|
Nie
wieder Krieg - Nie wieder Faschismus - Nieder mit dem Imperialismus,
der die Menschheit zu vernichten droht!
WELTWEITE
WIRTSCHAFTSKRISE, WIRTSCHAFTSKRIEG UND MILITÄRAUSGABEN
von
Osvaldo Martínez, Kuba
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
16. November 2010, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 19. November
2010) – Die Struktur des US-Haushalts und die Logik der
Wirtschaftspolitik der USA unter Bush und Obama belegen, dass es sich da
um eine imperialistische Kriegswirtschaft handelt, in welcher die Militärausgaben
das Haushaltsdefizit übersteigen. Doch ermöglicht dies das
Funktionieren eines „Gleichgewichts des finanziellen Terrors“ mit
enormen Profiten für den militärisch-industriellen Komplex und hält
einen weltweiten Druck aufrecht, welcher sich auf die militärische
Macht der USA gründet.
Ein
einfacher Blick auf den Haushalt 2010 der USA macht möglich, das Ausmaß
der Militärausgaben und dessen Rolle beim Zusammenspiel zwischen den
Haushaltsausgaben und den Bankenrettungspaketen einzuschätzen.
Die
gesamte Höhe des Haushalts beträgt 3,94 Billionen Dollar. Und das
voraussichtliche Haushaltsdefizit beträgt 1,74 Billionen Dollar. Dies
sind fast 12% des BIP. (1)
Die
amtlich als solche ausgewiesenen Militärausgaben belaufen sich auf
739,5 Milliarden Dollar. Mit anderen indirekten und verdeckten Millitärausgaben
übersteigt der Militärhaushalt der USA eine Billion Dollar.
Die
Haushaltsausgaben der USA für die Bankenrettung aus den Krisenfolgen
unter Bush und Obama erreichten 1,45 Billionen Dollar, während die
Zinszahlungen für die Haushaltsschulden der USA bei 164 Milliarden
Dollar liegen.
Dies
bedeutet, dass fast das ganze Haushaltseinkommen von 2,38 Billionen
Dollar für allein den Militärhaushalt, die Bankenrettungspakete an die
Finanzoligarchie und zu einem kleinen Teil für die Zinslasten aus der
Staatsverschuldung ausgegeben wird. Praktisch bleibt da nichts für
andere Teile des US-Staatshaushalts übrig.
Wenn
wir mal sehen, dass der Militärhaushalt eine Billion Dollar übersteigt
und gleichzeitig der von den US-amerikanischen Familien an den Haushalt
der USA zu entrichtende Zahlbetrag an Steuern 1,06 Billionen Dollar
ausmacht, dann sehen wir anschaulich, dass beinahe alle von den Familien
in den USA gezahlten Steuergelder für nichts weiter als die Abdeckung
der gigantischen Militärausgaben herhalten.
Die
USA sind das am höchsten verschuldete Land der Welt. Doch ist die
praktische Bedeutung dieses Umstands für dieses Land anders als im
Falle anderer Länder, denn die Verschuldung findet in der einheimischen
und weltweiten Leitwährung statt, welche die USA selbst drucken und in
Umlauf bringt.
Die
Finanzierung der riesigen Verschuldung des US-Bundeshaushalts umfasst 14
Billionen Dollar, wobei da die Schulden der Bundesstaaten der USA und
der Kommunen noch gar nicht eingeschlossen sind.
Zum
Anwachsen dieser Staatsschulden der USA tragen die Bankenrettungspakete
bei. Aber diese Schuldenlast finanziert die Regierung der USA über
einen heimtückischen Mechanismus. Das als Rettungspakete in die Banken
gepumpte Staatsgeld wird teils durch Darlehen derselben Banken an die
US-Regierung finanziert.
Ihrerseits
zwingen die Banken der US-Regierung Bedingungen beim Handhaben der
Verschuldung auf. Die Banken bestimmen, wofür das Geld zu verwenden
ist. Nachdem die Banken „gerettet“ worden sind, erzwingen sie
massive Haushaltskürzungen bei den öffentlichen Dienstleistungen für
die Bevölkerungsmasse, die Privatisierung von Einrichtungen der
Infrastruktur und von Dienstleistungen wie Trinkwasserversorgung,
Autobahnwesen, Wohlfahrtswesen. Aber der Militärhaushalt wird nicht
angetastet.
Und
er wird nicht angetastet, weil „War is Good for Business“ („Krieg
ist Gut fürs Geschäft“). Dieselbe Oligarchie, die den Finanzmarkt
steuert, erzielt immer höhere Profite aus dem Militärhaushalt. Und die
Militärausgaben werden als Teil des öffentlichen Defizits aus
Handlungen des Wirtschaftskriegs finanziert, der immer stärker
angeheizt wird und sich mit einem wahrscheinlichen Kernwaffenkrieg zu
vermengen droht, den die USA in ihrem komplexen Knäuel ihrer
wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen und Widersprüchen
ausbrüten. Das Gleichgewicht des finanziellen Terrors finanziert
derzeit die Rüstungsspirale der USA.
Die
eigentümliche Struktur, über welche die USA als eine parasitäre
Wirtschaftsmacht agieren, die ihre Defizite und ihren Militärhaushalt
finanziert und dabei Finanzspritzen aus dem Rest der Welt erhält, ist
Teil der „Normalität“ der kapitalistischen Weltwirtschaftsordnung.
Geldreserven an Dollar zu haben, die sich durch Kauf von Wertpapieren
und anderen Instrumenten der Staatsbank verwerten, womit die
US-Staatsschulden und damit auch die Rüstungsspirale finanziert werden,
wird von den Neoliberalen als ein Ausdruck des Gleichgewichts der freien
Märkte gehalten.
Die
Medienmacht stellt diese Verwertung als Ergebnis des Vertrauens in die
Wirtschaftskraft der USA dar, weil andere Länder ihre Dollars dorthin
senden, damit sie investiert werden. (2)
In
Wirklichkeit legen die ausländischen Investoren ihr Geld nicht in den
USA an, weil sie Kunden von Exportwaren jenes Landes wären oder
Privatinvestoren sind, die Aktien oder Wertpapiere kaufen. Die hauptsächlichen
Geldanleger in den USA sind die Zentralbanken, die nichts weiter tun,
als die Dollars zu verwerten, die ihre Exporteure einnehmen und bei
ihnen gegen einheimische Währungen eintauschen.
Mit
dem wachsenden Handels- und Haushaltsdefizit in den USA wird eine
Dollarschwemme in das Ausland hinein erzeugt, was sich jetzt noch durch
die niedrigen Zinsen in den USA und dem auf Hochtouren laufenden immer
neuen Drucken von Dollarnoten verschärft.
Die
Empfängerländer von Dollars wie insbesondere China stehen vor einem
Dilemma. Weder sind sie an irgendwelchen wirtschaftspolitischen
Entscheidungen der US-Regierung beteiligt, noch haben sie da irgendeinen
Einfluss auf sie. Und die US-Regierung nutzt das Dollarprivileg
reichlich aus. Wenn die Empfängerländer von Dollars die Dollarschwemme
akzeptieren, dann tun sie es wegen ihrer Handelsüberschüsse oder wegen
der niedrigen Zinsrate in den USA oder wegen beiden Faktoren. Dann
erleiden sie aber auch den Druck auf die Erhöhung ihrer Wechselkurse,
damit den Verlust an Konkurrenzfähigkeit im Handel und die Gefahr, dass
sich bei ihnen kurzfristig riskantes Risikokapital einnistet.
Um
diese Dollarschwemme zu vermeiden, besteht zwangsläufig die Haltung
darin, Anleihen der US-Regierung zu kaufen und sie in den Währungsreserven
anzuhäufen. Dies birgt das Risiko, dass im Fall einer Abwertung des
Dollars ihre Währungsreserven ebenfalls an Wert verlieren. China und
anderen Ländern, die große Dollarmengen anhäufen, wird nicht ermöglicht,
Wertpapiere außerhalb des Finanzbereichs in den USA zu erwerben. Als
China dies vorhatte und Einrichtungen des Kraftstoffverteilernetzes
kaufen wollte, verbot dies die US-Regierung. In diesem Fall galten der
übliche freie Kapitalfluss, Freihandel und das ganze Gerede davon
nicht. Die ausländische Kundschaft konnte in den USA nur Anleihen der
US-Regierung kaufen, um die Defizite der USA im Handel und im Haushalt
zu finanzieren.
Mit
dem Kauf der US-Staatsanleihen begaben sich jene Länder wie China in
das „Gleichgewicht des finanziellen Terrors“. Sie leisteten ihren
Beitrag, ein weder vorhergesehenes noch erwünschtes Ziel zu
finanzieren: die Militärausgaben des Pentagon.
Es
geschieht so, dass die Empfängerländer der Dollars aus den
US-Defiziten einem doppelten Druck ausgesetzt sind. Sie werden geschädigt,
indem sie sich strukturell gezwungen sehen, passiv die
US-Kriegsmaschinerie über das „Gleichgewicht des finanziellen
Terrors“ zu finanzieren, welches sich nicht auf die wirtschaftliche Überlegenheit
der USA gründet, sondern allein auf die militärische Vormachtstellung
der USA. Und indem Länder wie China und Russland dies tun, bedienen sie
dieselben Militärausgaben und dieselbe Rüstungsmacht, welche ihre
Atomwaffen auf China und Russland richtet.
Die
horrenden Rüstungsausgaben der USA haben die geostrategische
Vorherrschaft der USA zum Ziel. Ihre letzte Logik ist der Krieg.
Nicht
wenige in den USA glauben, dass ein Krieg den Wirtschaftsaufschwung
bringen kann. Sie erinnern sich nostalgisch daran, dass der
spanisch-kubanisch-bus-amerikanische Krieg als erster Krieg der
imperialistischen Entwicklungsetappe in der gesellschaftlichen
Entwicklung 1898 dazu diente, dass die USA aus der Wirtschaftskrise
jenes Jahrzehnts herauskommen konnten. Sie erinnern sich nostalgisch an
den 2. Weltkrieg, welcher letztlich die ausreichende Zerstörung von
Produktivkräften brachte, um die Weltwirtschaftskrise mit der Großen
Depression hinter sich zu lassen und den Weg in die „Goldenen 50er
Jahre“ freizumachen, dass die Rezession Ende der 40er Jahre mit Hilfe
des Koreakriegs überwunden wurde. Diese Nostalgie, die die Gefahr einer
Atomkriegskatastrophe erhöht, lässt außer acht, dass jene in
vornuklearem Zeitalter konventionell geführten Kriege als Gegenmittel
zur Krise wirken konnten. Dass jedoch der gegenwärtige Atomkrieg diese
Fähigkeit eingebüßt hat.
Die
Kriege mit konventionellen Waffen hatten zwei Fähigkeiten als
Wiederbeleber der Wirtschaft mittels Massenproduktion an konventionellen
Waffen zur Erfüllung von Nachfragen des Kriegszustands, so dass
Arbeitsplätze in den Rüstungsfabriken geschaffen wurden, sowie den
Umstand, dass der konventionelle Krieg auch die Zerstörung von
Produktivkräften beschleunigte, welche die Wirtschaftskrise
hervorgerufen hatten. Der Krieg führte diese Produktivkräfte auf eine
Stufe zurück, die ausreichend dafür war, die wirtschaftliche Erholung
auf der Grundlage des Nachkriegsaufbaus anzukurbeln. Die Zerstörung war
ausreichend dafür, die charakteristische Rolle der Wirtschaftskrise als
Zerstörerin von gesellschaftlichem Reichtum für die anschließende
neue Wachstumsphase. Nicht aber bedrohte sie die Lebensgrundlagen der
Gattung Mensch und des Planeten Erde. Für den Kapitalismus war
seinerzeit möglich, nicht nur zu überleben, sondern den Krieg als
Antriebsmittel für die Wirtschaft einzusetzen.
Der
moderne Atomkrieg wirkt nicht stimulierend gegenüber dem wesenseigenen
Hauptproblem der kapitalistischen Systemkrise, welches die
Massenarbeitslosigkeit ist. Denn jetzt beschäftigt die Hochtechnologie
im Bereich der Rüstungsproduktion nur noch sehr wenige Arbeitskräfte.
Aber ihre Zerstörungskraft ist so gewaltig, dass das Zerstörte nicht
aus Fabriken, Finanzanlagen oder einigen Städten besteht, sondern jetzt
geht es um den Planeten und die Gattung Mensch. Eine Sintflut des
atomaren Infernos.
Der
moderne Krieg als konventioneller Verschleißkrieg wie jener im Irak und
in Afghanistan kann nicht von den USA gewonnen werden oder stimulierend
für einen Ausweg aus der kapitalistischen Wirtschaftskrise sein. Als
Atomkrieg, welcher sich als bedrohliche Möglichkeit auftut, würde der
moderne Krieg ebenso wenig dazu herhalten, große Geschäfte mittels
jener Art Staatsausgaben zu machen, die völlig undurchsichtig und
diskret ohne jede Entscheidungsbefugnis eines Bernanke, Geithner,
Summers, Strauss-Kahn getätigt werden: die Militärausgaben, die in
sich selbst das Vormachtstreben und den Superprofit des Big Business
vereinen können.
Für
die wirtschaftlich geschwächten und mit einer im Abwärtstrend
befindlichen Produktionskultur gekennzeichneten USA ist das Mittel der
letzten Instanz die ständige Kriegsdrohung auf der Grundlage des
wachsenden Militärbudgets. Aber die ständige Kriegsdrohung und die Rüstungsausgaben
besitzen eine teuflische Dynamik. Sie tendieren ständig dazu, zu
wirklichem Krieg zu werden, wenn die Kriegslüsternheit, die
Auseinandersetzungen um die Herrschaft über das Erdöl, das Erdgas, das
Trinkwasser usw. zusammenkommen und mit der Tarnkappe humanitärer oder
religiöser Gründe sowie dem Glauben auftritt, im Atomkrieg könne es
Sieger geben.
Der
Niedergang der Wirtschaft der größten militärischen Supermacht
bewirkt starke Spannungen zwischen einer sehr überlegenen militärischen
Stärke gegenüber allen anderen Mächten und aus dem eigenen
Vormachtstreben heraus sowie einer Wirtschaft im Niedergang, die einen
ansehnlichen Teil ihrer industriellen Fähigkeit exportiert hat, im
Finanzparasitentum aufgegangen ist, sich an das Konsumieren des von
Anderen Produzierten gewöhnt hat und die Produktionskultur verloren
hat, die sie einst prägte. Einige haben aufgezeigt, dass das Land,
welches nach dem 2. Weltkrieg die Weltwirtschaft mit seiner
Produktionskapazität beherrschte, durch das Folgen dieser Tendenzen
dazu übergegangen ist, im Ausland produzierte Erzeugnisse zu
konsumieren und lediglich Filme, Musicals, glamouröse Bilder eines
unhaltbaren Konsums und Waffen zu exportieren.
Der
wirtschaftliche Nachtrab gegenüber dem Wirtschaftswachstum Chinas und
nicht nur Chinas, sondern der sogenannten BRIC+3 (Indonesien, Südkorea,
Malaysia) ist auch eine Quelle für Spannungen. Wenn diese aufstrebenden
Länder wie bisher wirtschaftlich wachsen, ist ihr BIP 2020 genauso groß
wie das der G-7-Staaten.
Die
Tendenzen verweisen auf den Rückgang der US-Wirtschaft und den
vorhersehbaren Einsatz der militärischen Stärke, um sich selbst in der
Vorherrschaftsstellung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
weiterhin zu halten.
Diese
Spannungen äußern sich in den Kriegen in Irak, Afghanistan, Pakistan.
Des Weiteren in der Drohung mit Atomkrieg gegenüber Iran und der KVDR.
Aber auch in den Staatsstreichen und versuchten Staatsstreichen in
Lateinamerika (Honduras, Venezuela, Ekuador, Bolivien), in der
wachsenden Militarisierung in Gestalt neuer US-Militärstützpunkte im
Weltmaßstab und der Bildung einer Doktrin des Krieges, die u.a. die gefährliche
Verwendung der „kleinen“ Atombomben einschließt, welche so
„klein“ sind, dass sie 50-600% der Hiroshima-Bombe ausmachen. Dies
als Waffen, die Teil eines Arsenals von Optionen sind, deren Einsatz
theoretisch durch den Befehlsstab im Theater des Kriegsorchesters
entschieden werden kann. Dies heißt, dass ein General im Theater des
Kriegsorchesters über einen „Kasten voller Werkzeuge“ verfügt, um
dort auszuwählen und unter den Werkzeugen Mini-Atombomben zur Verfügung
zu haben, die er einsetzen kann, wie er es mit den Panzern, der
Artillerie usw. tun kann.
Richtung
Wirtschaftskrieg?
In
den letzten Wochen ereiferte sich die Weltwirtschaft über die
Nachrichten vom Währungskrieg. Dieser Krieg war die zentrale Besorgnis
des Treffens der Finanzminister der IWF-Staaten vom 23. Oktober 2010 und
der neu dazu zugelassenen Finanzminister wie in allen Gipfelkonferenzen
der G-20-Staaten, wie sie seit Ausbruch der derzeit weiter andauernden
kapitalistischen Weltwirtschafts- und Finanzkrise durchgeführt worden
sind. Die feierlichen Erklärungen wiederholten die Verpflichtungen zum
„Freihandel“ und zum Nichteinsatz von Barrieren für das
Funktionieren der Märkte.
In
diesen ersten Vorgeplänkeln eines möglichen Krieges sind die Gegner
klar zu erkennen. Auf der einen Seite versuchen die USA, ihre Wirtschaft
um jeden Preis wiederzubeleben und nutzen dazu die internationalen Währungsreserven
aus, die in ihrer einheimischen und zugleich internationalen Leitwährung
bestehen. Sie werfen haufenweise Dollars in das Ausland, um den Dollar
abzuwerten, ihre eigene Konkurrenzposition auf dem Weltmarkt zu stärken.
Und indem sie dies tun, erhöhen sie den Wechselkurs der anderen Währungen
zum Dollar, schädigen sie andere Länder im Handel, nötigen sie sie
zum Ankauf von US-Staatsanleihen in Dollars als Finanzierungsinstrument
für die US-Schulden und Defizite.
Andererseits
erleiden die anderen Volkswirtschaften und insbesondere die
Rohstoffexportländer des Südens über das bisherige Maß hinaus den
Zufluss von flüchtigem spekulativen Kapital, angekurbelt durch die sehr
niedrige Zinsrate, welche die USA als erfolgloses Mittel
aufrechterhalten, um die Investition wiederzubeleben.
Die
Entwicklung dieser Vorgeplänkel zu einem wirklichen Krieg im Stil des
Geschehens in den Jahren der Weltwirtschaftskrise und der Großen
Depression wird von der Tiefe und der Dauer abhängen, welche die
kapitalistische Weltwirtschafts- und Finanzkrise erreicht. Verschärft
sie sich, dann wird es dazu kommen, dass der Währungskrieg den Auftakt
für einen Handelskrieg mit dem Einsatz länderbezogener politischer
Spielarten wie dem „Verarmen des Nachbarn“ und dem Verschwinden der
Sonntagsreden vom Freihandel sowie Vertrauensschwüren auf das
Multilaterale sein.
Für
alle ist offenkundig, dass die US-Regierung nichts weiter macht, als den
Nationalismus einzusetzen, um ihre inneren Probleme im Lande zu lösen,
dabei das Dollarprivileg (des Dollars als internationaler Leitwährung -
Jens-Torsten Bohlke) ausnutzt und die Seilschaften der Anderen abdrängt.
Es würde nicht verwundern, wenn dieses Verhalten zum gegenseitigen
Verhalten auch unter den Anderen wird, so dass im Kontext der langen
zugespitzten kapitalistischen Weltwirtschafts- und Finanzkrise das
Regel- und Organisationswerk explodieren kann, welches in der
Nachkriegszeit entstand und verhieß, dass sich nie wieder ein
Handelskrieg wiederholen würde.
Wirtschaftskrise
und politische Tendenzen
Die
kapitalistische Weltwirtschafts- und Finanzkrise ist mehr mit einem
Wechsel hin zu den reaktionären Kräften verbunden gewesen als mit
einer Stärkung antikapitalistischer Kräfte.
Die
Beziehung zwischen der kapitalistischen Weltwirtschafts- und Finanzkrise
und politischen Tendenzen ist im vorigen Jahrhundert variabel gewesen.
Wenn wir nur die größten kapitalistischen Weltwirtschaftskrisen und
ihre Übertragung in politische Ergebnisse betrachten, dann haben sie
stets einen Ausschlag des politischen Pendels nach links in den Jahren
des 1. Weltkriegs und nach rechts in den Jahren der Großen Depression
eingeschlossen.***
Die
russische Wirtschaft von 1917 erlitt die Verwüstungen der Kriegsjahre,
aber auch die Folgen der europaweiten Wirtschaftskrise. Die Krise fiel
zusammen mit dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution
1917. Auch wenn sie offenkundig nicht jenen historischen
antikapitalistischen Sieg erzeugen konnte. Viele andere Faktoren
spielten in die Wirtschaftskrise hinein, aber das Endergebnis lag darin,
dass die extreme Situation aus Krieg, zaristischer Herrschaft und Krise
die russische Bevölkerung dazu brachte, von einer politischen
Organisation geführt und verstanden und ergriffen zu werden, so dass
sie mit dem Kapitalismus Schluss zu machen bereit war und den
Sozialismus aufbauen wollte.
In
den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war die
Weltwirtschaftskrise mit der Großen Depression die bisher schlimmste
kapitalistische Krise. Aber im Zusammenhang mit dieser schlimmsten
kapitalistischen Krise bestand und schälte sich die Stärkung des
Faschismus heraus. In Deutschland kam es zum Ergebnis des Faschismus an
der Macht und zum Zweiten Weltkrieg durch die Kombination solcher
Faktoren wie der an die Siegermächte des 1. Weltkrieges zu zahlenden
Reparationen, die galoppierende Inflation und ihre Auslöschung durch
eine zentralisierte und stark vom faschistischen Staat kontrollierte Führung,
die Beendigung der Massenarbeitslosigkeit durch große öffentliche
Bauwerke und die Führung durch einen reaktionären Fanatiker. ***
In
den USA, in Europa und in Lateinamerika gab es in jenen Jahren
Linksbewegungen und Bewegungen hin zur politischen Linken, die aber
nicht strategische Siege erringen konnten. Es gibt keine mechanische
Bestimmung, wonach Massenarbeitslosigkeit, Armut, Unsicherheit und
kapitalistische Wirtschaftskrise ein Ausschlagen des politischen Pendels
nach links mit sich bringt.
Die
Unsicherheit und auch die Verzweiflung, welche eine Krise hervorbringt,
können sich die politisch links stehenden Kräfte oder die reaktionären
Kräfte für ihre jeweiligen Ziele zunutze machen. Dies hängt jeweils
davon ab, wie richtig oder wie falsch die sich gegenüberstehenden Kräfte
die konkreten Aktionen beeinflussen und welche Fähigkeiten ihre Führungen
haben. ***
In
der gegenwärtigen kapitalistischen Weltwirtschafts- und Finanzkrise ist
bis jetzt nicht der Widerstand gegen die Folgen und mit der Krise
verbundenen politischen Spielarten von Bedeutung gewesen. Dies obwohl
der Einfluss auf die Beschäftigungslage stark war und die sozialen
Kosten hoch sind. Der Generalstreik in Spanien vom 29. September 2010
und die französischen Demonstrationen gegen die IWF-Politik der
steuerlichen Belastung sind zu verfolgende Nachrichten, aber zugleich
werden die reaktionären Kräfte in den USA und Europa gestärkt. *** Während
in Lateinamerika sich ein imperialistischer Gegenangriff auf die
Regierungen der ALBA-Länder entwickelt.
In
den USA kommt die ultrareaktionäre „Tea Party - Bewegung“ bei der
Kontrolle der Republikanischen Partei voran, wird in den nächsten
Wahlen eine harte Abstrafung von Obama mit den Stimmzetteln erwartet.
Und der auf der Wahlebene erfolgende Rechtsruck der US-amerikanischen
Massen zeigt, dass die von Massenarbeitslosigkeit, Verelendung und
Wohnungsverlust gepeinigten US-Amerikaner nach rechts tendieren.
Die
reaktionäre „Tea Party - Bewegung“ in den USA ist ein gefährliches
Konglomerat. Dort vermengen sich die Dummheit, der politische
Primitivismus und die Intoleranz, die Vorurteile und der blinde Glauben,
das für die Weltherrschaft auserwählte Volk zu sein.
Die
Ideologie der reaktionären „Tea Party - Bewegung“ ist eine
faschistoide Mischung. Sie umfasst ein Vereinen von Kirche und Staat,
die Abschaffung der Arbeitslosenhilfe, die Abschiebung der Einwanderer,
die Abschaffung staatlicher Hilfen für Behinderte, die Auffassung, dass
das Masturbieren mit dem Ehebruch gleichzusetzen sei, natürlich die
Forderung nach Steuersenkung, nach Schwächung der „großen
Regierung“ und mittels Militäreinsatz nach Zerschlagung der
islamisch-chinesisch-russischen Verschwörung, welche die USA-Herrschaft
über die Welt behindert.
Europa
weist ähnliche Tendenzen auf. Es sei darauf verwiesen, dass in
Deutschland eine rassistische und ausländerfeindliche Partei bis zu 15%
der Stimmen erringen könnte. In Italien wird eine derartige Lega Norte
immer stärker. In den Niederlanden und in Schweden sind trotz aller
Traditionen der Toleranz rassistische Parteien in die Parlamente
gekommen. In Frankreich sind Tausende Sinti und Roma nach Rumänien und
Bulgarien, die ebenfalls EU-Länder sind, abgeschoben worden.
Die
weltverändernde Bewegung des Weltsozialforums hat an Kraft verloren und
wird immer schwächer durch die Querelen zwischen den
Nichtregierungsorganisationen aus Ländern des Nordens, welche von an
keiner besseren Welt interessierten politischen Interessen finanziert
werden, und den gesellschaftlichen Bewegungen mit Positionen des
antikapitalistischen Kampfes insbesondere in Lateinamerika.
Der
Kampf in Frankreich und Spanien gegen die neoliberale Steueranpassung in
der Epoche des Neoliberalismus *** kann der Beginn eines Aufschwungs der
Massenbewegung des Widerstandes sein.
Es
scheint eine gewisse Zeit zwischen dem Ausbruch der kapitalistischen
Weltwirtschafts- und Finanzkrise und dem Entstehen der
gesellschaftlichen Mobilisierung gegen die kapitalistische Krise zu
brauchen. So als ob es notwendig wäre, dass Massenarbeitslosigkeit,
Unsicherheit und Verzweiflung sich hinreichend auswirken, um die
Menschen zum Protest und zur gesellschaftlichen Mobilisierung zu
bewegen. So geschah es auch in den Jahren der Weltwirtschaftskrise
1929-32 und der Großen Depression, denn bis 1932-33 gab es kaum
gesellschaftliche Mobilisierung, während dann drei Jahre nach Ausbruch
der Weltwirtschaftskrise der Druck auch „derer von unten“ sich
bemerkbar machte. ***
Um
für eine bessere Welt zu kämpfen, um den Kapitalismus hinter sich zu
lassen, muss die Gattung Mensch überleben und muss der Planet Erde
gerettet werden. Damit die Menschen überleben, muss die Bedrohung durch
einen Atomkrieg gestoppt werden. Und um den Planeten Erde zu retten,
muss der Angriff des Marktes auf die Natur aufhören.
Das
Stoppen der Atomkriegsbedrohung heißt derzeit, sofort den Angriffsplan
gegen Irak mit Teilnahme Israels zu vereiteln und mittelfristig die
Militärausgaben zu kürzen, welche sich auf perverse Weise mit dem
Niedergang der US-Volkswirtschaft kombinieren, um die beiden
Gleichgewichte des Terrors aufrechtzuerhalten: das finanzielle und das
militärische. Und um gewaltige Mittel in Maschinen, Technologien und
Bomben für das Töten zu verschwenden.
1)
Michel Chossudovsky and Andrew Gavin Marchall. The Global Economic
Crisis. Global Research.
2010. Pág. 47-48.
2)
Michael Hudson: The „Dollar Glut”. Finances America’s Global
Military Build Up. En The Global Economic Crisis.
Capítulo 10.
Quelle:
http://www.cubadebate.cu/opinion/2010/11/16/crisis-economica-global-guerra-economica-y-gasto-militar/
Anmerkungen
von Jens-Torsten Bohlke
***
Der Artikel gibt an diesen Stellen die Meinung des Autors wieder, die
sich nicht mit der Meinung der Redaktion von K-Online (an diesen
gekennzeichneten Stellen!) decken muss. Wir verweisen nachdrücklich auf
Lenin und Dimitroff, wenn es darum geht, die allgemeingültigen Ursachen
für Faschismus und den Übergang zu einer faschistischen Diktatur zu
benennen. Hinter Hitler standen bekanntlich vor allem Millionen
Reichsmark der Großindustriellen Deutschlands, welche die faschistische
Bewegung maßgeblich stärkten. Dies deshalb, weil sie in den stark
ansteigenden Wählerzahlen und dem Zuwachs an Masseneinfluß und
Mitgliederzahl bei der KPD eine Gefährdung der Herrschaft des Kapitals
sahen, welcher unter bürgerlich-demokratischen Verhältnissen nicht im
Sinne der Sicherung der Macht der Bourgeoisie begegnet werden konnte, so
dass die am meisten reaktionären, am meisten imperialistischen und
chauvinistischen Teile des Finanzkapitals ihre offene, terroristische
Diktatur in Gestalt des faschistischen Hitlerdeutschlands errichteten.
Steigbügelhalter waren dabei nicht nur die bürgerlichen Parteien,
sondern auch die von Rechtsopportunisten antikommunistisch geführte
SPD, welche der KPD die antifaschistische Aktionseinheit versagte, durch
die die faschistische Diktatur Hitlers in letztem Moment mit hoher
Wahrscheinlichkeit doch noch abgewehrt worden wäre und vielen Völkern
viele Millionen Tote des 2. Weltkriegs hätten erspart werden können.
Wie sich zeigt, hat die SPD daraus nichts gelernt. Und wir Kommunisten
sind gefordert, denn ohne uns fehlt dem Aufstand der Völker auch in der
EU die klare Orientierung.
siehe
auch:
Gespräche
mit Fidel Castro: Die
Gefahr eines Atomkrieges. by
Michel Chossudovsky and Fidel Castro Ruz
mehr
|