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Kriegshetzer
und bundesdeutscher Diplomat Wolfgang
Ischinger
(hier
mit Nato-General Peter Pearson)
Die
Uni Tübingen gab ihm die akademische Weihe und machte ihn zum
Honorarprofessor |
Ein
gewisser Way of Life
BERLIN/TÜBINGEN |
Ein
gewisser Way of Life
BERLIN/TÜBINGEN
german-foreign-policy
vom 18.07.2011 (auf Kommunisten-omline am 19. Juli 2011) – Der
Organisator der bedeutendsten militärpolitischen Tagung in Deutschland,
der Münchner Sicherheitskonferenz, tritt als akademischer Lehrer an
deutschen Universitäten auf. Wolfgang Ischinger, der sich offen für
Interventionskriege unter Bruch des Völkerrechts ausspricht, bietet im
laufenden Semester ein Seminar zum Thema „Krisendiplomatie“ an der
Universität Tübingen an. Dabei soll auch der NATO-Angriffskrieg gegen
die Bundesrepublik Jugoslawien 1999 behandelt werden. Als Staatssekretär
im Auswärtigen Amt war Ischinger an dessen diplomatischer Vorbereitung
und propagandistischer Absicherung maßgeblich beteiligt. Zur Sprache
kommen werden auch die „Beziehungen zu Russland“, denen Ischinger
bereits seine Antrittsvorlesung in Tübingen gewidmet hat. Darin fordert
der ehemalige Diplomat eine enge europäisch-russische
„Sicherheitspartnerschaft“ mit dem Ziel, den westlichen Lebensstil
gegen die „Bedrohungen“ durch „zerfallende Staaten“ und
„unkontrollierte Einwanderung“ zu verteidigen. Höhepunkt des Tübinger
Seminars ist ein für diese Woche angekündigter mehrtägiger
Berlinbesuch, bei dem die Teilnehmer mit „politischen Entscheidungsträgern“
zusammengeführt werden sollen. Dies war auch zentraler Inhalt einer
Lehrveranstaltung zum Thema „Krisendiplomatie“, die Ischinger 2009
an der Ludwig-Maximilians-Universität München angeboten hat. Zu den
Gastreferenten zählte seinerzeit unter anderem General Klaus Naumann,
1999 während des Krieges gegen Jugoslawien Vorsitzender des NATO-Militärausschusses.
Honorarprofessor
Wie
die Universität Tübingen mitteilt, hat sie den Organisator der Münchner
Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, mit einer Honorarprofessur
betraut. In dieser Funktion bietet Ischinger während des laufenden
Sommersemesters ein Seminar zum Thema „Internationale
Krisendiplomatie“ an, das sich laut Vorlesungsverzeichnis mit der
„exemplarischen Aufarbeitung von Krisenfällen in der internationalen
Politik“ befasst. Zu diesen zählt Ischinger nicht zuletzt den
NATO-Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien 1999, der von
ihm im Lehrplan euphemistisch als „Kosovo-Krise“ bezeichnet wird.[1]
In seiner Funktion als Staatssekretär im Auswärtigen Amt war Ischinger
an der diplomatischen Vorbereitung und propagandistischen Absicherung
des Krieges maßgeblich beteiligt - unter anderem durch die vielfach
widerlegte Behauptung, der Angriff auf Jugoslawien habe dazu gedient,
eine „humanitäre Katastrophe“ in der Provinz Kosovo abzuwenden.
Noch ein Jahr nach dem Krieg erklärte Ischinger: „Nicht geopolitische
Auseinandersetzungen um Macht, die Südosteuropa in der Vergangenheit so
schwer zugesetzt hatten, waren die wichtigste Priorität, sondern die
Notwendigkeit, eine humanitäre Katastrophe zu verhindern. Statt
nationaler Interessen verfolgte die internationale Gemeinschaft das
Ziel, grundlegende Rechtsnormen und Menschenrechtsfragen zu
implementieren.“[2]
Weniger
Brunnen bauen, mehr schießen
Offen
bekennt sich Ischinger zu westlichen Interventionskriegen - aktuell
insbesondere in Afghanistan und Libyen. Seiner Auffassung nach sind
militärische Gewaltoperationen auch unter Bruch des geltenden Völkerrechts
grundsätzlich überall dort angebracht, „wo wir a) dies können und
wo das Eingreifen b) mit unseren eigenen nationalen Interessen in
Einklang zu bringen ist“.[3] Im Falle Afghanistans fordert der
ehemalige Diplomat eine gezielte Eskalation: „Soldaten werden dazu
ausgebildet, andere notfalls umzubringen - oder zumindest so zu
bedrohen, dass diese es als glaubwürdig betrachten, umgebracht zu
werden, wenn sie nicht das tun, was man von ihnen erwartet. Das ist der
Zweck. (...) Wir bauen weniger Brunnen und müssen (...) mehr schießen.“[4]
Gleiches gilt ihm zufolge für Libyen. Nachdem Ischinger in einem
Interview mit der österreichischen Presse gefordert hatte, „die Sache
zur Entscheidung zu bringen“ [5], erklärte er wenige Tage später in
seiner Tübinger Antrittsvorlesung, die USA erwarteten „zu Recht“,
„dass die Europäer selbst die Dinge in die Hand nehmen“.[6]
Neue
Gefahren
Vordergründig
ging es in Ischingers Antrittsvorlesung um den Aufbau einer
atlantisch-europäisch-russischen „Sicherheitspartnerschaft“ mit dem
Ziel, die in den beteiligten Staaten vorhandenen Atomwaffenpotenziale
drastisch zu reduzieren. Deutlich wurde dabei jedoch, dass das von
Ischinger skizzierte Projekt Ausdruck einer politischen Strategie ist,
die sich einerseits gegen die Armutszonen des Südens und andererseits
gegen globale ökonomische Konkurrenten wie etwa China richtet.
„Gefahren für unsere Sicherheit“ gingen heute nicht mehr von
„gegnerischen Angriffsarmeen bedrohlicher Nachbarn“ aus, sondern von
der „Schwäche und Instabilität“ sogenannter Failing States, erklärte
Ischinger und forderte die „Verteidigung eines gewissen 'way of
life'„ durch die Abwehr „unkontrollierter Einwanderung“.
Gleichzeitig zeigte sich der ehemalige Diplomat überzeugt, „dass
demographische und wirtschaftliche Trends dazu führen werden, dass das
relative Gewicht Europas in der Welt abnehmen wird, während
aufsteigende Mächte wie China, Indien oder Brasilien an Einfluss
gewinnen“. Es sei daher in „beiderseitigem Interesse“, erklärte
Ischinger, „die Interdependenz zwischen Russland und der EU nicht nur
zu akzeptieren, sondern politisch zu gestalten, um eine funktionsfähige
gesamt-europäische Kooperation zu gewährleisten“: „Anderenfalls
wird unser relativer Abstieg noch rapider und massiver ausfallen.“[7]
Praxisnah
Die
„Beziehungen zu Russland“ werden auch zentrales Thema des von
Ischinger im laufenden Sommersemester an der Universität Tübingen
angebotenen Seminars sein. Höhepunkt der Lehrveranstaltung ist ein für
diese Woche vorgesehener mehrtägiger Berlinbesuch, der es den
Teilnehmern laut Vorlesungsverzeichnis ermöglichen soll, „mit
politischen Entscheidungsträgern zusammenzukommen, um praxisnah (...)
durch den Besuch in Ministerien und Botschaften zu diskutieren“.[8]
Durch besondere „Praxisnähe“ zeichnete sich einem
Veranstaltungsbericht zufolge auch ein Seminar aus, das Ischinger im
Sommersemester 2009 an der Ludwig-Maximilians-Universität München
abgehalten hat. Ähnlich wie in Tübingen beschäftigte man sich hier
mit „Krisendiplomatie“. Zu den Gastreferenten zählten mehrere
hochrangige Militärs, darunter der ehemalige Generalinspekteur der
Bundeswehr, Klaus Naumann. Sein Thema war die „NATO-Intervention im
Kosovo 1999“.[9]
Krieg
ist Frieden
Dass
Wolfgang Ischinger nun von der Universität Tübingen zum
Honorarprofessor berufen wurde, wird von den dortigen Studierenden
scharf kritisiert. Sie werfen den akademischen Gremien vor, gegen eine
im Dezember 2009 implementierte „Zivilklausel“ zu verstoßen, der
zufolge Forschung und Lehre ausschließlich „friedlichen Zwecken“
dienen dürfen. Verstöße dieser Art scheinen in Tübingen mittlerweile
Methode zu haben. Bereits im April 2010 war Ischinger auf Einladung des
„Bundesverbandes Sicherheitspolitik an Hochschulen“, einer
Organisation des Reservistenverbandes der Bundeswehr, an der Universität
zu Gast. Im selben Jahr hatte eine Angehörige der deutschen Streitkräfte
dort ein Seminar angeboten, das sich mit der Aufstandsbekämpfung der
NATO-Truppen in Afghanistan befasste (german-foreign-policy.com
berichtete [10]). Dabei verfolgt die Leitung der Universität Tübingen
offenbar die Strategie, Militärs und Befürworter von
Interventionskriegen zu Friedenspolitikern zu erklären. Ischingers
Seminar etwa wird mit folgender Ankündigung beworben: „Studierende im
(...) Studiengang 'Friedensforschung und Internationale Politik' werden
vorrangig zugelassen.“[11]
[1]
Internationale Krisendiplomatie; campus.verwaltung.uni-tuebingen.de. Zu
Ischinger s. auch Dayton
II, Balance
statt Exklusion und Die
deutsche Doppelstrategie
[2], [3], [4], [5] zitiert nach Jürgen Wagner: „Es gibt keine
gerechten Kriege - aber notwendige“. Wolfgang Ischinger wird
Honorarprofessor in Tübingen, Ausdruck 3/2011
[6], [7] Euro-Atlantische Sicherheitspartnerschaft mit Russland:
Notwendigkeit oder Illusion? Antrittsvorlesung Honorarprofessor Wolfgang
Ischinger. Eberhard-Karls-Universität Tübingen 11.05.2011
[8] Internationale Krisendiplomatie; campus.verwaltung.uni-tuebingen.de
[9] Tobias Bunde: Moderne Krisendiplomatie - Eindrücke aus der
diplomatischen Praxis im Seminar an der Ludwig-Mahttp://ximilians-Universität
München; www.securityconference.de 16.07.2009
[10] s. dazu Berufsfeld
Bundeswehr
[11] Internationale Krisendiplomatie; campus.verwaltung.uni-tuebingen.de |