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Der
libysche Volksaufstand gegen Gaddafi und die
NATO-Invasion
GADDAFI
IST KEIN ANTIIMPERIALIST
von
Susana Khalil
Caracas,
25. Februar 2011, Tribuna Popular (auf Kommunisten-online vom 28.
Februar 2011) –
VERWIRRUNGEN
UND KLARHEITEN
Unter
den medialen Verwirrungen zur gegenwärtigen Lage in Libyen gibt es
Elemente einfacher Klarheit:
1.
Muammar Gaddafi ist heute ein Diktator und kein Revolutionär.
Darüber hinaus ist er ein Verräter, der in Vergangenheit die Fahne des
Pan-Arabismus, des Sozialismus, der Demokratie und die Fahne des
Antiimperialismus hochhielt, aber dann in den 90er Jahren davon abkam,
um sich den US-imperialen Interessen zu unterwerfen.
Nach
der Hinrichtung von Saddam Hussein fühlte sich Gaddafi bedroht. Und als
guter Parasit in einer Machtposition verbündete er sich mit dem
US-Imperium. Die Anweisung hieß, alles zu privatisieren, sich der
Vorherrschaft der zionistischen (…)neuen Weltordnung auszuliefern.
Sein
Sohn Saif al Islam als sein Nachfolger argumentiert, dass die
Modernisierung Libyens durch die Privatisierung der Bodenschätze des
Landes erfolgt. Privatisierung, um mit Hilfe des US-Imperiums für immer
auf dem Thron zu bleiben.
Dies
schließt auch ein, Komplize im Antiterrorkrieg zu sein, sich zum
Informanten und zur Kröte zu machen, die vorhandenen Datenbasen über
Revolutionäre von der PLO, IRA, ETA usw. auszuliefern. Im arabischen
Volk der Palästinenser und Jordanier ist es unter den polisch aktiven
Menschen sehr bekannt, dass Muammar Gaddafi über den Verbleib des
venezolanischen Genossen Carlos Ramírez Iljitsch berichtete, welcher
seit Jahrzehnten bis heute im Gefängnis in Frankreich politisch
inhaftiert ist.
In
meiner Vorstellungskraft sehe ich die Armenviertel dabei, das Schwert
des Befreiers zu retten, damit Gaddafi mit einer großen Umarmung nicht
zur Schlüsselfigur des Dolchstoßes gegen Chávez wird.
2.
Es gibt schon einen Volksaufstand in der arabischen Welt, weil
die Völker dort unter blutigen und von den USA und dem Zionismus geschützten
reaktionären Diktaturen leben. Diese Prätorianergarde arabischer
Diktaturen sind eine Art Metapher des Groß-Israel. Die arabischen
Massen stehen auf und sind hungrig nach Veränderung.
Und
wir müssen uns an sie heften, damit diese Rebellion in revolutionäre
Veränderungen mündet. Diese Volksaufstände haben einen wichtigen
Domino-Effekt, welcher alle arabischen Diktaturen stürzen kann und am
Ende sogar die am meisten prostituierte islamische arabische Diktatur
von Saudi-Arabien erfassen kann.
DER
ARABISCHE VOLKSAUFSTAND
Wir
sollten nicht den Zug der Geschichte verpassen. Dies ist ein
Geschichtssprung. Und ich meine, dass wir alle eine Verabredung mit der
Geschichte haben. Wir dürfen nicht in Manichäismus** verfallen, dass
hinter dem Geschehen in Ägypten, Tunesien und Libyen die Planungen aus
den Laboratorien des US-Imperiums stecken würden. Dies hieße, den
historischen Wert der Volksaufstände zu unterschätzen. Klar! Das
US-Imperium wird natürlich Nutzen aus der Lage ziehen und sie unter
seine Fittiche nehmen wollen.
Der
Kampf ist hart. Welcher Plan ist nun unser Plan zu dieser Zeit, der Plan
der linksgerichteten Kräfte, der die Welt verändern wollenden Kräfte
und der fortschrittlichen Regierungen? Wir lassen diese verletzten,
gedemütigten, ausgehungerten, diskriminierten, verteufelten, unterdrückten
Völker nicht allein. Der Kampf wird weltweit geführt.
Diese
Volksaufstände sollen ideologiefrei sein ... verflucht! Abgesehen vom
Hunger sollen sie marxistische oder neo-gramscistische Professoren sein.
Wie
bequem wir es uns doch machen! Wir wollen die Revolution mit dem vollständigen
Menü a la carte, genau wie im Restaurant! Das ist intellektuelle
Dummheit. Es liegt an uns Männern und Frauen, diese Volksaufstände zu
ideologisieren.
Aber
in einem Punkt können wir sicher sein: diese Revolutionen sind geladen
vom Panarabismus, vom Antiimperialismus und vom Antizionismus. Und das
ist doch nicht wenig.
Es
gibt einen arabischen Volksaufstand. Der Ruf an uns heißt, diese
Volksaufstände zu unterstützen. Und der Fall Libyen ist kein Konstrukt
des US-Imperiums und des Zionismus! Das ist eine wirkliche
Volksrevolution. Sie ist gerecht, würdig eines Volkes, welches gegen
einen Tyrannen rebelliert. Und wir sollten uns im klaren sein, dass
Gaddafi ein falscher Antiimperialist ist.
Dass
nun auf dem Weg dieser Entwicklungen alle Arten von störenden Agenten
diese Aufstandsbewegungen unterwandern, ist doch nicht neu.
Dass
die Armutsausmaße in Libyen nicht so schlimm sind wie in Ägypten, ist
kein Argument, um am sozialen Aufschrei des libyschen Volkes zu
zweifeln.
Logischerweise
sind nicht alle Szenarien gleich. Sie können nicht gleich sein. Da
existieren eigene Merkmale. Wir sind keine monolithischen Völker. Aber
der Aufschrei nach Veränderung ist unterschwellig vorhanden. Und wir müssen
ihm durch unsere Massenarbeit eine sozialistische Richtung geben, denn
dies ist eine goldene Gelegenheit dazu.
Für
uns linksgerichtete Kräfte ist es nicht konsequent, die agyptische und
tunesische Rebellion zu verinnerlichen und den Volksaufstand Libyens
herabzuwürdigen. Dies hieße, dass einige Diktaturen fallen sollen und
andere nicht.
Die
Solidarität gebührt meinem libyschen arabischen Volk und nicht dem
falschen Antiimperialisten, welcher einst die palästinensischen Flüchtlinge
1995 aus Libyen auswies. Wochenlang waren sie in Zelten zwischen der
Grenze Lybiens und Ägyptens verblieben oder harrten in anderen Fällen
in internationalen Gewässern aus, denn niemand wollte sie aufnehmen und
so mußten sie nach Libyen zurückkehren. Ohne jetzt vergessen zu
wollen, dass Gaddafi anfänglich gewaltig was für die palästinensische
Sache leistete.
MILITÄRISCHE
INTERVENTION AUS DEM AUSLAND
WIR
KÖNNEN NÜTZLICHE IDIOTEN SEIN
Die
deutliche Gefahr des Volksaufstandes im Fall Libyens besteht darin, dass
die Kräfte des US-Imperiums die Gelegenheit als perfekt ansehen, um über
das begehrte libysche Erdöl herzufallen und das Wesen des
Volksaufstandes verloren gehen würde, indem der Volksaufstand dann in
einen Kampf zwischen Gaddafi und den US-imperialen Kräften übergehen würde.
Ein
Bürgerkrieg steht vor den Toren dieses Aufstands, vermeidbar nur durch
einen Rücktritt von Gaddafi. Obwohl ein Bürgerkrieg für die USA bei
ihrem Plan für den Mittleren Osten von Nutzen ist, d.h. dem Zerstückeln
der territorialen Unantastbarkeit dienlich wäre, wie sie es in Irak zu
tun bestrebt sind und bereits in Sudan zur Tatsache werden ließen. Und
Libyen ist eine verlockende Perle mit seiner großen territorialen
Ausdehnung, reich an leichtem Erdöl und in einer ausgezeichneten Lage
am Mittelmeer.
LIBYENS
KAMPF RICHTET SICH GEGEN ZWEI GEGNER:
GADDAFI
UND DIE AUSLÄNDISCHE INVASION
Für
das libysche Volk hat sich die Situation schon mal festgefahren. Denn es
muß gegen Gaddafi und gegen die militärische Invasion ankämpfen.
Gaddafi wird seinen Nichtrücktritt rechtfertigen, indem er die ausländische
Invasion als Zuflucht nimmt. Ihrerseits will die ausländische Invasion
das libysche Volk spalten.
VON
MENSCHENRECHTEN FASELNDE KANNIBALEN
Diese
euro-amerikanische militärische Invasion gegen Libyen zwecks Einnahme
seines Erdöls und Aufteilung seines Territoriums muß von einer überzeugenden
Lüge begleitet werden. Im Fall von Irak diente dafür die Sicherheit,
die Angst vor Massenvernichtungswaffen. Aber jetzt wird an die Charta
der Menschenrechte appelliert, auf Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen
die Menschlichkeit verwiesen. Aber dieses Gefasel kann nur vorübergehend
wirken. Es gibt keine spezifischen Bilder mit Bombardements. So dass
dies alles eine große Erfindung sein kann.
Jetzt
sehen wir, wie sich der gesamte Apparat im Fall Libyens bewegt. Aber
wegen des wirklichen Kannibalismus in Afghanistan, Irak, Palästina, dem
Libanon gibt es keinerlei Aktionen. Das ist nichts weiter als der Bruch
der internationalen Politik und pure Mafia.
EIN
AUFRUF IN VENEZUELA
Der
bedauerliche Fakt einer militärischen Invasion in Libyen ist kein Grund
dafür, sich mit dem Usurpator Gaddafi zu verbünden und zugleich das
Wesen der Rebellion als Volksaufstand und Teil der arabischen Volksaufstände
zu bestreiten.
Diese
Rebellionen sind der Weg zur Befreiung von Palästina. Und zwar von der
Basis in den Völkern aus. Nicht vom Hängen an einer Person.
Anmerkungen:
**
http://de.wikipedia.org/wiki/Manich%C3%A4ismus
Hervorhebungen
der Zwischenüberschriften durch die Redaktion.
Quelle:
http://www.tribuna-popular.org/
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