde an Serben, Roma und Kosovo-Albanern veranlasst oder
sogar begangen zu haben. Haradinaj, von dem Geheimdienste sagen, er sei
seit seiner Zeit als UCK-Kommandeur Boss einer mächtigen
Mafia-Organisation, erfreut sich bester Beziehungen zu den UNO-Apparaten
im Kosovo (UNMIK), unter anderem zu deren aktuellem Chef Rücker.
Hochrangige UNO-Mitarbeiter sollen an der Einschüchterung von Zeugen
beteiligt gewesen sein, die in Den Haag gegen Haradinaj aufgeboten
worden waren, berichtet der Journalist Boris Kanzleiter im Gespräch mit
dieser Redaktion. Die Strukturen der Organisierten Kriminalität im
Kosovo, in denen Haradinaj eine wichtige Position innehaben soll,
reichen bis nach Deutschland. In Berichten heißt es, Ermittlungen gegen
in der Bundesrepublik ansässige Kosovaren seien durch Berliner
Regierungsstellen verhindert worden.
Kommandozentrale
Im
Prozess gegen Ramush Haradinaj und zwei seiner engsten Gefolgsleute vor
dem Jugoslawien-Tribunal in Den Haag hat die Anklage in der vergangenen
Woche eine Haftstrafe von je 25 Jahren für alle drei Beschuldigten
gefordert. Das Verfahren behandelt Ereignisse des Jahres 1998, die zur
Eskalation der Spannungen in der südserbischen Provinz Kosovo und damit
zur Legitimierung des NATO-Überfalls im März 1999 beitrugen. Ihr
Schauplatz war das gebirgige Dukadjini-Gebiet im Westen des Kosovo an
der Grenze zu Albanien und zu Montenegro, in dem der Haradinaj-Clan
beheimatet ist. In den Jahren 1997 und 1998 war „das Familienanwesen
der Haradinajs (...) zu einer Kommandozentrale der UCK ausgebaut“
worden, berichtet der Journalist Boris Kanzleiter im Gespräch mit
dieser Redaktion.[1] Kanzleiter recherchiert seit Jahren in den Ländern
des ehemaligen Jugoslawien.
Totale
Kontrolle
Über
Haradinaj, der 1998 von dem familieneigenen Anwesen aus die
UCK-Operationen im Dukadjini-Gebiet kommandierte, heißt es in der
Anklageschrift aus Den Haag: „Die gemeinsame kriminelle Absicht der
Angeklagten war die totale Kontrolle der UCK über die
Dukadjini-Operationszone durch die Beseitigung und Misshandlung
serbischer Zivilisten; sowie durch die Misshandlung von Kosovo-Albanern,
Kosovo-Roma und Ägyptern, sowie anderer Zivilisten, die als
Kollaborateure der serbischen Streitkräfte bezeichnet wurden oder die
UCK nicht unterstützten.“[2] Weiter heißt es: „Nach dem 19. April
1998 vertrieb oder tötete die UCK innerhalb weniger Tage so gut wie
jeden serbischen Zivilisten, der in den von der UCK kontrollierten
Gebieten der Dukadjini-Operationszone verblieben war.“ Die Mordtaten
zielten auf die Eliminierung aller nichtalbanischen Bevölkerungsteile
des Kosovo und die Errichtung eines „ethnisch reinen“
Staatsgebildes.
Bis
nach Deutschland
Nach
dem Ende des NATO-Krieges gegen Jugoslawien im Jahr 1999 wandelte
Haradinaj seine mit Hilfe der UCK während der Kämpfe gefestigte
Position in politische Macht um. Im Jahr 2000 gründete er eine eigene
Partei („Zukunftsallianz Kosova“, AAK), im Dezember 2004 wurde er
sogar zum Ministerpräsidenten des Kosovo gewählt. Im März 2005 musste
er allerdings wegen seines Prozesses in Den Haag zurücktreten. Bis
heute jedoch gilt Haradinaj im Kosovo als Anführer einer maßgeblichen
Gruppierung der Organisierten Kriminalität (OK). Der
Bundesnachrichtendienst bezeichnete ihn 2005 als „key player“ in dem
Geflecht „zwischen Politik, Wirtschaft und international operierenden
OK-Strukturen im Kosovo“.[3] Er kam damals zu dem Schluss, Haradinajs
Schmuggel-Netzwerk operiere „auf dem ganzen Balkan“ und reiche
„auch nach Griechenland, Italien, in die Schweiz und nach
Deutschland“.[4]
Enger
Partner und Freund
Dessen
ungeachtet unterhält die UNO-Verwaltung im Kosovo (UNMIK) bis heute
engste Beziehungen zu Haradinaj. Der ehemalige UNMIK-Chef Sören
Jessen-Petersen nannte ihn einen „engen Partner und Freund“. „Auch
Jessen-Petersens Nachfolger, der deutsche Diplomat Joachim Rücker,
hielt an Haradinaj fest“, sagt Boris Kanzleiter dieser Redaktion: Rücker
stärkte Haradinajs Stellung vor dem Prozessbeginn in Den Haag mit einer
demonstrativen Zusammenkunft in Pristina.[5] „In den vergangenen Tagen
wurden sogar Vorwürfe laut, dass hochrangige UNMIK-Funktionäre direkt
an der Einschüchterung von Zeugen beteiligt sein sollen“, berichtet
Kanzleiter. Der Vorwurf wiegt umso schwerer, als im vergangenen Jahr ein
Zeuge gegen Haradinaj bei einem bis heute nicht aufgeklärten Autounfall
ums Leben kam. Bereits 2002 waren im Zusammenhang mit einem Prozess
gegen Haradinajs Clan drei Zeugen und zwei ermittelnde Beamte erschossen
worden.
Namen
Anders
als der aktuelle Den Haager Prozess vermuten lassen könnte, sind
Haradinajs Aktivitäten im Kosovo nicht außergewöhnlich. Dass in der südserbischen
Provinz, die in Kürze ihre Eigenstaatlichkeit postulieren wird, mehrere
mächtige Mafia-Organisationen präsent sind und sich auch politische Ämter
zu sichern suchen, das belegen inzwischen mehrere Berichte deutscher
Sicherheitsbehörden, die in Auszügen öffentlich bekannt geworden
sind. So heißt es etwa in einer Studie, die Anfang 2007 im Auftrag der
Bundeswehr fertig gestellt wurde: „Aus früheren UCK-Strukturen (...)
haben sich unter den Augen der Internationalen Gemeinschaft mittlerweile
mehrere Multi-Millionen-Euro-Organisationen entwickelt“, die ihre
kriminellen Tätigkeiten mit politischen Ambitionen verbinden und
„weitgehende Kontrolle über den Regierungsapparat“ innehaben.[6]
Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte bereits 2005 die Namen mehrerer
Personen genannt, die seinen Erkenntnissen zufolge in der Organisierten
Kriminalität des Kosovo führende Positionen innehaben, unter anderem
den heutigen Ministerpräsidenten sowie ein Mitglied des aktuellen
Parlamentsvorstands.
Direkt
aus Berlin
Zu
Konsequenzen führten die Erkenntnisse der Sicherheitsbehörden bislang
nicht. Eine unzureichende Strafverfolgung mutmaßlicher kosovarischer
Krimineller wird inzwischen auch in Deutschland beklagt. „Bereits im
Sommer 2005 versuchten das Bayerische wie auch das Niedersächsische
Landeskriminalamt das Bundeskriminalamt davon zu überzeugen, zentrale
Ermittlungen gegen die bekannten (kosovo-albanischen, d. Red.) Clans und
Personen in Deutschland zu führen“, weil „viele kriminelle
Protagonisten aus dem Umfeld der UCK sich in Deutschland niedergelassen
haben“, berichtete im Jahr 2006 der Publizist Jürgen Roth.[7] „Doch
das wurde abgelehnt, obwohl das österreichische BKA wie die
italienische Polizei ihre deutschen Kollegen eindringlich aufforderten,
endlich diese Ermittlungen zu führen. Die Ablehnung (...) kam direkt -
so eine vertrauliche Quelle aus dem österreichischen Bundeskriminalamt
- vom Innenministerium in Berlin.“
Massiv
unterstützt
Tatsächlich
diente die Bundesrepublik ehemaligen UCK-Kommandeuren und heutigen
Mafiabossen bereits in den 1990er Jahren maßgeblich zur Vorbereitung
ihres Sezessionskampfes gegen Belgrad - eine oft genannte Erklärung für
ihre bemerkenswerte heutige Straflosigkeit. So wurde die UCK laut dem
Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom „seit Anfang der 90er Jahre
durch Millionenbeträge“ finanziert, „die sie vor allem von
Exilalbanern aus den Vereinigten Staaten, der Schweiz und der
Bundesrepublik Deutschland erhielt“.[8] „Diese Aktivitäten wurden
nicht nur geduldet, sondern massiv unterstützt“ [9], urteilt der
Publizist Jürgen Roth, „und daraus entstanden zumindest politische
Freundschaften“.
Zusammenkünfte
Roth
hat sich unter anderem mit einem kosovo-albanischen Familienclan aus
Norddeutschland befasst, der im Verdacht steht, in der zweiten Hälfte
der 1990er Jahre an der UCK-Finanzierung beteiligt gewesen zu sein. Er
wird zudem verschiedenster illegaler Geschäfte beschuldigt.[10]
Rechtskräftig geklärt sind die Vorwürfe bis heute nicht. Jedoch verfügte
der norddeutsche Clan, der Recherchen der KFOR zufolge auch enge Geschäftsverbindungen
zum Clan des in Den Haag angeklagten Ramush Haradinaj unterhält,
zumindest zeitweise über hochrangige Kontakte in Regierungskreise. Roth
zufolge „soll sich sowohl der ehemalige Außenminister Klaus Kinkel
1998 mit dem Clanchef aus der norddeutschen Stadt getroffen haben als
auch später der BND-Chef August Hanning“. Hanning ist heute
Staatssekretär im Bundesinnenministerium.
Bitte
lesen Sie unser Interview
mit Boris Kanzleiter.
[1]
s. dazu Heldenfigur
[2] Haradinaj et al. (IT-04-84);
[3] Jürgen Roth: Rechtsstaat? Lieber nicht!; Die Weltwoche 43/2005
[4] Jürgen Roth: Der Deutschland-Clan. Frankfurt am Main 2006
[5] s. dazu Heldenfigur
[6] s. auch Aufs
engste verflochten
[7] s. dazu Doppelrezension:
Mafia und Staat
[8] Erich Schmidt-Eenboom: Kosovo-Krieg und Interesse - einseitige
Anmerkungen zur Geopolitik;
[9], [10] s. dazu Doppelrezension:
Mafia und Staat |