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Kriegspropaganda,
öffentlich-rechtlich
BERLIN
german-foreign-policy
vom 03.07.2009 – Die deutschen öffentlich-rechtlichen
Fernsehanstalten produzieren Propaganda- und Schulungsfilme für die
Bundeswehr. Der Spielfilm „Mörderischer Frieden“, der dieser Tage
im Programm des TV-Senders „Arte“ ausgestrahlt wird, behandelt die
deutsche Besatzungspolitik in der serbischen Provinz Kosovo. Er
kolportiert Berichte von angeblichen jugoslawischen Kriegsverbrechen,
die als Propagandalügen im Rahmen der psychologischen Kriegführung
gegen Jugoslawien entlarvt wurden. Die preisgekrönte Kurzfassung des
Streifens dient den deutschen Streitkräften als internes
Schulungsmaterial; die aktuell zu sehende Langfassung wird von den
sogenannten Jugendoffizieren der Truppe zur Agitation unter Schülern
eingesetzt. Der Regisseur des Films wurde bei Recherchen und
Dreharbeiten von diversen Pressedienststellen des deutschen Militärs
angeleitet; er arbeitet außerdem für die Medienzentrale der
Bundeswehr.
Der
2007 von drei öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten produzierte
Spielfilm „Mörderischer Frieden“ wurde Ende Juni zum ersten Mal im
Fernsehen gezeigt und wird am 4. Juli erneut im Nachtprogramm des
Senders „Arte“ zu sehen sein. Der Streifen behandelt die deutsche
Besatzungspolitik in der serbischen Provinz Kosovo nach dem völkerrechtswidrigen
Angriff von NATO-Truppen auf die Bundesrepublik Jugoslawien im Frühjahr
1999. Dreh- und Angelpunkt der Erzählung ist die Reaktion der
albanischstämmigen Bevölkerung auf Kriegsverbrechen serbischer Milizen
- ein Vorwurf, der längst als Propagandalüge im Rahmen der
psychologischen Kriegführung gegen Jugoslawien entlarvt wurde.[1]
Unterstützt
und betreut
Laut
Bundesverteidigungsministerium (BMVg) wurde der verantwortliche
Regisseur Rudolf Schweiger bereits „im Vorfeld der Realisierung“
seines Films vom Arbeitsbereich 3 („Medien“) des Presse- und
Informationsstabes des BMVg „unterstützt“. Bei zwei
„Recherchereisen“ ins Kosovo sei Schweiger außerdem von der
Besatzungstruppe KFOR „betreut“ worden, heißt es.[2] Konkret
bestand die „Betreuung“ in Begleitung durch „Pressefachpersonal“
des deutschen Militärs und in der Teilnahme an „Routineflüge(n) mit
Bundeswehr-Luftfahrzeugen“. Gedreht wurde „Mörderischer Frieden“
2006 im bosnischen Sarajevo - unter der Obhut des deutschen Kontingents
der Besatzungstruppe EUFOR.[3]
Stetige
Zunahme
Regisseur
Schweiger verfügt offenbar über gute Beziehungen zu den deutschen
Streitkräften. Seit 2008 produziert er im Auftrag der
„Medienzentrale“ der Bundeswehr [4] Filme über die deutsche
Besatzungspolitik in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo.[5] Seinem
Streifen „Mörderischer Frieden“ wird von Seiten ranghoher Militärs
eine „hohe Authentizität“ bescheinigt; dem ehemaligen
KFOR-Kommandeur General Klaus Reinhardt zufolge trifft der Film „die
Situation im Auslandseinsatz genau“.[6] Das zugehörige Presseheft befürwortet
explizit den Umbau der Bundeswehr zur jederzeit weltweit einsatzfähigen
Interventions- und Besatzungsarmee. Der ehemalige Verteidigungsminister
Peter Struck (SPD) wird mit dem Hinweis, die folgenden Sätze hätten
„nichts von ihrer Aktualität verloren“, zitiert: „Durch die
Wiedererlangung der uneingeschränkten Souveränität hat die
Verantwortung Deutschlands für die europäische Sicherheit und den
Weltfrieden eine völlig neue Qualität gewonnen. (...) Unsere
Interessen, unsere Verantwortung als großer und leistungsfähiger europäischer
Staat und unsere internationalen Verpflichtungen haben seither dazu geführt,
dass Anzahl, Intensität, Umfang und Dauer der Einsätze der Bundeswehr
stetig zugenommen haben.“[7]
Großes
Interesse
Die
mehrfach preisgekrönte Kurzfassung des Streifens (Titel: „Snipers
Alley“) aus dem Jahr 2002 dient der Bundeswehr nach Angaben der
deutschen Medienindustrie als „Schulungsfilm für junge
Soldaten“.[8] Die aktuell im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
ausgestrahlte Langfassung, die unter dem Titel „Snipers Valley“ in
den Handel kam, wird von den sogenannten Jugendoffizieren des deutschen
Militärs [9] Schülern gezeigt. Wie das Gymnasium Sonthofen (Bayern)
mitteilt, habe die Vorführung von „Mörderischer Frieden“ bei den
10. Klassen der Schule „großes Interesse an dem Besuch des
Jugendoffiziers“ hervorgerufen. Der Film, heißt es weiter, vermittle
„die schwierigen Bedingungen der Auslandseinsätze“ ebenso wie
„die veränderte Rolle der Bundeswehr seit 1990“. Dazu passend
konnte der anwesende Jugendoffizier über eigene Erfahrungen bei
Kriegsoperationen berichten: Vor seiner Zeit als Inlandspropagandist war
er in Afghanistan eingesetzt.[10]
Wertvoll
Obwohl
der Film „Mörderischer Frieden“ eine zentrale Rolle in der
PR-Arbeit des deutschen Militärs gegenüber Truppe und Öffentlichkeit
spielt, wurde er von diesem weder produziert noch finanziert: Die
Herstellung übernahmen der Südwestrundfunk (SWR), der bereits mehrfach
durch Propagandabeiträge für die Bundeswehr aufgefallen ist (german-foreign-policy.com
berichtete [11]), sowie der Bayerische Rundfunk (BR) und der Sender
„Arte“. Das notwendige Geld kam vom bayerischen Film-Fernseh-Fonds (FFF),
vom „Medienboard Berlin-Brandenburg“ und von der bundeseigenen Filmförderungsanstalt
(FFA). Folgerichtig verlieh die „Filmbewertungsstelle“ der deutschen
Bundesländer dem Streifen das Prädikat „wertvoll“, was ihn als für
den Schulunterricht geeignet ausweist.
Two-Step-Communication
„Mörderischer
Frieden“ ist - ebenso wie der jüngste SWR-Kriegsfilm „Willkommen zu
Hause“ - ein klassisches Beispiel für die Wirkungsweise der von
PR-Experten entwickelten „Two-Step-Communication“: Propaganda wird
nicht vom Urheber, sondern von einer vermeintlich unabhängigen und
neutralen Instanz lanciert und erweckt dadurch den Anschein der
Objektivität.
[1]
s. dazu Es begann mit einer Lüge
[2] „Gut und Böse auf beiden Seiten“; www.bundeswehr.de
26.11.2007
[3] Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs im
Bundesverteidigungsministerium, Thomas Kossendey, an Ulla Jelpke (MdB)
vom 10.12.2007
[4] s. dazu Filmrezension: Gesteuerte Demokratie
[5] Biographie Rudolf Schweiger; www.kaleidoskop-film.de
[6], [7] Presseheft „Mörderischer Frieden“ (Movienet Film GmbH)
[8] Mörderischer Frieden; www.presse-partner.de
[9] s. dazu Aufklärung, Formierung, Girls' Day, Zielgruppengerecht, Migranten an die Front und Kindgerecht
[10] Jugendoffizier der Bundeswehr zu Besuch am Gymnasium Sonthofen;
www.gymnasium-sonthofen.de
[11] s. dazu Willkommen im Krieg und Presse-KSK |