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Aus
La Jornada (Mexiko)
DIE
KRIEGSKOSTEN DER USA
von
Angel Guerra Cabrera, kubanischer Kolumnist bei La Jornada
übersetzt
von Jens-Torsten Bohlke
Havanna,
18. August 2011, Cubadebate. (auf Kommunisten-online am 19. August 2011)
– Die Ausgaben des US-Verteidigungsministeriums und der US-Behörde
für Nationale Sicherheit lassen sich beinahe unmöglich berechnen.
Folgt man den Spuren der ihnen zugewiesenen Summen, gestaltet dies sich
sehr schwierig, weil die Gelder durch eine ganze Reihe von US-Agenturen
geleitet werden. Außerdem machen Geheimhaltung und Mängel bei den
Abrechnungen in der Verwaltung der Finanzmittel es selbst für die
bewilligenden Parlamentarier schwierig, Bilanzen darüber zu erstellen,
wofür die einzelnen Gelder bestimmt sind.
Ähnlich
den Zuständen in einer Bananenrepublik ist das Verteidigungsministerium
nie Gegenstand einer Prüfung gewesen, auch wenn dies gesetzlichen
Regelungen widerspricht. Nicht mal Drohungen von über die
Heimlichtuerei der Behörde für Nationale Sicherheit erbitterten
Parlamentariern haben da erreicht,
diese Finanzmittel zu deckeln oder einzufrieren.
Diese
Geheimhaltung wird bestens deutlich, wenn wir uns daran erinnern, dass
unmittelbar nach dem 11. September 2001 für unpatriotisch erklärt
wurde, wer überhaupt Fragen über die Behörde für Nationale
Sicherheit stellte. Im Unterschied zum 1. und 2. Weltkrieg sowie den
Korea- und Vietnamkriegen sind für die Kosten der Afghanistan- und
Irakkriege ganz bewußt keine Steuergelder ausgegeben worden. Da es
keine in Steuergeldern bezifferte Zuweisung von Mitteln für diese
genannten Kriege gibt, sieht der normale US-Amerikaner keinen
Zusammenhang zwischen der Verschlechterung seiner eigenen
wirtschaftlichen Lage und den finanziellen Lasten dieser Kriegsführungen.
Und niemand läßt ihn sehen, welche Kosten er da bis zum Ende jener
Kriege zu tragen hat. Die Parlamentarier sahen sich daher auch davon
befreit, ihren Wählern diesbezüglich größere Erklärungen zu geben.
Darüber
hinaus ist die Verquickung der Interessen zwischen den Medienkonzernen
und dem militärisch-industriellen Komplex der USA dermaßen stark, dass
vor der Öffentlchkeit jede Zahl versteckt wird, die Rückschlüsse auf
eine Beziehung zwischen Steuerlasten und Militärausgaben zuläßt. In
den endlosen Debatten der Kongreßmitglieder der beiden großen bürgerlichen
Parteien über die Verschuldung der USA, welche Noam Chomsky als komödiantische
Theaterschau bezeichnete, florierte dieses Thema bestens, aber nie in
seinem gesamten Umfang. Und die Tea Party trichterte der Öffentlichkeit
die kolossale Lüge ein, die Sozialprogramme seien unhaltbar. Ein Spiel,
dem auch Obama sich hingab.
Allerdings
hat die Arbeit unabhängiger Forschungszentren mit ihren eigenen von der
Regierung bezogenen Zahlen ermöglicht, Schätzungen über die ungefähre
Größe des Haushalts der Agenturen für Nationale Sicherheit der USA
anzustellen. Das Projekt der Nationalen Prioritäten der USA bietet drei
Basisdaten: 5,9 Milliarden Dollar, die als jährlicher
Sockelhaushalt dem Verteidigungsministerium der USA seit 2000 bis
zum September dieses Jahres zugewiesen werden. Unter anderen Kosten sind
da die Ausgaben für das Arsenal an Atomwaffen eingeschlossen, obwohl
bei diesen Kosten auch das US-Energieministerium mitzahlt.
Und
da ist entscheidend, dass die Kriege in Afghanistan und Irak nicht berücksichtigt
sind. So dass selbst ohne die Kosten für diese Kriege der jährliche
Haushalt des US-Verteidigungsministeriums im besagten Zeitraum von 302,9
Milliarden Dollar auf 545,1 Milliarden Dollar und somit um 44%
angewachsen ist, wenn wir ihn mal von der Inflation bereinigen.
Eine
andere Zahl: 1,36 Milliarden Dollar als Gesamtausgaben für die Kriege
der USA in Afghanistan und Irak bis September dieses Jahres. Außerdem:
636 Milliarden Dollar als in den USA kaum bekannte Zahl der Finanzmittel
für Nationale Sicherheit seit der Schaffung dieses Konzepts und jener
Agentur nach dem 11. September 2001. All dies summiert sich auf 8
Milliarden Dollar. Kommen wir damit schon auf die Gesamtsumme?
Diese
Berechnungen gründen sich laut ihren Autoren auf die vom US-Präsidenten
beantragten und vom US-Kongreß genehmigten Zahlen. Aber eine Studie der
Brown University erweitert ganz richtig die Berechnungsgrundlage auf die
Kriege in Afghanistan und Irak und berücksichtigt dabei die Kosten für
die Leistungen an die US-Kriegsveteranen,die Kosten für die Versorgung
der Verwundeten und psychisch Traumatisierten und die Zahlung der Zinsen
für die Anleihen, was die Zahl um 3,7 Milliarden Dollar ansteigen läßt
und umgerechnet 12.000 Dollar pro US-Amerikaner bedeutet. Addiert man
dies mit den vorgenannten Zahlen, dann summieren sich die Ausgaben bei
der Agentur für Nationale Sicherheit auf insgesamt ca. 11 Milliarden
Dollar seit 2001. Fast 1,2 Milliarden Dollar jährlich lt. dem Fachmann
Chris Hellman, also fast genausoviel wie das genehmigte Haushaltsbudget
des Verteidigungsministeriums der USA für 2011.
Es
gibt weitere anschauliche Zahlen. Die Mittel für die
verschreibungspflichtigen Medikamente für die älteren Menschen in den
USA belaufen sich in diesen zehn Jahren insgesamt auf kaum 385 Millionen
Dollar. Dies gibt das US-Verteidigungsministerium in 40 Monaten nur
allein in Irak und Afghanistan aus. Allein die Klima-Anlagen für die
US-Streitkräfte in diesen Ländern kosten 20 Milliarden Dollar im Jahr.
Und die Kosten für jeden US-Söldner dort werden sich für 2011 auf
694.000 Dollar belaufen.
Wo
derzeit die Wirtschaftskrise mit den schweren Problemen der öffentlichen
Verschuldung und des Haushaltsdefizits in den USA herumgeistert, setzt
erstmals seit Jahren eine Diskussion über die Agentur für Nationale
Sicherheit ein. Wird da in die Berechnung auch die Entschädigung an die
Familienangehörigen von Getöteten und Verletzten und der ernsthafte
Wiederaufbau von Irak und Afghanistan einbezogen?
(aus
La Jornada, Mexiko)
Quelle:
http://www.cubadebate.cu/ |